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Claus Hintennach

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Die Stadt hat vier potenzielle Radschnellwegtrassen auf Esslinger Gemarkung präsentiert. Bis Jahresende soll Entscheidung fallen.

Statt einen Spurt hinzulegen, hat man sich in Esslingen bei der Planung des Radschnellwegs in den vergangenen Jahren mühsam abgestrampelt. Allerdings bislang vergebens: Nach wie vor ist unklar, wo die Trasse auf Esslinger Gemarkung entlang führen soll. Nun aber will man Tempo in die Sache bringen: Bis Ende des Jahres soll die Streckenführung stehen. Die Stadt hat auf Grundlage der Beiträge einer Onlineumfrage jetzt vier mögliche Routen vorgestellt.
Bereits Anfang des vergangenen Jahres hat das Land die Vorzugs­trasse für den Radschnellweg RS 4 zwischen Reichenbach und Stuttgart festgezurrt. Allerdings wurden dabei zwei strittige Abschnitte auf Esslinger und Plochinger Gemarkung ausgeklammert. Während in Plochingen die Streckenführung beim Landschaftspark Bruckenwasen noch nicht abschließend geklärt ist, konnte man sich in Esslingen noch nicht auf eine Route zwischen der Stadtgrenze Stuttgart und dem Alicensteg einigen.
Jetzt aber will man in Esslingen kräftig in die Pedale treten. Auf Grundlage einer Onlinebeteiligung hat man vier potenzielle Routen identifiziert, die genauer untersucht werden sollen. An der Onlinebefragung konnten sich alle beteiligen, die von dem Radschnellweg tangiert sind – und viele nutzten diese Möglichkeit. Laut Stadtverwaltung gingen mehr als 250 Kommentare von rund 150 verschiedenen Personen ein. Obwohl Anregungen und Kritik zur gesamten Strecke des RS 4 möglich waren, lag der klare Fokus mit mehr als 200 Kommentaren auf der Esslinger Gemarkung – und hier vor allem auf der Pliensauvorstadt und auf Weil.
Neben Hinweisen auf Konfliktpunkte und Kritik an bestimmten Trassenverläufen gingen laut Sasan Aslani von der Esslinger Stabsstelle Mobilität auch zahlreiche Ideen für Alternativrouten ein. Insgesamt habe man etwa 30 Trassenvorschläge aus den Beiträgen der Bürger herauskristallisiert. Diese habe man dann mit eigens erarbeiteten Ausschlusskriterien abgeglichen.
So seien etwa Routen durch Gewerbegebiete wegen des hohen Aufkommens von Schwerlastverkehr tabu, ebenso Strecken mit viel Verkehr, durch wertvolle Grünflächen oder durch Gebiete mit vielen schützenswerten Arten. Auch Trassen mit größeren Steigungen oder Bereiche, deren Erhalt für die Bevölkerung sehr wichtig ist – wie etwa der Rote Platz in der Pliensauvorstadt –, gelte es zu meiden. Zudem sei die Wirtschaftlichkeit zu beachten: Zu hohe Kosten für den Bau einer Radtrasse seien ein Ausschlusskriterium, erklärte Aslani im jüngsten Mobilitätsausschuss.

Teils untereinander kombinierbar
Übrig geblieben sind letztlich vier potenzielle Routen auf Esslinger Gemarkung, die teils untereinander kombinierbar sind. Diese sollen nun weiter untersucht und gegebenenfalls modifiziert werden. Allerdings mahnte Aslani: „Wir werden die Trasse finden, die am verträglichsten ist, nicht aber eine ohne Konfliktpotenzial – denn die wird es nicht geben.“ Konkret geht es um eine Trasse nördlich und drei südlich des Neckars (siehe Grafik). Dabei würde Route 1 von Stuttgart aus am nördlichen Neckarufer entlang und dann offenbar über die Mettinger Straße, die Schelztorstraße und die Wehrneckarstraße bis zur Kiesstraße und von dort in die Fahrradstraße Hindenburgstraße führen. Route 2 würde um den Stadtteil Weil herum und dann wohl über Feldwege auf die Stuttgarter Straße in der Pliensauvorstadt führen und bei der Vogelsangbrücke zur B 10 gelangen. Route 3 ist als Abzweig von Route 2 oder Route 4 über die Parkstraße angedacht. Und Route 4 könnte über den westlichen Teil der Weilstraße bis zur Karl-Pfaff-Straße in der Pliensauvorstadt führen, wo sie auf Route 2 oder 3 übergehen könnte. Die Resonanz im gemeinderätlichen Mobilitätsausschuss war durchwachsen. Während Grüne, SPD und Linke die Routenvorschläge begrüßten und das geplante weitere Vorgehen lobten, zeigten sich Freie Wähler, FDP und CDU skeptisch. Derweil betonte Baubürgermeister Hans-Georg Sigel: „Es ist keine der Routen in Stein gemeißelt, wir sind mitten im Prozess.“ (meb)

Viele verbinden Krummhardt mit dem Goldgelb-Festival. Doch der vor 25 Jahren gegründete, örtliche Kulturverein leistet viel mehr – vor allem für die Dorfgemeinschaft.

