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Claus Hintennach

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Eine Gesetzesnovelle erleichtert die Reduzierung von Höchstgeschwindigkeiten innerorts. Die Stadt Esslingen will die Neuerungen für sich nutzen, aber sie hätte sich noch mehr Freiheiten gewünscht.

Mehr Sicherheit, weniger Lärm, bessere Luft: Für die Befürworter von Tempo 30 gibt es gleich mehrere gute Gründe, dieses Tempolimit auf zusätzlichen Strecken einzuführen. Durch eine Gesetzesnovelle ist das jetzt auch etwas einfacher als zuvor. Auf Antrag der Grünen hat die Stadt Esslingen deshalb untersucht, wo im Stadtgebiet die Einführung von Tempo 30 sinnvoll und machbar wäre – und zwölf Strecken dafür identifiziert.
Eigentlich hatte man sich im Esslinger Rathaus große Hoffnungen mit Blick auf die Novellierung der Straßenverkehrsordnung gemacht. „Aber die Änderungen sind nicht der große Wurf“, bedauerte die Ordnungsamtsleiterin Brigitte Länge jüngst in einer Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK). Sie hätte sich gewünscht, dass die Stadt am Ortsschild ein Tempolimit von 30 oder 40 Kilometern je Stunde festlegen kann, das dann für die gesamte Stadt gilt. „Das wäre eine bürokratische Erleichterung gewesen“, so Länge. Aber das sei nach wie vor nicht möglich – stattdessen seien weiterhin stets Einzelfallprüfungen notwendig.
Daher habe man noch einmal sehr intensiv das gesamte Stadtgebiet beleuchtet, und zwar im Hinblick auf die jüngsten Änderungen der Straßenverkehrsordnung. Diesen zufolge sind jetzt Lückenschlüsse zwischen zwei innerörtlichen Tempo-30-Abschnitten von bis zu 500 Metern Länge möglich – bislang galt ein Maximum von 300 Metern. Zudem gelten jetzt auch Fußgängerüberwege, Spielplätze, hochfrequentierte Schulwege sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen als sogenannte sensible Einrichtungen, in deren Umfeld Tempo-30-Zonen eingerichtet werden dürfen.

Zwei Strecken wurden zurückgestellt
Vor diesem Hintergrund habe man geprüft, wo Reduzierungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit möglich sind, heißt es aus dem Rathaus. Dabei habe man stets auch die potenziellen Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr mitbetrachtet. Herausgekommen sei dabei, dass prinzipiell auf insgesamt 14 weiteren Strecken in Esslingen Tempo 30 eingerichtet werden kann. Zwei Strecken wurden zurückgestellt, in zwölf Fällen soll nun nach und nach das neue Tempolimit eingeführt werden.
Konkret geht es dabei um Streckenabschnitte in der Indexstraße, wo eine Kita und ein Schulweg die Einrichtung von Tempo 30 möglich machen, in der Röntgenstraße wegen einer Werkstatt für behinderte Menschen, wegen eines Fußgängerüberwegs und als Lückenschluss, in der Jakobstraße (wegen eines Spielplatzes), in der Teckstraße (Kita), in der Kreuzgartenstraße (Spielplatz), in der Karl-Pfaff-Straße (Fußgängerüberweg), in der Obertürkheimer Straße (Spielplatz, Schulweg, Lückenschluss), in der Mettinger Straße (Kita, Schulweg), in der Liebersbronner Straße (Kita, Schulweg, Lückenschluss), in der Alleenstraße (Fußgängerüberweg, Lückenschluss), in der Hegensberger Straße (Fußgängerüberweg, Lückenschluss) und in der Mülbergerstraße (Klinik, Lückenschluss). In den meisten Fällen soll Tempo 30 lediglich zeitlich begrenzt tagsüber gelten. Theoretisch möglich wäre auch die Einführung von Tempo 30 auf der östlichen Seite von Maillestraße und Neckarstraße bis zur Kiesstraße (Spielplatz) und in der Barbarossastraße (Spielplatz, Lückenschluss). Doch in beiden Fällen würde laut Stadtverwaltung dadurch der Busverkehr behindert.
Daher soll die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit dort zurückgestellt werden, bis die ohnehin bereits geplante Änderung der Buslinie 111 in trockenen Tüchern ist. Im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz stieß die Ausweisung zusätzlicher Tempo-30-Zonen auf Zustimmung – wenngleich eine breite Mehrheit lieber stadtweit Tempo 40 einführen würde. „Aber das sieht der Gesetzgeber nicht vor“, stellte die Ordnungsamtsleiterin Länge klar. (meb)

Der Verlauf des geplanten Radschnellwegs bewegt weiter die Gemüter – insbesondere in Plochingen. Nun hat dort die Ratsmehrheit erneut gegen einen mühsam ausgehandelten Deal zwischen der Stadt und dem Land gestimmt. Im Zuge der Sanierung der Filsbrücke muss jetzt eine Interimsbrücke für geschätzt eine Million Euro gebaut werden.

Es bleibt dabei. Die Brücke für den Radschnellweg in Plochingen wird nicht zeitnah gebaut. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte die Vergabe der Bauarbeiten für die Radbrücke erneut ab. Das bedeutet, dass die Stadt eine Interimsbrücke zur Sanierung der Filsbrücke für geschätzt eine Million Euro bauen muss.
„Ich bedauere es sehr“, sagte Plochingens Bürgermeister Frank Buß nach der Abstimmung. Denn den Schaden hat nun die Stadt, genauer gesagt der Steuerzahler. Hintergrund: Für den Radschnellweg durch das Fils- und Neckartal muss bei Plochingen eine Brücke über die Fils gebaut werden. Gleichzeitig braucht die Stadt Plochingen eine Ausweichbrücke für die Zeit, in welcher sie die bestehende Filsbrücke erneuert. Nun gab es die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Radbrücke des Landes wird früher als für den Radschnellweg benötigt gebaut und von der Stadt zunächst als Interimsbrücke genutzt.

