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Claus Hintennach

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Die Weinlese in Esslingen hat so früh wie nie gestartet. Hitze und Trockenheit sind eine Herausforderung für Wengerter.

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben die Esslinger Wengerter Ende August erst langsam angefangen, sich auf die Weinlese vorzubereiten. In diesem Jahr sind manche Traubensorten jetzt schon vollständig geerntet. Die Lese hat angesichts des Klimawandels so früh begonnen wie nie: Teils wurde bereits Mitte August gestartet – und damit noch einmal früher als im vergangenen Jahr. Doch Hitze und Trockenheit haben nicht nur Nachteile für die Wengerter.
Maximilian Kusterer, Juniorchef des gleichnamigen Esslinger Weinguts, spricht von der frühesten Ernte in der Geschichte seines Weinguts. Schon im vergangenen Jahr sei der Lesestart am 26. August so zeitig gewesen wie nie zuvor. „Dieses Jahr haben wir am 19. August mit der Ernte begonnen – und damit noch einmal eine ganze Woche früher.“ Vor 20 Jahren habe die Lese erst Mitte oder Ende September angefangen, einen ganzen Monat später als jetzt. Laut Kusterer ist das nur mit dem Klimawandel zu erklären: Wenn es im April schon bis zu 30 Grad warm werde, starte auch die Vegetationsphase viel früher.
Die extreme Hitze und Trockenheit in diesem Jahr wirkten sich im Weinberg und vor allem in den terrassierten Steillagen aus. Unter anderem blieben die Trauben dann kleiner. Die Bewässerung habe kaum noch etwas gebracht, weil man viel zu spät damit angefangen habe: „Man hofft ja immer, dass es noch einmal regnet“, so Kusterer. Nun rechne er mit weniger Ertrag – beim Chardonnay etwa, der bereits in der vergangenen Woche vollständig gelesen worden sei, habe er mehr als ein Drittel weniger geerntet als sonst.

Die Qualität dürfte stimmen
Die Qualität hingegen dürfte stimmen, ist Kusterer überzeugt. Denn bei Sonne könnten die Traubenschalen besser Aroma bilden. „Das wird auf jeden Fall ein schmackhafter Jahrgang – ich gehe von einem fruchtigen Aroma aus.“ Und in seinem Weingut setze man ohnehin auf Qualität statt auf Masse. Allerdings schreite die Reife angesichts der Wärme extrem rasch voran. Man müsse die Trauben täglich überprüfen – und manchmal zwei oder drei Sorten an einem Tag lesen. Denn wenn die Weinbeeren zu lange reiften, steige der Zuckergehalt zu sehr an – und damit auch der Alkoholgehalt im späteren Wein. Das aber sei bei den Kunden nicht mehr gefragt.
Auf dem Weingut von Adolf Bayer in Rüdern wird ebenfalls schon seit einigen Tagen gelesen. Am 27. August sei man gestartet, berichtet Adolf Bayer. „Der Rivaner ist schon komplett weg.“ In dieser Woche habe man sich um Müller-Thurgau und Sauvignon blanc sowie den Dornfelder gekümmert. „Es läuft super, die Qualität ist gigantisch gut und wir haben keine Fäulnis – wir sind sehr zufrieden“, schwärmt Bayer. Zwar beginne die Lese jedes Jahr noch früher, aber darauf könne man sich ja einstellen. Es könne gut sein, dass er in knapp zwei Wochen mit der Ernte durch sei. Vor allem junge Rebstöcke hätten unter der Trockenheit gelitten, die älteren Stöcke hingegen hätten sie gut überstanden. Ob Riesling, Trollinger und Dornfelder bei zunehmender Hitze und Trockenheit in Esslingen noch eine Zukunft hätten, sei zwar fraglich. Aber es gebe genügend andere passende Rebsorten. „Zum Jahrgang selbst sage ich aber erst etwas, wenn alles im Keller ist“, betont Bayer.

„Die Trauben sind wunderschön“
Bei Teamwerk Esslingen hat man vergangenen Montag mit der Lese begonnen und damit erstmals noch im August – wenn auch am letzten Tag des Monats. „Die Trauben sind wunderschön und schmecken superlecker“, freut sich Achim Jahn, Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft, in der sich rund 50 Betriebe zusammengeschlossen haben. Der Regen zuletzt habe den Weinbeeren gutgetan. Die Trockenheit mache sich zwar bemerkbar: Viele Trauben seien kleiner, der Ertrag werde geringer ausfallen. „Aber wichtig ist, dass der Wein gut wird“, betont Jahn. Aktuell sehe es super aus: Die Trauben seien sehr gesund und angesichts der Trockenheit sei Fäulnis kein Thema. „Bis jetzt macht es richtig Spaß – wie dann der Wein wird, müssen wir schauen“, so Achim Jahn. (meb)

In der Köngener Bücherei steht nach den Sommerferien wieder reichlich Kultur an. Etabliert werden soll dabei eine Veranstaltung am Schicksalstag der deutschen Geschichte.

