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Claus Hintennach

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Der Künstler ist auf einer Wellenlänge mit dem Landratsamt: Seine Skulptur im Innenhof der Kreisbehörde wurde präsentiert.

Sie haben einen Sinn für Dramaturgie. Das Landratsamt Esslingen und Tim Bengel bauten einen breiten Spannungsbogen auf. Die geladenen Gäste mussten einiges an Geduld aufbringen, bis die Skulptur des Künstlers im Innenhof der Kreisbehörde enthüllt wurde. Doch die Besucher des nicht öffentlichen Events waren sich einig: Das Warten hat sich gelohnt.
Groß ist die Skulptur. Das war schon vor der Enthüllung deutlich zu erkennen. Doch sonst gab es keinerlei Hinweise auf ihr Aussehen. Das Kunstwerk war mit einem riesigen roten Tuch verdeckt, das keinerlei neugierige Blicke zuließ. Nach einigen Redebeiträgen kam der große Moment. Ein Countdown noch – dann enthüllte der Schöpfer selbst seine Kreation. Die „Esslinger Welle“ ist nun öffentlich.

Bengels größtes je geschaffenes Kunstwerk
Die silbern schimmernde Figur ist viereinhalb Meter hoch und damit nach Aussagen Tim Bengels sein größtes je geschaffenes Kunstwerk. Wellenförmig greift es in sanften Schwingungen, harmonischen Bewegungen und weichen Rundungen den Neckar, das naheliegende Wasser und die Lichtspiegelungen auf. Die Gestaltung sei aber auch bewusst offen konzipiert, hatte Tim Bengel im Vorfeld der Enthüllung gesagt. Eine Flamme solle erkennbar sein. Eine Flamme, die für das Landratsamt lodere.
Die Gestaltung für den Innenhof der Kreisbehörde war nach Angaben des in Ostfildern Geborenen, der in Esslingen lebt und arbeitet, eine Herausforderung gewesen. Er habe sich die Gegebenheiten vor Ort genau angeschaut, verriet er bei der Enthüllung, und für sich festgestellt: „Das Kunstwerk muss mit der Architektur mithalten können.“ Da die Wände im Innenhof der Kreisbehörde sehr dunkel gehalten sind, habe er sich für eine helle Ausgestaltung der Skulptur entschieden.
Zum Aussehen des Kunstwerks war im Vorfeld nicht zu viel verraten worden. Fast aber, so verriet Tim Bengel schmunzelnd bei der Enthüllung, wäre die ganze Überraschung zunichte gemacht worden. Die Figur war in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen im Kreis Göppingen gegossen worden. Für den Rücktransport nach Esslingen wurde sie auf einen großen Transporter geladen und war somit von allen Seiten her einsehbar. Der Transporter habe auf der Bundesstraße 10 einen Stau verursacht und manche Verkehrsteilnehmer hätten ihr Handy gezückt, um eigene Videos zu drehen. Er habe schon befürchtet, dass der Überraschungseffekt etwa durch eine Veröffentlichung der so gemachten Filme in den sozialen Medien verpuffe, so Tim Bengel.
Die Angst war wohl unbegründet. Die „Ahs“, „Ohs“ und anderen verwunderten Ausrufe bei der Enthüllung lassen vermuten, dass die Spannung bis zuletzt gewahrt werden konnte. Das Landratsamt hatte im vergangenen Jahr einen offenen Kunstwettbewerb zur Gestaltung des Innenhofs seines Neubaus ausgelobt. Gut 50 Entwürfe von Künstlerinnen und Künstlern seien eingereicht worden. Zunächst wurden die Vorschläge anonymisiert der Beratungskommission Kunst des Landkreises präsentiert, heißt es vonseiten der Behörde. In einer zweiten Runde kamen die Kunstschaffenden zu Wort. Sie durften ihr Modell der Beratungskommission vorstellen.
Diese wählte drei Entwürfe aus, die nach einer künstlerischen und bautechnischen Prüfung in die engere Auswahl kamen. Noch einmal durften die Künstlerinnen und Künstler dann die Werbetrommel für ihr Werk rühren, so das Landratsamt: In einer Videobotschaft stellten sie ihr Modell der Belegschaft vor. Sie hatte das letzte Wort. Etwa 900 Mitarbeitende haben sich laut Landrat Marcel Musolf an dem Voting beteiligt. Mit großer Mehrheit hätten sich die Abstimmenden für Tim Bengel entschieden.
Kunst in Zeiten klammer Kassen? Auch der Landkreis muss den Gürtel enger schnallen. Er könne darauf verweisen, so der Kreischef, dass die finanziellen Gegebenheiten zum Zeitpunkt des Beschlusses zur künstlerischen Ausgestaltung des Neubaus des Landratsamtes noch andere gewesen seien. Doch ein solcher Hinweis greife zu kurz. Der Kreis Esslingen sehe sich auch in der Pflicht, Kunst öffentlich zu machen und Kunstschaffende aus der Region zu fördern. Es solle zu einem Dialog zwischen Öffentlichkeit und Kunst eingeladen, Menschen zusammengebracht werden. Der Arbeitsort der Mitarbeitenden im Landratsamt solle zudem attraktiv gestaltet und ein künstlerischer Identifikationspunkt geschaffen werden: „Wir sind keine triste Behörde und wollen es auch nicht sein.“ Durch Kunst solle das deutlich gemacht werden.

Sowohl eine Welle als auch eine Flamme
Keine triste Behörde also. Aber dennoch eine Behörde. Und bei der Zusammenarbeit mit Behörden gibt es in der Regel Vorgaben. Auch sie stellten Tim Bengel, eigenen Angaben zufolge, neben der Architektur des Innenhofs vor Herausforderungen. Der Gedanke etwa an einen Brunnen als Kunstwerk habe er verworfen, als er in Vorgaben gelesen habe, dass kein fließendes Wasser verwendet werden dürfe. Auch dass keine Schrauben in die Wände eingeschlagen werden dürften, habe er beachten müssen. Und noch so manches mehr. Geschafft hat er es dennoch. Für ihn sei die Skulptur ein Dialog der Elemente, sagt Tim Bengel: „Sie erwächst aus der Erde, greift gen Himmel und lässt in ihrer Form sowohl eine Welle als auch eine Flamme sichtbar werden – eine Symbiose aus fließender Bewegung und energetischer Kraft.“ (sw)

Am Samstag, 19. September, öffnen 15 Kulturorte in Esslingen ihre Türen – und kämpfen zugleich gegen drohende Kürzungen.