Jenseits des Bruckenwasens
Lange hat die Plochinger Stadtverwaltung dafür gearbeitet, dass das klappt. „Das war die Lösung, bei der die Stadt gewonnen hätte“, ist sich der Bürgermeister sicher. Die Mehrheit des Gemeinderates sah das anders.
Bei der Abstimmung im Gemeinderat am 9. Juni hatten CDU, Bürgerliste und die Unabhängige Liste Plochingen (ULP) gegen die Pläne votiert. Sie wollten erst die Zusage vom Land, dass der Radschnellweg nicht durch den Bruckenwasen verläuft. Ende Juni lief die Vergabefrist für die Bauarbeiten der Radfahrbrücke nach mehreren Verlängerungen aus. Deshalb hatte die Stadtverwaltung zwischen dem 9. Juni und dem 29. Juni noch einmal darum gerungen, dem Land die Zusage für die B-10-Trasse abzuringen. Vorsorglich wurde für Ende Juni eine außerordentliche Gemeinderatssitzung einberufen.
Obwohl es viele Gespräche mit dem Regierungspräsidium Stuttgart gegeben habe, hätten sich die Mitarbeiter dort während eines laufenden Planungsprozesses nicht auf eine schriftliche Zusage für die zukünftige Trassenführung festlegen lassen, so Frank Buß. Die OGL hatte in der Gemeinderatssitzung noch erfolgreich den Geschäftsordnungsantrag zu einer geheimen Abstimmung gestellt. Die Hoffnung war, dass es Abweichler innerhalb der CDU, der ULP oder der Bürgerliste geben werde. Das Ergebnis hat sich aber nicht geändert.

Teure B-10-Trasse wird favorisiert
Seit Jahren ist die Streckenführung des Radschnellwegs bei Plochingen umstritten. So gibt es die Idee, die bestehende Bahnunterführung zum Bruckenwasen für den Radschnellweg zu nutzen und die Radler am Heim des Obst- und Gartenbauvereins vorbeizuführen. In Plochingen wird diese Variante aber überwiegend kritisch gesehen. Ungern möchte man die Radler in den Bruckenwasen schicken, auch nicht ein kleines Stück. Es werden unter anderem Konflikte mit Fußgängern befürchtet. Stattdessen sollte der Radschnellweg parallel zu B 10 verlaufen, wünscht sich eine Mehrheit in Plochingen. Doch diese Wegeführung wäre wesentlich teurer, weil eine neue Querung der Bahnlinie notwendig wäre.
Ob sich die Stadt mit dem jetzigen Abstimmungsverhalten einen Gefallen getan hat, muss abgewartet werden. „Ich halte das für den falschen Ansatz. Wir hätten guten Willen zeigen müssen“, meint der Bürgermeister. Denn bisher sei das Land noch durchaus offen für die von Plochingen favorisierte B-10-Trasse gewesen. Wer das nun zerschlagene Porzellan zwischen der Stadt und dem Land zusammenkehrt und wie es danach weitergeht, ist eine der spannenden Fragen, mit denen sich die Kommunalpolitik am Neckarknie in den kommenden Monaten beschäftigen müssen wird. (bra)

Beim 64. Motocross in Aichwald stehen sechs Klassen am Startgatter, die Seitenwagen und die Quads kehren nach längerer Abstinenz zurück. In der DM Open führt Max Thunecke, hinter Max Nagls Einsatz steht ein Fragezeichen. MSC-Fahrer Valentin Kees zählt bei den Junioren zu den Favoriten. Bei den Frauen fordert Kiara Fontanesi die Seriensiegerin Larissa Papenmeier. Und abends werden auf dem Schurwald wieder Partys gefeiert.

Das Motocross Aichwald bietet bei seiner 64. Auflage ein besonders vielseitiges Programm. Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Juli, stehen auf der Strecke „In den Horben“ sechs Klassen am Startgatter – darunter erstmals seit 2019 wieder die Seitenwagen sowie die Quads, die 23 Jahre nach ihrem bislang einzigen Auftritt nach Aichwald zurückkehren. Die Vierrad-Spezialisten versprechen packende Zweikämpfe und spektakuläre Drifts. Schon in den vergangenen Jahren gehörten die übrigen Klassen zum Rennprogramm: die DM Open, die Junioren der DM 250, die Jugendklasse bis 125 Kubikzentimeter sowie die Frauenklasse. Dort verbreitet die Italienerin Kiara Fontanesi weltmeisterlichen Glanz.
In der Open-Klasse nimmt Max Thunecke einen weiteren Anlauf auf den DM-Titel. In der Vorsaison hatte der 22-jährige Magdeburger den Titelkampf erst im letzten Rennen gegen Toni Hoffmann verloren – mit nur einem Punkt Rückstand. Aktuell führt Thunecke das Klassement an, dicht auf den Fersen sind ihm aber Peter König und Paul Haberland. König ist der 250er-Meister aus dem Jahr 2024 und hat bereits WM-Punkte gesammelt. Supercross-Spezialist Haberland stand unter anderem in der indischen Liga sowie beim größten Indoor-Event Europas in Paris am Startgatter.

Nagl in Tensfeld hart getroffen
Ein gern gesehener Gaststarter in Aichwald ist Max Nagl. Ob der 38 Jahre alte Oberbayer bei der 64. Auflage fahren kann, ist allerdings offen. Nagl, seit vielen Jahren Clubmitglied beim MSC Aichwald, konzentriert sich auf die ADAC MX Masters, in deren Rahmen es um den Titel des Internationalen Deutschen Motocross-Meisters geht. Beim Rennen in Tensfeld kollidierte der 38-jährige Oberbayer allerdings mit einem vor ihm gestürzten Konkurrenten und wurde beim Versuch, wieder auf sein Bike zu steigen, von einem nachfolgenden Fahrer hart getroffen. Zunächst wurden in Folge Wirbelbrüche im Hals- und Brustbereich befürchtet, was sich bei den Untersuchungen glücklicherweise nicht bestätigte. Zu welchem Zeitpunkt die erlittenen Verletzungen aber eine Rückkehr ins Renngeschehen zulassen, ist derzeit völlig offen. Allerdings: Sein Kommen hat der Altmeister den MSC-Verantwortlichen unabhängig davon fest zugesagt, selbst wenn es auf dem Schurwald nur zum Schwenken der Zielflagge reichen sollte.