Wenn im Herbst die Blätter fallen, startet die Bücherei Köngen wieder durch: Gleich vier hochkarätige Veranstaltungen, darunter eine Premiere, locken zum Leseherbst. Und auch auf den Nachwuchs wartet bis kurz vor Weihnachten wieder ein proppenvolles Programm.
Der Leseherbst – alle Veranstaltungen finden in der Köngener Zehntscheuer statt – startet am 18. September, 18.30 Uhr, mit „Hinter den Fassaden“, ein Mix aus Lesung und Musik, präsentiert von der Großbettlinger Autorin Gabriele Günther und der Kohlberger Sängerin Sandra Linsenmayer. Weiter geht es am 10. Oktober, ab 19 Uhr, mit der Musik-Kabarett-Show „So schön kaputt“ mit dem Theater Sturmvogel. Mit witzigen Sketchen, mitreißenden Songs und klugen Pointen analysiert das Ludwigsburger Duo die Lage im Land.
Feinsinnige Literaturtipps der ehemaligen SWR-Redakteurin Christel Freitag, die zusammen mit Rezitator Rudolf Guckelsberger ihre persönlichen Lieblingstitel der vergangenen Monate vorstellt, stehen am 5. November auf dem Programm. Eine Premiere ist der Vortrag von Joachim Hahn am 9. November (19.30 Uhr) mit dem Titel „Theodor Rothschild und das jüdische Waisenhaus Wilhelmspflege in Esslingen“ in Zusammenarbeit mit dem Köngener Geschichts- und Kulturverein. „Der 9. November ist einer der geschichtsträchtigsten Tage, die wir in Deutschland haben“, erklärt Köngens Bürgermeister Ronald Scholz dazu. Schon länger schwebte den Verantwortlichen vor, an diesem Datum eine Veranstaltung fix zu etablieren – Themen gibt es reichlich: Der 9. November gilt letztlich als „deutscher Schicksalstag“, da er im 20. Jahrhundert sowohl für die dunkelsten Kapitel der NS-Diktatur als auch für Sternstunden der Demokratie und Freiheit steht.
Den Auftakt macht nun der pensionierte Pfarrer und Historiker Joachim Hahn. Er erinnert an die Geschichte des Esslinger Waisenhauses, das in der Reichspogromnacht 1938 von den Nazis gestürmt und demoliert wurde, und an dessen langjährigen Heimleiter Theodor Rothschild, der 1944 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Im Rahmen des Leseherbstes ist der Vortrag die erste Kooperation zwischen der Köngener Bücherei und dem örtlichen Geschichts- und Kulturverein (GKV). „Jedes Jahr ein spezifisches Angebot am 9. November zu machen, finde ich sehr begrüßenswert“, sagt die GKV-Vorsitzende Sonja Spohn, die auch den Kontakt zum Referenten hergestellt hat. „Der 9. November war in unserer deutschen Geschichte mehrmals von Bedeutung“, erklärt sie – das reiche von der Novemberrevolution 1918 über die Reichspogromnacht 1938 bis hin zum Fall der Mauer 1989.
Natürlich ist auch für den Leseratten-Nachwuchs bis Dezember einiges geboten: Highlights sind die beiden Figurentheaterstücke „Am Samstag kam das SAMS zurück“ am 6. November und „Michel feiert Weihnachten“ am 11. Dezember (jeweils 15 Uhr/5 Euro). Daneben gibt es zahlreiche kostenlose Vorlese-Aktionen, und auch der Großeltern-Enkel-Nachmittag mit Spielen, Informationen und Spaß findet am 16. Oktober wieder statt.
Eintrittskarten für alle Veranstaltungen gibt es in der Bücherei. Daneben laufen in der Köngener Bücherei viele weitere Aktionen, die stets mit viel Herzblut vom Büchereiteam organisiert werden – etwa die Betreuung von Lesepaten für Köngens Kindergärten, ein großes digitales Angebot, die Bereitstellung von Bücherkisten für Schulen und Kitas sowie die regelmäßige Mittagsbetreuung in der Burgschule oder auch die Begleitung des seit 1989 bestehenden monatlichen Lesetreffs.
Das alles macht die Köngener Bücherei zu einem wichtigen Player in der Gemeinde: „Unsere Bücherei ist ein zentraler Ort der Begegnung, dort kommen Menschen zusammen und können sich austauschen. Und das alters- und milieuübergreifend. Das ist ein riesiger Mehrwert für Köngen, den wir erhalten und weiter ausbauen wollen“, lobt Bürgermeister Scholz das große Engagement des Büchereiteams. (kd)

Die Bücherei in Altbach ist „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg“. Was sie auszeichnet, hat freilich bei weitem nicht nur mit Büchern zu tun.

Was in der kleinen Bücherei in Altbach schnell klar wird, wenn man sich mit dem Leiter der Bibliothek unterhält: Wie jeder andere Dienstleister muss sich auch eine kommunale Bücherei ständig Neues für ihre „Kunden“ einfallen lassen, um nicht irgendwann überflüssig zu werden. Ganz besonders gilt das offenbar in Zeiten rasant wandelnder Mediennutzung für Bibliotheken.
Genau darin, sich Neues einfallen zu lassen, scheint Tobias Dürr aber auch ganz besonders gut zu sein: Gemeinsam mit nur zwei Mitarbeiterinnen, die sich rund eine halbe Stelle teilen, hat der Bibliothekar ein so facettenreiches Konzept für seine Einrichtung entwickelt, dass der baden-württembergische Landesverband im Deutschen Bibliotheksverband gemeinsam mit dem Sparkassenverband die Bücherei mit dem Titel „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg 2026“ ausgezeichnet hat.

Breites Netzwerk an Kooperationen
Die detaillierte Begründung kennt Dürr noch nicht, wie er sagt. Die Verleihung sei erst im Oktober. Nur so viel wurde bei der Bekanntgabe verraten: Die Expertenjury überzeugte „das breite Netzwerk an Kooperationen, die hohe Besucher- und Serviceorientierung und wie die Bücherei Altbach als kleine kommunale Einrichtung weit über ihre Größe hinauswirken kann“.
Der 33-Jährige kommt denn auch mit dem Aufzählen von Angeboten und Programmpunkten, die seine Mitarbeiterinnen und er selbst stemmen, kaum zum Ende: So bestehen Kooperationen zur Medienbildung mit allen Kindergärten im Ort, der Grundschule, dem Jugendhaus und der Ganztagesbetreuung. „Vorschulkinder können bei uns einen Bücherführerschein machen“, so Dürr. Für Schüler der vierten Klasse gebe es eine Schnitzeljagd durch die Bücherei, zudem beteilige sich die Einrichtung am Klimalerntag. Er selbst gebe kleine Programmierkurse oder es werden Konsolenspielturniere veranstaltet.
„In diesem Sommer beteiligt sich die Bücherei zum achten Mal am landesweiten Wettbewerb ‚Heiß auf Lesen’“, zählt Dürr weiter auf. Speziell für Erwachsene habe er schon Vorträge zur Künstlichen Intelligenz gehalten und dazu, wie man diese im Lesealltag nutzen könne. Überhaupt ist die Altbacher Bücherei digital gut aufgestellt: Die „Onleihe“ von E-Books ist seit langem etabliert, die beliebten „Tonies“, internetgestützte Hörbücher in Form von kleinen Figuren, sind der Renner bei den Kindern. Die jüngste Neuerung ist ganz analog: eine kleine „Bibliothek der Dinge“: Werkzeuge, Beamer oder andere nützliche Geräte lassen sich hier ausleihen.
Dürr bezeichnet die Bücherei ganz bewusst als einen „dritten Ort“, an dem man sich niederschwellig und konsumfrei aufhalten könne. Außer der jährlichen Ausweisgebühr kostet hier nichts Geld. Damit sei die Bibliothek auch ein Raum für Chancengleichheit, sagt Dürr. Das schließe ein, dass die Einrichtung zum Beispiel für jene Platz zum Lernen biete, denen dieser zu Hause fehle. Und auch, dass man hier an einem Tag in der Woche an der Konsole „zocken“ könne, sei letztlich eine Frage der Chancengleichheit, sagt Dürr. „Dadurch kommen Kinder in Kontakt, die sich sonst nie treffen würden.“
Stammbesucher wie die Familie Dieterich wundern sich nicht, dass die nur 270 Quadratmeter große Bücherei einen Preis erhält. Die Familie wohnt in Oberesslingen, kommt zur Bücherausleihe aber lieber nach Altbach: „Sie ist schön überschaubar und gleichzeitig gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken“, schwärmt die Mutter eines zehnjährigen Sohnes. „Sehr groß“ sei das Engagement des Bücherei-Teams. Der zehnjährige Filius schätzt vor allem die Comicauswahl der Bibliothek.

