Author

Claus Hintennach

Browsing

Ehrenamtliche haben rund um Denkendorf Spazierwege vor allem für ältere Menschen zusammengestellt. Die Touren werden nun in der Praxis erprobt, Verbesserungsvorschläge sind erwünscht.

Mobil sein ist gerade im Alter wichtig. Abwechslungsreiche Spaziergänge, bei denen es auch etwas zu sehen gibt, locken zum Rausgehen in die Natur. Deshalb hat eine Gruppe von acht spazierfreudigen Denkendorfer Bürgern ehrenamtlich zwölf kurze und barrierearme Spazierstrecken auf Denkendorfer Gebiet zusammengestellt – schöne Aussichten inklusive. Diese Wege gehen nun in den Praxistest.
Alle zwei Wochen wird eine Route im Gemeindeanzeiger vorgestellt. Es gibt neben dem Streckenverlauf unter anderem Informationen über Länge, Steigungen oder Bodenbeschaffenheit. Kann man dort auch mit dem Rollator, dem Rollstuhl oder dem Kinderwagen unterwegs sein? Wo gibt es eine schöne Aussicht und Bänke zum Rasten? Außerdem sind Möglichkeiten vermerkt, unterwegs einzukehren, und ebenso die Standorte der „Netten Bürgertoiletten“, einem Netz aus öffentlich zugänglichen Toiletten. Zudem wird gezeigt, wo eine Anbindung an den Bürgerbus besteht. Dieser kann Spaziergänger bei einigen Strecken zum Start bringen oder am Ziel aufnehmen.
Die Bürgerinnen und Bürger sind nun dazu aufgerufen, die Wege alleine oder auch in Gemeinschaft abzugehen. Rückmeldungen an die Koordinierungsstelle Älterwerden sind erwünscht.
Zum Auftakt machte sich eine Gruppe von rund 20 Seniorinnen und Senioren gemeinsam mit dem Bürgermeister Ralf Barth, Maria Sommer, der Leiterin der Koordinierungsstelle Älterwerden, sowie Renate und Karl-Heinz Gattner vom Ehrenamtsteam auf Erkundungstour. „Von Bänkle zu Bänkle“, so das Motto. Und Möglichkeiten, sich auszuruhen oder sich einfach nur für ein Schwätzchen niederzulassen, gab es angesichts von mehr als sechs Bänken auf der rund 1,5 Kilometer langen Strecke reichlich. „Das ist wieder ein kleiner Meilenstein der Quartiersentwicklung“, sagte Barth. Deren Ziel ist es, älteren Menschen zu erlauben, möglichst lange selbstbestimmt und sozial eingebunden leben zu können.
Draußen zu sein und sich zu bewegen, sei gesund für Körper und Geist, betont Sommer. Die genaue Beschreibung und die eher einfach zu bewältigenden Wege sollen auch diejenigen ins Freie locken, die sich vielleicht nicht mehr so recht trauen, erklärt sie. Die Strecke führt von der Bürgerbushaltestelle am Martin-Luther-Haus in Richtung Alter Eichwald, vorbei an einem Tümpel und leicht bergab, bevor es wieder in Richtung Ort geht.

Keine Probleme mit dem Rollator
Der Boden ist, wenn nicht asphaltiert, dann gut befestigt. Edmund Obergfell hat mit seinem Rollator auf dem überwiegend ebenen Weg keine Probleme. Der 90-Jährige freut sich daran, gemeinsam mit anderen an der frischen Luft zu sein.
Der Weg führt auf weiten Strecken durch den Wald. Angenehm angesichts sommerlicher Temperaturen, findet Brigitte Kiessling. Die 79-Jährige ist viel allein draußen unterwegs und genießt nun die Gemeinschaft. „Das könnte man öfter machen“, meint auch Brigitte Skrok (80). Etliche nutzen auch die Gelegenheit für das Gespräch mit dem Bürgermeister. Der hört aufmerksam zu und erfährt auch die eine oder andere Lebensgeschichte.
Nach der Erprobungsphase sollen die Wege in einer Broschüre zusammengefasst und genau beschrieben werden. Es sind vor allem kürzere Wege mit einer Länge von maximal zwei Kilometern, die sich durch Varianten oder Schleifen auch verlängern lassen.

Die Nächsten Touren
11. Juni, 14.30 Uhr:
„Schneckenwegle-Spaziergang“ mit Bewegungseinheit bei der Ludwig-Uhland-Schule und Einkehrmöglichkeit im Café Mayer. Dauer etwa eine Stunde (inklusive Pausen). Treffpunkt ist die Bürgerbushaltestelle Mexi­mieux-Platz. Keine Anmel­­dung erforderlich.
26. Juni, 14 Uhr: „Kleiner Kugelpfadspaziergang“ für Menschen mit und ohne Demenz mit Aktionen des Teams vom Café Begegnung zur guten Stunde und dem Obst- und Gartenbauverein. Einkehrmöglichkeit im Pflegeheim am Kloster. Dauer ein bis 1,5 Stunden. Treffpunkt ist die Bürgerbushaltestelle Maierhof. Anmeldung erbeten bis 19. Juni bei Maria Sommer unter Telefon 07 11/ 34 16 80 39 oder per Mail an m.sommer@denkendorf.de.
Alle Infos zu den Spaziergängen finden sich unter: www. denkendorf.de/leben- wohnen/aelterwerden/ spazierwege
Feedback: Rückmeldungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge zu den Wegen wie auch Fotos von unterwegs nimmt ebenfalls Maria Sommer entgegen.
Quartiersentwicklung: 2022 wurde der Quartiersentwicklungsplan „Älterwerden in Denkendorf gemeinsam gestalten“ als Fortschreibung der Altenhilfeplanung verabschiedet. Seither sind einige Initiativgruppen entstanden, die sich um Aspekte des Zusammenlebens Gedanken machen. 58 Einzelmaßnahmen stehen im Plan. Sie werden nach und nach umgesetzt. (urh)

Nach dem Umbau des Alten Schulhauses dürfte Altbach baulich für die Kinderbetreuung der kommenden Jahre gewappnet sein.

Eine Glaskugel, die den Blick in die Zukunft erlaubt, gibt es auf dem Altbacher Rathaus nicht. Würde es sie geben, wäre vieles einfacher, etwa die Planung der benötigten Betreuungsplätze in den örtlichen Kindertagesstätten. Aber ein Gutachten der Firma Biregio aus Bonn gibt nun wichtige Hinweise, wie sich der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickelt.
Mit der Inbetriebnahme eines kommunalen Kindergartens im Alten Schulhaus kann Altbach trotz eines steigenden Bedarfs wahrscheinlich genügend Plätze anbieten. Christian Hamel stellte das Biregio-Gutachten im Gemeinderat vor. „Sie befinden sich in der Verjüngung“, erklärte er. Zwischen 60 und 80 Geburten erwartet Biregio jährlich. Altbach wachse seit Jahren stärker als der Landesdurchschnitt. Die Gemeinde ist für viele Menschen, die in der Region Stuttgart arbeiten, unter anderem aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage mit einem S-Bahnhof und der nahen Bundesstraße 10 ein beliebter Wohnort.