Stau bis nach Aichschieß habe es einmal gegeben, erinnert sich Anita Geyer. Damals, 2009, habe die Queen-Tribute-Band May Queen gespielt beim Goldgelb. So viele Besucher wollten die Songs von Freddie Mercury hören, dass sie in der Autoschlange mehr als zwei Kilometer lang bis in den übernächsten Teilort standen. Geyer ist seit gut zehn Jahren Schriftführerin und noch länger Mitglied des Kulturvereins Krummhardt. Dieser wird in diesem Jahr 25 und ist für Menschen weit über den Aichwalder Ortsteil hinaus mit dem Musikfestival im Sonnenblumenfeld verbunden. „Es ist aber wichtig, dass wir nicht nur das Goldgelb sind“, sagt der Vereinsvorsitzende Jürgen Zeiträg.
Ein ganz anderes Fest gab Anlass zur Gründung: das 600-Jährige von Krummhardt. Um das organisatorisch besser stemmen zu können, gründeten drei Frauen und sieben Männer den Verein am 17. März 1999 im Krummhardter Besa. Nach der Jubiläumsfeier arbeitete der Verein weiter. Neben dem Goldgelb, das 2003 erstmals stattfand, gibt es regelmäßig Programm für die Menschen in Krummhardt und Aichwald, wie Ausflüge, Kinderferienprogramme sowie Kulturveranstaltungen für größeres Publikum in der Schurwaldhalle. 2000 hat der Verein die Boulebahn im Ortskern aufgebaut, seither findet einmal im Jahr ein Turnier statt, und in Nicht-Goldgelb-Jahren die Veranstaltung Kultur an der Linde. Für die Renovierung des Krummhardter Backhauses hat der Verein einst ein Benefizfest gegeben. Das werde man wohl in den kommenden Jahren wiederholen, meint Geyer. Und man arbeite mit anderen Vereinen der Gemeinde zusammen. „Wir tun viel, um die Dorfgemeinschaft zu beleben und den Zusammenhalt zu fördern“, sagt Zeiträg.
Weder Geyer noch Zeiträg sind alteingesessene Krummhardter. Sie zog mit Familie 1999 aus dem Nachbarort Schanbach her, er 2013 aus Denkendorf. Dörfliche Skepsis sei ihnen nicht entgegengeschlagen. „Wir sind ziemlich schnell aufgenommen worden“, sagt Zeiträg. Das liege mit am Kulturverein und am Dorflädle-Verein, der seit ein paar Jahren am Dorfplatz auf ehrenamtlicher Basis die Nahversorgung sichert. Die Vereine haben die Dorfgemeinschaft verändert. „Es sind Freundschaften entstanden im Ort, mit Personen, mit denen man zuvor nichts zu tun hatte“, sagt Geyer.

Im Mai werden die Sonnenblumen ausgesät
Und beim Goldgelb sind weite Teile des 800-Einwohner-Dorfes involviert. Mehr als ein Jahr vor dem Fest, das immer in der Mitte der Sommerferien im August stattfindet, beginnt das Musikteam, das Line-up auszuwählen. Auch das Werbeteam beginnt früh mit der Arbeit. Im Mai werden die charakteristischen Sonnenblumen ausgesät, die die Festivalbühne am Wasserturm umrahmen. Und dann dauere der eigentliche Aufbau 13 Wochen, sagt Zeiträg. „Da ist es normal, dass man nach getaner Arbeit noch zusammensitzt, etwas trinkt und isst.“ Da lerne man sich kennen. „Viele Helfer sagen, dass der Aufbau die schönste Zeit ist“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Denn während des Festivals selbst, das unter anderem als Einnahmequelle für andere Angebote des Vereins dient, müssen die Helfer viel anpacken. An die 400 Personen leisten mehrere Schichten während der fünf Goldgelb-Tage.
Der Aufwand lohnt sich offenbar. Sowohl für die Bands, die sich zuhauf bewerben, als auch für das Publikum ist das Goldgelb etwas Besonderes. Die mit Strohpuppen und Sonnenblumen dekorierte Fläche, familienfreundliche Angebote, die Stimmung, die nichts von den üblichen Musikfestivalexzessen hat – all das hat in Hochzeiten mehr als 30 000 Besucherinnen und Besucher ins beschauliche Krummhardt gezogen. Und renommierte Bands wie Grachmusikoff, die in Aichwald ihr Abschlusskonzert gaben.
Wie bereits vor zwei Jahren will der Kulturverein die Besucherzahl auf 5000 pro Abend begrenzen und einen Ticketpreis erheben, um die stark gestiegenen Kosten zu kompensieren. Auch diesmal ist wieder eine Queen-Tribute-Band im Programm – eines der Highlights des diesjährigen Goldgelbs, ist sich Geyer sicher. Ob es an diesem Samstagabend wieder Stau bis nach Aichschieß geben wird, wird sich zeigen. Wie immer ist der Erfolg mit vom Wetter abhängig. „Bislang gab es noch kein Goldgelb ohne Regen“, konstatiert Geyer.
Noch bevor ganz Krummhardt auf dem Sonnenblumenfeld engagiert ist, gönnt der Kulturverein sich und dem Dorf aber ein Geburtstagsfest: vom 26. bis 28. April wird das 25-jährige Bestehen gefeiert. Dazu werde die Dorfstraße gesperrt, es gibt Bewirtung und Programm bei freiem Eintritt.