Preisgeld kommt zur rechten Zeit
Das Preisgeld für die Auszeichnung in Höhe von 10 000 Euro dürfte für die Bücherei zur rechten Zeit kommen. Die Gemeinde Altbach hat in diesem Jahr den Medienetat ihrer Bibliothek von 25 000 auf 10 000 Euro gekürzt, erzählt Dürr. Weil die Sparmaßnahme nicht zulasten von Veranstaltungen gehen sollte, können künftig weniger neue Bücher und andere Medien eingekauft werden.
Aber auch auf dieses Problem hat der Bibliotheksleiter schon reagiert: In Kooperation mit der Esslinger Buchhandlung Provinzbuch können künftig in der Buchhandlung ausgewählte Bücher von Bibliotheksnutzern erworben und anschließend der Einrichtung gespendet werden. „Das funktioniert schon recht gut“, sagt Dürr. Wie er das Preisgeld genau investiert, weiß Dürr noch nicht. Für einen lang gehegten Wunsch wird die Summe alleine jedenfalls nicht ausreichen: Ein Selbstverbuchungssystem würde ihn und seine beiden Mitarbeiterinnen sehr entlasten, sagt Dürr. (ts)

Die leer stehenden Räume eines früheren Supermarktes in Denkendorf sollen zur „Kantine +“ werden. Was steckt hinter den Plänen der Gemeinde und finden sich ausreichend Helfer?

Es soll weitergehen in den Räumen des ehemaligen CAP-Markts in der Berkheimer Straße: Dieses Signal gaben nicht nur zahlreiche Denkendorfer Bürgerinnen und Bürger, sondern nun auch der Gemeinderat. Dieser beschloss vor Kurzem die Fortführung des Projekts „Kantine +“.
Seit gut einem Jahr steht das Ladenlokal leer. Fest steht, dass ein weiterer Lebensmittelmarkt dort keine Chance haben würde. Vielmehr soll ein offener Treffpunkt für alle Generationen entstehen, der das gesellschaftliche Miteinander stärkt und Begegnung ermöglicht. Gedacht ist an einen Raum für vielfältige Angebote. Die sogenannte „Ankernutzung“ soll eine Nachbarschaftskantine sein, in der Menschen zusammenkommen, essen, Kaffee trinken, sich treffen oder auch arbeiten können. Wichtig war der Kommune von Anfang an, kein fertiges Konzept auf den Tisch zu legen, sondern die Bürgerinnen und Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen. Das Unternehmen Myzelium Ökosystem aus Neuhausen, das sich auf gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften spezialisiert hat, begleitet den Prozess.
Um das Interesse der Denkendorfer auszuloten, hatte die Gemeinde zum Bürgerworkshop geladen. Die bange Frage, ob sich genügend Menschen finden würden, die bereit sind, im ehemaligen CAP-Markt etwas Neues zu realisieren, erübrigte sich rasch. Rund 120 Menschen fanden sich in den leer stehenden Räumen ein – eine Zahl, mit der niemand gerechnet hatte. „Diese überwältigende Resonanz zeigt, dass das Projekt vielen am Herzen liegt“, freute sich Bürgermeister Ralf Barth. Auch der Gemeinderat war beeindruckt vom großen Interesse der Denkendorfer.

Bürgerinitiative als Trägergemeinschaft
Die Anwesenden entwickelten Ideen, äußerten Wünsche oder auch Bedenken. Gut die Hälfte von ihnen erklärte sich zudem am Ende bereit, sich ganz konkret am Projekt zu beteiligen – „als Betreibende, Mittragende oder Mitglieder“, wie es Timo Wans, Geschäftsführer von Myzelium, formulierte. Denn als Trägergemeinschaft soll nach dem Willen der Gemeinde eine Bürgerinitiative fungieren. Neben einer Leitung, bei der die Fäden zusammenlaufen, braucht es Menschen, die sich beim Kochen einbringen, und solche, die das Angebot regelmäßig in Anspruch nehmen. Außer dem Mittagstisch sollen in der „Kantine +“ weitere Angebote Raum haben. Dazu hatten die Anwesenden viele Ideen: beispielsweise Reparatur- oder Näh-Café, Schuldnerberatung, Hausaufgaben- oder PC-Hilfe, Spieleabende, kulturelle Veranstaltungen oder Angebote für ältere Menschen und Familien.
Barth nimmt an, dass nicht die gesamte Fläche von 400 Quadratmetern für die Nachbarschaftskantine benötigt wird. Der verbleibende Bereich könne etwa für einen Selbstbedienungsmarkt oder ein vergleichbares Nahversorgungssystem genutzt werden.
Angesichts der großen Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement sehen sowohl Barth als auch Wans gute Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens. Dazu erhofft sich die Kommune Gelder aus dem Förderprogramm „Quartiersimpulse“ der Allianz für Beteiligung und des baden-württembergischen Sozialministeriums. Barth warb deshalb im Gemeinderat für eine Fortsetzung des Prozesses. Voraussetzung für die Realisierung sei aber nicht nur, dass sich eine Trägergemeinschaft bilde, sondern auch die Förderzusage, die man im Herbst erwarte. Erst dann soll das Projekt mit Beteiligung von Myzelium in die nächste Runde gehen und ein konkretes Nutzungskonzept entwickelt werden.
Auch mögliche Umbaumaßnahmen werden erst dann geplant und durchgeführt. „Ich sehe nicht, dass wir das Projekt aus Eigenmitteln finanzieren“, betonte der Bürgermeister. Die Gemeinde rechnet als Anschubfinanzierung mit Gesamtkosten von gut 127 000 Euro, von denen 25 000 Euro auf die Kommune entfallen. Langfristig muss sich die „Kantine +“ selbst tragen. (urh)

Esslingens Kommunales Kino lädt vom 30. Juli bis 8. August zum Filmfestival auf die Esslinger Burg ein. Das Programm ist facettenreich.