Steigende Einwohnerzahl
„Die Wegzüge schaffen Sie mehr als auszugleichen“, erklärte Hamel. Ohne Zuzug würde die Gemeinde schrumpfen. Bis zum Jahr 2033 könnte die Einwohnerzahl auf mehr als 6900 steigen. Momentan wohnen laut Statistischem Landesamt rund 6400 Menschen in Altbach. Ein wichtiger Grund für die wachsende Einwohnerzahl sind Neubauprojekte. In den nächsten Jahren könnten unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen neuapostolischen Kirche an der Esslinger Straße viele neue Wohnungen gebaut werden.
Derzeit gibt es vier Kindertagesstätten in der Gemeinde, die insgesamt 309 Plätze anbieten. Im Kindergarten St. Franziskus soll, wenn der Anbau fertig ist, bald eine weitere Gruppe eingerichtet werden. 90 Prozent der angebotenen Plätze sind für Kinder ab einem Alter von drei Jahren. Zehn Prozent der Plätze gibt es für jüngere Kinder im Krippenalter. Ab September 2025 könnten in der Alten Schule bis zu vier Gruppen angeboten werden, die aber nicht sofort alle belegt werden. Die derzeitige Kooperation mit der Einrichtung Himmelblau in Deizisau wird wohl mit der Eröffnung der Kita in der Alten Schule aufgegeben.

Bis zum Jahr 2030 gut aufgestellt
Mindestens bis zum Jahr 2030 sei die Gemeinde damit gut aufgestellt, resümierte Hamel. Danach müsste geschaut werden, wie es weitergeht. Je weiter die Prognose in die Zukunft blickt, desto ungenauer wird sie. Hinzu kommen nicht vorhersehbare Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine. Große Fluchtbewegungen, die für eine rasche Veränderung der Bevölkerungszahl und -struktur sorgen, können in der Prognose nicht berücksichtigt werden.
Die Planer für den neuen gemeindeeigenen Kindergarten in der Alten Schule hoffen, dass der Eröffnungstermin trotz aktueller Verzögerung bei den umfangreichen Sanierungsarbeiten gehalten werden kann. Unter anderem hat sich die Gemeinde kürzlich von ihrem Fachplaner für Heizung, Lüftung und Sanitär getrennt. „Das hat nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben“, erklärt der Architekt Nico Dürr. Ein neuer Planer sei bereits beauftragt. „Wir schauen nach vorne.“
Wie es bei der zeitlichen Planung weitergeht, soll im Juni vorgestellt werden. Derzeit wird noch erörtert, was genau an dem alten Gebäude gemacht werden muss. Unter anderem hat eine Decke für eine Überraschung gesorgt, weil sie umfangreicher als geplant erneuert werden muss. Auch manche Abwasserleitungen sind in einem schlechteren Zustand als angenommen. „Die Leitungen im Bestand sind gar nix mehr. Da müssen wir mehr investieren“, sagt Dürr. Größere Überraschungen sollte das Gebäude, das inzwischen beinahe einem Rohbau ähnelt, aber nicht mehr für die Bauherrn bereithalten. „Aus meiner Sicht kommt da nicht mehr viel“, meint Dürr. Positiv bewertet der Architekt die Preisentwicklung. „Die Holzbaupreise sind wieder auf Vor-Corona-Niveau“, meint er. Auch andere Arbeiten sind wohl günstiger als in der Planung zunächst angenommen. Ob der Umbau insgesamt günstiger wird, muss aber noch abgewartet werden. Derzeit geht die Gemeinde von Kosten in Höhe von mehr als fünf Millionen Euro aus.

Bis zu drei Kindergartengruppen
Personal: 
Eine Herausforderung für die zukünftige Kinderbetreuung in Altbach wird die Suche nach Angestellten in den Einrichtungen sein. Durch den Ausbau der Kinderbetreuung im ganzen Land werden vielerorts Erzieherinnen und Erzieher gesucht.
Betreuungsstätten: Die Kinderbetreuung in Altbach übernehmen aktuell der evangelische Kindergarten Wuselvilla, das evangelische Kinderhaus Vogelgarten und der evangelische Waldkindergarten Waldschnecken. Außerdem gibt es den katholischen Kindergarten St. Franziskus. Darüber hinaus gibt es noch bis September 2025 eine Kooperation mit der Deizisauer Einrichtung Himmelblau, wo Plätze für Kinder aus Altbach angeboten werden.
Alte Schule: Der Umbau des ehemaligen Schulgebäudes zu einem kommunalen Kinderhaus ist eines der größten Bauprojekte der Gemeinde. Ab September 2025 sollen dort bis zu drei Kindergartengruppen und eine Krippengruppe betreut werden können. (bra)

Die Stadt Esslingen übernimmt das Gelände an der Flandernstraße 2026 nach dem Umzug der Hochschule in die Neue Weststadt. Der Kaufpreis muss dann fließen, die Weitervermarktung wird dauern. Die Verzögerung kostet die Stadt einiges Geld. Nun soll die Planung forciert werden.

Händeringend sucht die Stadt Esslingen Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen. Eine Option für einen großen Wurf ist das Hochschulareal an der Flandernstraße. Sobald der dortige Hochschulstandort 2026 in die Neue Weststadt verlegt wird, übernimmt die Kommune das Gelände vom Land. Seit 2016 ist dieser zeitliche Horizont bekannt. Ursprünglich sollten die Bagger anrollen, sobald die Hochschule umgezogen ist. Doch ein realisierbares Konzept fehlt bis heute – auch die Pläne, sich mit diesem Projekt an der Internationalen Bauausstellung (IBA) zu beteiligen, haben sich zerschlagen. Im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats hat die Verwaltung jüngst den Stand der Dinge vorgestellt. Klar wurde, dass eine Vermarktung des Areals angesichts der Situation am Immobilienmarkt deutlich schwieriger und nach aktuellem Stand auch weniger lukrativ geworden ist.
CDU-Fraktionschef Tim Hauser hatte die Debatte mit einem Haushaltsantrag angestoßen: Weil er findet, „dass Projekte dieser Größenordnung mit bis zu 500 Wohneinheiten stärker in den Fokus gerückt werden müssen“, hatte Hauser um Aufklärung gebeten, wie Planungsprozesse so gestaltet werden können, dass sie auch bei zeitlichen Verzögerungen, etwa durch stockende Aktivitäten der Baubranche, fertig in der Schublade liegen. Hausers Kritik: „Wir sind oft Champions League in der Planung und nur Kreisklasse in der Umsetzung.“
Im ATU hat Stadtplanungsamtschef Axel Fricke nun deutlich gemacht, dass es mit einem zeitnahen Baubeginn nach dem Auszug der Hochschule wohl nichts werden wird. Für Anfang 2025 strebt die Verwaltung einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung des neuen Stadtquartiers und zur schrittweisen Vermarktung von Teilflächen an. Die Stadt will ihre städtebauliche Rahmenplanung für dieses Projekt noch 2025 unter Dach und Fach bringen – allerdings werde man danach „nicht gleich loslegen können“, weil die Vermarktung der Flächen herausfordernd werden dürfte.