Esslingen hat eine reiche und vielseitige Kulturszene. Ob Musik, Theater, Kabarett, bildende Kunst, Tanz oder Performance: Unterschiedlichste Künstlerinnen, Künstler und Ensembles zeigen Kunst und Kultur von ihren besten Seiten. Doch das ist kein Selbstläufer. In Zeiten knapper Kassen setzen Kommunen gerne im Kulturetat den Rotstift an, auch in Esslingen musste die Kultur Kürzungen hinnehmen. Dabei gibt es für das Netzwerk Kultur, einen Zusammenschluss örtlicher Künstler und Kultureinrichtungen, viele gute Gründe, die Kultur zu stärken statt zu schwächen. Mit einem Aktionstag möchte das Netzwerk am Samstag, 19. September, zeigen, was Esslingen kulturell zu bieten hat und was auf dem Spiel steht, wenn man am falschen Ende spart.
Der Aktionstag Kultur findet zum dritten Mal in Esslingen statt. Vom Vormittag bis in den späten Abend werden quer durch die Stadt 15 Kulturorte ihre Türen öffnen. Dort werden Künstlerinnen und Künstler im 15-Minuten-Takt in unterschiedlichsten Programmpunkten zeigen, was die Esslinger Kultur zu leisten imstande ist, wenn sie die nötigen Rahmenbedingungen hat.
Die Stadtbücherei bietet eine Kreativ-Blitzwerkstatt und eine Mini-Lesebühne für Kinder und Familien an. Das Podium-Festival lädt zu kammermusikalischen Pop-up-Konzerten in den Maille-Park ein. Die Württembergische Landesbühne (WLB) feiert ein Theaterfest mit Lesungen, Workshops und Mitmachangeboten für die ganze Familie. Die Villa Merkel bietet Führungen und ein Kreativangebot für Kinder an. Bei der Volkshochschule gibt es einen Illustrationsautomaten und einen interaktiven Good-Vibes-Generator. Angela Paints öffnet ihr Atelier zum Ausprobieren und kreativen Gestalten. Die Kunstakademie organisiert Mini-Workshops zum Experimentieren und Gestalten.

Führungen, Comedy, Theater und DJ-Nacht
Kultur am Rande, das Kommunale Kino und Die-Tanz-Kompanie sind mit Tanzperformances, der Ausstellung Suppenkunst und Einblicken in aktuelle Produktionen vertreten. Der Verein Artgerechte Haltung – Bildende Künstler bietet Führungen und Gespräche zur Ausstellung „Demokratie ist schön – macht aber viel Arbeit“ in der Dieselstraße an. Dort gibt es außerdem Musik-Comedy mit Christian Langer. Das Kunstdruck Central Theater ist mit einem historischen Rundgang, Theaterszenen aus aktuellen Produktionen und einem Improtheater am Abend vertreten.
Tonart gibt im Buchladen Die Zeitgenossen einen Vorgeschmack auf das gleichnamige Neue-Musik-Festival 2027. Die Galgenstricke haben eine Hausführung, Kurzauftritte sowie Musik-Comedy und schwäbisches Kabarett am Abend vorbereitet. Kunstkreuz St. Paul präsentiert atmosphärische Klanginstallationen mit vokalen und elektronischen Klängen im Münster St. Paul. Und im Komma steigt das Finale des Aktionstags mit einer DJ-Nacht auf zwei Floors mit einem musikalischen Spektrum von Gitarrensound bis Techno.
Mit dem Aktionstag möchte das Netzwerk Kultur auch ein Zeichen setzen. „Die kulturellen Angebote in unserer Stadt sind wichtiger denn je“, betonen die Netzwerker. „Sie tragen wesentlich dazu bei, sich vielfältig mit unserer Lebensrealität auseinanderzusetzen.“ (gw)

Die Gemeinde erschließt das Neubaugebiet Obeswiesen. Ab Oktober sollen die ersten Grundstücke vermarktet werden.

Gut Ding will Weile haben. Das Sprichwort dürfte vielen der Verantwortlichen in den Sinn kommen, wenn sie an das Neubaugebiet Obeswiesen in Hochdorf denken. „Das Projekt hat uns jetzt über die vergangenen zehn Jahre begleitet“, erklärt Günter Baumann, Geschäftsführer bei den für die Planung zuständigen Geoteck-Ingenieuren aus Kirchheim. Im November 2016 wurde das Büro von der Gemeinde Hochdorf mit den Planungen beauftragt. „Es war eine Zeit mit Hoch- und Tiefpunkten“, sagt Baumann. Anfangs noch im Verbund mit einem Misch- und Gewerbegebiet geplant, wurde das Wohngebiet später für die Konzeption abgekoppelt.
Das Gewerbegebiet „Mittleres Feld“ liege mittlerweile auch aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage auf Eis, erklärt Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler. Die Gemeinde bemühe sich jedoch, auf dem Areal nahe dem Kreisverkehr an der Roßwälder Straße einen neuen Standort für den örtlichen Edeka zu ermöglichen.
Viel Hoffnung für die Planung des Wohngebiets Obeswiesen setzten die Verantwortlichen in den Paragraf 13 des Baugesetzbuches, dessen Änderung eine Beschleunigung des Verfahrens versprach. Umso größer war die Bestürzung, als das Bundesverwaltungsgericht im Sommer 2023 erklärte, dass alle nach diesem Paragrafen aufgestellten Bebauungspläne unwirksam seien. Dank einer Änderung im Baugesetzbuch hatte die Gemeinde jedoch schließlich die Möglichkeit zur „Heilung“ des Verfahrens innerhalb eines Jahres. „Das hat uns alle sehr gefordert“, erklärt Baumann.

Oberste Bodenschicht ist bereits abgetragen
Nachdem der Bebauungsplan im November 2024 rechtskräftig geworden war, wartete die Gemeinde ein Jahr lang. „Wir wollten schauen, ob es Einsprüche gegen das Projekt gibt“, sagt Baumann. In dieser Zeit sei die Gemeinde jedoch nicht untätig geblieben. „Durch die Sanierung der Mozartstraße im Jahr 2025 konnte bereits die Regenwasserableitung für das Baugebiet vorbereitet werden.“
Seit Kurzem sind auf dem mehr als zwei Hektar großen Areal zwischen Obeswiesenweg und Roßwälder Straße die ersten sichtbaren Fortschritte zu sehen. Die oberste Bodenschicht ist bereits abgetragen. „Der Boden wird zur Verbesserung landwirtschaftlicher Flächen genutzt“, sagt Baumann. Nun folgt die Erschließung des Gebiets.
Mit dieser werde man bis zum Sommer 2027 höchstwahrscheinlich fertig sein. Danach sollen auf dem Areal etwa 100 Wohneinheiten für mehr als 200 Personen in Form von Ein- und Mehrfamilienhäusern entstehen.
„Es ist wichtig, dass wir hier in Hochdorf Wohnraum schaffen“, sagt Bürgermeister Gerhard Kuttler. Das für eine Gemeinde wie Hochdorf groß angelegte Projekt werde ein Beitrag im Kampf gegen den Wohnungsmangel in der Region sein. Es gehe dabei auch darum, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, erklärt Kuttler. Bei den Bauplätzen für die Mehrfamilienhäuser setzt die Gemeinde auf eine Konzeptvergabe. Über den genauen Anteil an sozial geförderten Wohneinheiten werde der Gemeinderat aber noch entscheiden müssen.
Ebenso muss der Gemeinderat noch über die Kaufpreishöhe für die Grundstücke der Einfamilienhäuser entscheiden. Ende September soll der Beschluss stehen, denn ab Anfang Oktober möchte die Gemeinde mit der Vermarktung beginnen. „Dabei gilt das sogenannte Windhund-Prinzip, es geht also nach der Reihenfolge“, sagt Kuttler. Auf ein Modell, das Hochdorfer bevorzuge, verzichte die Gemeinde. Einerseits aufgrund rechtlicher Hindernisse, andererseits aufgrund dessen, dass das Projekt in Hochdorf bereits seit Jahren besprochen werde, erklärt der Bürgermeister. „Wir haben auch schon einige Anfragen“, fügt er hinzu. (tki)