Auch auf der Esslinger Burg hat die Zeit der Open-Air-Veranstaltungen begonnen. Die Mittelalter-Rockmusiker von „In Extremo“ am 24. Juli und die Schweizer Hard-Rock-Bands „Gotthard“ und „Krokus“ am Samstag, 25. Juli, bilden den musikalischen Auftakt. Vom 30. Juli bis zum 8. August wird dann das Kinopublikum wieder in Scharen auf Esslingens Höhen pilgern. Trotz wechselhaften Wetters haben im vergangenen Jahr insgesamt 13 700 Gäste das Kino auf der Burg erlebt. Und die Macherinnen und Macher des Kommunalen Kinos (Koki) hätten nichts dagegen, wenn ihr Festival in diesem Jahr bei freundlicherer Witterung noch deutlich mehr Gäste anlocken würde.
Kino auf der Burg ist längst ein Markenzeichen geworden: Im Kultursommer 1993 hatte das Esslinger Wahrzeichen erstmals seine Qualitäten als Filmpalast unter freiem Himmel gezeigt – inzwischen hat das Koki dieses Festival zu einer festen Einrichtung gemacht. Die Burg punktet nicht nur mit ihrem ganz besonderen Ambiente, das durch ein ausgeklügeltes Licht-Konzept zusätzlich unterstrichen wird, sondern mit einem attraktiven Gesamtpaket: Jeder Abend beginnt mit einem musikalischen Vorprogramm, das auf den Hauptfilm abgestimmt ist. Die alte Kino-Tradition der Vorfilme wird ebenfalls konsequent gepflegt.
Ein bewährtes gastronomisches Angebot sorgt für Rundum-Wohlergehen des Publikums. Und damit alles perfekt organisiert ist, werden Marc Teuscher und Anastasia Kreis, die diesmal die organisatorische Federführung übernommen haben, wie gewohnt von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt. Nur eines lässt sich bei aller guten Planung und Organisation durch das Koki-Team nicht beeinflussen: Beim Wetter sind die Festival-Macher auf höhere Fügung angewiesen.
Der wichtigste Trumpf der Open-Air-Kinomacher ist jedoch die Filmauswahl. Wochenlang hat das Programm-Team jede Menge neuer Filme gesichtet, bewertet und diskutiert, weil nicht jeder Streifen, der für die Leinwand gemacht ist, auch unter freiem Himmel funktioniert. Schon im Juni sind die Würfel gefallen, das Programm steht. Beim Tag des Ehrenamts am 29. Juli bleiben ehrenamtlich Engagierte auf Einladung der Stadt noch unter sich.

Dieter Thomas Kuhn auf der großen Leinwand
Zum offiziellen Festival-Auftakt läuft dann am Donnerstag, 30. Juli, Kyle Baldas Krimikomödie „Glennkill: ein Schafskrimi“ mit Hugh Jackman und Emma Thompson in den Hauptrollen. Die Verfilmung von Leonie Swanns gleichnamigem Bestseller erzählt von einer Schafherde, die ein Verbrechen aufklären muss, weil die menschlichen Ermittler ratlos sind. Weiter geht’s am Freitag, 31. Juli, mit Antoine Fuquas Biopic „Michael“, das den Aufstieg von Superstar Michael Jackson zum globalen Pop-Phänomen nachzeichnet. Und beim Familientag am Samstag, 1. August, dürfen sich Jung und Alt auf den Trickfilm „Minions & Monster“ freuen.
Unvergessen sind die diversen Auftritte von Schlager-König Dieter Thomas Kuhn auf der Esslinger Burg. Diesmal ist der Mann mit dem Brusthaartoupet allerdings nicht mit seiner Band zu Gast. Stattdessen kommt Kuhn nach Esslingen, um Juliane Sauters Film „Und es war Sommer“ vorzustellen (2. August), die „DTK“ auf seiner Open-Air-Tour 2024 filmisch begleitet hat. Weiter geht es am Montag, 3. August, mit „Verflucht normal“ – der Geschichte eines jungen Mannes, der in einer schottischen Kleinstadt der 80er-Jahre zum Außenseiter wird, weil keiner die Ursachen seiner seltsamen Nerven-Ticks erkennt. „The Piano Tuner“ von Daniel Roher läuft am Dienstag, 4. August, und zeigt mit einem Augenzwinkern, dass man durch ein außergewöhnliches Gehör auch auf Abwege geraten kann.
Vor 20 Jahren wurde „Der Teufel trägt Prada“ zum Kinohit, der bis heute viele Fans hat. Nun hat Nicolas Deveaux eine Fortsetzung dieser Geschichte aus der Modewelt gedreht, die am Mittwoch, 5. August, auf der Burg läuft. Joachim Meyerhoffs Buch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist ein Bestseller – nun wurde er von Simon Verhoeven verfilmt. Das Ergebnis ist am 6. August auf der Burg zu sehen. Marcus H. Rosenmüllers Kleinstadt-Komödie „Extrawurst“ gibt es am Freitag, 7. August. Zum Festivalfinale am 8. August setzt Vinciane Millereaus Zeitreise-Komödie „Die progressiven Nostalgiker“ den Schlusspunkt hinter ein reizvolles Filmfestival auf der Esslinger Burg.

Tipps fürs Open-Air-Publikum
Tickets:
Eintrittskarten kosten 13,50 Euro für Erwachsene, ermäßigt 10,50 Euro. Tickets für den Familientag mit „Minions & Monster“ am 1. August sind einheitlich für 9,50 Euro zu haben. Für die Preview des Dieter-Thomas-Kuhn-Films „Und es war Sommer“ am 2. August kosten reguläre Eintrittskarten 18 Euro, mit Ermäßigung 15 Euro. Die Abendkasse am Haupteingang beim „Trödler“ öffnet an den Vorstellungstagen jeweils um 19 Uhr.
Vorverkauf: Eintrittskarten fürs Kino auf der Burg können bei der Buchhandlung Provinzbuch in der Esslinger Küferstraße sowie im Internet unter www.kinoaufderburg. de gekauft werden. Kartenreservierungen sind nicht möglich. Wer sein Ticket vorab gelöst hat, kann ab 19 Uhr auch den Einlass an der Burgsteige nutzen.
Regeln: Die Jugendschutzbestimmungen sind unbedingt zu beachten – jeder Film hat eine entsprechende Altersfreigabe. Es gibt keinen Anspruch auf Sitz- oder Liegeflächen. Eigene Sitzmöbel, Essen und Getränke dürfen nicht mitgebracht werden; Decken, Planen und Isomatten für den Liegebereich sind erlaubt. Die Vorstellungen finden bei jedem Wetter statt. Umtausch und Rück­gabe von Eintrittskarten sind ausgeschlossen. Tiere müssen zuhause bleiben. Parkmöglichkeiten gibt es im Parkhaus Flandernstraße. (gw)

Wegen der Marktplatzsanierung muss das Esslinger Estival den Standort wechseln. Welche Veränderungen bringt das mit sich?