Die bestehenden Gebäude abreißen?
Immerhin wurden inzwischen wichtige Voruntersuchungen angestellt, die weiter ergänzt werden. Eine zentrale Frage ist noch unbeantwortet: Sollen die bestehenden Gebäude fallen oder ganz oder zumindest teilweise erhalten und neu definiert werden?
Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass das rund 67 000 Quadratmeter große Areal nicht en bloc vermarktet wird, zumal eine abschnittsweise Realisierung „eine detailliertere und vor allem differenziertere Planung, Steuerung und Entwicklung“ ermögliche. Entscheidend sei eine qualitativ hochwertige Planung aus einem Guss. Kniffliger ist, dass sich die Stadt verpflichtet hat, den Kaufpreis von 23 Millionen Euro innerhalb von drei Wochen nach dem Auszug der Hochschule zu begleichen.
Da das Geld an das Land fließen muss, eine Refinanzierung durch Weiterverkauf jedoch auf sich warten lässt, muss die Stadt den Kaufpreis vermutlich 2026 und 2027 zwischenfinanzieren, was den städtischen Haushalt erheblich belasten wird – ein sehr hoher sechsstelliger Zinsbetrag pro Jahr gilt als nicht unrealistisch. Derzeit ist das Projekt weder im Doppelhaushalt noch in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt finanziert. Deshalb müsse „die haushaltsrechtliche Grundlage für den Eintritt der Stadt in den Vertrag und die abschnittsweise Vermarktung über einen Nachtragshaushalt 2025 hergestellt werden“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Darüber, welche Preise später am Immobilienmarkt zu erzielen sind, kann aktuell nur spekuliert werden. Die Stadt hofft auf steigende Preise, der Verkauf soll nicht übers Knie gebrochen werden.
Im ATU betonte Carmen Tittel (Grüne) die große Bedeutung des Areals für die gesamte Stadt. Sie empfahl, das Gelände in eigener Hand zu behalten. Tittel plädiert für einen Erhalt der Gebäude, allerdings bereitet ihr eine mögliche PCB-Belastung Sorgen. Heidi Bär (SPD) bedauerte, dass der Bericht der Verwaltung so lange auf sich warten ließ. Auch ihr gefällt der Gedanke, dass die Stadt dort selbst baut. Wichtig sei, dort möglichst viel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) monierte: „Seit 2016 wurde nicht viel gemacht.“ Nun werde der Verkauf immer schwieriger. Die Hoffnung auf sinkende Baupreise teilt Scharpf nicht. Karin Pflüger (CDU) schrieb der Stadt nochmals ins Stammbuch, sie möge „einen Zahn zulegen“. Und Johanna Renz (Linke) favorisiert ebenfalls eine Bebauung des Geländes unter städtischer Regie. Ulrich Fehrlen (FDP) meinte indes augenzwinkernd: „In zehn oder fünfzehn Jahren wird es sich zeigen, wer das bessere Geschäft gemacht hat – das Land oder wir.“ Für OB Klopfer ist klar: „Beide werden Gewinner sein.“ (adi)

Vom Brunnenplatz bis zu Verkehrsalternativen: Der Gemeinderat hat das groß angelegte Entwicklungskonzept für Reichenbach sehr positiv aufgenommen. Welches sind die Überlegungen mit Blick auf die Zukunft – und wie geht es nun konkret weiter?

Mehr als 130 Seiten Papier, allein für einen Tagesordnungspunkt – das hatten die Reichenbacher Ratsmitglieder jüngst auf dem Tisch. Und das Gemeindeentwicklungskonzept ist nicht nur umfangreich, sondern auch gehaltvoll. „Es sind viele gute Ideen drin, teilweise auch sehr gute“, sagte Alexander Hottenroth (FW) nach der Präsentation. Er sei gespannt, was tatsächlich umgesetzt wird. Viel Potenzial sahen auch die Vertreter der anderen Fraktionen; die Vorarbeiten hätten sich gelohnt, meinte Matthias Weigert (Grüne).
Das Konzept ist das Ergebnis eines breit angelegten Prozesses, bei dem die Gemeinde die Bürgerinnen und Bürger auf ganz verschiedene Weise eingebunden hat: eine Auftaktveranstaltung, eine digitale Beteiligungsplattform und eine Umfrage gehörten dazu. Für Jugendliche wurde ein separater Abend organisiert, Kinder konnten bei einem Malwettbewerb ihre Vision für Reichenbach skizzieren. Am Ende stehen nun fünf Handlungsfelder und viele Vorschläge – nicht in Stein gemeißelt, sondern als Denkanstöße, wie Jessica Auch von Baldauf Architekten und Stadtplaner, die den Prozess begleitet haben, betonte.
Da geht es darum, Quartiere, Gewerbeflächen und Verkehrsmittel zu entwickeln, die Reichenbacher Identität „am Wasser“ zu stärken, den Einzelhandel zu fördern oder sich auf den Klimawandel vorzubereiten. Die Planer haben dabei „Lupen“ auf einzelne Projekte gerichtet und diese schon etwas vertieft: So zeigen sie zwei Entwürfe fürs Starmixareal, das zum Wohnquartier werden soll. Sie machen Vorschläge für die Neugestaltung des Brunnenplatzes, wenn die Baustelle dort beendet ist, oder für die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt Stuttgarter Straße. Das alles sind Ideen, die zwar schon lange im Raum stehen, aber im Rahmen des Konzepts ein Gesicht bekommen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Mobilität, bei der naturgemäß einiges in Bewegung ist. Fabian Gierl vom Projektentwickler Drees & Sommer sieht gute Chancen für eine weitere Zunahme des Radverkehrs, weil mit Elektro-Rädern auch die Hanglagen der Gemeinde zu erreichen sind. Einen eher kritischen Blick warf er auf den Ortsbus, auf dessen Taktung die Gemeinde eigentlich stolz ist. Das sei zwar ein tolles Angebot, es werde aber nicht gut genug angenommen, meinte Gierl, der an dieser Stelle einen „On-Demand-Shuttle“ für das bessere Modell hält – also eine Art modernes Ruftaxi, das zumindest in Randzeiten die großen Busse durch kleinere Fahrzeuge ersetzt. Für weniger digitalisierte Menschen hat dieses Modell jedoch Hürden, wie auch die meisten Carsharing-Systeme.

Sichere Rad- und Fußwege
Im Bereich des Park-and-Ride-Platzes jenseits des Bahnhofs könnten sich die Planer einen „Mobilitäts-Hub“ vorstellen mit Radstellplätzen, E-Ladesäulen oder auch Carsharing. Sichere Rad- und Fußwege sind ebenfalls Mobilitätsthemen. „Was wir hinbekommen müssen, ist die Entflechtung der Verkehre, sodass alle Verkehrsteilnehmer ihre Räume haben, wo sie sich sicher fühlen“, sagte Gierl. Dabei müsse man gerade bei Fuß- und Radwegen „auf jeden Meter achten“, was Rudi Munz (SPD) bestätigte: Teilweise habe man schlicht Angst, wenn man in Reichenbach mit dem Rad fahre.
Das Auto und ausreichend Parkplätze werden von den Fachplanern aber keineswegs verteufelt. Man dürfe „nicht das Ruder komplett herumreißen“, sondern müsse alternative Wege und deren Vorteile aufzeigen, betonte Gierl.
Sabine Fohler (SPD) stellte fest, dass die Gemeinde sich bei vielen der angesprochenen Themen schon auf den Weg gemacht habe. Für Thorsten Höger (FW) war wichtig, dass man die Leitsätze und Ziele des Konzeptes im Blick behalte: Der Gemeinderat müsse bei jeder einzelnen Entscheidung überprüfen, ob sie mit diesen im Einklang stehe. Erwin Hees (CDU) freute sich darüber, dass der ganze Prozess „miteinander und nicht fraktionsweise“ abgelaufen sei. Einhellig hat das Gremium den Abschlussberichten zum Gemeindeentwicklungs- und Mobilitätskonzept zugestimmt. Den Bürgerinnen und Bürgern sollen die Ergebnisse bei einer Abschlussveranstaltung am 3. Juli vorgestellt werden.