Anekdoten und Amüsantes, Verborgenes und Verstecktes, Einmaliges und Einzigartiges: Der Tag des offenen Denkmals bringt vieles ans Licht.

Schon mindestens 100 Mal achtlos daran vorbeigegangen. Nie etwas bemerkt. Dabei hat gerade diese Ecke, dieser Straßenzug, dieses Gebäude Merkwürdiges, Geheimnisvolles, Mystisches in sich versteckt. Verborgenes ans Tageslicht zu bringen – das ist ein Ziel des Tags des offenen Denkmals. Am Sonntag, 13. September, wird Unbekanntes bekannt gemacht, Unbeachtetem Beachtung geschenkt, Unbemerktes bemerkbar gemacht. Die Stadt Esslingen bietet 71 Veranstaltungen, zu denen teilweise eine Anmeldung nötig ist. Aber auch im gesamten Landkreis werden Angebote präsentiert.
Der Titel lässt Raum für Interpretationen. „Netzwerke: Denkmale und Infrastruktur“ ist in diesem Jahr die Überschrift über dem Tag des offenen Denkmals. Andreas Panter vom städtischen Amt für Denkmalschutz hat das breit gefasste Motto zu zwei Deutungsversuchen angeregt. Denkmale, so der promovierte Architekt, seien ein wichtiger Teil der Infrastruktur: „Diese stummen Zeugen haben uns viel zu sagen. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.“ Außerdem, so seine zweite Betrachtungsebene, brauche es Netzwerke aus vielen Akteuren, um Denkmale zu erhalten, zu untersuchen und ihre Bedeutung zu vermitteln. Nur im Teamwork von Historikern, Denkmalpflegern, Ehrenamtlichen, Baufachleuten oder Handwerkern könnten wichtige Denkmale für die Nachwelt bewahrt werden.
Ein ganzes Netzwerk an Mitstreitern stellt denn auch den Tag des offenen Denkmals in Esslingen auf die Beine. Neben Hauptamtlichen, schätzt Andreas Panter, seien etwa 300 Ehrenamtliche in die Organisation eingebunden. Die Besucher wissen das Engagement zu schätzen. In Spitzenzeiten kamen etwa 7500 Gäste zum Denkmaltag nach Esslingen. Im Schnitt sind es bis zu 4000 Interessierte.
Der Zuspruch war auch während der Corona-Pandemie groß. In den Covid-Jahren waren Live-Veranstaltungen nur sehr eingeschränkt möglich, doch der Denkmaltag sollte dennoch stattfinden. Darum wurden Bilderstrecken, Videos, Podcasts, Stadtrundgänge, DigiWalks, Powerpoint-Präsentationen und Online-Darbietungen zu historischen Themen auf den virtuellen Seiten eingestellt. Sie können unter www.esslingen.de/denkmaltag unter den Stichworten „Denkmaltag digital“ und „Digitale Stadtrundgänge“ abgerufen werden.

Glockenspiel-Festival feiert 100. Geburtstag
Doch die virtuellen Denkmaltagzeiten sind erst einmal vorbei. Der Denkmaltag 2026 läuft zu 100 Prozent analog ab. Teil des Programmkanons sind laut Andreas Panter auch 13 Stadtführungen. Um sich so richtig Appetit auf das Programm zu machen, gibt es ein paar Häppchen bereits am Samstag. Das internationale Glockenspiel-Festival feiert seinen 100. Geburtstag und bietet am Samstag, 12. September, um 14, 15, 16, 18 und 20 Uhr am Alten Rathaus ein glockenhelles Konzert (am Sonntag, 13. September, gibt es ab 18 Uhr nochmals ein Konzert). Einen flüssigen Vortrag gibt es zu Esslinger Brunnen um 17 Uhr in der Augustinerstraße 22, und in der Franziskanerkirche erklingen ab 20.30 Uhr im Kerzenschein Melodien wie Franz Schuberts Winterreise.
Ein Programmpunkt musste aber zum größten Bedauern von Andreas Panter gecancelt werden. Die Fahrten mit dem historischen Oberleitungsbus, der laut Programm zum Denkmaltag seine nostalgischen Runden hätte drehen sollen, müssten leider entfallen. Der O-Bus gehört seit 1944 zur Neckarstadt, wurde 1960 vom Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) beschafft und wird vom Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) betreut. Doch die Baustellen im Stadtgebiet und der dadurch bedingte Straßenzustand ließen einen Einsatz des Traditionsgefährts nicht zu.
Obwohl der O-Bus von der Esslinger Verkehrspolitik ausgebremst wurde, kann der Denkmaltag Fahrt aufnehmen. Andreas Panter verweist auf sechs Konzerte als Teil des Veranstaltungsprogramms. Aber in Anlehnung an das Motto „Netzwerke: Denkmale und Infrastruktur“ werden auch Baustellen mit besonderem Clou vorgestellt. Am Gebäude in der Apothekergasse 2 etwa war im Zuge von Bauarbeiten an einer Gebäudekante die Jahreszahl 1602 freigelegt worden. An der Inneren Brücke 14 war ein Sockelgeschoss mit sechs Schießscharten entdeckt worden. Andreas Panter vermutet, dass es wohl Auflagen der Stadt zu solchen baulichen Gestaltungselementen gegeben haben müsse. Ziel werde wohl die Verteidigung der Inneren Brücke bei möglichen Angriffen gewesen sein.
Prickelnd wie Sekt ist auch ein weiterer Programmpunkt. Aus Anlass von 200 Jahren Kessler hat die älteste Sektkellerei Deutschlands das 1851 errichtete Weisseck denkmalgerecht saniert. Das von Carl Weiss als einem der Mitbegründer erbaute Landhaus in den Weinbergen im Gayernweg 65 wird im Rahmen von Führungen am Denkmaltag vorgestellt.
Der Denkmaltag ist im gesamten Landkreis. Doch nicht das Landratsamt Esslingen ist nach eigenen Angaben der Organisator, sondern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Auf ihren Internetseiten unter www.denkmalschutz .de unter „Tag des offenen Denkmals“ können die Programmpunkte in den einzelnen Städten und Gemeinden abgefragt werden. Einfach auf den Button „Diese Denkmale sind geöffnet“ drücken und dann den Landkreis Esslingen eingeben.