Emotionaler Abschied am „Hang der Nationen“
Was Nagl bei den Männern an Erfolgen und Erfahrung verkörpert, ist Larissa Papenmeier in der Frauenszene. Die 36-jährige Ostwestfälin hat die Frauenklasse national und international über zwei Jahrzehnte hinweg geprägt. Ende Mai absolvierte sie in Teutschenthal ihren 100. und vermeintlich letzten Grand Prix, verabschiedete sich mit einem weiteren Top-Ten-Ergebnis emotional von den Fans am „Hang der Nationen“ – und führt in der DM-Wertung weiterhin unangefochten.
Eine Konkurrentin wird es Papenmeier auf dem Schurwald allerdings besonders schwer machen: Kiara Fontanesi hat sich kurzfristig für einen Start entschieden. Die 32-jährige Italienerin hat 2012 ihren ersten WM-Titel gewonnen und ließ fünf weitere folgen, die ersten vier davon in Folge – beides Werte, die bis heute unerreicht sind. Im aktuellen WM-Ranking liegt die zweifache Mutter, die seit 2016 der Sportgruppe der italienischen Staatspolizei „Fiamme Oro“ angehört, an zweiter Stelle mit nur sechs Punkten Rückstand.
In der Frauen-DM-Wertung liegt die Niederländerin Amber Simons auf dem zweiten Platz. Ihr folgen die 20-jährige Alexandra Massury aus Berchtesgaden (2022 Europameisterin in der 125-Kubikzentimeter-Klasse) und Tanja Schlosser auf den Rängen drei und vier. Schlosser wurde im Jahr 2023 Europameisterin im Endurosport, derzeit favorisiert sie aber Motocross. Laufsiege haben in dieser Saison zudem schon die Britin Lucy Barker und zwei Gaststarterinnen aus den Niederlanden eingefahren: Danée Gelissen und Lynn Valk.
In der Juniorenklasse der DM 250 schickt der MSC Aichwald in Valentin Kees einen Favoriten ins Rennen. Der Oberbayer zeigt sich nur sporadisch bei den DM-Rennen, er fährt überwiegend den ADAC MX Youngster Cup und bei ausgesuchten WM-Veranstaltungen in der MX-2-Klasse. Der 21-jährige Meister der 125er-Klasse aus dem Jahr 2021 lässt es sich aber nicht nehmen, beim DM-Rennen „In den Horben“ ans Startgatter zu rollen. In Aichwald steht Kees sogar vor dem Hattrick: Die Tagessiege in den vergangenen beiden Jahren sicherte er sich souverän, in allen vier Läufen sah er als Erster die Zielflagge. In der Meisterschaftswertung geht es derweil spannend zu: Linus Jung, der 125er-Meister aus 2023, führt knapp vor Fritz Greiner, dem Vizemeister der Vorsaison. Auch Ben-Lukas Bremser liegt noch in Schlagdistanz.

Faustmann und Frech noch mal am Start
Bei den Seitenwagen hat sich das Gespann Adrian Peter/Julian Zimmermann eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet. Nachdem er mit verschiedenen Co-Piloten viermal Vizemeister wurde, will Peter nun unbedingt seinen ersten Titel einfahren. Auf Rang zwei liegen Leon Hoffmann und Leon Freygang, vor dem Duo Patrick Hengster und Justin Blume. Blume ist seit seinem Titelgewinn mit dem Esslinger MSC-Fahrer Tobias Blank im Jahr 2024 Mitglied im MSC. Und zwei weitere Clubkameraden, die den Helm zwischenzeitlich schon an den Nagel gehängt hatten, stehen noch mal am Startgatter: Marcel Faustmann aus Weilheim, zweimal Vizemeister, hat Max Frech, seinen Beifahrer aus dem Jahr 2017, reaktiviert. Die beiden wurden vor neun Jahren Vizemeister und haben auch zahlreiche gemeinsame WM-Einsätze auf dem Buckel. Nach der kurzfristigen Absage des geplanten Saisonfinales fahren die Seitenwagen in Aichwald ihren Meister aus.
In der Quad-Klasse fährt Jordi Niclas Gieler an der Spitze. Ihm auf den Fersen ist das Brüderpaar Matteo und Luca Stiller. In der 125er-Jugendklasse gibt es einen spannenden Vierkampf: Tim Schröter führt in der Meisterschaftswertung derzeit vor Finn Lange, Max Meyer und Raphael Hellmuth.
Der Zeitplan sieht am Rennsamstag die Junioren der DM 250 um Valentin Kees vor, außerdem gehen die Quads und die Seitenwagen an den Start. Am Sonntag eröffnet die 125-Kubikzentimeter-Jugendklasse das Rennprogramm, gefolgt von der Frauenklasse. Die DM Open bildet den Höhepunkt und Abschluss des Rennwochenendes. Zudem wird in Festzelt und Biergarten wieder gefeiert: Bereits am Freitagabend (10. Juli) sorgen die „VIP’s“ für Stimmung, tags darauf gefolgt vom „Hofbräu-Regiment“. (Jochen Beck/Claus Hintennach)

Seit 150 Jahren versorgen die Stadtwerke Esslingen die Stadt mit Trinkwasser. Woher das Esslinger Wasser stammt, wie sauber es ist – und warum die Hausinstallation für die Wasserqualität entscheidend sein kann.

Wasserhahn aufdrehen, Glas darunter halten, trinken – seit 150 Jahren versorgen die Stadtwerke Esslingen (SWE) die Haushalte mit sauberem und frischem Trinkwasser. Es fließt durch das Esslinger Trinkwassernetz mit zwölf Hochbehältern und Leitungen, die sich über rund 530 Kilometer erstrecken.
Trinkwasser wird in Deutschland intensiv kontrolliert und unterliegt strengen Grenzwerten. Das wichtige Lebensmittel enthält nach SWE-Angaben wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Damit es hygienisch in den Esslinger Haushalten ankommt, werde es laufend kontrolliert. Das 150-Jahr-Jubiläum feiern die Stadtwerke auch mit Führungen an der Esslinger Hochschule zum Thema Trinkwasserhygiene. Denn eines ist klar: Es gibt viel zu lernen über das flüssige Gut.
Woher kommt das Esslinger Trinkwasser? Wodurch kann es verunreinigt werden? Und was sollten Privatpersonen tun, wenn eine Leitung länger nicht benutzt wurde?