Was den Bürgern wichtig ist
Bürgerbeteiligung:
Wenn Bürgerinnen und Bürger Prioritäten benennen, werden unter anderem folgende Punkte genannt: eine attraktive, alternative Mobilität; die Unterstützung von Gewerbetreibenden; mehr Aufenthaltsqualität; ein moderater Zuzug; die Aufwertung und Zugänglichkeit der Gewässer; aktive Anpassungen an den Klimawandel; weitere Angebote für alle Altersgruppen und ein attraktiverer Freizeit-Tourismus.
Mobilität: Die Mobilität soll auf kurzen Wegen in der Gemeinde und in der Region funktionieren, die Lebensqualität verbessern, so der Wunsch. Dabei soll die Mobilität vielfältig, ökologisch und vernetzt sein.  (aia)

Die Stadt Esslingen strebt einen voll elektrischen Busverkehr an. Die neuen Elektrohybridbusse dafür hat sie bei der Firma van Hool bestellt. Jetzt ist van Hool insolvent – was das für den Esslinger Busverkehr bedeutet, ist noch völlig unklar.

Eigentlich will man in Esslingen Tempo machen bei der Verkehrswende. Man spricht hier gern von einer Vorreiterrolle beim Umstieg auf Elektrobusse. Doch gerade beim Busverkehr war Esslingen in den vergangenen Jahren eher im Schlingerkurs unterwegs. Jetzt sieht es so aus, als würde die Stadt beim öffentlichen Nahverkehr erneut ausgebremst: Der Bushersteller van Hool, bei dem sie ihre neuen Elektrohybridbusse bestellt hat, ist insolvent.
Was das genau bedeutet für die geplante Umstellung auf einen komplett elektromobilen Busverkehr in Esslingen, ist noch unklar. Die Stadt hat für 50 Millionen Euro 46 Elektrohybridbusse bei van Hool bestellt. Ob diese angesichts der Insolvenz des Herstellers noch produziert werden können und wenn ja wann, kann man im Rathaus nicht sagen.
Im besten Fall könnten die Busse wie geplant geliefert werden – immerhin stehe eine Übernahme oder ein Kauf des insolventen Unternehmens im Raum, sagt Johannes Müller, Technischer Werkleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE). „Im schlechtesten Fall bedeutet die Insolvenz von van Hool, dass die Busse nicht geliefert werden können und neu ausgeschrieben werden müsste“, so Johannes Müller.
Daher ist auch unklar, ob die Zuschüsse des Bundes in Höhe von rund 27,4 Millionen Euro überhaupt wie erwartet fließen können. Bislang wurden lediglich 4,1 Millionen Euro davon an die Stadt ausbezahlt. Ob der Bund bei einer längerfristigen Verschiebung der Lieferung die Fördermittel weiter voll bereitstelle, entscheide das Bundesverkehrsministerium, sagt Müller. „Nach unserer Einschätzung hängt dies stark von der Länge der Verschiebung ab.“
Ohnehin hinkt die Stadt beim Busverkehr ihren eigenen Ambitionen hinterher. Ursprünglich sollte die Umstellung auf 100 Prozent Elektrohybridbusse mit Batterie in diesem Jahr abgeschlossen werden. Weil man noch auf die Entscheidung des Bundes über die Fördergelder warten musste, wurde der Starttermin für die voll elektrische Busflotte aber bereits 2022 auf das Jahr 2025 verschoben. Laut Müller läuft der Ausbau der Oberleitungen in der Stadt zwar nach Plan, bislang ist jedoch noch kein einziger der 46 neuen E-Busse geliefert worden.

Zahlreiche Turbulenzen
Jetzt sieht es so aus, als könnte auch das anvisierte Ziel einer Umstellung im kommenden Jahr wackeln. Diese erneute Panne reiht sich ein in zahlreiche Turbulenzen im Esslinger Busverkehr in den vergangenen Jahren. Schon als die Linienbündel vor einigen Jahren erstmals europaweit ausgeschrieben werden mussten, war der Unmut in der ehemaligen Reichsstadt groß.
Denn statt der alteingesessenen Busunternehmen Fischle, Schlienz und Schefenacker, die jahrzehntelang zusammen mit dem SVE den örtlichen Busverkehr bedient hatten, bekam die Calwer Firma Rexer als wirtschaftlich günstigste Bieterin den Zuschlag. Sie war fortan für ein Drittel des Esslinger Busverkehrs zuständig. Doch kaum hatte Rexer das Steuer übernommen, hagelte es Beschwerden – über unfreundliche Busfahrer, die die Routen nicht kannten und zum Teil der deutschen Sprache nicht mächtig waren, über zu lange Anfahrten vom Betriebshof im Kreis Göppingen nach Esslingen oder über Leerfahrten bis zum Dulkhäusle, wo die Busse dann wendeten. Nachdem Rexer im Sommer vor fünf Jahren auch noch Insolvenz anmelden musste, folgte im Jahr darauf der endgültige Rückzug aus Esslingen.
Das Hickhack war jedoch auch damit noch nicht beendet. Denn während Grüne, SPD, Linke und FÜR daraufhin für einen Busverkehr komplett in städtischer Hand kämpften, hätte das bürgerliche Lager lieber die bis dato übliche Einteilung von rund 70 Prozent städtischen und 30 Prozent privaten Buslinien beibehalten. Mit hauchdünner Mehrheit setzten sich die Befürworter der rein städtischen Lösung durch, die zugleich eine Umstellung auf hundert Prozent Elektromobilität im Busverkehr beinhaltete. Wann diese kommt, ist angesichts der neuen Turbulenzen jetzt aber wieder unklar.

Ausbau des elektromobilen Busverkehrs
Oberleitungen: In vier Abschnitten sollen die Oberleitungen in Esslingen ausgebaut werden, um künftig einen vollelektrischen Busverkehr zu ermöglichen. Derzeit wird der Streckenabschnitt in der Pliensauvorstadt gebaut, es folgen Oberleitungen auf dem Zollberg, im Esslinger Norden und am Altstadtring.
Busse: 2016 kam erstmals ein Batterie-Oberleitungsbus in Esslingen zum Einsatz. Inzwischen sind insgesamt zehn Oberleitungsbusse in der Stadt unterwegs. Die Flotte soll künftig um 46 Elektrohybrid-Fahrzeuge aufgestockt werden, die nach und nach die Dieselbusse ersetzen sollen. (meb)

Plochingen lehnt weiter kategorisch ab, dass die Route für den geplanten Radschnellweg durch den Bruckenwasen verläuft. Die Kommune macht sich beim Land noch einmal für die Alternativtrasse stark.

Wir übernehmen für euch einen Teil der Planung, dafür befasst ihr euch zeitnah mit unserem Vorschlag: So lautet, stark vereinfacht, ein Appell der Stadt Plochingen ans Stuttgarter Regierungspräsidium. Sie will damit die Planungen für den Radschnellweg RS4 beschleunigen, denn das Tauziehen um dessen Trasse dauert schon eine ganze Weile und steht auch der Weiterentwicklung des westlichen Filsgebiets im Weg.
Das steht immerhin schon fest: Der Radweg wird auf der nördlichen Seite der Fils von Reichenbach herkommen und ungefähr bei der Fahrschule Hartmann, unter der B-10-Brücke, das Ufer wechseln. Dafür wird eine neue Brücke gebaut – eigentlich eine Fahrradbrücke, allerdings hatte man nun die Idee, diese Brücke solider und tragfähiger herzustellen als für den reinen Radverkehr nötig. Damit könnte sie als zeitweilige Zufahrt ins Filsgebiet dienen, während die bestehende Filsbrücke weiter flussabwärts abgebrochen und neu gebaut wird. Die Stadt müsste die Kosten für den höheren Standard übernehmen, sie würde sich aber gleichzeitig eine Behelfsbrücke während der Bauzeit der Kfz-Brücke sparen. Nach deren Fertigstellung würde die Radlerbrücke für den motorisierten Verkehr gesperrt, sie könnte aber in Notlagen weiterhin als zweite Zufahrt dienen.
Dieses Vorgehen ist bereits mit dem Regierungspräsidium besprochen, das eine entsprechende Vereinbarung aufgesetzt hat. Der Plochinger Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt (ABTU) hat ihr kürzlich zugestimmt. Der Gemeinderat muss wegen der Kostenhöhe ebenfalls noch zustimmen, womit man aber rechnen kann.

