Der Verlauf des geplanten Radschnellwegs bewegt weiter die Gemüter – insbesondere in Plochingen. Nun hat dort die Ratsmehrheit erneut gegen einen mühsam ausgehandelten Deal zwischen der Stadt und dem Land gestimmt. Im Zuge der Sanierung der Filsbrücke muss jetzt eine Interimsbrücke für geschätzt eine Million Euro gebaut werden.
Es bleibt dabei. Die Brücke für den Radschnellweg in Plochingen wird nicht zeitnah gebaut. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte die Vergabe der Bauarbeiten für die Radbrücke erneut ab. Das bedeutet, dass die Stadt eine Interimsbrücke zur Sanierung der Filsbrücke für geschätzt eine Million Euro bauen muss.
„Ich bedauere es sehr“, sagte Plochingens Bürgermeister Frank Buß nach der Abstimmung. Denn den Schaden hat nun die Stadt, genauer gesagt der Steuerzahler. Hintergrund: Für den Radschnellweg durch das Fils- und Neckartal muss bei Plochingen eine Brücke über die Fils gebaut werden. Gleichzeitig braucht die Stadt Plochingen eine Ausweichbrücke für die Zeit, in welcher sie die bestehende Filsbrücke erneuert. Nun gab es die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Radbrücke des Landes wird früher als für den Radschnellweg benötigt gebaut und von der Stadt zunächst als Interimsbrücke genutzt.
Jenseits des Bruckenwasens
Lange hat die Plochinger Stadtverwaltung dafür gearbeitet, dass das klappt. „Das war die Lösung, bei der die Stadt gewonnen hätte“, ist sich der Bürgermeister sicher. Die Mehrheit des Gemeinderates sah das anders.
Bei der Abstimmung im Gemeinderat am 9. Juni hatten CDU, Bürgerliste und die Unabhängige Liste Plochingen (ULP) gegen die Pläne votiert. Sie wollten erst die Zusage vom Land, dass der Radschnellweg nicht durch den Bruckenwasen verläuft. Ende Juni lief die Vergabefrist für die Bauarbeiten der Radfahrbrücke nach mehreren Verlängerungen aus. Deshalb hatte die Stadtverwaltung zwischen dem 9. Juni und dem 29. Juni noch einmal darum gerungen, dem Land die Zusage für die B-10-Trasse abzuringen. Vorsorglich wurde für Ende Juni eine außerordentliche Gemeinderatssitzung einberufen.
Obwohl es viele Gespräche mit dem Regierungspräsidium Stuttgart gegeben habe, hätten sich die Mitarbeiter dort während eines laufenden Planungsprozesses nicht auf eine schriftliche Zusage für die zukünftige Trassenführung festlegen lassen, so Frank Buß. Die OGL hatte in der Gemeinderatssitzung noch erfolgreich den Geschäftsordnungsantrag zu einer geheimen Abstimmung gestellt. Die Hoffnung war, dass es Abweichler innerhalb der CDU, der ULP oder der Bürgerliste geben werde. Das Ergebnis hat sich aber nicht geändert.
Teure B-10-Trasse wird favorisiert
Seit Jahren ist die Streckenführung des Radschnellwegs bei Plochingen umstritten. So gibt es die Idee, die bestehende Bahnunterführung zum Bruckenwasen für den Radschnellweg zu nutzen und die Radler am Heim des Obst- und Gartenbauvereins vorbeizuführen. In Plochingen wird diese Variante aber überwiegend kritisch gesehen. Ungern möchte man die Radler in den Bruckenwasen schicken, auch nicht ein kleines Stück. Es werden unter anderem Konflikte mit Fußgängern befürchtet. Stattdessen sollte der Radschnellweg parallel zu B 10 verlaufen, wünscht sich eine Mehrheit in Plochingen. Doch diese Wegeführung wäre wesentlich teurer, weil eine neue Querung der Bahnlinie notwendig wäre.
Ob sich die Stadt mit dem jetzigen Abstimmungsverhalten einen Gefallen getan hat, muss abgewartet werden. „Ich halte das für den falschen Ansatz. Wir hätten guten Willen zeigen müssen“, meint der Bürgermeister. Denn bisher sei das Land noch durchaus offen für die von Plochingen favorisierte B-10-Trasse gewesen. Wer das nun zerschlagene Porzellan zwischen der Stadt und dem Land zusammenkehrt und wie es danach weitergeht, ist eine der spannenden Fragen, mit denen sich die Kommunalpolitik am Neckarknie in den kommenden Monaten beschäftigen müssen wird. (bra)