Rückblick und Ausblick auf das Krummhardter Kulturjahr
Verein: 
Der Kulturverein Krummhardt wurde 1999 von zehn Mitgliedern gegründet, Vorsitzender bis 2006 war Stefan Felchle, der Hauptamtsleiter der Gemeinde Aichwald. Seit 2023 ist Jürgen Zeiträg Vorsitzender, Stellvertreter Jürgen Aulehla. Der Verein hat 571 Mitglieder, die meisten aus Krummhardt und Aichwald. Weitere Infos unter: www.kulturverein-krummhardt.de
Jubiläum: Die Feier zum Jubiläum ist vom 26. bis 28. April. Geplant sind ein großes Festzelt in der Lindenstraße, Bewirtung und ein Kinderprogramm. Am Freitagabend macht die „JB Band“ Partymusik; „Brozzo“ spielt am Samstag Schwabenrock. Am Sonntagmittag tritt der Musikverein Aichschieß auf.
Goldgelb: Das Musikfestival unterm Wasserturm in Krummhardt findet in diesem Jahr vom 15. bis 19. August statt. Auf dem Programm stehen Country, Charthits, Bluesrock, Funk und diverse Tributebands. Tickets kosten 10 Euro (www.goldgelb.eu)  (gg)

Seit Monaten ist die zentrale Sportstätte in Esslingen wegen ihrer fragilen Statik geschlossen. Ob Vereine und Schulen vor der Generalsanierung die Halle überhaupt nochmals nutzen können, ist derzeit weiter offen.

Als die Schelztorhalle im vergangenen Spätsommer dichtgemacht wurde, hat das niemanden überrascht. Mantraartig war zuvor gewarnt worden, dass eine Schließung aus Sicherheitsgründen jederzeit möglich sei. Denn die Halle aus den Fünfzigern ist marode. Vor allem ihr charakteristisches Sheddach machte Probleme und wurde von Statikern laufend überprüft. Im Juli 2023 hatte der Gemeinderat einhellig einer Generalsanierung der denkmalgeschützten Sportstätte zugestimmt. Bis dahin hätte sie theoretisch weitergenutzt werden können. Doch im September wurde die Situation so brenzlig, dass dies aus Sicht der Stadt nicht mehr zu verantworten war. Messungen hatten ergeben, dass sich ein Auflager in einer kritischen Position befindet. Einem Unwetter hätte die Halle womöglich nicht mehr standgehalten.
Im Sportausschuss berichtete Oliver Wannek, technischer Leiter des Eigenbetriebs Städtische Gebäude (SGE), nun über den derzeitigen Zustand der zweigeschossigen Halle. Seit November sei dort ein Monitoring-System installiert, das kleinste Bewegungen der Lager genau registriere. Alle 30 Sekunden misst dieses Gerät die Position der Rolllager, wie Wannek erläuterte. Sobald die Auslenkung 35 Millimeter überschreitet, ertönt in der Halle ein Signal, das die Bauarbeiter warnt. Zusätzlich werden automatisch SMS an zuständige Mitarbeiter der Stadt und an den Statiker verschickt. Gearbeitet wird derzeit an der Heizung. Dies diene aber eher dazu, die Anlage „über die Zeit zu retten“, sagte Wannek. Denn im Zuge der Sanierung wird die Heizung ohnehin energetisch ertüchtigt.
Abgeschlossen ist das Vergabe-Verfahren für die Sanierung. Für die Tragwerksplanung hat das Ingenieurbüro Balci und Werner aus Esslingen das Rennen gemacht, das schon bisher die statischen Untersuchungen betreut hat. „Das bringt viele Synergien mit sich“, sagte Wannek. Derzeit arbeitet die SGE ein Konzept für die Lagersanierung aus. Zwei Varianten werden diskutiert: Bei der Repositionierung würden die Konstruktion angehoben und die Rollen auf die ursprünglichen Lager abgesenkt. „Auch wenn es sich einfach anhört, ist der Aufwand dafür groß“, erläuterte der SGE-Chef. Eine zweite Möglichkeit wäre, die Lager komplett auszubauen und zu ersetzen.