Eine zusätzliche Unterführung wäre nötig
Im ABTU wurde noch eine zweite Vereinbarung diskutiert und befürwortet, mit der Plochingen die verfahrene Diskussion um die Trasse des Radschnellwegs im Bereich Bruckenwasen voranbringen möchte. Denn an dieser Stelle klemmt die Planung schon seit geraumer Zeit: Das Land favorisiert einen Verlauf durch die bestehende Bahnunterführung beim Obst- und Gartenbauverein und dann weiter durch den Bruckenwasen zur Kläranlage. Dafür müsste ein Schotterweg auf gut 200 Metern als Radschnellwegstandard ausgebaut werden. Die Stadt wehrt sich vehement gegen diese Pläne im belebten Landschaftspark. Von den Alternativvorschlägen, die sie gemacht hat, ist nur noch einer im Rennen: eine Trasse, die etwa 150 Meter südlich der Unterführung auf die Bahnlinie trifft. Dort müsste, zwischen Kläranlage und Bruckenwasen, eine zusätzliche Unterführung gebaut werden, die dann weiter zur bereits geplanten neuen Neckarquerung für Radler führen würde.
Die Stadt Plochingen bietet dem Land nun an, die Planung dieser neuen Unterführung auf eigene Kosten in die Hand zu nehmen und damit dem Regierungspräsidium eine Grundlage für einen Variantenvergleich zur Verfügung zu stellen. Damit wolle Plochingen einen konstruktiven Beitrag leisten und erreichen, dass „diese Lösung und eine Durchfahrt durch den Bruckenwasen zunächst gleichrangig“ betrachtet würden, erklärt Bürgermeister Frank Buß. Ebenso erhofft man sich mehr Tempo, um auch den Verlauf des Radschnellwegs im Filsgebiet, zwischen den beiden feststehenden Anknüpfungspunkten, planen zu können. Schließlich entwickelt die Stadt dort derzeit ein Sanierungsgebiet.
Reiner Nußbaum (CDU) sprach davon, dass man mit der Vereinbarung „die Befürchtungen und Probleme minimieren“ wolle. Er äußerte aber auch die Erwartung, dass die Variante Bruckenwasen abgehakt werde. Als keine Ideallösung, aber „einigermaßen vertretbar“ stufte Joachim Hahn (SPD) das Vorgehen ein, man müsse „konstruktiv auf das Regierungspräsidium zugehen“.

Planungskosten könnten am Ende verloren sein
Auch Lorenz Moser (OGL) erhoffte sich, „dass ein bisschen Bewegung in die Sache kommt“. Bedenken gab’s allerdings auch, so hätte Ralf Schmidgall (CDU) an sich nichts gegen die Übernahme der Planungskosten, aber erst, wenn schon feststehe, dass die Unterführung tatsächlich gebaut werde. „Wenn wir nichts machen, sind wir in einem Jahr so weit wie jetzt“, befürchtete dagegen der Bürgermeister. Der Ausschuss beschloss schließlich mehrheitlich, der Vereinbarung zuzustimmen, trotz des Risikos, dass die Planungskosten am Ende verloren sind.
Begleitet wird die Vereinbarung von einem Schreiben, das von CDU, SPD und OGL verfasst ist. Die Fraktionen bekräftigen, dass der Bruckenwasen für sie tabu bleibt und appellieren an Verkehrsminister Winfried Hermann und die Landtagsabgeordneten des Wahlbezirks, die Alternativroute mit der neuen Unterführung zu unterstützen. (aia)

Bis zum Stadtjubiläum 2027 möchte Esslingen den zentralen Ort im Herzen der Altstadt neu gestalten. Erste Pläne liegen inzwischen vor, Gemeinderat und Verwaltung drücken nun aufs Tempo. Parkplätze sollen das malerische Bild in Zukunft nicht mehr trüben.

Die Häuserkulisse stimmt, gestalterisch ist aber noch viel Luft nach oben: Seit Jahrzehnten wird in Esslingen über eine Aufwertung des Marktplatzes gesprochen – der entscheidende Schritt ist bislang nie gelungen. Nun wollen Gemeinderat und Stadtverwaltung keine weitere Zeit verlieren – die jüngsten Überlegungen wurden im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats vorgestellt. Bis zur 1250-Jahr-Feier der Stadt soll möglichst alles fertig sein. Ziel ist eine attraktive Mitte, die vielfältige Möglichkeiten für eine lebendige Stadt bietet. Parkende Autos sollen das Bild nicht länger stören, mehr Bäume, mehr Wasser und gezielte Beleuchtungseffekte sollen optische Akzente setzen.
OB Matthias Klopfer will die Neugestaltung des Marktplatzes rasch voranbringen: „Der Platz hat es verdient.“ Baubürgermeister Hans-Georg Sigel verwies auf die einzigartige Bedeutung für die Stadt und ihr Stadtbild, der der Marktplatz bislang aber nicht gerecht werde. Dass man auch im Gemeinderat dringenden Handlungsbedarf sieht, hatten Grüne, SPD und Freie Wähler mit Haushaltsanträgen unterstrichen. Bis zum Stadtjubiläum 2027 fertig zu sein, empfindet Sigel als „sehr sportliches Ziel“, das nur bei „stringenter Projektdurchführung“ zu erreichen sei. Der Platz soll auch künftig vielfältigen Anforderungen gerecht werden – als Wochenmarkt-Standort, Veranstaltungs- und Gastrofläche und als attraktiver öffentlicher Ort. Zudem gelte es, Aspekte des Denkmal- und des Klimaschutzes im Blick zu behalten. Die 3,2 Millionen Euro, die dafür im Haushalt eingeplant sind, werden für all das kaum ausreichen – die Stadt hofft auf Fördergelder.