Esslingen und seine Denkmale
Programm:
Die Esslinger Veranstaltungen zum Denkmaltag können unter www.esslingen.de/
denkmaltag nachgelesen werden. Anmeldungen zu 20 Events mit begrenzter Teilnehmerzahl sind unter dieser Adresse möglich. Bei Programmpunkten mit Anmeldung ist der Anmeldelink direkt bei der Veranstaltung zu finden.
Heft: Das Heft in Papierform mit den Programmpunkten gibt es bei der Stadtinformation am Marktplatz 16, in Geschäften in der Innenstadt sowie im Bürgerbüro Bauen in der Ritterstraße 17.
Stadtjubiläum: Esslingen feiert 2027 seinen 1250. Geburtstag. Das Motto des Denkmaltags im nächsten Jahr werde noch abgewartet, erklärt Andreas Panter von der Stadt. In der Regel werde es zu Jahresende bekannt gegeben. Sobald es feststehe, würden die Programmpunkte des kommenden Denkmaltags möglichst in das Stadtjubiläum eingebunden.
Stadtinfo: Die Stadtinformation am Marktplatz 16 hat am Denkmaltag, 13. September, von 10 bis 16 Uhr, geöffnet. (sw)

Die Weinlese in Esslingen hat so früh wie nie gestartet. Hitze und Trockenheit sind eine Herausforderung für Wengerter.

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben die Esslinger Wengerter Ende August erst langsam angefangen, sich auf die Weinlese vorzubereiten. In diesem Jahr sind manche Traubensorten jetzt schon vollständig geerntet. Die Lese hat angesichts des Klimawandels so früh begonnen wie nie: Teils wurde bereits Mitte August gestartet – und damit noch einmal früher als im vergangenen Jahr. Doch Hitze und Trockenheit haben nicht nur Nachteile für die Wengerter.
Maximilian Kusterer, Juniorchef des gleichnamigen Esslinger Weinguts, spricht von der frühesten Ernte in der Geschichte seines Weinguts. Schon im vergangenen Jahr sei der Lesestart am 26. August so zeitig gewesen wie nie zuvor. „Dieses Jahr haben wir am 19. August mit der Ernte begonnen – und damit noch einmal eine ganze Woche früher.“ Vor 20 Jahren habe die Lese erst Mitte oder Ende September angefangen, einen ganzen Monat später als jetzt. Laut Kusterer ist das nur mit dem Klimawandel zu erklären: Wenn es im April schon bis zu 30 Grad warm werde, starte auch die Vegetationsphase viel früher.
Die extreme Hitze und Trockenheit in diesem Jahr wirkten sich im Weinberg und vor allem in den terrassierten Steillagen aus. Unter anderem blieben die Trauben dann kleiner. Die Bewässerung habe kaum noch etwas gebracht, weil man viel zu spät damit angefangen habe: „Man hofft ja immer, dass es noch einmal regnet“, so Kusterer. Nun rechne er mit weniger Ertrag – beim Chardonnay etwa, der bereits in der vergangenen Woche vollständig gelesen worden sei, habe er mehr als ein Drittel weniger geerntet als sonst.

Die Qualität dürfte stimmen
Die Qualität hingegen dürfte stimmen, ist Kusterer überzeugt. Denn bei Sonne könnten die Traubenschalen besser Aroma bilden. „Das wird auf jeden Fall ein schmackhafter Jahrgang – ich gehe von einem fruchtigen Aroma aus.“ Und in seinem Weingut setze man ohnehin auf Qualität statt auf Masse. Allerdings schreite die Reife angesichts der Wärme extrem rasch voran. Man müsse die Trauben täglich überprüfen – und manchmal zwei oder drei Sorten an einem Tag lesen. Denn wenn die Weinbeeren zu lange reiften, steige der Zuckergehalt zu sehr an – und damit auch der Alkoholgehalt im späteren Wein. Das aber sei bei den Kunden nicht mehr gefragt.
Auf dem Weingut von Adolf Bayer in Rüdern wird ebenfalls schon seit einigen Tagen gelesen. Am 27. August sei man gestartet, berichtet Adolf Bayer. „Der Rivaner ist schon komplett weg.“ In dieser Woche habe man sich um Müller-Thurgau und Sauvignon blanc sowie den Dornfelder gekümmert. „Es läuft super, die Qualität ist gigantisch gut und wir haben keine Fäulnis – wir sind sehr zufrieden“, schwärmt Bayer. Zwar beginne die Lese jedes Jahr noch früher, aber darauf könne man sich ja einstellen. Es könne gut sein, dass er in knapp zwei Wochen mit der Ernte durch sei. Vor allem junge Rebstöcke hätten unter der Trockenheit gelitten, die älteren Stöcke hingegen hätten sie gut überstanden. Ob Riesling, Trollinger und Dornfelder bei zunehmender Hitze und Trockenheit in Esslingen noch eine Zukunft hätten, sei zwar fraglich. Aber es gebe genügend andere passende Rebsorten. „Zum Jahrgang selbst sage ich aber erst etwas, wenn alles im Keller ist“, betont Bayer.

„Die Trauben sind wunderschön“
Bei Teamwerk Esslingen hat man vergangenen Montag mit der Lese begonnen und damit erstmals noch im August – wenn auch am letzten Tag des Monats. „Die Trauben sind wunderschön und schmecken superlecker“, freut sich Achim Jahn, Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft, in der sich rund 50 Betriebe zusammengeschlossen haben. Der Regen zuletzt habe den Weinbeeren gutgetan. Die Trockenheit mache sich zwar bemerkbar: Viele Trauben seien kleiner, der Ertrag werde geringer ausfallen. „Aber wichtig ist, dass der Wein gut wird“, betont Jahn. Aktuell sehe es super aus: Die Trauben seien sehr gesund und angesichts der Trockenheit sei Fäulnis kein Thema. „Bis jetzt macht es richtig Spaß – wie dann der Wein wird, müssen wir schauen“, so Achim Jahn. (meb)

In der Köngener Bücherei steht nach den Sommerferien wieder reichlich Kultur an. Etabliert werden soll dabei eine Veranstaltung am Schicksalstag der deutschen Geschichte.