Zum Stadtjubiläum auf Vordermann gebracht
In die Überlegungen hinsichtlich der beiden Varianten fließen auch jene Daten ein, die das elektronische Monitoring laufend liefert. Alternative eins würde voraussichtlich nicht vor August, Variante zwei nicht vor November dieses Jahres abgeschlossen sein. Ob die Halle vor der Sanierung, die Mitte 2025 starten könnte, nochmals vorübergehend für den Betrieb geöffnet werden kann, sei ebenfalls Gegenstand der jetzigen Betrachtungen. Ursprünglich hatte die Stadt gehofft, dass dies nach rund sechs Monaten, also im März oder April, wieder möglich sein soll. Eine Entscheidung, wie es kurzfristig weitergeht, sei noch nicht gefallen. Anfang 2027 zum Stadtjubiläum soll die Halle jedenfalls auf Vordermann gebracht sein.
Nach der Sanierung wird die zweigeschossige Schelztorhalle teilbar sein, um parallel genutzt werden zu können. Außerdem sollen eine behindertengerechte Toilette und ein neues Lehrer-WC eingebaut werden. Im Untergeschoss sollen weitere Trainingsräume und Umkleiden entstehen. Neben einer Sanierung der fragilen Dachkonstruktion muss auch das Tribünendach komplett ersetzt werden. In einer Machbarkeitsstudie wurden für das Projekt mindestens 13,4 Millionen Euro veranschlagt. In den Wirtschaftsplan der Jahre 2024/2025 hat die SGE vorsorglich knapp 15,1 Millionen Euro eingestellt, wie in der Sitzung bekannt wurde. Gleichzeitig will die Stadt Fördermittel beantragen.
Am liebsten hätte die Stadt die Schelztorhalle schon vor Jahren durch eine moderne Sportstätte ersetzt. Seit 2018 steht die zentrale Halle mit Platz für bis zu 900 Personen aber unter Denkmalschutz. Ein Abriss ist nicht möglich, und auch kleinere Instandhaltungen müssen mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Betroffen von der Schließung sind vor allem der Schulsport des nahe gelegenen Georgii-Gymnasiums und das Training sowie die Punktspiele der Verbandsligahandballer des Team Esslingen.

Denkmal in marodem Zustand
Kulturdenkmal:
2018 hat das Landesdenkmalamt die Schelztorhalle in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen. Dieser Status ist bei allen Sanierungsarbeiten zu berücksichtigen. Die Sporthalle mit dem markanten Sheddach am Rande der Altstadt wurde 1957/1958 von der Stadt Esslingen erbaut, entworfen von Oberbaurat Hermann Kauß und Stadtbaumeister Richard Baumann. In den 50er-Jahren stellte die Halle ein Novum dar, für das es bundesweit keine Vorbilder gab.
Generalsanierung: Im Juli 2023 hat der Esslinger Gemeinderat beschlossen, die Schelztorhalle bis zum Jahr 2027 umfassend zu sanieren. Laut einer Machbarkeitsstudie werden sich die Kosten auf mindestens 13, 4 Millionen Euro belaufen. (pep)

Die Neugestaltung des Festplatzes nimmt Formen an. Auch wenn gerade nicht gefeiert wird, soll der Platz ein Ort der Begegnung sein. Ein Esslinger Büro gewinnt den Gestaltungswettbewerb.

Der bislang eher trist anmutende Festplatz am westlichen Ortseingang von Köngen soll die neue Visitenkarte der Kommune werden. Deshalb hat die Gemeinde einen Wettbewerb ausgelobt – sieben Beiträge wurden eingereicht, als Sieger ging das Büro Kraftraum Landschaftsarchitektur mit Firmensitzen in Düsseldorf und Esslingen hervor. „Es ist sehr wichtig, dass der öffent­liche Raum eine Aufwertung erfährt“, erklärte Cornelia Bott, die den Vorsitz der Wettbewerbsjury hatte.
Alle Beiträge mussten diverse Themenstellungen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel oder Multifunktionalität berücksichtigen. Ebenso musste gewährleistet sein, dass der Durchführung des traditionellen Köngener Pfingstmusikfests auch nach der Neugestaltung nichts im Wege steht. Zusätzlich waren in einem Ideenteil Vorschläge einzubringen, wie sich der Festplatz am besten mit dem Ortskern rund um Fußgängerzone und Rathaus verknüpfen lässt. Vorausgegangen waren eine professionelle städtebauliche Bestandsaufnahme sowie ein Bürgerdialog. „Diese Ideen wurden in die Wettbewerbsaufgabe integriert“, hatte Köngens früherer Bürgermeister Otto Ruppaner gesagt.
Der Siegerentwurf punktete unter dem Motto „Platz für alle“ vor allem mit seiner hohen Multifunktionalität. Bei ihrer Planung spielten die Wechselwirkungen zwischen dem Betreuten Wohnen mit seinem Café und dem neuen Platz eine große Rolle, wie die Landschaftsarchitektin Milena Renz vom Büro Kraftraum erläuterte. Ziel sei es, dass das Areal das ganze Jahr über zu einem belebten Ort wird. Dazu wird der südliche Teil des Platzes auf Höhe des Betreuten Wohnens abgesenkt und mit Sitzgelegenheiten, Boulebahn, Wasserspiel sowie einem erhöhten Podium ausgestattet.