Aus dem Dounauried und vom Bodensee
Der größte Teil der Stadt wird von den SWE mit Trinkwasser der Landeswasserversorgung beliefert – eine Mischung aus Grundwasser aus dem Donauried nordöstlich von Ulm und aus Burgberg, Flusswasser aus der Donau sowie Quellwasser aus der Buchbrunnenquelle bei Dischingen. Im Stadtteil Berkheim und auf dem oberen Zollberg fließt dagegen Bodenseewasser aus dem Hahn. Laut Stadtwerken handelt es sich dabei um reines Seewasser aus 60 Metern Tiefe.
Diese doppelte Versorgung mache das System besonders zuverlässig: Die SWE könnten im Esslinger Stadtgebiet neben dem Trinkwasser von der Landeswasserversorgung auch auf Trinkwasser von der Bodensee-Wasserversorgung zurückgreifen und umgekehrt. Jährlich würden die Stadtwerke so rund 6,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ausliefern.
Das Wasser, das in Esslingen aus der Leitung fließt, habe bereits Trinkwasserqualität erreicht, bevor es in der Stadt ankomme, so die Stadtwerke. Die Qualität werde durch ständige Kontrollen durch die Bodensee-Wasserversorgung, die Landeswasserversorgung und die Stadtwerke Esslingen überprüft. Und auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigt: Das Trinkwasser in Deutschland werde sehr streng kontrolliert und könne unbedenklich getrunken werden. Diese Qualitätsanforderungen werden beispielsweise durch die Trinkwasserverordnung geregelt.
Jede Person sollte am Tag mindestens eineinhalb Liter Wasser trinken, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Bei Sport oder an heißen Tagen könne dieser Bedarf auf das Drei- bis Vierfache steigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt, warum das so wichtig ist: Der Körper scheide ständig Flüssigkeit über die Nieren, den Darm, die Haut sowie über die Lunge durch das Atmen aus. Ein Drittel der benötigten Wassermenge werde über feste Nahrung gedeckt, mehr als die Hälfte über Getränke, beispielsweise als Glas Leitungswasser aus dem Hahn.
Anke Geppert von der Hochschule Esslingen gibt Einblicke in das Thema Trinkwasserhygiene. Die Lehrkraft für angewandte Naturwissenschaften, Energie- und Gebäudetechnik rät, Schläuche an Armaturen regelmäßig zu tauschen – sie nennt als Referenz fünf Jahre, klare Richtlinien gebe es allerdings nicht.

Bleileitungen sind vollständig verboten
Sie weist darauf hin, dass die Hygiene des Wassers durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden kann. Trinkwasser sollte immer farblos, klar, kühl und geruchlich sowie geschmacklich einwandfrei sein. Da Trinkwasser nicht steril sei, könne es verschiedene Mikroorganismen haben, die in geringen Mengen im Wasser enthalten und sich im Wasserverteilungssystemen vermehren könnten. Damit das Wasser aus der Leitung sauber bleibt, können Verbraucherinnen und Verbraucher auf einige Dinge achten.
Zum einen könne die Qualität des Wassers etwa durch Blei beeinträchtigt werden. Um das zu vermeiden, sind in Deutschland Bleileitungen vollständig verboten. Das betrifft laut Verbraucherzentrale nicht nur komplette Wasserrohre, sondern auch kleinste Teilstücke, Armaturen und Lötverbindungen aus Blei. Typische Merkmale von Bleirohren seien eine grau-silberne Farbe und weiches, leicht anritzbares Material.
Auch Legionellen können die Wasserqualität bedrohen. Die stäbchenförmigen Bakterien vermehren sich in stehendem Wasser mit Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad Celsius und gelangen beim Duschen über Aerosole in die Lunge. Dort können sie die Legionellose auslösen, eine schwere Lungenentzündung. Um dies zu verhindern, sollte Wasser in den Leitungen nicht stagnieren.
Wenig genutzte Leitungen wie Gartenschläuche gehören regelmäßig durchgespült, Schlauchanschlüsse sollten nach Gebrauch gelöst, Kaltwasser unter 25 Grad und Warmwasser über 60 Grad Celcius gehalten werden. Und: Sanitärräume besser nicht als Abstellkammer nutzen.
Einen größeren Einblick und mehr hilfreiche Informationen gibt es bei Führungen am 13. Juli und am 21. September an der Hochschule Esslingen anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Wasserversorgung. Sie beginnen jeweils um 14 Uhr am Eingang der Hochschule (Mühlstraße 16). Besucherinnen und Besucher sollten für die Veranstaltung eineinhalb Stunden einplanen. Das Angebot richtet sich an Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab der siebten Klasse, die sich per Mail an: fuehrungen@swe.de anmelden. (fux)

Vom 3. bis 5. Juli findet das Traditionsfest im Zentrum von Esslingen statt. Die Hauptbühnen sind auf dem Rathausplatz und auf dem Hafenmarkt.

Beim Schwörfest von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Juli, feiert Esslingen in den Worten des Kulturamtes „ein ganzes Wochenende lang die Stadt, die Demokratie und die Bürgerinnen und Bürger.“ Weil der Marktplatz zurzeit umgestaltet wird und deshalb gesperrt ist, findet das Fest diesmal auf alternativen Plätzen statt – doch es bleibt in der Innenstadt. Die beiden Hauptbühnen stehen auf dem Rathausplatz und auf dem Hafenmarkt. Der Eßlinger Zeitung Lauf steigt im Rahmen des Schwörfests am Sonntag, 5. Juli. Start des Zehn-Kilometer Hauptlaufs ist um 10 Uhr.
„Seine lange Geschichte, seine Vielfalt und das große ehrenamtliche Engagement machen das Schwörfest besonders wertvoll für unsere Stadt“, betont Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Einige Vereine und Institutionen sind dieses Mal an neuen Standorten zu finden, doch viele konnten auch an ihren bewährten Standplätzen verbleiben“, sagt Gudrun Fretwurst, die sich im Kulturamt um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.
Die Festlichkeiten verteilen sich nach ihren Worten rund um den Postmichelbrunnen, die Ritterstraße, die Maille und den Kesselwasen. 80 Esslinger Vereine und Gruppen präsentieren sich von Freitag bis Sonntag auf den Bühnen und an ihren Ständen. „Das Schwörfest wird hauptsächlich von den Bürgerinnen und Bürgern geprägt, die sich in den Vereinen engagieren und ihre Arbeit präsentieren“, bringt Fretwurst das Konzept auf den Punkt.
Fast zehn Millionen Euro investiert die Stadt in ihren neuen Marktplatz, der 2027 zu Pfingsten eingeweiht werden und sich dann „autoarm, grüner und mit deutlich mehr Platz für Außengastronomie und konsumfreien Aufenthalt“ präsentieren soll. Für die Bauarbeiten bleibt der Platz eingezäunt, Webcams geben Einblicke. Rechtzeitig zu Esslingens 1250-Jahr-Stadtjubiläum soll der neu gestaltete Platz fertig sein – dann sollen auch Wasserspiele für Abwechslung und Erfrischung sorgen. Wegen der Sperrung der zentralen Fläche sind die Wege im Stadtzentrum etwas erschwert. Der Wochenmarkt am Mittwoch und am Samstag findet in der Bahnhofsstraße statt.