Der Esslinger Marktplatz ist derzeit eine große Baustelle. Dass das Estival wegen der Neugestaltung dort nicht wie in den Jahren zuvor stattfinden kann, ist keine Überraschung. Das Esslinger Stadtmarketing hat sich jedoch bereits früh Gedanken über Alternativen gemacht. Das Sommerspektakel ausfallen zu lassen, war keine Option. „Wir wollten den Menschen aus der Stadt und der Region auf jeden Fall eine Alternative bieten“, sagt Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslinger Veranstaltungsgesellschaft Markt und Event.
Bei seiner fünften Auflage geht das Estival deshalb vom 30. Juli bis zum 10. August mit einem neuen Konzept und dem Namenszusatz „Pop-up“ an den Start und weicht einige Meter weiter auf den Rathausplatz aus. Auch der Zugang zum Kleinen Markt wird teilweise mitgenutzt. „Der Platz ist atmosphärisch wunderschön. Man muss in anderen Städten lange suchen, um etwas Vergleichbares zu finden“, sagt der Planer und Organisator Jörg Schall über das Ausweichquartier. Baustellenlärm oder Schmutz müssen die Gäste übrigens nicht fürchten. Das Estival öffnet unter der Woche erst um 17 Uhr, wenn die Bauarbeiter bereits Feierabend machen.
Da das Estival in diesem Jahr deutlich weniger Platz zur Verfügung hat, wird auf die urigen Holzlauben verzichtet. Stattdessen sollen primär für die Servicestände und die Küche neun weiße und stabile Pagodenzelte aufgestellt werden. Die Gäste nehmen an Tischen unter freiem Himmel Platz und sind umgeben von einer historischen Stadtkulisse. Gegen die Sonne wird es große Schirme geben, die bei Bedarf auch den Regen abhalten sollen. Außerdem stehen Stehtische und Liegestühle zum Entspannen bereit.
Das Estival ist nicht einfach eine Hocketse. Am Anspruch, eine Vollgastronomie unter freiem Himmel und solide Kulinarik statt Schnellimbiss zu präsentieren, hat sich nichts geändert. Auch der Service hat Restaurant-Niveau. Es gibt Bedienung am Tisch, Geschirr aus Keramik, Besteck, Gläser und Tischdecken. Trotzdem wird die Veranstaltung im Jahr 2026 deutlich kompakter ausfallen. Verkleinert hat sich neben der Fläche auch die Zahl der Wirtinnen und Wirte. Statt der sonst sechs sind es dieses Mal nur vier Gastronomiebetriebe aus der Region.
Vertreten sind Currles Culinarium, Galleria Zeus, die Weinstube Eißele und der Rote Hirsch. Auf eigenen Wunsch pausieren in diesem Jahr Weinmoment und das Fleischmann Steakhouse & Weinbar. Das kulinarische Angebot reicht von regionaler Traditionsküche über moderne Interpretationen schwäbischer Klassiker bis zu mediterranen Spezialitäten und vegetarischen Gerichten. Dazu werden regionale Weine, Sekt von Kessler und verschiedene Biere serviert. Neu im Programm ist der Estival-Sprizz, eine prickelnde Mischung mit Grapefruit – ohne und mit Alkohol.
Gekocht wird frisch und vor Ort. Neu ist, dass alle Gastronomen dieses Mal gemeinsam eine Küche betreiben und unter einem Zeltdach zusammenarbeiten werden. Gleichwohl stellt jedes Team seine kulinarischen Spezialitäten selbst her. Auch bei der Planung arbeiten die Betriebe zusammen. „Wir sind ein tolles Team und die Vorbereitung macht uns allen richtig Spaß“, lobt Ifigenia Ciriacopoulou vom griechischen Restaurant Galleria Zeus. „Das wird eine wirklich schöne Interimslösung“, ist Annette Currle von Currles Culinarium überzeugt, „jetzt muss eigentlich nur noch das Wetter mitspielen“.
Für die Gäste hat die Kooperation der Wirte den Vorteil, dass sie an allen Tischen die gleiche Karte erhalten. Zudem können die Tische zentral reserviert werden. Angebote machen auch die Lokale am Rathausplatz, die nach Möglichkeit in das Estival einbezogen werden.
Aus Platzgründen wird in diesem Jahr auf eine Veranstaltungsbühne verzichtet. Trotzdem wird es immer wieder kleine Programmpunkte geben, kündigt Michael Metzler an. Ifigenia Ciriacopoulou schwebt unter anderem ein Sirtaki-Event vor. Was bleibt, ist das Angebot an Stadtführungen, das man während des Estivals über das Stadtmarketing buchen kann.
Michael Metzler kündigt an, dass das Festival im Sommer 2027 wieder auf den Marktplatz zurückkehren und im Rahmen des Stadtjubiläums zweieinhalb Wochen dauern soll. Geplant sind besondere Aktionen.

Estival kompakt
Start:
Das Estival-Pop-Up startet am Donnerstag, 30. Juli, um 17 Uhr auf dem Rathausplatz. Die offizielle Eröffnung mit OB Matthias Klopfer findet dann um 18 Uhr statt. Geschlemmt und gefeiert werden kann zwölf Tage lang bis zum 10. August.
Öffnungszeiten: Das Estival-Pop-Up ist von Montag bis Donnerstag von 17 bis 23 Uhr sowie freitags bis 24 Uhr geöffnet. Am Samstag bieten die vier Wirtinnen und Wirte von 11.30 bis 24 Uhr und am Sonntag von 11.30 bis 23 Uhr Speisen und Getränke an.
Reservierung: Wer einen Tisch für das Estival reservieren möchte, kann entweder eine Whatsapp-Nachricht an die Nummer 01 51/ 23 42 39 27 senden oder Plätze mit einer E-Mail an die Adresse : perle@perle-uhlbach.de buchen. (pep)

Edle Tropfen, auch zu günstigeren Preisen, modernes Ambiente und gedämpfte Musik: Die Veranstaltung auf dem Esslinger Hafenmarkt soll auch Jüngere ansprechen.