Zum Pfingstfest eine Bühne
Drumherum ist viel Grün vorgesehen. „Das untere Plateau wird somit zu einem Eventplatz oder einem Dorfanger für Jung und Alt“, so die Vorstellungen der Fachplanerin. Das Podium soll beim Pfingstfest als Bühne dienen – und kann auch für andere Veranstaltungen wie etwa ein Sommernachtskino genutzt werden. Alle Einbauten wie Bänke oder Boulebahn sollen so modifiziert werden, dass sie während des Pfingstfests entweder problemlos entfernt oder überbaut werden können.
Über eine barrierefreie Rampe schließt sich auf der westlichen Seite ein etwa zwei Meter höher gelegenes Plateau an, zunächst eine als „Grüne Mitte“ betitelte kleine Wiese, dann bis zur Denkendorfer Straße hin asphaltierte Sportflächen. Warum Asphalt? Da diese Flächen während des Pfingstfests für die Fahrgeschäfte vorgesehen sind, muss der Untergrund wegen der hohen Drucklasten möglichst fest sein. Für die Verbindung zur Ortsmitte schlug Renz eine bessere Ge­staltung des Weges über die Untere Neue Straße mit einem einheitlichem Straßenbelag ohne Trennung zwischen Straße und Fußweg, sich wiederholende Sitzgelegenheiten und ebenfalls viel Grün vor.
„Der Entwurf hat viel Charme“, lobte Otto Ruppaner – ihn überzeugte vor allen Dingen, dass der Vorschlag auch für die 361 Tage ohne Pfingstfest eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem neuen Festplatz biete: „Alt und Jung können hier das ganze Jahr über gut zueinander finden.“ Bis das Projekt umgesetzt wird, wird es aber noch eine Weile dauern – erst wenn das Betreute Wohnen fertig ist, was für Anfang 2025 vorgesehen ist, geht es an die Neugestaltung des Festplatzes. Zunächst steht auf dem Areal des Festplatzes wie auch im Bereich des Seniorenwohnens eine archäologische Voruntersuchung an. Bei den Sondierungen im Bereich der ehemaligen Lindenturnhalle, wo derzeit das Seniorenwohnen entsteht, wurde im vergangenen Sommer nichts gefunden – die Archäologen vermuteten allerdings schon damals, dass die Chancen auf Funde unter dem noch komplett mit Asphalt versiegelten Festplatz um einiges höher sind. (kd)

Der Esslinger Gemeinderat macht den Weg frei für die nächste Etappe einer Erneuerung der Gebäude-Infrastruktur. Haus 2 ist mit OP-Sälen, Kreißsaal und Intensivstation ein Herzstück des Klinikums. Mehr als die Hälfte der Kosten von 197 Millionen Euro soll das Land übernehmen.