Im Fokus steht die Schwörzeremonie
Für das Schwörfest haben die Organisatoren einen Plan ausgetüftelt, der den Bedürfnissen der Besucher und der Vereine gerecht werden soll. Im Fokus steht bei dem dreitägigen Stadtfest die Schwörzeremonie. Sie wird wie üblich am historischen Ort des Geschehens, im Schwörhof, stattfinden. Am Freitag, 3. Juli, hält dort der EnBW-Vorstandsvorsitzende Georg Stamatelopoulos die Schwörtagsrede. Bei schlechtem Wetter wird die Zeremonie ins Neue Blarer verlegt.
Die Verpflichtung des Gemeinderats und des Oberbürgermeisters – zu Zeiten der Freien Reichsstadt Esslingen das zentrale verfassungspolitische Ereignis der Stadt – übernimmt in diesem Jahr die SPD-Gemeinderatsfraktion. Die Schwörzeremonie wird von Matthias Berg moderiert und von der Stadtkapelle Esslingen sowie vom Schulchor der Zollberg-Realschule musikalisch gestaltet. „Wir führen die Schwörtagstradition fort – als Ausdruck des bürgerschaftlichen Zusammenhalts in Esslingen und der kommunalpolitischen Partizipation“, sagt OB Matthias Klopfer.
Partizipation und Demokratie stehen auch bei weiteren Programmpunkten im Mittelpunkt. Bei kostenlosen Führungen unter dem Titel „Warum Schwörfest?“ wird erläutert, weshalb gefeiert wird. Dabei werden die Orte der historischen Zeremonie besucht. Treffpunkt ist am Freitag, 3. Juli, um 16.30 und um 20 Uhr jeweils im Klosterhof (Kreuzgang) am Münster St. Paul. Weitere geführte Touren am Samstag führen ins Alte Rathaus sowie in das Reichsstädtische Rathaus, das heutige Amtsgericht.
Auch der Tag des offenen Rathauses am Samstag ermöglicht Einblicke in die Verwaltung und die Kommunalpolitik. Zwischen 11 und 14.30 Uhr laden die vier Bürgermeister zum persönlichen Austausch in ihre Büros im Neuen Rathaus ein. Wer möchte, darf sich auf dem Rathausbalkon fotografieren lassen, die Stadt als Arbeitgeberin oder die Mitglieder der Bürgerausschüsse kennenlernen und sich über Stadtprojekte informieren.
Das Kunst- und Kulturprogramm ist ein wichtiger Baustein des Schwörfests. Auf der Maille bringt die Stadt ein kreatives Angebot mit Literatur, Kinderschminken und Basteln für alle Generationen auf die mobile Bühne „Kulturarche“. Auf dem Rathausplatz spielen am Samstag ab 20 Uhr „Clap’s Tool“. Ab 20.15 Uhr bringt das Kulturzentrum Dieselstraße mit den Auftritten von „Für nichts nach Bonn“ – ausgewählt vom Jugendgemeinderat – und dem „Tzupati Orchestra“ das Parklücke-Festival auf den Hafenmarkt. Die Stadtbibliothek veranstaltet einen Medienflohmarkt im Kutschersaal; außerdem dürfen während des Fests die Museen bei freiem Eintritt besucht werden.
Auf umweltbewusstes Feiern legt die Stadt großen Wert. „Bei der größten Hocketse Esslingens wird wieder auf Einweggeschirr verzichtet, um Abfall zu vermeiden“, sagt Gudrun Fretwurst. Die Speisen werden auf Mehrweggeschirr serviert, das zentral gespült wird und über ein Pfandsystem an jedem anderen Stand zurückgegeben werden kann.

Info: Das gesamte Festprogramm, der Standplan und viele weitere Informationen werden bis zum Schwörfest bereitgestellt unter: www.esslingen.de/schwoerfest (eli)

Einer der beiden letzten Peoplemover Deutschlands steht in Altbach. Doch die viel gepriesene Ingenieurskunst scheitert an der Realität – er wird abgebaut.

Ursprünglich gab es drei von ihnen, verteilt in ganz Deutschland. Heute sind es zwei, und in nicht allzu ferner Zukunft sind sie alle weg. Der sogenannte Peoplemover in Altbach ist eine Rarität, ein weiteres Exemplar gibt es nur noch in Berlin. Jetzt steht fest: Der seltene Queraufzug, eine Mischung aus Aufzug und Brücke, soll nach mehr als 20 Jahren im Dienst weichen. 2029 wird er zurückgebaut, teilt die Deutsche Bahn mit.
Der zweite Peoplemover in Berlin soll zu unbestimmter Zeit ebenfalls entfernt werden. Es ist das Ende einer schwäbischen Ära. „Als der Schmid Peoplemover in Betrieb ging, war dies zweifellos ein hochspannendes, retrofuturistisches Technologieprojekt, um das uns viele beneidet haben – schließlich gibt es davon bundesweit kaum vergleichbare Anlagen“, erklärt Altbachs Bürgermeister Sebastian Flörchinger. Am 19. Dezember 2006 wurde der ungewöhnliche Aufzug am Bahnsteig der Gemeinde gebaut.

2001 ging der erste in Pfullingen in Betrieb
Dahinter steht die Firma Schmid aus dem baden-württembergischen Sonnenbühl. Der Erfinder: Emil Schmid persönlich. Eigentlich produziert seine Firma Maschinen und Automatisierungsanlagen für die Automobilindustrie. Doch ihn störte ein ganz anderes Thema. Wie kann es sein, dass ein einzelner Fußgänger per Ampel den gesamten Verkehr aufhält? Der schwäbische Tüftler überlegte sich eine Lösung. „Meine ganzen Mitarbeiter haben mich für bekloppt gehalten, als ich das Modell vorgeführt habe“, erzählte Emil Schmid in einem Interview vor einigen Jahren. Doch er hielt an seiner Idee fest und „baschdlte“ drauf los, wie er sagt.