Wenn im Herbst die Blätter fallen, startet die Bücherei Köngen wieder durch: Gleich vier hochkarätige Veranstaltungen, darunter eine Premiere, locken zum Leseherbst. Und auch auf den Nachwuchs wartet bis kurz vor Weihnachten wieder ein proppenvolles Programm.
Der Leseherbst – alle Veranstaltungen finden in der Köngener Zehntscheuer statt – startet am 18. September, 18.30 Uhr, mit „Hinter den Fassaden“, ein Mix aus Lesung und Musik, präsentiert von der Großbettlinger Autorin Gabriele Günther und der Kohlberger Sängerin Sandra Linsenmayer. Weiter geht es am 10. Oktober, ab 19 Uhr, mit der Musik-Kabarett-Show „So schön kaputt“ mit dem Theater Sturmvogel. Mit witzigen Sketchen, mitreißenden Songs und klugen Pointen analysiert das Ludwigsburger Duo die Lage im Land.
Feinsinnige Literaturtipps der ehemaligen SWR-Redakteurin Christel Freitag, die zusammen mit Rezitator Rudolf Guckelsberger ihre persönlichen Lieblingstitel der vergangenen Monate vorstellt, stehen am 5. November auf dem Programm. Eine Premiere ist der Vortrag von Joachim Hahn am 9. November (19.30 Uhr) mit dem Titel „Theodor Rothschild und das jüdische Waisenhaus Wilhelmspflege in Esslingen“ in Zusammenarbeit mit dem Köngener Geschichts- und Kulturverein. „Der 9. November ist einer der geschichtsträchtigsten Tage, die wir in Deutschland haben“, erklärt Köngens Bürgermeister Ronald Scholz dazu. Schon länger schwebte den Verantwortlichen vor, an diesem Datum eine Veranstaltung fix zu etablieren – Themen gibt es reichlich: Der 9. November gilt letztlich als „deutscher Schicksalstag“, da er im 20. Jahrhundert sowohl für die dunkelsten Kapitel der NS-Diktatur als auch für Sternstunden der Demokratie und Freiheit steht.
Den Auftakt macht nun der pensionierte Pfarrer und Historiker Joachim Hahn. Er erinnert an die Geschichte des Esslinger Waisenhauses, das in der Reichspogromnacht 1938 von den Nazis gestürmt und demoliert wurde, und an dessen langjährigen Heimleiter Theodor Rothschild, der 1944 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Im Rahmen des Leseherbstes ist der Vortrag die erste Kooperation zwischen der Köngener Bücherei und dem örtlichen Geschichts- und Kulturverein (GKV). „Jedes Jahr ein spezifisches Angebot am 9. November zu machen, finde ich sehr begrüßenswert“, sagt die GKV-Vorsitzende Sonja Spohn, die auch den Kontakt zum Referenten hergestellt hat. „Der 9. November war in unserer deutschen Geschichte mehrmals von Bedeutung“, erklärt sie – das reiche von der Novemberrevolution 1918 über die Reichspogromnacht 1938 bis hin zum Fall der Mauer 1989.
Natürlich ist auch für den Leseratten-Nachwuchs bis Dezember einiges geboten: Highlights sind die beiden Figurentheaterstücke „Am Samstag kam das SAMS zurück“ am 6. November und „Michel feiert Weihnachten“ am 11. Dezember (jeweils 15 Uhr/5 Euro). Daneben gibt es zahlreiche kostenlose Vorlese-Aktionen, und auch der Großeltern-Enkel-Nachmittag mit Spielen, Informationen und Spaß findet am 16. Oktober wieder statt.
Eintrittskarten für alle Veranstaltungen gibt es in der Bücherei. Daneben laufen in der Köngener Bücherei viele weitere Aktionen, die stets mit viel Herzblut vom Büchereiteam organisiert werden – etwa die Betreuung von Lesepaten für Köngens Kindergärten, ein großes digitales Angebot, die Bereitstellung von Bücherkisten für Schulen und Kitas sowie die regelmäßige Mittagsbetreuung in der Burgschule oder auch die Begleitung des seit 1989 bestehenden monatlichen Lesetreffs.
Das alles macht die Köngener Bücherei zu einem wichtigen Player in der Gemeinde: „Unsere Bücherei ist ein zentraler Ort der Begegnung, dort kommen Menschen zusammen und können sich austauschen. Und das alters- und milieuübergreifend. Das ist ein riesiger Mehrwert für Köngen, den wir erhalten und weiter ausbauen wollen“, lobt Bürgermeister Scholz das große Engagement des Büchereiteams. (kd)

Die Bücherei in Altbach ist „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg“. Was sie auszeichnet, hat freilich bei weitem nicht nur mit Büchern zu tun.

Was in der kleinen Bücherei in Altbach schnell klar wird, wenn man sich mit dem Leiter der Bibliothek unterhält: Wie jeder andere Dienstleister muss sich auch eine kommunale Bücherei ständig Neues für ihre „Kunden“ einfallen lassen, um nicht irgendwann überflüssig zu werden. Ganz besonders gilt das offenbar in Zeiten rasant wandelnder Mediennutzung für Bibliotheken.
Genau darin, sich Neues einfallen zu lassen, scheint Tobias Dürr aber auch ganz besonders gut zu sein: Gemeinsam mit nur zwei Mitarbeiterinnen, die sich rund eine halbe Stelle teilen, hat der Bibliothekar ein so facettenreiches Konzept für seine Einrichtung entwickelt, dass der baden-württembergische Landesverband im Deutschen Bibliotheksverband gemeinsam mit dem Sparkassenverband die Bücherei mit dem Titel „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg 2026“ ausgezeichnet hat.