Quer durch die Republik ist die Krankenhauslandschaft in Bewegung. Im Klinikum Esslingen hat man schon vor Jahren festgestellt, „dass die Umsetzung moderner und patientenorientierter Versorgungs- und Unterbringungsstrukturen nur mit einem umfassenden Neubauvorhaben realisierbar sind“. Deshalb wurde 2021 ein Masterplan Bau für die nächsten 15 Jahre aufgelegt. Ziel ist es, hohe medizinische Qualität und qualifizierte Pflege langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.
Mit einem neu gebauten Haus 0 wurden im vergangenen Jahr Ausweichflächen für Neubauten geschaffen. Nun will das Klinikum die nächste Etappe angehen. Einstimmig hat der Gemeinderat den Weg für eine 197-Millionen-Euro-Investition freigemacht – stattliche Landeszuschüsse sollen fließen. Esslingens OB Matthias Klopfer verwies auf die tief greifenden Veränderungen in der deutschen Krankenhauslandschaft: „Wir wissen nicht, was sich gesundheitspolitisch auf Bundesebene in nächster Zeit noch tun wird.“ Sicher sei, dass in Stuttgart und in den Nachbarkreisen teils erheblich in die stationäre Gesundheitsversorgung investiert werde. Ihren Kurs haben Stadt und Klinikum mit ihrem Masterplan Bau abgesteckt – nun geht es an dessen Umsetzung. Dass solche millionenschweren Investitionen nicht leicht zu stemmen sind, machte der Finanzdezernent Ingo Rust deutlich – zumal finanzielle Hilfen der Coronazeit wieder wegfallen. „Mit unserem Masterplan sichern wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Klinikums, eine hoch qualifizierte medizinische Versorgung, effiziente Abläufe und Wirtschaftlichkeit, und wir steigern unsere Attraktivität als Arbeitgeber“, sagte Klinikumsgeschäftsführer Matthias Ziegler.
Der anstehende Bauabschnitt sieht Abriss und Neubau des Hauses 2 mit acht OP-Sälen, Aufwachraum, Notfallzentrum, Intensivtherapiestation, Kreißsaal sowie zwei Allgemeinpflegestationen vor. Außerdem wird eine neue zentrale Betriebstechnik für alle Gebäude des Klinikums mit einer Ringtrasse gebaut.
Bis das bestehende Gebäude abgerissen werden kann, sind viele Vorarbeiten und Umzüge notwendig. „Und wir bewältigen in diesem Jahr außerdem 24 Teilprojekte, die alle notwendig sind, um das Haus gänzlich leer räumen zu können“, erklärte Matthias Ziegler. „Allein das ist schon ein Mammutprojekt.“ Aber bei allen überwiege die Vorfreude auf das neue Gebäude.
Mit 197 Millionen Euro ist dieser Bauabschnitt kalkuliert. Klinikum und Stadt hatten auf eine geringere Summe gehofft, doch je konkreter die Planungen wurden, desto klarer zeichnete sich ab, dass der Aufwand deutlich größer werden würde – etwa durch zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen, die bereits auf die Erfordernisse der folgenden Bauabschnitte ausgerichtet werden, oder durch einen aufwendigeren Anschluss an angrenzende Gebäude. Alles hätte sich auf 213 Millionen Euro summiert. Dank diverser Einsparungen wie dem Verzicht auf eine fünfte Ebene für Haus 2 pendelten sich die Kosten bei jenen 197 Millionen Euro ein, die nun das Maß aller Dinge sind. Damit sieht sich der Finanzbürgermeister nun auf der sicheren Seite: „Wir sind mit kaufmännischer Vorsicht herangegangen. Das ist eines der am besten vorbereiteten Hochbauprojekte in Esslingen geworden.“ Da sich die Landeszuschüsse für Klinikprojekte dieser Dimension zuletzt deutlich erhöht haben, rechnet die Stadt mit rund 108 Millionen Euro aus dem Landessäckel – Esslingen müsste dann knapp 89 Millionen Euro stemmen. Im Gemeinderat fanden die Pläne durchweg positive Resonanz.

Die Zukunftspläne des Esslinger Klinikums
Der Masterplan: 
Das Klinikum verfügt über zehn miteinander verbundene Gebäude- und Gebäudeteile, der größte Teil ist mehr als 50 Jahre alt. Die Masterplanung sieht innerhalb der nächsten 15 Jahre den Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der noch verbleibenden Gebäude vor.
Der Start: Im Mittelpunkt stehen drei Neubauten mit rund 19 000 Quadratmetern Nutzfläche, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. In einem ersten Schritt wurde ein Modul-Gebäude (Haus 0) errichtet, das nötige Ausweichflächen bietet.   (adi)

Lichtenwald hat einen Ortsentwicklungsprozess mit breiter Bürgerbeteiligung auf dem Weg gebracht. Ein Konzept soll Leitlinien für die Lebensqualität in der Zukunft aufzeigen. Die Identität als ländliche Gemeinde soll bewahrt werden.

Die Gemeinde Lichtenwald hat einen Ortsentwicklungsprozess mit einer breit angelegten Bürgerbeteiligung gestartet. Dabei sollen die wesentlichen Leitlinien und Ziele bis zum Jahr 2040 festgestellt werden. Bei einer Infoveranstaltung wurden kürzlich die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Lebensqualität im Ort und zu den Erwartungen an die Zukunft vorgestellt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten zeigte sich zufrieden mit dem Leben in der Gemeinde, verbunden mit dem Wunsch, den Status einer ländlichen Kommune mit hohen Standards zu erhalten.
„Das Konzept, das wir derzeit erarbeiten, ist weit mehr als als nur ein weiteres Dokument. Wir haben uns gemeinsam auf einen Weg gemacht, bei dem die Bürger aktiv die Zukunft ihrer Gemeinde gestalten. Es ist ein Meilenstein für die Weiterentwicklung unseres Orts“, sagte Bürgermeister Ferdinand Rentschler bei dem Infoabend.
Der Prozess wird von einem Fachbüro für Kommunalplanung begleitet. Dabei legen die Verwaltung wie auch der Gemeinderat großen Wert auf eine breite Bürgerbeteiligung. Einer der Kernpunkte ist dabei besagte Befragung.