Ämterübergreifende Arbeitsgruppe
Um das Projekt voranzubringen, hat die Verwaltung eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet. Projektleiterin Yvonne Bast-Schöning vom Stadtplanungsamt verwies darauf, dass der Marktplatz nicht nur isoliert gesehen werden darf, sondern dass auch die umliegenden Bereiche berücksichtigt werden müssen.
Dass sich ansprechende Gestaltung und Funktionalität in Einklang bringen lassen, machte Michael Höger mit ersten Skizzen deutlich. Der frühere Leiter der Abteilung Planung, Bau und Sanierung im Grünflächenamt hatte sich im Auftrag der Stadt konzeptionelle Gedanken gemacht. Auch für ihn ist klar: „Der Marktplatz muss autofrei sein, wenn wir eine neue Qualität entwickeln wollen.“ Der Platz müsse Teil eines Ganzen sein, das sich wie ein Puzzle zusammenfügt.
Angesichts der „unglaublichen historischen Kulisse“ gelte es, getreu dem Motto „weniger ist mehr“, nur ganz gezielt einzelne gestalterische Akzente zu setzen. Mehr Aufenthaltsqualität und Sitzmöglichkeiten regt Höger an, mehr Grün und Schatten durch einige zusätzliche Bäume, ein zurückhaltend gestaltetes Wasserfontänenfeld, das außerhalb von Märkten und Veranstaltungen klimafreundlich wirkt. Anstelle der in die Jahre gekommenen Asphaltdecke empfiehlt Höger barrierefreies Großpflaster. Eine Illumination der beiden Kirchen und der Rathäuser könnte ebenso Attraktivität schaffen wie Lichteffekte, die an das ehemalige Katharinenhospital erinnern, das einst an dieser Stelle stand. Der angrenzende Hof der Waisenhofschule soll als Spiel- und Rückzugsraum für Kinder und Jugendliche in das Gesamtkonzept integriert werden.
Im ATU fanden die Überlegungen der Verwaltung viel Beifall. Carmen Tittel (Grüne) befand: „Wenn das so kommt, hat die Stadt unglaublich gewonnen.“ Sie begrüßte vor allem die Überlegungen für eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Gestaltung der Abt-Fulrad-Straße. Zustimmung gab’s auch von Andreas Koch (SPD), dem an einer Beteiligung der direkt Betroffenen gelegen ist. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) bescheinigte den Planern, sie hätten „an alles gedacht“. Angesichts wegfallender Parkplätze brachte er wieder ein Parkhaus im Burgberg ins Gespräch. Jörn Lingnau (FDP) sah „sehr schöne Ideen“. Besonders wichtig sei ihm ein Sicherheitskonzept – Sigel sagte zu, dass daran von Anfang an gedacht werde. „Großes Lob“ gab’s von Karin Pflüger (CDU). Johanna Renz (Linke) gefallen die Vorschläge für ein Fontänenfeld und für Lichteffekte.

So soll es beim Marktplatz weitergehen
Konzept: Von der Neugestaltung des Marktplatzes und der angrenzenden Bereiche verspricht sich die Stadt einiges: Entstehen soll „eine neue Mitte, eine Bühne als ‚Möglichkeitsraum’ zur Aneignung, für eine lebendige Stadt, für vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen, aber auch ein qualitätvoller Stadtraum zum Verweilen und als Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger“.
Zeitplan: Der Marktplatz soll bis zum Stadtjubiläum 2027 fertig sein – ein ambitioniertes Ziel. Erforderliche Leitungsarbeiten sollen im kommenden Jahr erledigt werden, müssen aber mit der Sanierung des Geiselbachkanals koordiniert werden. Die Arbeiten zum Straßenbau und den Oberflächen sollen Anfang 2026 beginnen und bis Ende November 2026 erledigt sein.
Kosten: In den Haushaltsjahren 2024 bis 2027 sind für Planung und Bau bisher 3,2 Millionen Euro eingeplant. „Dies wird für die vorgesehene Aufgabe aber nicht ausreichend sein“, betont die Verwaltung, die weitere Gelder im Haushaltsplan beantragen möchte. (adi)

Schon seit drei Jahren gehört der Gemeinde Altbach das Grundstück der ehemaligen neuapostolischen Kirche. Aber erst im nächsten Jahr sollen sich Investoren darum bewerben können. Dabei dauert vielen Gemeinderäten der Prozess schon jetzt zu lange.

Der Bedarf an Bauflächen ist in der ganzen Region enorm, allerorten ist Wohnraum bekanntlich knapp. Dass es in Altbach nun mehrere Jahre gedauert hat, bis die Gemeinde ein Verfahren auf den Weg bringt, das Grundstück der ehemaligen neuapostolischen Kirche zu verkaufen, stieß während der Sitzung des Gemeinderates im April manchem Kommunalpolitiker bitter auf. „Der Zeitplan ist signifikant zu lang“, meinte beispielsweise der UWV-Gemeinderat Jürgen Hoffmann. Denn mit dem Beschluss, ein Vergabeverfahren für Investoren zu beginnen, ist noch keine rasche Bebauung verbunden. Sofern alles nach Plan läuft, kann frühestens Anfang 2025 der Kaufvertrag unterschrieben werden – bis die Bagger rollen, wird es wahrscheinlich 2026. Gekauft hatte die Gemeinde das Grundstück Anfang 2021 für 800 000 Euro.

Licht am Ende des Tunnels sichtbar
Immerhin scheint nun das Licht am Ende des Tunnels sichtbar zu sein. Valerie Schrodi vom Büro Schreiberplan aus Stuttgart machte den Gemeinderäten allerdings klar: „Heute stehen wir ganz am Anfang des Verfahrens.“ Das Gremium votierte einstimmig dafür, das Büro für mehr als 12 000 Euro mit der Begleitung des weiteren Verfahrens zu beauftragen. Mit dem nun erfolgten Beschluss kann ein Exposé mit rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen erstellt werden. Bis das Exposé in den Fraktionen und im Gemeinderat besprochen und verabschiedet worden ist und damit veröffentlicht werden kann, wird es allerdings Herbst.
Während einer Klausurtagung hatte sich der Altbacher Gemeinderat bereits im Jahr 2021 mit der Zukunft des Geländes beschäftigt. Es sollen vor allem neue Wohnungen gebaut werden – differenziert und zeitgemäß. Auch Themen wie Ökologie sollen sich in dem Exposé wiederfinden. Im Erdgeschoss könnten auch einige Gewerbeflächen für die Nahversorgung eingerichtet werden.
Das Grundstück am Rande des Altbacher Ortskerns ist für die städtebauliche Entwicklung der Gemeinde wichtig. Der gesamte Bereich zwischen Bahnhof, Rathaus und dem Heinrich-Mayer-Park könnte aus Sicht der Verwaltung und des Gemeinderates eine Erfrischungskur vertragen. Im Jahr 2022 wurde deshalb ein Projekt mit Studierenden der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen aufs Gleis gehoben: 76 Studentinnen und Studenten machten 18 Vorschläge für die Aufwertung des Gebiets. Für das Grundstück der neuapostolischen Kirche schlugen sie – wie auch die Gemeinderäte – vor allem neue Wohnungen vor. Möglich wäre auch ein generationenübergreifendes Wohnprojekt mit sozialen Einrichtungen. Gestalterisch solle an der Stelle nahe dem Ortseingang eine Art Auftakt entstehen, regten die Studenten an.
Was sich von diesen Ideen nun in dem Exposé wiederfindet, muss abgewartet werden. Nach der Veröffentlichung des Exposés brauchen Interessenten zehn bis zwölf Wochen, um ihre Entwürfe vorzubereiten und einzureichen. Anschließend soll eine Beurteilungskommission Anfang 2025 einen Bewerber auswählen, der für den Verkaufsbeschluss im Gemeinderat vorgeschlagen wird. Bis der Kaufvertrag unterschrieben wird, vergehen laut Valerie Schrodi neun bis zwölf Monate.
Dass es in Altbach eher länger als kürzer dauert, hat verschiedene Gründe: Zum einen leidet das Rathaus unter Personalmangel. Zum anderen stehen am 9. Juni die Kommunalwahlen an. Der Bürgermeister Martin Funk würde den noch amtierenden Gemeinderat ungern in der vorletzten oder letzten Sitzung der Wahlperiode einen weitreichenden Beschluss fassen lassen. Lieber wäre es ihm, die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates Ende Juli abzuwarten und die Beurteilungskommission danach zu besetzen.