Breites Netzwerk an Kooperationen
Die detaillierte Begründung kennt Dürr noch nicht, wie er sagt. Die Verleihung sei erst im Oktober. Nur so viel wurde bei der Bekanntgabe verraten: Die Expertenjury überzeugte „das breite Netzwerk an Kooperationen, die hohe Besucher- und Serviceorientierung und wie die Bücherei Altbach als kleine kommunale Einrichtung weit über ihre Größe hinauswirken kann“.
Der 33-Jährige kommt denn auch mit dem Aufzählen von Angeboten und Programmpunkten, die seine Mitarbeiterinnen und er selbst stemmen, kaum zum Ende: So bestehen Kooperationen zur Medienbildung mit allen Kindergärten im Ort, der Grundschule, dem Jugendhaus und der Ganztagesbetreuung. „Vorschulkinder können bei uns einen Bücherführerschein machen“, so Dürr. Für Schüler der vierten Klasse gebe es eine Schnitzeljagd durch die Bücherei, zudem beteilige sich die Einrichtung am Klimalerntag. Er selbst gebe kleine Programmierkurse oder es werden Konsolenspielturniere veranstaltet.
„In diesem Sommer beteiligt sich die Bücherei zum achten Mal am landesweiten Wettbewerb ‚Heiß auf Lesen’“, zählt Dürr weiter auf. Speziell für Erwachsene habe er schon Vorträge zur Künstlichen Intelligenz gehalten und dazu, wie man diese im Lesealltag nutzen könne. Überhaupt ist die Altbacher Bücherei digital gut aufgestellt: Die „Onleihe“ von E-Books ist seit langem etabliert, die beliebten „Tonies“, internetgestützte Hörbücher in Form von kleinen Figuren, sind der Renner bei den Kindern. Die jüngste Neuerung ist ganz analog: eine kleine „Bibliothek der Dinge“: Werkzeuge, Beamer oder andere nützliche Geräte lassen sich hier ausleihen.
Dürr bezeichnet die Bücherei ganz bewusst als einen „dritten Ort“, an dem man sich niederschwellig und konsumfrei aufhalten könne. Außer der jährlichen Ausweisgebühr kostet hier nichts Geld. Damit sei die Bibliothek auch ein Raum für Chancengleichheit, sagt Dürr. Das schließe ein, dass die Einrichtung zum Beispiel für jene Platz zum Lernen biete, denen dieser zu Hause fehle. Und auch, dass man hier an einem Tag in der Woche an der Konsole „zocken“ könne, sei letztlich eine Frage der Chancengleichheit, sagt Dürr. „Dadurch kommen Kinder in Kontakt, die sich sonst nie treffen würden.“
Stammbesucher wie die Familie Dieterich wundern sich nicht, dass die nur 270 Quadratmeter große Bücherei einen Preis erhält. Die Familie wohnt in Oberesslingen, kommt zur Bücherausleihe aber lieber nach Altbach: „Sie ist schön überschaubar und gleichzeitig gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken“, schwärmt die Mutter eines zehnjährigen Sohnes. „Sehr groß“ sei das Engagement des Bücherei-Teams. Der zehnjährige Filius schätzt vor allem die Comicauswahl der Bibliothek.

Preisgeld kommt zur rechten Zeit
Das Preisgeld für die Auszeichnung in Höhe von 10 000 Euro dürfte für die Bücherei zur rechten Zeit kommen. Die Gemeinde Altbach hat in diesem Jahr den Medienetat ihrer Bibliothek von 25 000 auf 10 000 Euro gekürzt, erzählt Dürr. Weil die Sparmaßnahme nicht zulasten von Veranstaltungen gehen sollte, können künftig weniger neue Bücher und andere Medien eingekauft werden.
Aber auch auf dieses Problem hat der Bibliotheksleiter schon reagiert: In Kooperation mit der Esslinger Buchhandlung Provinzbuch können künftig in der Buchhandlung ausgewählte Bücher von Bibliotheksnutzern erworben und anschließend der Einrichtung gespendet werden. „Das funktioniert schon recht gut“, sagt Dürr. Wie er das Preisgeld genau investiert, weiß Dürr noch nicht. Für einen lang gehegten Wunsch wird die Summe alleine jedenfalls nicht ausreichen: Ein Selbstverbuchungssystem würde ihn und seine beiden Mitarbeiterinnen sehr entlasten, sagt Dürr. (ts)

Die leer stehenden Räume eines früheren Supermarktes in Denkendorf sollen zur „Kantine +“ werden. Was steckt hinter den Plänen der Gemeinde und finden sich ausreichend Helfer?

Es soll weitergehen in den Räumen des ehemaligen CAP-Markts in der Berkheimer Straße: Dieses Signal gaben nicht nur zahlreiche Denkendorfer Bürgerinnen und Bürger, sondern nun auch der Gemeinderat. Dieser beschloss vor Kurzem die Fortführung des Projekts „Kantine +“.
Seit gut einem Jahr steht das Ladenlokal leer. Fest steht, dass ein weiterer Lebensmittelmarkt dort keine Chance haben würde. Vielmehr soll ein offener Treffpunkt für alle Generationen entstehen, der das gesellschaftliche Miteinander stärkt und Begegnung ermöglicht. Gedacht ist an einen Raum für vielfältige Angebote. Die sogenannte „Ankernutzung“ soll eine Nachbarschaftskantine sein, in der Menschen zusammenkommen, essen, Kaffee trinken, sich treffen oder auch arbeiten können. Wichtig war der Kommune von Anfang an, kein fertiges Konzept auf den Tisch zu legen, sondern die Bürgerinnen und Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen. Das Unternehmen Myzelium Ökosystem aus Neuhausen, das sich auf gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften spezialisiert hat, begleitet den Prozess.
Um das Interesse der Denkendorfer auszuloten, hatte die Gemeinde zum Bürgerworkshop geladen. Die bange Frage, ob sich genügend Menschen finden würden, die bereit sind, im ehemaligen CAP-Markt etwas Neues zu realisieren, erübrigte sich rasch. Rund 120 Menschen fanden sich in den leer stehenden Räumen ein – eine Zahl, mit der niemand gerechnet hatte. „Diese überwältigende Resonanz zeigt, dass das Projekt vielen am Herzen liegt“, freute sich Bürgermeister Ralf Barth. Auch der Gemeinderat war beeindruckt vom großen Interesse der Denkendorfer.

Bürgerinitiative als Trägergemeinschaft
Die Anwesenden entwickelten Ideen, äußerten Wünsche oder auch Bedenken. Gut die Hälfte von ihnen erklärte sich zudem am Ende bereit, sich ganz konkret am Projekt zu beteiligen – „als Betreibende, Mittragende oder Mitglieder“, wie es Timo Wans, Geschäftsführer von Myzelium, formulierte. Denn als Trägergemeinschaft soll nach dem Willen der Gemeinde eine Bürgerinitiative fungieren. Neben einer Leitung, bei der die Fäden zusammenlaufen, braucht es Menschen, die sich beim Kochen einbringen, und solche, die das Angebot regelmäßig in Anspruch nehmen. Außer dem Mittagstisch sollen in der „Kantine +“ weitere Angebote Raum haben. Dazu hatten die Anwesenden viele Ideen: beispielsweise Reparatur- oder Näh-Café, Schuldnerberatung, Hausaufgaben- oder PC-Hilfe, Spieleabende, kulturelle Veranstaltungen oder Angebote für ältere Menschen und Familien.
Barth nimmt an, dass nicht die gesamte Fläche von 400 Quadratmetern für die Nachbarschaftskantine benötigt wird. Der verbleibende Bereich könne etwa für einen Selbstbedienungsmarkt oder ein vergleichbares Nahversorgungssystem genutzt werden.
Angesichts der großen Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement sehen sowohl Barth als auch Wans gute Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens. Dazu erhofft sich die Kommune Gelder aus dem Förderprogramm „Quartiersimpulse“ der Allianz für Beteiligung und des baden-württembergischen Sozialministeriums. Barth warb deshalb im Gemeinderat für eine Fortsetzung des Prozesses. Voraussetzung für die Realisierung sei aber nicht nur, dass sich eine Trägergemeinschaft bilde, sondern auch die Förderzusage, die man im Herbst erwarte. Erst dann soll das Projekt mit Beteiligung von Myzelium in die nächste Runde gehen und ein konkretes Nutzungskonzept entwickelt werden.
Auch mögliche Umbaumaßnahmen werden erst dann geplant und durchgeführt. „Ich sehe nicht, dass wir das Projekt aus Eigenmitteln finanzieren“, betonte der Bürgermeister. Die Gemeinde rechnet als Anschubfinanzierung mit Gesamtkosten von gut 127 000 Euro, von denen 25 000 Euro auf die Kommune entfallen. Langfristig muss sich die „Kantine +“ selbst tragen. (urh)

Esslingens Kommunales Kino lädt vom 30. Juli bis 8. August zum Filmfestival auf die Esslinger Burg ein. Das Programm ist facettenreich.

