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Esslingen

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Energisch verfolgen die Stadtwerke Esslingen ein neues Energiekonzept für den Stadtkern. Vom kommenden Jahr an sollen laut ihrem Geschäftsführer Jörg Zou Fernwärmeleitungen in der City verlegt werden. Worauf sich Passanten und Anwohner einstellen müssen.

Veränderungen in der Esslinger Altstadt erfordern ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Doch die Stadtwerke Esslingen (SWE) wollen nun mit reichlich Baugerät in den historischen Gassen und Straßen anrücken. Von 2025 an, sagt der Geschäftsführer Jörg Zou, werde ein Wärmenetz in der Innenstadt installiert. Zur Verlegung der Rohre müssten Wege aufgerissen werden. Das Vorhaben sei bereits mit der Stadtverwaltung und deren Denkmalschutzbehörde abgestimmt.
Der Startpunkt für die Arbeiten ist nach Worten des Geschäftsführers vor dem Technischen Rathaus in der Ritterstraße geplant. Ob es gleich zu Beginn oder eher gegen Mitte oder gar Ende des nächsten Jahres losgehe, könne er noch nicht sicher sagen, so Zou. Das hänge von der Dauer des Genehmigungsverfahrens ab und davon, wie schnell die Anträge auf den Weg gebracht werden könnten. Vorgesehen sei aber, dass sich die Arbeiten vom Technischen Rathaus bis hinauf zum Marktplatz über eine Länge von etwa 1,4 Kilometern schlängeln. Dieser Abschnitt soll bis zum 1250-Jahr-Stadtjubiläum 2027 abgeschlossen sein.
Danach werde man weitere Teile der Altstadt unter die Lupe nehmen und das Wärmenetz möglichst ausdehnen. In manchen engen Gassen könnten die Bauarbeiten zu einer Herausforderung werden. Doch mit sogenannten Twin-Rohren könne der Platzbedarf in Grenzen gehalten werden. Mit Beeinträchtigungen müsse während der Arbeiten gerechnet werden, jedoch müssten keine ganzen Straßenzüge gesperrt werden. Die geplanten Sanierungsarbeiten am Marktplatz würden für die Verlegung des Wärmenetzes mitgenutzt. Das Erscheinungsbild der City werde keinen bleibenden optischen Schaden nehmen, verspricht Zou. Alles werde so hergerichtet, wie es zuvor ausgesehen habe.

Aus dem Verbundnetz der EnBW gespeist
Entstehen sollen Fernwärmeleitungen, die aus dem Verbundnetz der EnBW gespeist werden. Diese Energie ist laut Zou CO2-neutral. Die SWE werden für die Umsetzung ihrer Pläne nach Angaben des Geschäftsführers viel Geld in die Hand nehmen. Pro Trassenmeter müsse mit Kosten in Höhe von etwa 1700 Euro gerechnet werden. Für die Strecke vom Technischen Rathaus bis hin zum Marktplatz fallen demnach Ausgaben in Höhe von etwa 2,4 Millionen Euro an. Auf Hausbesitzer kommen ebenfalls Kosten zu. Ein Fernwärmeanschluss schlage mit 11 000 Euro zu Buche, doch Zuschüsse in Höhe von 3000 Euro seien möglich. Auch in den Kellern stünden Umbauarbeiten an – zumindest ein Anschluss müsse installiert werden. Die SWE-Tarife für Fernwärme würden in den nächsten Jahren stabil gehalten.
Von einem Anschlusszwang zur Amortisation der getätigten Ausgaben will der Stadtwerke-Chef indes nichts wissen: „Ich bin kein Freund von solchen Maßnahmen.“ Jörg Zou setzt eher auf Kommunikation und die Überzeugungskraft einer nachhaltigen Energiequelle. Das Gebäudeenergiegesetz mache den Umstieg auf erneuerbare Energien beim Einbau neuer Heizungen seit Anfang dieses Jahres verpflichtend, lautet eines seiner Argumente.
Im Vorfeld werde sein Haus aktiv auf die Anwohner der Altstadt zugehen und so auch das Interesse ausloten. Wenn die Resonanz sehr schlecht sei, werde man wohl von dem Vorhaben absehen, so Zou. Doch bei den bisher durchgeführten Ausbauprojekten etwa im Stadtteil Weil, in der Flandern- oder der Olgastraße sei die Nachfrage sehr hoch gewesen. Nur in zwei Straßenzügen sei es wegen der Zurückhaltung der Anwohner zu Verzögerungen bekommen.
Von einer gefährlichen Monopolstellung der Stadtwerke bei der Fernwärmeversorgung, wie im Rahmen einer Diskussion in der Reihe „Altstadtviertele“ jüngst geäußert, will Zou nichts hören. Ein Vertrag über die Belieferung mit Fernwärme werde auf drei bis fünf Jahre abgeschlossen. Nach dem Ablauf stehe es jedem Vertragspartner frei, sich nach anderen Energiequellen umzusehen. Die Alternative zur Fernwärme sei etwa eine Pelletheizung. Wärmepumpen, die meist im Außenbereich installiert würden, könnten in der denkmalgeschützten Altstadt eher schwieriger zu realisieren sein. Einen Rückbau der Erdgasinfrastruktur planten die Stadtwerke indes nicht, versichert Zou. Anwohner, deren Gasheizung ersetzt werden müsse, hätten auch die Möglichkeit, auf Biomethangas oder Wasserstoff umzusteigen.

Die Stadtwerke Esslingen und ihr Fernwärmenetz
SWE:
Die Stadtwerke Esslingen haben 182 Mitarbeitende und machten 122,9 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Sie versorgen Verbraucher mit Erdgas, Strom, Wärme sowie Wasser und sind Betreiber der Esslinger Bäder.
Fernwärme: Laut SWE-Pressesprecher Holger Koller wurden im vergangenen Jahr rund zwölf Prozent der benötigten Wärme in der Stadt Esslingen durch Fern- und Nahwärme bereitgestellt.
Die SWE verteilen die Wärme aus dem Fernwärmeverbund Mittlerer Neckar in ihrem Netzgebiet weiter. Die Hauptleitung verläuft entlang des Neckars. Angeschlossen sind Gebiete in der Esslinger Innenstadt und in einigen Stadtteilen. (sw)

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