Siebenstelliger Betrag bleibt ungenutzt
Im Gemeinderat verursachte der Zeitplan allerdings Missmut. „Wir haben ein Riesen-Potenzial brachliegen“, kritisierte der Gemeinderat Hoffmann (UWV). Ein siebenstelliger Betrag für die Gemeindekasse sei ungenutzt. Hinzu komme der Bedarf an Wohnraum. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Euchenhofer sah es ähnlich. „Wir sind nicht gerade schnell unterwegs“, merkte er selbstkritisch an. Viel Zeit sei seit der Klausurtagung 2021 vergangen. Offenbar schienen seitdem andere Aufgaben dringender gewesen zu sein. Der Umbau des Feuerwehrhauses und der Alten Schule, die Querelen um die Glasfaserverlegung und die Coronazeit beschäftigten das Rathaus. „Wir können das Rad nicht zurückdrehen“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Barth. Mit Blick auf die Zukunft forderte sie aber, dass das Verfahren nun zügig vorangehen solle.

Platz für mehrstöckige Häuser
Fläche: Das Grundstück umfasst 2378 Quadratmeter. Nördlich davon geht es steil bergauf. Der Haldenrainweg führt dort entlang und begrenzt das Areal.
Umgebung: In der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es bereits Hochhäuser mit bis zu acht Stockwerken. Entsprechend könnte auf der Fläche an der Esslinger Straße ebenfalls eine massive Bebauung geplant werden, was in einem Projektblatt der Gemeinde als „hohe Nutzungsintensität“ beschrieben wird.
Lage: Wohnungen auf dem ehemaligen Kirchengelände hätten mit dem nahen Bahnhof eine ideale Anbindung an das Schienennetz. Es sind nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Bahnhof. Autofahrer gelangen rasch auf die B 10, sofern es auf der Brücke keinen Stau gibt. Und Fahrradfahrer könnten von dem Radweg profitieren, der auf beiden Seiten der Esslinger Straße entlangführt. Ein Nachteil für die zukünftigen Bewohner könnte allerdings das hohe Verkehrsaufkommen auf der Esslinger Straße sein.  (bra)

Der Jurist und Pfarrer setzt sich im ersten Wahlgang als neuer Köngener Bürgermeister deutlich durch. Ronald Scholz’ intensiver Einsatz und der sehr persönlich geführte Wahlkampf trugen Früchte.

Die Nacht war kurz – bis in die frühen Morgenstunden hinein hat der neue Köngener Bürgermeister Ronald Scholz seinen deutlichen Wahlerfolg mit 68,71 Prozent der abgegebenen Stimmen mit Freunden, Helfern und Familie gefeiert. „Ich habe schon frischer ausgesehen“, sagte der 44-Jährige lachend. Nichtsdestotrotz stand für den ausgebildeten Juristen und Theologen gleich am Montag eine Fortbildung bei seinem Noch-Arbeitgeber, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, in Stuttgart an. Der Kirche wird Scholz nun mitteilen, dass er die Wahl annimmt, und besprechen, zu welchem Zeitpunkt er freigestellt werden kann. Auch mit dem Köngener Gemeinderat findet zeitnah eine Abstimmung statt, wann die offizielle Amtseinführung stattfinden soll.
Geht es nach Scholz, wird nicht allzu viel Wasser den Neckar bis dahin hinabfließen: „Ich werde mich bemühen, so zügig wie möglich von der Kirche freigestellt zu werden.“ Auch aus dem Köngener Gemeinderat waren bereits am Abend des vergangenen (Wahl-) Sonntags die ersten Stimmen zu vernehmen, dass die Amtsgeschäfte, die seit Anfang März von der stellvertretenden Bürgermeisterin Johanna Fallscheer geführt werden, so schnell wie möglich übergeben werden sollen – „auch mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl Anfang Juni“, erklärte Scholz, der aktuell noch in Kirchheim wohnt, aber zügig wieder nach Köngen umziehen will.
Bereits nach Auszählung der ersten drei Wahlbezirke der 10 000-Einwohner-Kommune hatte der favorisierte Scholz, der bis vor wenigen Wochen noch als Pfarrer in Köngen tätig war, die Nase mit mehr als 65 Prozent vorne gehabt. Der Trend setzte sich fort, letztlich kam er in allen zwölf Wahlbezirken insgesamt auf 68,71 Prozent der abgegebenen Stimmen. Auch sein Vorgänger Otto Ruppaner, der mittlerweile Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen ist, weswegen die Neuwahl erforderlich war, hatte es bei seiner ersten Wahl zum Bürgermeister von Köngen im Jahr 2014 auf Anhieb geschafft – allerdings mit 54,42 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 54,71 Prozent.

Freude über die hohe Wahlbeteiligung
„Ich bin immer noch überrascht und dankbar, dass ich bereits im ersten Wahlgang von den Köngener Bürgerinnen und Bürgern mit soviel Vertrauen und Rückenwind ausgestattet worden bin“, freute sich Scholz einen Tag nach der Wahl. Mit 57,59 Prozent lag die Wahlbeteiligung über dem Landesdurchschnitt bei Bürgermeisterwahlen (52 Prozent). Die Wahlbeteiligung sei ein Grund zum Feiern, sagte Scholz. Sie zeige zudem deutlich, dass radikale Positionen und vermeintlich einfache Lösungen keine Mehrheit in der Kommune gefunden hätten, fügte er mit Blick auf einige seiner insgesamt sieben Mitbewerber hinzu.
Sein intensiver Wahlkampf in den vergangenen Wochen habe indes Früchte getragen. An rund 2500 Köngener Haustüren hat Scholz dabei geklingelt und sich persönlich vorgestellt. Dazu präsentierte er sich regelmäßig auf dem Wochenmarkt, und abends standen zumeist Treffen mit den örtlichen Vereinen und Gruppierungen an. „Ich habe absichtlich nicht plakatiert. Mir ging es um die persönliche Begegnung, und das ist von den Wählern und Wählerinnen auch ein Stück weit honoriert worden“, so Ronald Scholz. Er will sich nun als Nächstes bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung vorstellen und hören, was sie umtreibt. „Der Bereich Teambuilding ist mir sehr wichtig. Ich will mich in den Verwaltungsapparat gut integrieren, damit wir die großen Aufgaben gemeinsam in die Hand nehmen können“, kündigt der 44-Jährige an.
In der Verwaltung ist man froh, dass es nicht zu einer Stichwahl – diese war für den 5. Mai vorgesehen – kommen wird und dass nun langsam wieder mehr Ruhe ins Rathaus einkehren wird. „Die Wahlbeteiligung war großartig“, freute sich Köngens Hauptamtsleiter Gerald Stoll. Positiv überrascht war auch die Köngener SPD-Kreisrätin Sonja Spohn: „Es spricht für die Köngener Bürger, dass bereits im ersten Wahlgang eine Entscheidung gefallen ist. Das Interesse war durchaus da.“
Als fairer Verlierer zeigte sich Ciprian Hoffmann, der mit 17,69 Prozent der Stimmen weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz gelandet war. „Das Ergebnis ist eindeutig. Ich bin aber unterm Strich sehr zufrieden mit der Wahl“, sagte der Köngener. Er hatte angesichts des mit acht Bewerbern großen Kandidatenfelds mit einer Stichwahl gerechnet. „Aber nach der öffentlichen Kandidatenvorstellung der Gemeinde im Burgforum war mir klar, dass es keine Stichwahl geben wird“, bekannte der 31-Jährige. Hoffmann bleibt der Köngener Kommunalpolitik allerdings eventuell erhalten – er steht als parteiloser Kandidat für die anstehenden Gemeinderatswahlen auf einem Listenplatz der örtlichen CDU-Fraktion.