Die Esslinger Wein-Lounge hat in den vergangenen Jahren Abend für Abend mehrere Tausend Gäste auf den Hafenmarkt gezogen. Das Konzept, das Winzer mit Weinkennern und Neulingen zusammenbringt und auf ein moderneres Ambiente setzt, zieht offenbar. Die Veranstalter wollen das Event dennoch Jahr für Jahr weiterentwickeln. Auch diesmal, bei der fünften Ausgabe, gibt es neue Winzer und Veränderungen – zum Beispiel ein anderes Datum.
Bislang hatte die Wein-Lounge im September stattgefunden. Diesmal ist der Termin früher im Jahr: Von Donnerstag bis Sonntag, 23. bis 26. Juli. Markus Hägele, der die Wein-Lounge gemeinsam mit Enzo Messinese veranstaltet, erklärt die Terminverlegung: Als 2022 die Wein-Lounge zum ersten Mal stattgefunden habe, sei Anfang September noch ein guter Zeitraum für das Fest gewesen. Doch der Klimawandel mit anhaltend höheren Temperaturen lasse die Weinlese immer früher beginnen. „Die Wein-Lounge ist kein Gastrofest wie das Esslinger Weindorf. Die Winzer sind bei uns selbst vor Ort. Der Termin muss also in ihren Kalender passen.“
Weiter wachsen soll das Angebot. Waren es 2022 noch zehn Stände, so sind es in diesem Jahr zwölf, an denen 16 Winzer ihre Weine ausschenken. „Wir haben zum ersten Mal Kombistände“, sagt Hägele. „Im Jahr eins war die Wein-Lounge nicht darauf ausgelegt zu wachsen. Aber es ist unser eigener Antrieb, nicht auf einem Level zu bleiben“, meint der selbsterklärte Weinliebhaber. In den vergangenen Jahren habe man immer wieder Winzer vertrösten müssen, die teilnehmen wollten. Auch deswegen veranstalten Hägele und Messinese immer wieder Wein-Tastings in Esslingen mit einer größeren Zahl an Weingütern.

Umzug auf den Marktplatz angestrebt
Bei der Wein-Lounge werden den Veranstaltern aber Grenzen gesetzt: Die gibt der Hafenmarkt vor. „Wir können nicht mehr unterbringen“, erklärt Hägele. In diesem Jahr habe man versucht, den Platz noch besser auszunutzen. Mit Blick auf die Zukunft liebäugeln er und Messinese mit einem Umzug. Sie seien in Gesprächen mit der Stadt Esslingen über den Marktplatz. In Abhängigkeit vom Fortschritt der Sanierung soll die Wein-Lounge spätestens 2028 dort stattfinden – mit größerem Angebot.
Das erklärte Ziel: „Wir wollen das zweitgrößte Weinfest in der Region werden“, sagt Hägele – nach dem Stuttgarter Weindorf. Nicht ändern soll sich allerdings die Atmosphäre, die sich von anderen Weinfesten absetzt. Der Aufbau soll luftig bleiben mit Zelten in modernem Schwarz und Schirmen, statt urigen Lauben wie beispielsweise auf dem Weindorf.
Dabei spielt auch die Kulisse aus Sicht der Veranstalter – beide Esslinger – eine Rolle. Die historischen Gebäude und künftig vom Marktplatz aus der Blick auf die Weinberge, der die Verbundenheit der Stadt mit dem Weinbau spüren lässt, sind für sie wichtige Aspekte, die den Erfolg des Events ausmachen. Auch ihre eigene Verbundenheit zu Esslingen machen Hägele und Messinese immer wieder deutlich. „All das scheint die Leute irgendwie zu catchen“, sagt Markus Hägele.
Die Wein-Lounge und Wein-Tastings schließen aus Sicht von Hägele (52) und Messinese (48) eine Lücke. „Wir wollen das Thema Wein populärer machen, auch in jüngeren Generationen.“ Beide haben andere Hauptjobs und beteuern, die Events nicht in erster Linie aus kommerziellen Gründen, sondern um der Sache Willen zu veranstalten.
Wichtig sei ihnen, niemanden auszugrenzen. Deswegen gebe es nicht nur 50-Euro-Flaschen, sondern auch gute Weine zu einem Preis von vier Euro pro Glas für 0,1 Liter für Einsteiger. 16 Weingüter an zwölf Ständen präsentieren ihre Tropfen. Darüber hinaus gibt es eine Sektbar mit lokalen Winzerprodukten, Cocktails und ein Speisenangebot. Die Weine kommen einerseits aus der Stadt und der Region – die Lokalmatadoren Kusterer, Bayer, Maxwein und Teamwerk sind vertreten. Aber auch aus der Pfalz, Rheinhessen und Südtirol kommen Winzer angereist.

Info: Esslinger Wein-Lounge auf dem Hafenmarkt vom 23. bis 27. Juli mit Winzern aus Esslingen, dem Remstal, Baden, der Pfalz, Rheinhessen und Südtirol. Öffnungszeiten Donnerstag 17 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag 12 bis 24 Uhr, Sonntag und Montag 12 bis 23 Uhr. Extras: Donnerstag After-Work-Wein mit Hitradio Antenne 1, Freitag Livemusik, Samstagabend Livemusik und ab 23 Uhr Aftershow-Party im Salemer Pfleghof, Sonntag Familientag. (gg)

Beim bundesweiten Gemeindecheck belegt Plochingen in einer Kategorie den ersten Rang. Aber längst nicht in allen sieht es so gut aus – das kostet Plätze im Gesamtranking. Warum die Kleinstadt am Neckarknie spitze in Sachen Mobilität ist und was sonst noch verglichen wurde.

Plochingen sieht sich gern als Mobilitätsdrehscheibe in der Region. Jetzt hat die Stadt die offizielle Bestätigung dafür: Beim bundesweiten Gemeindecheck des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln steht sie in der Kategorie „Mobilität“ auf Rang eins.
Ob im Plochinger Rathaus die Sektkorken geknallt haben, ist nicht bekannt. Stolz ist man aber schon am Neckarknie. „Die hervorragende Verkehrsanbindung der Stadt Plochingen ist ein großer Standortvorteil“, findet Bürgermeister Frank Buß. Er sieht die gute Position auch als einen Verdienst der Kommunalpolitik: „Unsere Investitionen in ein verändertes Mobilitätsverhalten – für einen besseren ÖPNV und mehr Angebote für Radfahrer und Fußgänger – tragen Früchte. Ich freue mich, dass dies durch die Studie nun belegt wird.“
Klar, Plochinger wissen schon lange, dass weit und breit nirgendwo sonst so viele Züge fahren. Trotzdem überrascht es, dass die Kleinstadt allen anderen 10 816 Gemeinden in Deutschland in Sachen Mobilität den Rang abgelaufen hat, auch Städten wie Stuttgart, München oder Hamburg. Das dürfte tatsächlich an der Datengrundlage liegen, denn einer der Faktoren, mit dem in der Studie die Mobilität bewertet wurde, ist die Zahl der regionalen Bahnverbindungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Kleinstädte im Vorteil
Da ist logischerweise eine Kleinstadt mit großem Bahnhof klar im Vorteil, und so folgen in der Spalte „Mobilität“ des Gemeindechecks auch Steinwenden und Ruppach-Goldhausen auf Plochingen – zwei Gemeinden, die den meisten Menschen im Land nichts sagen dürften. Die „mobilsten“ Großstädte, nämlich Offenbach und Frankfurt am Main, liegen auf den Plätzen 33 und 37.
Überhaupt greifen die Autoren der Studie auf Daten zurück, welche bereits vorliegen oder relativ leicht zu erheben sind. So flossen in die Mobilität auch die Erreichbarkeit des Bahnhofs, der Autobahn und des Flugplatzes ein – und stellvertretend für den Straßenzustand wird der Zustand der Brücken, denn sie werden regelmäßig vom Bundesamt für Straßenwesen, benotet. Ob sich daraus auch tatsächlich Rückschlüsse auf den generellen Zustand der lokalen Straßen ziehen lassen, wie in der Studie vermutet wird, sei dahingestellt.