Umfassendes Lob für hohe Lebensqualität
1926 Fragebogen waren an alle über 16-jährigen Lichtenwalder verschickt worden, 736 davon kamen zurück. „Das entspricht einem Rücklauf von 38,2 Prozent, ein sehr gutes Ergebnis“, erklärte der Stadtplaner Philipp König, der die Konzeptentwicklung begleitet.
Die Auswertung ergab laut König ein umfassendes Lob für die hohe Lebensqualität, die die Gemeinde bietet. Die Natur des Schurwalds vor der Haustür sowie die Einbettung in eine geschützte Landschaft spielten eine wichtige Rolle, was der Entwicklung gleichwohl aber auch Grenzen setze. „Es wird teilweise bemängelt, dass es zu wenige Wohnungen und zu wenige Bauplätze gibt. Die wichtigen Qualitätsmerkmale Natur, Landschaftsschutz und Erholung stehen also teilweise auch in Konkurrenz zur gewünschten Flächenentwicklung“, stellte Philipp König klar.

Viel Geld für die Kinderbetreuung
Allerdings werde das durch weiche Standortfaktoren wettgemacht. Die Gemeinschaft im Ort, Kultur- und Freizeitangebote, das rege Vereinsleben, die guten Einkaufsmöglichkeiten, Angebote und Treffpunkte für Jugendliche wie für Ältere würden gelobt, auch wenn vieles noch als verbesserungswürdig gesehen werde. Als klare Identifikationspunkte würden die Ortsmitte von Thomashardt und der Wasserturm benannt. „Und hätte der Gemeinderat in den vergangenen Jahren nicht so viel Geld für die Kinderbetreuung freigegeben, dann hätte die Gemeinde nicht so gute Werte in der Lebensqualität erhalten“, sagte König.
Wie der Planer bemerkte, weist die Befragung auch auf ein Paradox des ländlichen Raums hin. Die Bürger seien sehr zufrieden mit dem ländlichen Charakter des Orts und seiner Lage in der Region mit relativer Nähe zu den Arbeitsplätzen. Gleichzeitig werde der recht starke Verkehr auf den Ortsstraßen bemängelt. „Das darf aber niemanden wundern – das sind auch die vielen Pendler, also die Lichtenwalder selbst.“
In der Zusammenfassung sei festzuhalten, dass den Bürgerinnen und Bürgern als wesentliche Richtschnur am Herzen liege, die Identität Lichtenwalds als ländliche Gemeinde zu bewahren und zu pflegen. Entwicklungsschwerpunkte würden bei der Infrastruktur für Jugendliche und ältere Bürger, beim ÖPNV, bei Gewerbeentwicklung, Wohnraumangebot, Innenentwicklung und Klimaanpassung gesehen. Dies werde nun in den kommenden Monaten ausdifferenziert und in Leitlinien übertragen. „Letztlich soll etwas Umsetzbares und Finanzierbares herauskommen, damit der Mehrwert für die Gemeinde spürbar wird“, erklärte der Stadtplaner Philipp König. (pst)

Die Esslinger Stadtverwaltung hat ihre ersten Pläne für einen möglichen Umzug der Bibliothek ins einstige Modehaus Kögel vorgestellt. Eine Entscheidung soll Mitte Mai fallen. Die Zukunft des Pfleghofs bleibt ein Thema.