Auch auf der Esslinger Burg hat die Zeit der Open-Air-Veranstaltungen begonnen. Die Mittelalter-Rockmusiker von „In Extremo“ am 24. Juli und die Schweizer Hard-Rock-Bands „Gotthard“ und „Krokus“ am Samstag, 25. Juli, bilden den musikalischen Auftakt. Vom 30. Juli bis zum 8. August wird dann das Kinopublikum wieder in Scharen auf Esslingens Höhen pilgern. Trotz wechselhaften Wetters haben im vergangenen Jahr insgesamt 13 700 Gäste das Kino auf der Burg erlebt. Und die Macherinnen und Macher des Kommunalen Kinos (Koki) hätten nichts dagegen, wenn ihr Festival in diesem Jahr bei freundlicherer Witterung noch deutlich mehr Gäste anlocken würde.
Kino auf der Burg ist längst ein Markenzeichen geworden: Im Kultursommer 1993 hatte das Esslinger Wahrzeichen erstmals seine Qualitäten als Filmpalast unter freiem Himmel gezeigt – inzwischen hat das Koki dieses Festival zu einer festen Einrichtung gemacht. Die Burg punktet nicht nur mit ihrem ganz besonderen Ambiente, das durch ein ausgeklügeltes Licht-Konzept zusätzlich unterstrichen wird, sondern mit einem attraktiven Gesamtpaket: Jeder Abend beginnt mit einem musikalischen Vorprogramm, das auf den Hauptfilm abgestimmt ist. Die alte Kino-Tradition der Vorfilme wird ebenfalls konsequent gepflegt.
Ein bewährtes gastronomisches Angebot sorgt für Rundum-Wohlergehen des Publikums. Und damit alles perfekt organisiert ist, werden Marc Teuscher und Anastasia Kreis, die diesmal die organisatorische Federführung übernommen haben, wie gewohnt von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt. Nur eines lässt sich bei aller guten Planung und Organisation durch das Koki-Team nicht beeinflussen: Beim Wetter sind die Festival-Macher auf höhere Fügung angewiesen.
Der wichtigste Trumpf der Open-Air-Kinomacher ist jedoch die Filmauswahl. Wochenlang hat das Programm-Team jede Menge neuer Filme gesichtet, bewertet und diskutiert, weil nicht jeder Streifen, der für die Leinwand gemacht ist, auch unter freiem Himmel funktioniert. Schon im Juni sind die Würfel gefallen, das Programm steht. Beim Tag des Ehrenamts am 29. Juli bleiben ehrenamtlich Engagierte auf Einladung der Stadt noch unter sich.

Dieter Thomas Kuhn auf der großen Leinwand
Zum offiziellen Festival-Auftakt läuft dann am Donnerstag, 30. Juli, Kyle Baldas Krimikomödie „Glennkill: ein Schafskrimi“ mit Hugh Jackman und Emma Thompson in den Hauptrollen. Die Verfilmung von Leonie Swanns gleichnamigem Bestseller erzählt von einer Schafherde, die ein Verbrechen aufklären muss, weil die menschlichen Ermittler ratlos sind. Weiter geht’s am Freitag, 31. Juli, mit Antoine Fuquas Biopic „Michael“, das den Aufstieg von Superstar Michael Jackson zum globalen Pop-Phänomen nachzeichnet. Und beim Familientag am Samstag, 1. August, dürfen sich Jung und Alt auf den Trickfilm „Minions & Monster“ freuen.
Unvergessen sind die diversen Auftritte von Schlager-König Dieter Thomas Kuhn auf der Esslinger Burg. Diesmal ist der Mann mit dem Brusthaartoupet allerdings nicht mit seiner Band zu Gast. Stattdessen kommt Kuhn nach Esslingen, um Juliane Sauters Film „Und es war Sommer“ vorzustellen (2. August), die „DTK“ auf seiner Open-Air-Tour 2024 filmisch begleitet hat. Weiter geht es am Montag, 3. August, mit „Verflucht normal“ – der Geschichte eines jungen Mannes, der in einer schottischen Kleinstadt der 80er-Jahre zum Außenseiter wird, weil keiner die Ursachen seiner seltsamen Nerven-Ticks erkennt. „The Piano Tuner“ von Daniel Roher läuft am Dienstag, 4. August, und zeigt mit einem Augenzwinkern, dass man durch ein außergewöhnliches Gehör auch auf Abwege geraten kann.
Vor 20 Jahren wurde „Der Teufel trägt Prada“ zum Kinohit, der bis heute viele Fans hat. Nun hat Nicolas Deveaux eine Fortsetzung dieser Geschichte aus der Modewelt gedreht, die am Mittwoch, 5. August, auf der Burg läuft. Joachim Meyerhoffs Buch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist ein Bestseller – nun wurde er von Simon Verhoeven verfilmt. Das Ergebnis ist am 6. August auf der Burg zu sehen. Marcus H. Rosenmüllers Kleinstadt-Komödie „Extrawurst“ gibt es am Freitag, 7. August. Zum Festivalfinale am 8. August setzt Vinciane Millereaus Zeitreise-Komödie „Die progressiven Nostalgiker“ den Schlusspunkt hinter ein reizvolles Filmfestival auf der Esslinger Burg.

