Neckar Schurwald

Baubeginn frühestens 2026

Schon seit drei Jahren gehört der Gemeinde Altbach das Grundstück der ehemaligen neuapostolischen Kirche. Aber erst im nächsten Jahr sollen sich Investoren darum bewerben können. Dabei dauert vielen Gemeinderäten der Prozess schon jetzt zu lange.

Der Bedarf an Bauflächen ist in der ganzen Region enorm, allerorten ist Wohnraum bekanntlich knapp. Dass es in Altbach nun mehrere Jahre gedauert hat, bis die Gemeinde ein Verfahren auf den Weg bringt, das Grundstück der ehemaligen neuapostolischen Kirche zu verkaufen, stieß während der Sitzung des Gemeinderates im April manchem Kommunalpolitiker bitter auf. „Der Zeitplan ist signifikant zu lang“, meinte beispielsweise der UWV-Gemeinderat Jürgen Hoffmann. Denn mit dem Beschluss, ein Vergabeverfahren für Investoren zu beginnen, ist noch keine rasche Bebauung verbunden. Sofern alles nach Plan läuft, kann frühestens Anfang 2025 der Kaufvertrag unterschrieben werden – bis die Bagger rollen, wird es wahrscheinlich 2026. Gekauft hatte die Gemeinde das Grundstück Anfang 2021 für 800 000 Euro.

Licht am Ende des Tunnels sichtbar
Immerhin scheint nun das Licht am Ende des Tunnels sichtbar zu sein. Valerie Schrodi vom Büro Schreiberplan aus Stuttgart machte den Gemeinderäten allerdings klar: „Heute stehen wir ganz am Anfang des Verfahrens.“ Das Gremium votierte einstimmig dafür, das Büro für mehr als 12 000 Euro mit der Begleitung des weiteren Verfahrens zu beauftragen. Mit dem nun erfolgten Beschluss kann ein Exposé mit rechtlichen und planerischen Rahmenbedingungen erstellt werden. Bis das Exposé in den Fraktionen und im Gemeinderat besprochen und verabschiedet worden ist und damit veröffentlicht werden kann, wird es allerdings Herbst.
Während einer Klausurtagung hatte sich der Altbacher Gemeinderat bereits im Jahr 2021 mit der Zukunft des Geländes beschäftigt. Es sollen vor allem neue Wohnungen gebaut werden – differenziert und zeitgemäß. Auch Themen wie Ökologie sollen sich in dem Exposé wiederfinden. Im Erdgeschoss könnten auch einige Gewerbeflächen für die Nahversorgung eingerichtet werden.
Das Grundstück am Rande des Altbacher Ortskerns ist für die städtebauliche Entwicklung der Gemeinde wichtig. Der gesamte Bereich zwischen Bahnhof, Rathaus und dem Heinrich-Mayer-Park könnte aus Sicht der Verwaltung und des Gemeinderates eine Erfrischungskur vertragen. Im Jahr 2022 wurde deshalb ein Projekt mit Studierenden der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen aufs Gleis gehoben: 76 Studentinnen und Studenten machten 18 Vorschläge für die Aufwertung des Gebiets. Für das Grundstück der neuapostolischen Kirche schlugen sie – wie auch die Gemeinderäte – vor allem neue Wohnungen vor. Möglich wäre auch ein generationenübergreifendes Wohnprojekt mit sozialen Einrichtungen. Gestalterisch solle an der Stelle nahe dem Ortseingang eine Art Auftakt entstehen, regten die Studenten an.
Was sich von diesen Ideen nun in dem Exposé wiederfindet, muss abgewartet werden. Nach der Veröffentlichung des Exposés brauchen Interessenten zehn bis zwölf Wochen, um ihre Entwürfe vorzubereiten und einzureichen. Anschließend soll eine Beurteilungskommission Anfang 2025 einen Bewerber auswählen, der für den Verkaufsbeschluss im Gemeinderat vorgeschlagen wird. Bis der Kaufvertrag unterschrieben wird, vergehen laut Valerie Schrodi neun bis zwölf Monate.
Dass es in Altbach eher länger als kürzer dauert, hat verschiedene Gründe: Zum einen leidet das Rathaus unter Personalmangel. Zum anderen stehen am 9. Juni die Kommunalwahlen an. Der Bürgermeister Martin Funk würde den noch amtierenden Gemeinderat ungern in der vorletzten oder letzten Sitzung der Wahlperiode einen weitreichenden Beschluss fassen lassen. Lieber wäre es ihm, die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates Ende Juli abzuwarten und die Beurteilungskommission danach zu besetzen.

Siebenstelliger Betrag bleibt ungenutzt
Im Gemeinderat verursachte der Zeitplan allerdings Missmut. „Wir haben ein Riesen-Potenzial brachliegen“, kritisierte der Gemeinderat Hoffmann (UWV). Ein siebenstelliger Betrag für die Gemeindekasse sei ungenutzt. Hinzu komme der Bedarf an Wohnraum. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Euchenhofer sah es ähnlich. „Wir sind nicht gerade schnell unterwegs“, merkte er selbstkritisch an. Viel Zeit sei seit der Klausurtagung 2021 vergangen. Offenbar schienen seitdem andere Aufgaben dringender gewesen zu sein. Der Umbau des Feuerwehrhauses und der Alten Schule, die Querelen um die Glasfaserverlegung und die Coronazeit beschäftigten das Rathaus. „Wir können das Rad nicht zurückdrehen“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Barth. Mit Blick auf die Zukunft forderte sie aber, dass das Verfahren nun zügig vorangehen solle.

Platz für mehrstöckige Häuser
Fläche: Das Grundstück umfasst 2378 Quadratmeter. Nördlich davon geht es steil bergauf. Der Haldenrainweg führt dort entlang und begrenzt das Areal.
Umgebung: In der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es bereits Hochhäuser mit bis zu acht Stockwerken. Entsprechend könnte auf der Fläche an der Esslinger Straße ebenfalls eine massive Bebauung geplant werden, was in einem Projektblatt der Gemeinde als „hohe Nutzungsintensität“ beschrieben wird.
Lage: Wohnungen auf dem ehemaligen Kirchengelände hätten mit dem nahen Bahnhof eine ideale Anbindung an das Schienennetz. Es sind nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Bahnhof. Autofahrer gelangen rasch auf die B 10, sofern es auf der Brücke keinen Stau gibt. Und Fahrradfahrer könnten von dem Radweg profitieren, der auf beiden Seiten der Esslinger Straße entlangführt. Ein Nachteil für die zukünftigen Bewohner könnte allerdings das hohe Verkehrsaufkommen auf der Esslinger Straße sein.  (bra)

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