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Es geht um die Nachverdichtung im Innenbereich und um bebaubare Grundstücke: Angebot und Nachfrage mit minimalem Aufwand zusammenführen ist das Ziel einer Baulückenbörse auf der Homepage der Stadtverwaltung Wendlingen.

Es gibt viele ungenutzte Grundstücke im Stadtgebiet. Häufig fehlen aber potenzielle Käufern Informationen über die Absichten der Grundstückseigentümer. Wie bringt man also einen möglichen Verkäufer und Käufer zusammen? Neben dem herkömmlichen Inserat im Immobilienteil der Zeitung oder auf entsprechenden Immobilienportalen im Internet gibt es eine weitere Möglichkeit: Als probates Mittel hat sich die Baulückenbörse entwickelt. Genau an dieser Stelle setzt auch die Stadtverwaltung mit einer internetgestützten Baulückenbörse auf der städtischen Homepage an.


Die Idee ist nicht neu, sondern hat sich bereits in vielen umliegenden Kommunen bewährt. Häufig handelt es sich bei den ungenutzten Flächen um sogenannte „Enkelesgrundstücke“, wie sie Thomas Stonjeck, Leiter des Fachbereichs Liegenschaften im Wendlinger Rathaus, in der letzten Gemeinderatssitzung bezeichnete. Sie werden über Jahrzehnte für die Nachkommen aufgespart. Ändern sich die Lebensumstände, etwa durch den Wegzug der Kinder, bleibt die Fläche häufig leer.
Viele, meist ältere Eigentümer scheuen den Gang zu großen, anonymen Online-Immobilienbörsen. Die Angst vor unseriösen Anfragen ist dabei groß. Auch die Bindung an einen Makler oder eine kostenpflichtige Immobilienagentur ist oft nicht gewollt.


Wie die Börse funktioniert
Hier springt nun die Stadt als vertrauensvoller Vermittler ein. Nach Prüfung durch den Bereich Liegenschaften und die Verwaltungsspitze wurde ein System etabliert, das Diskretion garantiert. Die Grundstücke werden vollkommen anonymisiert auf der städtischen Homepage veröffentlicht.
Die Kontaktaufnahme läuft ausschließlich über das Sachgebiet 41 (Grundstücksverwaltung) im Rathaus. Erst wenn die Kaufinteressenten eine seriöse Anfrage per E-Mail einreichen und die Daten geprüft wurden, leitet die Verwaltung diese an die Eigentümer weiter.


Anreiz für Nachverdichtung
Dass das Konzept funktioniert, zeigt die Praxis: Bereits im November 2025 wurden die ersten zwei Grundstücke online gestellt.
Thomas Stonjeck stellte aber klar: „Wir machen keine Rechtsberatung und sind bei den Verhandlungen auch nicht dabei.“ Auch tritt die Stadt nicht als Makler auf, und es entstehen keinerlei Provisionspflichten. Für die Stadt entstehen kaum Kosten, der Nutzen für die Innenentwicklung ist dagegen enorm, so die Erwartung.
Dem vorausgegangen ist eine steuerliche Änderung in Wendlingen: Bereits im Oktober 2024 hatte die Stadt die Einführung der Grundsteuer C für baureife, aber unbebaute Grundstücke beschlossen. Während der Hebesatz für bebaute Grundstücke sinkt, greift bei ungenutzten Flächen nun ein Hebesatz von 250 vom Hundert. Dieses Instrument soll gezielt als Anreiz dienen, um seit Jahren brachliegende Flächen in Zeiten der Wohnungnot zu aktivieren.


Keine Ausweisungen für neue Neubaugebiete
Aktuell sind rund 70 Grundstücke im Stadtgebiet von dieser neuen Regelung betroffen. Dass es mit der Mobilisierung von Bauland der Stadt ernst ist, zeigt sich auch an anderer Stelle: Kürzlich wurde die Bebauungsfrist, in der ein Grundstück im Neubaugebiet Steinriegel zwingend bebaut werden muss, um weitere zwei Jahre verlängert.
Damit kommt man den Eigentümern in der aktuellen Marktlage entgegen. Neue Flächenausweisungen oder Neubaugebiete im großen Stil sind jedoch in Wendlingen vorerst nicht vorgesehen. So haben sich Stadt und Gemeinderat von der erweiterten Flächenausweisung in den Anschlussgebieten Steinriegel II, Schillingsäcker und Gassenäcker verabschiedet.
Einstimmiges Lob aus dem Gemeinderat
Im Gemeinderat stieß das neue Instrument auf ungeteilte Zustimmung. Bastian Wolfer, Stadtrat der Grünen, betonte den großen Bedarf und regte an, das Anmeldeformular für die Börse künftig direkt mit den Grundsteuerbescheiden zu versenden, um die Plattform noch bekannter zu machen.
Stadträtin Susanne Essig (FWV) lobte die Initiative ebenfalls: „Mit kleinem Aufwand Bedarf und Angebote zusammenzubringen, ist der richtige Weg“, sagte sie.


In Wendlingen auch viele leer stehende Wohnungen
Dem schloss sich SPD-Fraktionschef Ansgar Lottermann an, der die ersten zwei Baugrundstücke als einen Anfang bezeichnete.
Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass es in Wendlingen neben freien Flächen auch viele leer stehende Wohnungen gebe.
Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Bernd Dieterle, brachte den Vorschlag ein, das Konzept auf Streuobstwiesen auszuweiten, um auch dort Stücklesbesitzer und Pächter zusammenzubringen. Thomas Stonjeck entgegnete, dass ältere Eigentümer ihre Wiesen bei Pflegeeinbußen meist direkt der Stadt zum Kauf anböten. Bürgermeister Weigel versprach, die Idee zur Prüfung mitzunehmen.
Eigentümer, die ihr Grundstück über die kostenlose städtische Plattform zum Verkauf anbieten möchten, können sich direkt an den Bereich Liegenschaften der Stadtverwaltung wenden.
(Gaby Kiedaisch)

Info: Weitere Informationen und Kontakt gibt es unter www.wendlingen.de/bauen-entwicklung/bauen-klimaschutz/baulueckenboerse.