„Hohe Ingenieurskunst, bis heute einzigartig“
2001 wurde der erste Peoplemover in Pfullingen in Betrieb genommen. 2006 folgte Altbach, 2007 die Station Betriebsbahnhof Berlin-Rummelsburg. Was nach einem einfachen Konstrukt aussieht – hoch, zur Seite, runter – ist in Wahrheit nur schwer umzusetzen, heißt es von der Schmid Gruppe. „Das ist hohe Ingenieurskunst, die bis heute einzigartig ist.“
Normalerweise ziehen Seilzüge und Kabel Aufzüge nach oben oder lassen sie hinab. Doch eine sichere Seitwärtsbewegung ist damit nicht möglich. Der Motor des Peoplemover befindet sich in der Kabine. Die wird nicht von Kabeln gezogen, sondern läuft über Zahnräder an einer Schiene mit Ritzeln. Eine „ausgeklügelte Mechanik“, wie das Unternehmen betont, die mit Federn und Gegengewichten den sicheren Übergang von der Vertikalen in die Horizontale schafft.
Doch die behindertengerechte Ingenieurskunst scheiterte mit der Zeit an der Realität. Der „Tagesspiegel“ sprach im vergangenen Jahr in Bezug auf den Berliner Peoplemover von einem „Schrott-Aufzug“ und einem „Fahrstuhl-Versagen“. Vandalismus, Uringestank, Ausfälle: Die Probleme in Berlin gibt es auch in Altbach. „Wir kämpfen seit Jahren mit zwei wesentlichen Problemen: Zum einen ist die Anlage technisch sehr anfällig, was immer wieder zu Ausfällen führt. Zum anderen haben wir massive hygienische Probleme, da die Kabine im Alltag leider viel zu oft mutwillig verunreinigt und als Urinal missbraucht wird“, so Bürgermeister Flörchinger. Ein untragbarer Zustand. Auch eine Sprecherin der Deutsche Bahn sagt auf Anfrage: „Die Instandhaltung dieser speziellen Konstruktion ist sehr aufwendig. Die Bauteile sind nicht standardisiert und die Lieferzeiten sind dadurch deutlich länger als im Schnitt.“ Der Bau eines Peoplemovers sei zudem bis zu doppelt so teuer wie der eines regulären Aufzugs – und auch die Wartung des Peoplemover sei wesentlich kostspieliger.
Wenn die besondere Konstruktion 2029 abgebaut wird, sollen zwei neue, handelsübliche Aufzüge installiert werden. Einer führt dann hin zum Bahnhofsvorplatz und einer zum Bahnsteig eins, teilt die Deutsche Bahn mit. Bürgermeister Flörchinger ist „persönlich sehr froh“ über den geplanten Austausch. „Das ist ein echter Gewinn für die Barrierefreiheit in Altbach. Im Zuge dieser Maßnahmen werden zudem die relevanten Bahnsteige erneuert und erhöht, was den Ein- und Ausstieg für Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Gehhilfen erheblich komfortabler macht.“ Bis zum Abbau wird der seltene Peoplemover weiter nutzbar sein. (xan)

„Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ hat auf der Esslinger Maille Premiere gefeiert.

Nicht zuletzt das farbenfrohe Bühnenbild ist beeindruckend, doch nicht nur dies: Die neue Freilichtproduktion der Württembergischen Landesbühne (WLB) hat vergangenen Samstag Premiere gefeiert. „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ ist noch bis 31. Juli auf der Esslinger Maille zu sehen. Nils Strunk und Lukas Schrenk entdecken die Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder aus dem Jahr 1791 neu. Andreas Kloos führt Regie bei dem Spektakel unter freiem Himmel.
Dass er ein Händchen fürs Musiktheater hat, bewies der Regisseur an der Esslinger Landesbühne bereits mit der Erfolgsproduktion „Blues Brothers – Ein Roadtrip Through The Länd“. Aus dem Filmhit von John Landis hat Kloos ein ebenso schnelles wie witziges Musical gemacht, das seit Oktober 2023 ein echter Renner im Spielplan des Theaters ist. Auch in der neuen Spielzeit wird die Erfolgsproduktion weiter zu sehen sein.
Mit der neuen Lesart der „Zauberflöte“ von Strunk und Schrenk packt er nun ein Musiktheater an, das auch die Produktionsbedingungen im Musiktheater kritisch reflektiert. Uraufgeführt am Wiener Burgtheater im Jahr 2023, besticht die Vorlage durch ihren Humor. Mit dem „überaus musikalischen Ensemble“ der Esslinger Landesbühne sei es ein Vergnügen, findet Andreas Kloos. Mozarts „Zauberflöte“ wurde 1791 uraufgeführt. Um die Vorstadtmassen zu erreichen, griff der berühmte Komponist bei Papageno, Pamina und Co. auf die Tradition des Zaubertheaters zurück. Mozart war damals selbst verarmt und brauchte dringend einen Kassenschlager. Dass der Burgtheater-Star Nils Strunk, der dort seit 2021 fest zum Ensemble gehört, Mozarts Musik mit modernen Pop-Elementen kombiniert, findet Regisseur Kloos spannend.

Mit der Band „Poems On The Rocks“
Die musikalische Leitung übernimmt der Esslinger Edgar Müller-Lechermann. Mit den Musikern seiner Band „Poems On The Rocks“ Andy Kemmer (Bass), Christoph Berner (Gitarre) und dem Schlagzeuger Helmut Kipp bringt der Pianist die Opern-Neuinterpretation vor der traumhaften, historischen Kulisse der Maille und der Nikolauskapelle auf die Bühne. Die Band hat sich weit über die Region hinaus eine große Fanbasis erspielt. Bei ihren Auftritten spielen sie Rocksongs; der Sprecher Jo Jung übersetzt die Texte ins Deutsche. Als Theatermusiker arbeitet Müller-Lechermann seit langem mit der WLB zusammen.
Inhaltlich hat „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ für Kloos ebenfalls einen großen Reiz. Aus heutiger Sicht deuten Schrenk und Strunk den Stoff um, versetzen ihn in ihre eigene, schnelllebige Gegenwart. Im Mittelpunkt steht das Wandertheater Kratky-Baschik, das pleite ist und nun dringend einen Hit braucht. Da liegt die „Zauberflöte“, bis heute einer der meistgespielten Opern, nahe. Andreas Kloos interessiert an der Textfassung, wie sich die Figuren der Oper neu denken lassen. Mit den Schauspielern in Mozarts Welt einzutauchen, zugleich aber die Bezüge zur Gegenwart in den Fokus zu rücken, ist sein Ziel.
Nun hoffen er und das Produktionsteam auf gutes Wetter, damit möglichst viele der 22 geplanten Vorstellungen komplett über die Bühne gehen. Wenn es zu stark regnet, bei Sturm oder Gewitter kann nicht gespielt werden. Anders als die Produktionen im Schauspielhaus gehen die Inszenierungen im Freilichttheater nicht auf Reisen. „Das wäre schlicht zu kompliziert“, sagt Kloos. Die Bühnenbauten, die ganz auf die Maille zugeschnitten sind, lassen sich nicht auf die Abmessungen in Theatersälen oder Hallen übertragen.
Nach der Derniere am 31. Juli beginnt der Regisseur und Autor aber bereits mit den Vorbereitungen für das nächste Open-Air-Spektakel der WLB. Zum Stadtjubiläum „1250 Jahre Esslingen“ bringt er ab 18. Juni 2027 „1250 Jahre Esslingen – Legenden, Lügen und Lieder“ auf die Freilichtbühne.
Die nächsten Termine von „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ sind am 20., 23., 24., 26. und 27. Juni. (eli/hin)

Bei den Schlösslesseen bei Baltmannsweiler gibt es fünf neue Mountainbike-Trails. Sie sind Teil der Landkreis-Konzeption.

