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Die Gemeinde Hochdorf hat die Situation im Ortskern analysieren lassen. Das Fachbüro empfiehlt Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr. Beim Rathaus wird ein Kreisverkehr angestrebt.

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat ein Programm aufgelegt, mit dem Kommunen eine systematische Erfassung und Analyse der Qualität ihrer Ortsmitte durchführen lassen können. Auf Antrag der Gemeinderatsfraktion der Grünen hat Hochdorf als eine der ersten Kommunen im Land im vergangenen Jahr dieses kostenfreie Angebot wahrgenommen. Das beauftragte Fachbüro hat kürzlich in einem Dossier die Ergebnisse und einige Handlungsempfehlungen vorgestellt.
„Das Dossier sollte nicht mit unserem Ortsentwicklungskonzept verwechselt werden“, betont Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler. Das sei als übergeordnetes Steuerungselement der Kommune zu verstehen. Die Gemeinde nutze vielmehr das Angebot des Ministeriums, mithilfe einer städtebaulichen Analyse eine praktische Unterstützung für eine unkomplizierte Verbesserung der Situation im Ortskern zu erhalten. Ziel seien Ideen und Vorschläge für die Beseitigung von Mängeln beim Rad- und Fußverkehr und auch beim Busangebot, ohne den Autoverkehr zu stark zu beschränken. So sollten eine höhere Aufenthaltsqualität erreicht und eine attraktivere Ortsmitte geschaffen werden. Und dies sollte ohne großen Aufwand umzusetzen sein.
Die Fachleute hatten für ihre Untersuchung ein eng gefasstes Gebiet im Ortskern ausgewählt, das jedoch aufgrund der Verkehrsbelastung und erkennbarer baulicher Mängel als symptomatisch gelten könne. Der betrachtete Straßenzug beginnt beim Rathaus an der stark frequentierten Kreuzung Kirchheimer/Kirchstraße und reicht entlang der Bachstraße bis zur Einmündung des Brunnenwiesenwegs bei der Feuerwehr. Einen grundsätzlichen Mangel sah das Untersuchungsergebnis darin, dass im Verlauf des Straßenzugs mit Tempo 50 gefahren werden darf, was für Radler ein hohes Risiko berge. Die empfohlene Anordnung von Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt sei dank des nun vorliegenden Lärmaktionsplans allerdings schon beschlossene Sache und werde in den kommenden Wochen umgesetzt, berichtet Kuttler.
Auch für Fußgänger bietet der Straßenzug Gefahren. So sind die Gehwege teilweise schmal und baulich nicht in bestem Zustand. Die Einmündungen von Seitenstraßen sind viel zu weit und verleiten Autofahrer zu flottem Abbiegen. Besonders für Kinder und ältere Menschen kann dies gefährlich werden, zumal Querungshilfen fehlen. Den Gehweg vorzuverlegen und zusätzlich Poller einzubauen könnte helfen. „Das werden wir bei Gelegenheit in Angriff nehmen. Es kostet natürlich etwas“, sagt Kuttler.

Ein abenteuerliches Unterfangen
„Der mit Abstand interessanteste und wichtigste Punkt in dem Dossier“ ist laut Kuttler die große Asphaltfläche beim Rathaus, wo die Kirchheimer Straße und die Kirchstraße, also eine Landes- und eine Kreisstraße, zusammentreffen. Dort eine der Straßen überqueren zu wollen, etwa um den Bus zu erreichen, kann zu gewissen Zeiten ein abenteuerliches Unterfangen sein, zumal es keine Querungshilfe gibt. „Dort gehört ein Kreisverkehr hin mit Zebrastreifen an allen drei Armen. Da geht es um Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger. Das ist die Meinung und der Wunsch der Verwaltung, des Gemeinderats und der Bürgerschaft. Es freut uns besonders, dass das in der Untersuchung, die ja vom Verkehrsministerium kommt, genau so vorgeschlagen wird“, sagt Kuttler. Da die L 1201 zwischen dem Filstal und Hochdorf seit der ersten Aprilwoche wegen Bauarbeiten ohnehin komplett gesperrt wird, „würde sich das mustergültig anbieten, den Kreisverkehr gleich mit einzurichten“, schlägt Kuttler vor.
Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit sieht das Dossier bei den Bushaltestellen im Ort. Besonders die Haltestelle Rathaus müsse barrierefrei ausgebaut werden. Zudem sollte der Bus auf der Straße halten, da die bisherige Bucht zu viel Platz verbraucht. Stattdessen könnten die Grünfläche dort vergrößert, mehr Sitzbänke aufgestellt und der Wartebereich überdacht werden.
Auch wenn nicht jede Bushaltestelle im Ort aufgrund der Platzverhältnisse mit allem Komfort ausgestattet werden könne, habe die Verwaltung „die Verbesserung der Bushaltestellen in der Ortsmitte auf dem Schirm, und wir werden sie noch in diesem Jahr angehen“, verspricht Kuttler. Damit würden das Busfahren und auch die Ortsmitte durch weitere Sitzgelegenheiten attraktiver. Kuttler: „Wir benötigen mehr davon, aber mit Rückenlehne für ein gemütliches Sitzen, und mit Aufstehhilfen für Ältere. Auch das wird zu einer besseren Aufenthaltsqualität führen.“ (pst)