Das weitere Prozedere
Amtliches Endergebnis:
 Der Gemeindewahlausschuss hat das Ergebnis der Köngener Bürgermeisterwahl bestätigt: Ronald Scholz (68,7 Prozent), Ciprian Hoffmann (17,7), Michael Reichen­ecker (6,4), Tim Stober (3,1), Gabriel Ileri (1,5), Anja Göttker (1,0), Carlo Keinrad (0,5), Marcel Sersch (0,4). Die Wahlbeteiligung lag bei 57,6 Prozent.
Prüfung: Das Wahlergebnis wird vom Esslinger Landratsamt geprüft. Köngens Hauptamtsleiter Gerald Stoll rechnet damit, dass dieser Vorgang bis zu zwei Wochen dauern wird. Parallel ist das Wahlergebnis in dieser Woche im Köngener Anzeiger offiziell bekannt gemacht worden. Damit startet eine einwöchige Einspruchsfrist.  (kd)

Esslingen möchte die Öffnungszeiten ihrer Kitas auf 45 Stunden in der Woche begrenzen. Das könnte das Angebot für Familien verlässlicher machen. Durch freie Kapazitäten sollen mehr Dreijährige von frühkindlicher Bildung profitieren.

Frühere Abholzeiten, ungeplante Schließtage oder Notbetreuung – der Fachkräftemangel führt dazu, dass vielerorts Kita-Träger ein verlässliches Angebot nicht mehr aufrechterhalten können. Laut Länderreport „Frühkindliche Bildungssysteme 2023“ der Bertelsmann-Stiftung fehlen in Baden-Württemberg 59 400 Kita-Plätze und bis 2025 insgesamt 14 800 Erzieherinnen und Erzieher. Auch im Kreis Esslingen stellt das Eltern, vor allem wenn sie berufstätig sind, immer wieder vor große Herausforderungen.
Die Stadt Esslingen reagiert nun und schlägt vor, von September an die Öffnungszeiten auf maximal 45 Stunden wöchentlich zu begrenzen, bislang sind es 50 Stunden. Wie das Kontingent verteilt wird, können die Kitas flexibel regeln. Für Kinder, die bereits eine Kita besuchen, soll es eine Übergangsfrist geben, die Regelung würde dann erst ab dem 1. Januar 2025 in Kraft treten. Zusammen mit weiteren Maßnahmen sollen damit Personalkapazitäten frei werden, Fachkräfte neu gewonnen oder gehalten werden und die Eltern ein verlässliches Angebot bekommen. Der Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung hat dem Vorschlag kürzlich mehrheitlich zugestimmt. Am 13. Mai wird der Gemeinderat sein endgültiges Votum abgeben. Die Änderung soll für städtische Kitas und Einrichtungen freier Träger gelten, deren Plätze die Stadt vergibt.
„Die Dienstplangestaltung in den Kitas wird durch kürzere und wegfallende Randzeiten einfacher“, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung, und „eine Tätigkeit im Ganztagsbetrieb wird bei kürzeren Öffnungszeiten für das Personal attraktiver“. Da zudem sehr viele Kommunen im Umkreis ihre Zeiten reduzieren, könnte das zu einem größeren Stellenpotenzial auf dem Arbeitsmarkt führen, erläuterte Bernd Berroth, der Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung: „Es gibt eine interkommunale Übereinstimmung, da wollen wir solidarisch sein.“ Der Effekt werde aber erst nach und nach im Rahmen der üblichen Fluktuation wirksam.
Konkret geht die Stadt davon aus, dass mittelfristig durch die reduzierten Zeiten zehn städtische Stellen und weitere 14 bei den freien Trägern verfügbar werden. „Wir müssen dennoch so ehrlich sein, dass wir keine absolute Verlässlichkeit versprechen können“, betonte Berroth. Viele Familien hätten aber überhaupt keinen Platz und ihre Kinder damit auch keinen Zugang zu frühkindlicher Bildung. Das müsse sich dringend ändern. Esslingen habe das Ziel, für jeden Dreijährigen einen Betreuungsplatz anzubieten. Bei der Schaffung neuer Plätze habe der Ü-3-Bereich Vorrang gegenüber U 3.

Gesamtelternbeirat sieht Pläne skeptisch
Die Ratsfraktionen begrüßten mehrheitlich den Vorschlag, betonten aber auch, dass damit keine Reduzierung des Personalschlüssels einhergehen dürfe. „Es ist eine Maßnahme der Solidarität gegenüber denjenigen, die keinen Platz haben“, hob Christa Müller (SPD) hervor. „Die Situation ist bitter für Eltern, die eine lange Betreuung brauchen“, sagte Tobias Hardt (Linke), „aber wir können uns keine Erzieherinnen schnitzen“.
Der Esslinger Gesamtelternbeirat Kita sieht die Pläne dagegen skeptisch. Er hätte sich einen ergebnisoffenen Austausch mit allen Akteuren gewünscht. Dem GEB erschließe sich derzeit nicht, wie sich Qualität, Personalplanung und Verlässlichkeit durch die generelle Reduzierung der Betreuungszeit verbessern sollen, sagte Romina Barth, beratendes Mitglied im Ausschuss. Denn in einem Großteil der Kitas sei die Betreuung schon jetzt notgedrungen auf täglich neun Stunden reduziert.
Kritik gab es auch von der FDP, die gegen den Vorschlag stimmte. „Uns fehlt eine Evaluation“, sagte Brigitte Häfele. Dem widersprach Bernd Berroth: „Um minutiös zu evaluieren, bräuchten wir noch mehr Personal.“
2019 hat die Stadt eine Personaloffensive gestartet, die pädagogischen Fachkräften bessere Rahmenbedingungen garantiert, etwa mehr Freistellungen. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze ist deutlich erhöht worden. Die Verwaltung listet jetzt einen Mix aus zehn lang- und kurzfristigen Maßnahmen auf, die die Reduzierung der Öffnungszeiten flankieren. Das meiste davon ist nicht neu. Gestärkt werden sollen etwa Angebote mit verlängerten Öffnungszeiten statt Ganztag, wodurch mehr Plätze zulässig sind. Auch die Qualifizierung von Quereinsteigern soll ausgebaut werden.

Es gibt weiterhin Wartelisten
Kinder unter drei Jahre: 
Auch im kommenden Kitajahr 2024/2025 gibt es zu wenig Betreuungsplätze in Esslingen. Bis zum 15. Februar mussten Eltern ihren Bedarf anmelden. Im U-3-Bereich sind zwar mehr Plätze frei geworden, und die Zahl der Anmeldungen ist im Vergleich zum Vorjahr auch noch gesunken. Trotzdem fehlen 214 Plätze, davon 154 im Ganztag, noch nicht eröffnete Gruppen sind bereits eingerechnet. Die Stadt plant deshalb einen weiteren Ausbau der Tagespflege in anderen geeigneten Räumlichkeiten.
Kinder über drei Jahre: Im Ü-3-Bereich stehen mehr Plätze zur Verfügung, gleichzeitig sind laut Stadt die Anmeldungen stark gestiegen. Die Gesamtzahl der nicht versorgten Kinder ist im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, die Plätze sind auch mit der Eröffnung der geplanten Einrichtungen nicht ausreichend. 97 Kinder stehen auf der Warteliste, davon 65 im Ganztag. (pep)