Der Schurwald ist um eine Attraktion reicher, oder genauer gesagt: um fünf Attraktionen. Vergangene Woche wurden während einer kleinen Feierstunde an den Schlösslesseen bei Baltmannsweiler fünf neue Mountainbike-Trails eröffnet. Sie sind Teil der Mountainbike-Konzeption des Landkreises Esslingen, die der Kreis in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit weiteren Projektpartnern entwickelt hat.
Die Trails haben Namen wie „Jumpfurter“, „Am kalda A.“ oder „Frl. Ming“. Sie bedienen alle Schwierigkeitsgrade, sind aber überwiegend leicht befahrbar. Die kürzeste Strecke ist 220 Meter lang, die längste Tour führt über 1,8 Kilometer durch den Wald. Während in Leinfelden-Echterdingen im Rahmen der Mountainbike-Konzeption bereits zwei solcher Trails eröffnet wurden, sollen nach Angaben des Landratsamts demnächst weitere Trails in Kirchheim und Nürtingen eingeweiht werden.
Insgesamt umfasst das Projekt kreisweit 14 Strecken, die vor allem ein Ziel haben: „Legale Angebote für Mountainbiker zu schaffen“, wie Aichwalds Bürgermeister Andreas Jarolim bei der feierlichen Einweihung sagte. Es gehe auch darum, Konflikte zwischen unterschiedlichen Waldnutzern zukünftig zu vermeiden. Und so folgt die Konzeption nach Angaben des Esslinger Landratsamts dem Grundsatz „Erlauben, um zu lenken“.
Startschuss für das Konzept war eine gemeinsame Auftaktbesprechung aller Projektpartner im Jahr 2023. Für die fünf Trails in Baltmannsweiler und Aichwald folgten in den beiden Jahren danach direkt vor Ort mehrere Begehungen, in die neben den beiden Schurwaldkommunen auch Vertreter aus Forst und Naturschutz, der Mountainbike-Verein Shape & Ride, der Schwäbische Albverein sowie ehrenamtliche Naturschutzverbände und Jagdpächter eingebunden waren.

„Gegenseitig sehr wertschätzend“
Für Jarolim zeigen die neuen Trails darum auch, „wie gut abgestimmte Zusammenarbeit funktionieren kann“. Friederike Müller, die Hauptamtsleiterin von Baltmannsweiler und dort für die Umsetzung des Konzepts zuständig, hat den Austausch der unterschiedlichen Interessensgruppen als „gegenseitig sehr wertschätzend“ wahrgenommen, wie sie betonte. Die Patenschaft für die fünf Trails hat der Verein Shape & Ride aus dem Remstal übernommen.
Gepflegt werden die Strecken von Vereinsmitgliedern, die auf dem Schurwald leben. Die Wege müssen beispielsweise regelmäßig freigeschnitten und im Herbst muss rutschiges Laub entfernt werden. Für Vereinschef Michael Häußermann ist klar: „Nur bei attraktiven Angeboten entstehen keine wilden Trails“. Vor fünf Jahren von neun Mountainbikern gegründet, hat der Verein heute bereits mehr als 1000 Mitglieder. „Das zeigt, wie präsent und populär der Mountainbike-Sport ist“, sagte Häußermann.
Die Gesamtkosten für das Konzept in Höhe von 474 000 Euro teilen sich der Landkreis und der Verband Region Stuttgart. Für dessen stellvertretende Vorsitzende Ingrid Grischtschenko ist die finanzielle Unterstützung der Mountainbike-Konzeption ein wichtiger Teil der „Wirtschafts- und Tourismusförderung im dicht besiedelten Landkreis Esslingen“, wie sie sagte.
Die Region Stuttgart wolle für die Naherholung attraktiver werden. Als Flughafenanrainerin – Grischtschenko kommt aus Leinfelden-Echterdingen – sei ihr Baltmannsweiler lieber als die Balearen. Die neuen Trails zeigten einmal mehr, wie erfolgreich lokales Engagement und regionale Unterstützung zusammenwirkten. (kai)

Die Stadt Esslingen muss sparen – auch bei den Städtepartnerschaften. Was bedeutet das für die teils schon jahrzehntelang gepflegten Beziehungen zu Partnerstädten im Ausland?

Fast 70 Jahre ist es her, dass die Stadt Esslingen ihre erste Städtepartnerschaft mit dem französischen Vienne besiegelte. Inzwischen hat Esslingen zwölf Partnerstädte in Europa und darüber hinaus. Bis nach Sheboygan in den USA und Coimbatore in Indien reichen die freundschaftlichen Beziehungen. Doch Esslingen muss sparen, das Budget für Städtepartnerschaften sinkt. Können die Beziehungen in alle Welt trotzdem weiter so gepflegt werden wie bisher?
Nicole Amolsch, Leiterin des Esslinger Oberbürgermeister-Büros, zeigt sich zuversichtlich. Man versuche, das reduzierte Budget für die Städtepartnerschaften mit zusätzlichen Einnahmen durch Fördermittel zu kompensieren, erklärt sie. „Grundsätzlich legen wir viel Wert darauf, unsere bestehenden Partnerschaften weiterhin zu pflegen und sie zu festigen“, betont Amolsch. Städtepartnerschaften seien für die Stadt Esslingen und ihre Bürgerschaft seit der ersten Partnerschaft mit Vienne im Jahr 1958 eine Brücke nach Europa und in die Welt.

Esslingen will mehr digitalen Austausch
Doch auch in diesem Bereich muss gespart werden. Bis 2029 soll das Budget um rund 60 000 Euro im Jahr reduziert werden. Unter anderem sollen die bisherige Vollzeitstelle für die Abteilungsleitung auf 80 Prozent gekürzt und das Sachkostenbudget reduziert werden. Man will sich künftig auf bestimmte Projekte fokussieren und verstärkt auf digitale Austauschformate setzen – etwa auf digitale sogenannte „Coffee Talks“, wie es sie zwischen Menschen aus Esslingen und Sheboygan bereits gab. Das könne und werde Reisen von Delegationen nach Esslingen oder in die Partnerstädte zwar nicht ersetzen, stellt Amolsch klar. Aber man müsse die Kosten und die Anzahl der Teilnehmenden an solchen Reisen im Blick behalten.