Tipps fürs Open-Air-Publikum
Tickets:
Eintrittskarten kosten 13,50 Euro für Erwachsene, ermäßigt 10,50 Euro. Tickets für den Familientag mit „Minions & Monster“ am 1. August sind einheitlich für 9,50 Euro zu haben. Für die Preview des Dieter-Thomas-Kuhn-Films „Und es war Sommer“ am 2. August kosten reguläre Eintrittskarten 18 Euro, mit Ermäßigung 15 Euro. Die Abendkasse am Haupteingang beim „Trödler“ öffnet an den Vorstellungstagen jeweils um 19 Uhr.
Vorverkauf: Eintrittskarten fürs Kino auf der Burg können bei der Buchhandlung Provinzbuch in der Esslinger Küferstraße sowie im Internet unter www.kinoaufderburg. de gekauft werden. Kartenreservierungen sind nicht möglich. Wer sein Ticket vorab gelöst hat, kann ab 19 Uhr auch den Einlass an der Burgsteige nutzen.
Regeln: Die Jugendschutzbestimmungen sind unbedingt zu beachten – jeder Film hat eine entsprechende Altersfreigabe. Es gibt keinen Anspruch auf Sitz- oder Liegeflächen. Eigene Sitzmöbel, Essen und Getränke dürfen nicht mitgebracht werden; Decken, Planen und Isomatten für den Liegebereich sind erlaubt. Die Vorstellungen finden bei jedem Wetter statt. Umtausch und Rück­gabe von Eintrittskarten sind ausgeschlossen. Tiere müssen zuhause bleiben. Parkmöglichkeiten gibt es im Parkhaus Flandernstraße. (gw)

Wegen der Marktplatzsanierung muss das Esslinger Estival den Standort wechseln. Welche Veränderungen bringt das mit sich?

Der Esslinger Marktplatz ist derzeit eine große Baustelle. Dass das Estival wegen der Neugestaltung dort nicht wie in den Jahren zuvor stattfinden kann, ist keine Überraschung. Das Esslinger Stadtmarketing hat sich jedoch bereits früh Gedanken über Alternativen gemacht. Das Sommerspektakel ausfallen zu lassen, war keine Option. „Wir wollten den Menschen aus der Stadt und der Region auf jeden Fall eine Alternative bieten“, sagt Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslinger Veranstaltungsgesellschaft Markt und Event.
Bei seiner fünften Auflage geht das Estival deshalb vom 30. Juli bis zum 10. August mit einem neuen Konzept und dem Namenszusatz „Pop-up“ an den Start und weicht einige Meter weiter auf den Rathausplatz aus. Auch der Zugang zum Kleinen Markt wird teilweise mitgenutzt. „Der Platz ist atmosphärisch wunderschön. Man muss in anderen Städten lange suchen, um etwas Vergleichbares zu finden“, sagt der Planer und Organisator Jörg Schall über das Ausweichquartier. Baustellenlärm oder Schmutz müssen die Gäste übrigens nicht fürchten. Das Estival öffnet unter der Woche erst um 17 Uhr, wenn die Bauarbeiter bereits Feierabend machen.
Da das Estival in diesem Jahr deutlich weniger Platz zur Verfügung hat, wird auf die urigen Holzlauben verzichtet. Stattdessen sollen primär für die Servicestände und die Küche neun weiße und stabile Pagodenzelte aufgestellt werden. Die Gäste nehmen an Tischen unter freiem Himmel Platz und sind umgeben von einer historischen Stadtkulisse. Gegen die Sonne wird es große Schirme geben, die bei Bedarf auch den Regen abhalten sollen. Außerdem stehen Stehtische und Liegestühle zum Entspannen bereit.
Das Estival ist nicht einfach eine Hocketse. Am Anspruch, eine Vollgastronomie unter freiem Himmel und solide Kulinarik statt Schnellimbiss zu präsentieren, hat sich nichts geändert. Auch der Service hat Restaurant-Niveau. Es gibt Bedienung am Tisch, Geschirr aus Keramik, Besteck, Gläser und Tischdecken. Trotzdem wird die Veranstaltung im Jahr 2026 deutlich kompakter ausfallen. Verkleinert hat sich neben der Fläche auch die Zahl der Wirtinnen und Wirte. Statt der sonst sechs sind es dieses Mal nur vier Gastronomiebetriebe aus der Region.
Vertreten sind Currles Culinarium, Galleria Zeus, die Weinstube Eißele und der Rote Hirsch. Auf eigenen Wunsch pausieren in diesem Jahr Weinmoment und das Fleischmann Steakhouse & Weinbar. Das kulinarische Angebot reicht von regionaler Traditionsküche über moderne Interpretationen schwäbischer Klassiker bis zu mediterranen Spezialitäten und vegetarischen Gerichten. Dazu werden regionale Weine, Sekt von Kessler und verschiedene Biere serviert. Neu im Programm ist der Estival-Sprizz, eine prickelnde Mischung mit Grapefruit – ohne und mit Alkohol.
Gekocht wird frisch und vor Ort. Neu ist, dass alle Gastronomen dieses Mal gemeinsam eine Küche betreiben und unter einem Zeltdach zusammenarbeiten werden. Gleichwohl stellt jedes Team seine kulinarischen Spezialitäten selbst her. Auch bei der Planung arbeiten die Betriebe zusammen. „Wir sind ein tolles Team und die Vorbereitung macht uns allen richtig Spaß“, lobt Ifigenia Ciriacopoulou vom griechischen Restaurant Galleria Zeus. „Das wird eine wirklich schöne Interimslösung“, ist Annette Currle von Currles Culinarium überzeugt, „jetzt muss eigentlich nur noch das Wetter mitspielen“.
Für die Gäste hat die Kooperation der Wirte den Vorteil, dass sie an allen Tischen die gleiche Karte erhalten. Zudem können die Tische zentral reserviert werden. Angebote machen auch die Lokale am Rathausplatz, die nach Möglichkeit in das Estival einbezogen werden.
Aus Platzgründen wird in diesem Jahr auf eine Veranstaltungsbühne verzichtet. Trotzdem wird es immer wieder kleine Programmpunkte geben, kündigt Michael Metzler an. Ifigenia Ciriacopoulou schwebt unter anderem ein Sirtaki-Event vor. Was bleibt, ist das Angebot an Stadtführungen, das man während des Estivals über das Stadtmarketing buchen kann.
Michael Metzler kündigt an, dass das Festival im Sommer 2027 wieder auf den Marktplatz zurückkehren und im Rahmen des Stadtjubiläums zweieinhalb Wochen dauern soll. Geplant sind besondere Aktionen.

Estival kompakt
Start:
Das Estival-Pop-Up startet am Donnerstag, 30. Juli, um 17 Uhr auf dem Rathausplatz. Die offizielle Eröffnung mit OB Matthias Klopfer findet dann um 18 Uhr statt. Geschlemmt und gefeiert werden kann zwölf Tage lang bis zum 10. August.
Öffnungszeiten: Das Estival-Pop-Up ist von Montag bis Donnerstag von 17 bis 23 Uhr sowie freitags bis 24 Uhr geöffnet. Am Samstag bieten die vier Wirtinnen und Wirte von 11.30 bis 24 Uhr und am Sonntag von 11.30 bis 23 Uhr Speisen und Getränke an.
Reservierung: Wer einen Tisch für das Estival reservieren möchte, kann entweder eine Whatsapp-Nachricht an die Nummer 01 51/ 23 42 39 27 senden oder Plätze mit einer E-Mail an die Adresse : perle@perle-uhlbach.de buchen. (pep)