Filderstadt liegt im Kreis Esslingen vorn
Euphorie oder entspanntes Zurücklehnen wären ohnehin fehl am Platz, auch wenn Plochingen in der Gesamtwertung aller fünf Kategorien des Gemeindechecks einen achtbaren Platz 352 erringt. Allerdings liegt die Stadt damit hinter zehn anderen Gemeinden im Kreis Esslingen. Das spiegelt die insgesamt sehr gute Situation in der Region Stuttgart wider. Bewertet wurden insgesamt fünf Bereiche der Daseinsvorsorge; neben der Mobilität sind das Bildung, Gesundheit, Freizeit und Digital.
Bundesweit lag in der Gesamtwertung die Stadt Haar im Landkreis München vorn. Gesamtsieger im Kreis Esslingen ist Filderstadt auf Platz 56, was der dortige Oberbürgermeister Christoph Traub „freudig und schwäbisch-stolz“ auf Social Media gepostet hat – verbunden mit einem Dank an alle, die „täglich daran weiterarbeiten, damit es so bleibt“.
Unter anderem landen auch Wendlingen auf Gesamtrang 68, Esslingen, Reichenbach oder Köngen noch vor Plochingen. Was hat den Mobilitätssieger so viel Plätze gekostet? Es ist die Kategorie Freizeit, in der die Stadt am Neckarknie mit dem wenig ruhmreichen Rang 5810 nur „mittelmäßig“ abschneidet. Betrachtet werden hier die Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern und Museen, was durchaus an wunde Punkte in Plochingen rührt: Man denke an das geschlossene Hallenbad oder an ein angedachtes Heimatmuseum im Grafschen Haus, das halbfertig einen Dornröschenschlaf schläft.
Aber Kultur und Freizeit haben auch andere Aspekte, abseits der staatlichen Daseinsvorsorge – möglich, dass die Plochinger selbst an dieser Stelle anders urteilen würden. Zumal sie ja mit der Bahn, wie man weiß, überall hinkommen.

Kreis ist „sehr gut“ bis „mittel“
Methodik:
Für die Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Philipp Morris GmbH durchgeführt hat, wurden zahlreiche Daten aufbereitet, teilweise auch neu erhoben, und mit einer repräsentativen Befragung von mehr als 5000 Menschen kombiniert.
Kreis Esslingen: Die 44 Kreisgemeinden liegen im Gesamtranking zwischen Platz 56 (Filderstadt) und 6066 (Erkenbrechtsweiler). Sie bewegen sich damit zwischen den Wertungen „sehr gut“ und „mittel“. Bei der Bildung liegt Reichenbach weit oben (Platz 105), bei der Freizeit Nürtingen (Platz 187) und bei der Gesundheit Kirchheim (Platz 197). In der Kategorie Digital schneidet Dettingen mit Rang 785 am besten im Kreis ab.
Daseinsvorsorge: Dieser Begriff steht laut der Bundeszentrale für politische Bildung für die „staatliche Aufgabe, Güter und Leistungen bereitzustellen, die für ein men­schliches Dasein notwendig sind“. Zur technischen Daseinsvorsorge gehört zum Beispiel die Versorgung mit Trinkwasser, Strom, Gas und Wärme, die Telekommunikation oder der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Soziale Daseinsvorsorge sind unter anderem Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bildungseinrichtungen oder Kulturangebote. (aia)

Eine Gesetzesnovelle erleichtert die Reduzierung von Höchstgeschwindigkeiten innerorts. Die Stadt Esslingen will die Neuerungen für sich nutzen, aber sie hätte sich noch mehr Freiheiten gewünscht.

Mehr Sicherheit, weniger Lärm, bessere Luft: Für die Befürworter von Tempo 30 gibt es gleich mehrere gute Gründe, dieses Tempolimit auf zusätzlichen Strecken einzuführen. Durch eine Gesetzesnovelle ist das jetzt auch etwas einfacher als zuvor. Auf Antrag der Grünen hat die Stadt Esslingen deshalb untersucht, wo im Stadtgebiet die Einführung von Tempo 30 sinnvoll und machbar wäre – und zwölf Strecken dafür identifiziert.
Eigentlich hatte man sich im Esslinger Rathaus große Hoffnungen mit Blick auf die Novellierung der Straßenverkehrsordnung gemacht. „Aber die Änderungen sind nicht der große Wurf“, bedauerte die Ordnungsamtsleiterin Brigitte Länge jüngst in einer Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK). Sie hätte sich gewünscht, dass die Stadt am Ortsschild ein Tempolimit von 30 oder 40 Kilometern je Stunde festlegen kann, das dann für die gesamte Stadt gilt. „Das wäre eine bürokratische Erleichterung gewesen“, so Länge. Aber das sei nach wie vor nicht möglich – stattdessen seien weiterhin stets Einzelfallprüfungen notwendig.
Daher habe man noch einmal sehr intensiv das gesamte Stadtgebiet beleuchtet, und zwar im Hinblick auf die jüngsten Änderungen der Straßenverkehrsordnung. Diesen zufolge sind jetzt Lückenschlüsse zwischen zwei innerörtlichen Tempo-30-Abschnitten von bis zu 500 Metern Länge möglich – bislang galt ein Maximum von 300 Metern. Zudem gelten jetzt auch Fußgängerüberwege, Spielplätze, hochfrequentierte Schulwege sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen als sogenannte sensible Einrichtungen, in deren Umfeld Tempo-30-Zonen eingerichtet werden dürfen.