Chöre und Weingärtner
Explizit nicht angetastet werden sollen laut Amolsch die Schüleraustausche in die Partnerstädte Vienne in Frankreich, Udine in Italien und ins polnische Piotrków Trybunalski. Zusätzlich gebe es am Mörike-Gymnasium einen Austausch mit dessen Partnerschule im spanischen Ribadasella. Pro Jahr nehmen laut Amolsch 100 bis 150 Schülerinnen und Schüler an den Austauschfahrten teil. „Gerade für junge Menschen ist der Austausch sehr bereichernd: Sie lernen sich kennen, bauen Vorurteile ab und entwickeln Vertrauen“, betont Amolsch. Dadurch werde friedliches Zusammenleben gefördert und das europäische oder internationale Gemeinschaftsgefühl gestärkt.
Auch für Erwachsene gebe es Austauschformate. Besonders gut funktionieren laut Nicole Amolsch derzeit der Choraustausch des Liederkranzes mit Neath Port Talbot in Großbritannien, das Engagement der Ost-West-Gesellschaft in Polen und der Ukraine, der Austausch der Weingärtner aus Esslingen und Vienne und der Austausch der Feuerwehr mit Kamianets-Podilskyi. Generell besonders intensiv seien derzeit die Kontakte in die Partnerstädte Kamianets-Podilskyi (Ukraine), Piotrków Trybunalski (Polen), Vienne (Frankreich), Neath Port Talbot (Großbritannien), Udine (Italien), Velenje (Slowenien), Sheboygan (USA) und Eger (Ungarn). Weniger eng seien derzeit die Beziehungen nach Coimbatore (Indien), Norrköping (Schweden), Molodetschno (Belarus) und Schiedam (Niederlande). (meb)

Peter Degendorfer, Hans Mendler uns Wolfgang Thiel bieten in Plochingen an zwei Ausstellungsorten dem grauen Alltag Paroli: Eine Kunst-Schnitzeljagd durch die Stadt ist möglich.

Egal, wo man anfängt, in der städtischen Galerie im Herzen Plochingens oder im Schauraum mitten im idyllischen Kulturpark Dettinger – der Weg ist das Ziel. Zwischen den beiden Ausstellungsorten gibt es viel zu entdecken. Plochingen hat so viele Sehenswürdigkeiten im öffentlichen Raum, wie kaum eine andere Neckarstadt. Ein Grund mehr, sich die Stadt für einen ausgedehnten Kunstspaziergang gründlich vorzunehmen.
Die meisten Arbeiten stammen vom künstlerischen Multitalent Wolfgang Thiel, einem der drei Protagonisten der Doppelausstellung der „3 Artisten“, die bis 12. Juli zu sehen ist. Ihm ist diese heiter-tiefgründige Sommerausstellung zu verdanken. Thiel gilt als einer wichtigsten figurativen Vertreter Süddeutschlands und hat sein Atelier im Kulturpark Dettinger.
Mit Peter Degendorfer und Hans Mendler verbindet ihn eine Freundschaft seit dem Studium an der Stuttgarter Kunstakademie Anfang der 70er-Jahre. Gemeinsames Studieren, Experimentieren und Reisen schweißt die drei bis heute zusammen. Wobei man damals nicht nur lobte und feierte. In der direkten Auseinandersetzung mit den Kommilitonen habe er am meisten gelernt, gibt Hans Mendler freimütig zu. Der Satz „Des taugt nix“ konnte dabei durchaus fallen. „Man hat sich nicht geschont.“
Trotz intensiver privater und künstlerischer Verbindung haben sich die drei Artisten in verschiedene Richtungen entwickelt und eine jeweils eigenständige künstlerische Sprache gefunden. Die Figuration ist dabei das verbindende Element, freilich auf sehr verschiedene Weise. Spontan und direkt arbeitet Peter Degendorfer. Er nimmt große Farbflächen, die er mit grafischen Formen als rätselhafte Zeichen bespielt. Die Figur ist in seinem Werk fast verschwunden und taucht nur noch als hieroglyphisches Anliegen auf, durchaus mit Humor.

Einst Aushängeschild eines Modegeschäfts
Anders Hans Mendler. Bei ihm kommt die Figur deutlicher zur Geltung. Sie symbolisieren die Leichtigkeit des Seins, den spielerischen Umgang mit dem, was möglich ist in der bildenden Kunst. So entstanden auch die drei Holzköpfe, die laut Mendler etwas mit den drei Artisten zu tun haben. Die Stücke sollten eigentlich im Ofen verheizt werden, doch Mendler sah etwas in ihnen und machte Kunst daraus.
Wolfgang Thiel hingegen inszeniert die Kunst im öffentlichen Raum, was sich in Plochingen an vielen Stellen augenfällig zeigt. Einige Appetizer seiner theatralischen Arbeiten sind im Bildhauergarten inszeniert, gleich neben dem Schauraum im Hof hinter dem Ateliergebäude zu finden. Von dort geht es quer durch den idyllischen Park zur Mosaiksäule mit Dame in der Urbanstraße 2. Das leuchtend-bunte Mosaik war einst Aushängeschild eines Modegeschäfts.
Thiels Arbeiten geht eine sorgfältige Planung voraus. Schließlich müssen Statik und Sicherheit im öffentlichen Raum gewährleistet sein. Das wird bei der Station am Fischbrunnenplatz besonders deutlich. Dort steht eine der acht Damen, die in Plochingen sagen, wo’s langgeht. Die hölzerne Frauenfigur wurde bei einem Unfall mit einem Lkw von ihrem Betonsockel geholt. Dass sie wieder steht, ist sicherlich den sorgfältigen Berechnungen ihres Schöpfers zu verdanken.
In der Marktstraße vor der Plochingen-Info weist eine weitere Figur den Weg direkt in die städtische Galerie, zum zweiten Teil der Präsentation. Dort finden sich von allen drei Künstlern figurative Arbeiten, die auf zwei Etagen einen lebendigen Dialog entfalten. Man kann sich förmlich vorstellen, wie Mendlers Holzköpfe mit Peter Degendorfers „Sitzende“ und Wolfgang Thiels „divodiva“ lustvoll über alte Zeiten plaudern. 600 Meter weiter Richtung Stumpenhof an der Einmündung Schorndorfer Straße in die Hindenburgstraße wird der Mensch förmlich in den Himmel gehoben. Wolfgang Thiel hat für „Kleines Denkmal“ selleriegelbe, menschliche Umrisslinien für Fußgänger und Autofahrer gut sichtbar auf einen Sockel gestellt.
Ein Stadtspaziergang auf Spuren der Kunst für die ganze Familie, der zeigt: Kunst versteckt sich nicht in Galerien und Museen, sie wartet an der nächsten Ecke – zumindest in Plochingen. (pb)