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Auch dank eines anonymen Spenders will Reichenbach ein neues Haus der Jugend bauen. Nach zwei Wintern ohne Treffpunkt plant der Kreisjugendring nun eine Übergangslösung.

Im Sommer werden es zwei Jahre, seitdem gibt es in Reichenbach kein Jugendhaus mehr. Vandalismus im benachbarten Schulzentrum, Ärger mit Nachbarn und eine Brandserie im Ort, für die die Polizei kürzlich einen Fahndungserfolg meldete, hatte die Gemeindeverwaltung damals zusammen mit dem Kreisjugendring (KJR) veranlasst, die Reißleine zu ziehen. Auch Dank einer Spende plant die Kommune nun einen Neubau – es wird also noch dauern, bis Jugendliche wieder einen Ort nur für sich haben werden.
Auch die seither unbesetzte Personalstelle für die offene Jugendarbeit in Reichenbach ist noch nicht wieder besetzt worden. „Wir sind hausintern in der Abstimmung“, die Stelle solle aber nun ausgeschrieben und bis zum Sommer besetzt werden, erklärt Ralph Rieck. Der Chef des Esslinger Kreisjugendrings kündigt an, die neue Fachkraft werde dann „zu den Orten gehen, wo sich junge Menschen aufhalten“. Und da das alte Jugendhaus geschlossen und der Neubau dann noch nicht fertig sein werden, könnte für die offene Jugendarbeit möglicherweise ein Raum in der Schule oder in der Kulturinitiative „Die Halle“ genutzt werden.

Fertigstellung bis Frühjahr 2027
Im Frühjahr 2027 könnte dann das neue Haus der Jugend fertig werden, so rechnet jedenfalls Ralph Rieck, der nicht nur mit Blick auf das Raumangebot eines Jugendhauses, sondern auch bei der Finanzierung der Personalstelle auf die Gemeinde Reichenbach angewiesen ist. Die Stelle wird je zur Hälfte von der Kommune und vom Landkreis bezahlt.
„Wir hätten uns das auch früher gewünscht und die Stelle früher besetzt“, erklärt dazu Rieck. Es gebe aber weiterhin zwei pädagogische Fachkräfte wie die Reichenbacher Schulsozialpädagogin Janina Trinkaus, die mit 25 Prozent Stellenanteil auch das kommunale Jugendreferat verantwortet, sowie Jochen Lung-Müller, der sich um die offene Jugendarbeit in der Kulturinitiative „Die Halle“ mit einer 75-Prozent-Stelle kümmert, und die den Kontakt zu den Jugendlichen im Ort hielten.
Der Chef des Kreisjugendrings hat nach eigenen Angaben bereits ein Nutzungskonzept für den sozialpädagogischen Neuanfang in Reichenbach der dortigen Verwaltungsspitze vorgelegt. „Wir sind mit der Kommune einig und entwickeln das partizipativ“, erklärt Rieck. Anders als im jetzt geschlossenen Reichenbacher Jugendhaus in der Seidenstraße sollen künftig auch der Ganztagsbereich der Realschule und die Jugendarbeit der Vereine eingebunden werden.
„Unsere Funktion ist es dann, das Haus zu managen, damit es ein gutes Miteinander wird.“ Die Gemeinde stelle dafür das Gebäude und einen Sachmitteletat zur Verfügung. In einem Jugendhaus gebe es viele Zeitfenster für weitere Nutzungen. Denkbar sei zum Beispiel eine Kooperation mit der benachbarten Realschule beim sogenannten Mittagsband, also die Übergangsphase zwischen Vor- und Nachmittagsunterricht. Hier gebe es im Oberesslinger Jugendhaus Nexus und in der Zehnscheuer Deizisau bereits gute Beispiele einer Zusammenarbeit.
Wer in Reichenbach abends unterwegs ist, trifft die Jugendlichen seit der Schließung des Jugendhauses an vielen Orten im öffentlichen Raum an, auf Spiel- und Sportplätzen und bei widriger Witterung im örtlichen Edeka oder im Vorraum der Südwestbank. Im Edeka können sie nur bleiben, so lange sie dort zumindest Getränke konsumieren. „Viele haben sich arrangiert und laufen in den Jugendhäusern in Hochdorf und Plochingen sowie in der Halle auf“, beschreibt Rieck die Lage.
Offenbar fühlen sich allerdings mehrere Gruppen von Jugendlichen in Reichenbach ohne Jugendhaus weiterhin heimatlos. „Wenn wir in der Bank sind, kommt oft die Polizei und schickt uns weg“, berichtet ein 15-Jähriger. Mehrfach habe der Polizist ihm und seinen Mitschülern bereits mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch gedroht. Ins Hochdorfer Jugendhaus gingen sie nicht, weil das eher ein Treffpunkt für Jüngere sei, und nach Plochingen sei es zu weit. „Wir haben keine Lobby“, erklärt eine Mitschülerin, die anderen nicken.

An Stelle der alten Turnhalle
Wie die offene Jugendarbeit in Reichenbach künftig funktionieren soll, das möchte die Verwaltung vor der Sommerpause 2026 im Gemeinderat vorstellen. „Wir haben eine günstige Möglichkeit bekommen, eine Räumlichkeit für die Jugend im Schul- und Sportcampus zu platzieren. Dazu haben wir von einem Spender, der nicht genannt werden möchte, eine großzügige Spende erhalten“, teilt der Hauptamtsleiter Siegfried Häußermann mit, weitere Infos dazu seien „leider nicht öffentlich“.
Immerhin soviel ist bekannt: Das neue Haus der Jugend soll als eingeschossiger Bau mit rund 730 Quadratmeter Grundfläche westlich der Realschule entstehen, wo bis vor einigen Monaten noch die alte Turnhalle stand. Pläne und eine Visualisierung des Esslinger Bauunternehmens Westo-Bau hat die Gemeinde auf ihrer Homepage veröffentlicht. Mit Blick auf die geplante gemeinsame Nutzung von Vereinsjugend und Kreisjugendring – KJR-Chef Rieck spricht von Synergien, die im Optimalfall entstehen können – hat die Verwaltung dem Gemeinderat mitgeteilt, derzeit stimme man einen gemeinsamen Termin mit den Jugendleitern und Vereinsvorsitzenden dazu ab. (com)