Zwei Strecken wurden zurückgestellt
Vor diesem Hintergrund habe man geprüft, wo Reduzierungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit möglich sind, heißt es aus dem Rathaus. Dabei habe man stets auch die potenziellen Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr mitbetrachtet. Herausgekommen sei dabei, dass prinzipiell auf insgesamt 14 weiteren Strecken in Esslingen Tempo 30 eingerichtet werden kann. Zwei Strecken wurden zurückgestellt, in zwölf Fällen soll nun nach und nach das neue Tempolimit eingeführt werden.
Konkret geht es dabei um Streckenabschnitte in der Indexstraße, wo eine Kita und ein Schulweg die Einrichtung von Tempo 30 möglich machen, in der Röntgenstraße wegen einer Werkstatt für behinderte Menschen, wegen eines Fußgängerüberwegs und als Lückenschluss, in der Jakobstraße (wegen eines Spielplatzes), in der Teckstraße (Kita), in der Kreuzgartenstraße (Spielplatz), in der Karl-Pfaff-Straße (Fußgängerüberweg), in der Obertürkheimer Straße (Spielplatz, Schulweg, Lückenschluss), in der Mettinger Straße (Kita, Schulweg), in der Liebersbronner Straße (Kita, Schulweg, Lückenschluss), in der Alleenstraße (Fußgängerüberweg, Lückenschluss), in der Hegensberger Straße (Fußgängerüberweg, Lückenschluss) und in der Mülbergerstraße (Klinik, Lückenschluss). In den meisten Fällen soll Tempo 30 lediglich zeitlich begrenzt tagsüber gelten. Theoretisch möglich wäre auch die Einführung von Tempo 30 auf der östlichen Seite von Maillestraße und Neckarstraße bis zur Kiesstraße (Spielplatz) und in der Barbarossastraße (Spielplatz, Lückenschluss). Doch in beiden Fällen würde laut Stadtverwaltung dadurch der Busverkehr behindert.
Daher soll die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit dort zurückgestellt werden, bis die ohnehin bereits geplante Änderung der Buslinie 111 in trockenen Tüchern ist. Im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz stieß die Ausweisung zusätzlicher Tempo-30-Zonen auf Zustimmung – wenngleich eine breite Mehrheit lieber stadtweit Tempo 40 einführen würde. „Aber das sieht der Gesetzgeber nicht vor“, stellte die Ordnungsamtsleiterin Länge klar. (meb)

Der Verlauf des geplanten Radschnellwegs bewegt weiter die Gemüter – insbesondere in Plochingen. Nun hat dort die Ratsmehrheit erneut gegen einen mühsam ausgehandelten Deal zwischen der Stadt und dem Land gestimmt. Im Zuge der Sanierung der Filsbrücke muss jetzt eine Interimsbrücke für geschätzt eine Million Euro gebaut werden.

Es bleibt dabei. Die Brücke für den Radschnellweg in Plochingen wird nicht zeitnah gebaut. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte die Vergabe der Bauarbeiten für die Radbrücke erneut ab. Das bedeutet, dass die Stadt eine Interimsbrücke zur Sanierung der Filsbrücke für geschätzt eine Million Euro bauen muss.
„Ich bedauere es sehr“, sagte Plochingens Bürgermeister Frank Buß nach der Abstimmung. Denn den Schaden hat nun die Stadt, genauer gesagt der Steuerzahler. Hintergrund: Für den Radschnellweg durch das Fils- und Neckartal muss bei Plochingen eine Brücke über die Fils gebaut werden. Gleichzeitig braucht die Stadt Plochingen eine Ausweichbrücke für die Zeit, in welcher sie die bestehende Filsbrücke erneuert. Nun gab es die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Radbrücke des Landes wird früher als für den Radschnellweg benötigt gebaut und von der Stadt zunächst als Interimsbrücke genutzt.

Jenseits des Bruckenwasens
Lange hat die Plochinger Stadtverwaltung dafür gearbeitet, dass das klappt. „Das war die Lösung, bei der die Stadt gewonnen hätte“, ist sich der Bürgermeister sicher. Die Mehrheit des Gemeinderates sah das anders.
Bei der Abstimmung im Gemeinderat am 9. Juni hatten CDU, Bürgerliste und die Unabhängige Liste Plochingen (ULP) gegen die Pläne votiert. Sie wollten erst die Zusage vom Land, dass der Radschnellweg nicht durch den Bruckenwasen verläuft. Ende Juni lief die Vergabefrist für die Bauarbeiten der Radfahrbrücke nach mehreren Verlängerungen aus. Deshalb hatte die Stadtverwaltung zwischen dem 9. Juni und dem 29. Juni noch einmal darum gerungen, dem Land die Zusage für die B-10-Trasse abzuringen. Vorsorglich wurde für Ende Juni eine außerordentliche Gemeinderatssitzung einberufen.
Obwohl es viele Gespräche mit dem Regierungspräsidium Stuttgart gegeben habe, hätten sich die Mitarbeiter dort während eines laufenden Planungsprozesses nicht auf eine schriftliche Zusage für die zukünftige Trassenführung festlegen lassen, so Frank Buß. Die OGL hatte in der Gemeinderatssitzung noch erfolgreich den Geschäftsordnungsantrag zu einer geheimen Abstimmung gestellt. Die Hoffnung war, dass es Abweichler innerhalb der CDU, der ULP oder der Bürgerliste geben werde. Das Ergebnis hat sich aber nicht geändert.

Teure B-10-Trasse wird favorisiert
Seit Jahren ist die Streckenführung des Radschnellwegs bei Plochingen umstritten. So gibt es die Idee, die bestehende Bahnunterführung zum Bruckenwasen für den Radschnellweg zu nutzen und die Radler am Heim des Obst- und Gartenbauvereins vorbeizuführen. In Plochingen wird diese Variante aber überwiegend kritisch gesehen. Ungern möchte man die Radler in den Bruckenwasen schicken, auch nicht ein kleines Stück. Es werden unter anderem Konflikte mit Fußgängern befürchtet. Stattdessen sollte der Radschnellweg parallel zu B 10 verlaufen, wünscht sich eine Mehrheit in Plochingen. Doch diese Wegeführung wäre wesentlich teurer, weil eine neue Querung der Bahnlinie notwendig wäre.
Ob sich die Stadt mit dem jetzigen Abstimmungsverhalten einen Gefallen getan hat, muss abgewartet werden. „Ich halte das für den falschen Ansatz. Wir hätten guten Willen zeigen müssen“, meint der Bürgermeister. Denn bisher sei das Land noch durchaus offen für die von Plochingen favorisierte B-10-Trasse gewesen. Wer das nun zerschlagene Porzellan zwischen der Stadt und dem Land zusammenkehrt und wie es danach weitergeht, ist eine der spannenden Fragen, mit denen sich die Kommunalpolitik am Neckarknie in den kommenden Monaten beschäftigen müssen wird. (bra)