Die Diskussion über die Zukunft der Esslinger Stadtbücherei geht in eine entscheidende Phase: Mitte Mai soll der Gemeinderat entscheiden, ob die Pläne für einen Umzug der Bibliothek ins frühere Modehaus Kögel weiter vorangetrieben werden. OB Matthias Klopfer hatte im Herbst angeregt, die Volkshochschule im früheren Karstadt-Warenhaus in der Bahnhofstraße anzusiedeln und die Bücherei bei Kögel. Davon verspricht er sich Impulse für die gebeutelte Innenstadt. Bisher hatte der Gemeinderat nur hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert. Nun hat er erstmals öffentlich getagt – und das vor vielen Zuhörerinnen und Zuhörern.
Mittlerweile hat die Verwaltung Klopfers Idee mit Zahlen, Daten und Informationen unterfüttert. Für den OB steht fest, dass eine neue Bibliothek im Kögel-Haus „eine sehr gute, wirtschaftliche und zeitnah realisierbare Lösung“ wäre. Mit Blick auf den Bürgerentscheid vom Frühjahr 2019, der eine klare Mehrheit für einen Verbleib im Bebenhäuser Pfleghof gebracht hatte, befand Klopfer: „Damals konnte niemand ahnen, dass Kögel schließen würde. Wenn sich die Möglichkeit eines Umzugs dorthin ergibt, sind wir gut beraten, neu nachzudenken.“ In der Verwaltung habe er für seine Überlegungen „ausschließlich Zustimmung erhalten“. In der Bürgerschaft spüre er „große Zustimmung“, so der OB.
Die Kulturamtsleiterin Alexa Heyder erläuterte, wo sie die Vorteile eines Umzugs ins Kögel-Haus sieht. Im Gebäudekomplex von Zehentgasse 1, Rathausplatz 14 sowie Fischbrunnen 4 und 4/1 könne eine moderne Bibliothek an exponierterer Stelle mit mehr Platz, mehr Barrierefreiheit, weniger denkmalbedingten Einschränkungen und besseren Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete Bibliotheksarbeit entstehen. Vieles von dem, was die CDU mit ihrem Antrag, alternativ ein Konzept für ein digitales Bürger- und Medienzentrum zu entwickeln, gefordert hatte, sei in einer Bücherei im Kögel-Haus realisierbar. Deshalb verzichtete die Stadt darauf, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Und mit Blick auf die Bürgerbeteiligung zu einer neuen Bibliothek im Pfleghof versicherte Heyder: „Kögel bietet alles, was sich die Menschen wünschen.“ Davon könne man sich in einer Infoveranstaltung am 5. März ab 18.30 Uhr und bei Besichtigungen am 9. März (11 bis 15 Uhr) überzeugen. Viel Lob für die Pläne der Stadt gab’s von Christian Spiegel vom Jugendgemeinderat, der sich viele Arbeitsplätze erhofft.

Breite Zustimmung zeichnet sich ab
Im Gemeinderat zeichnete sich bei vielen Zustimmung ab. Carmen Tittel (Grüne) sieht „einen Mehrwert für die Bibliothek und die Innenstadt“. Die Bürgerschaft erwarte allerdings „ein klares Bekenntnis zu einer Nachnutzung des Bebenhäuser Pfleghofs“. Außerdem wünschen sich die Grünen keine bloße Anmietung der Immobilie Kögel, sondern die Möglichkeit, „dass die Gebäude mittelfristig ganz oder zumindest teilweise von der Stadt erworben werden können“. Ulrike Gräter (SPD), die 2018 mit Wolfgang Drexler und Klaus Hummel das Bürgerbegehren für eine Bibliothek im Pfleghof initiiert hatte, sieht im Kögel-Gebäude „ein neues Tableau an Möglichkeiten für die Stadtbücherei“. Unverzichtbare Bedingung für die SPD sei, dass der Pfleghof im Besitz der Stadt bleibe. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) sieht bei Kögel ein großes Potenzial an Räumen und Chancen. Wichtig seien ein realistischer Zeit- und Finanzierungsplan und ein Konzept für die künftige Nutzung des Pfleghofs.

Zweifel an Belebung der Innenstadt
Sven Kobbelt (FDP) befand: „Das Konzept ist gut, die Anforderungen an eine moderne Bibliothek werden umgesetzt.“ Mit dem Geld, das für den Pfleghof eingeplant war, lasse sich bei Kögel „eine schnelle und kostengünstige Lösung“ realisieren. Tim Hauser (CDU) hegt indes Zweifel, „ob es die erhoffte Belebung der Innenstadt bringt, wenn die Bücherei 130 Meter weiter in ein anderes Gebäude umzieht“. Und er fordert ein Konzept nebst Kostenschätzung für den Bebenhäuser Pfleghof und das Nebengebäude Heugasse 11. Martin Auerbach (Linke) sieht noch viele offene Fragen vor einer Entscheidung über eine Bücherei im Modehaus. Er vermisst ein Gesamtkonzept für die Zukunft der Innenstadt. Dilek Toy (FÜR) ist „nach wie vor empört über die raffinierte Art und Weise, wie die Umsetzung des Bürgerentscheids ausgebremst wurde“. Und: „Kein schwäbischer Häuslebauer würde auf die Idee kommen, eine teure Wohnung anzumieten, wenn er ein eigenes Haus besitzt.“ (adi)

Die Stadt Plochingen will auf einem Grundstück, das mal als Standort für Flüchtlingsheime angedacht war, nun Arztpraxen und Wohnungen realisieren.

Vor Kurzem stand das Grundstück zwischen Hohenzollern- und Schorndorfer Straße in Plochingen noch als möglicher Containerstandort für die Unterbringung von Geflüchteten auf einer Liste von „Optionsflächen“. Gleichzeitig hat die Stadt von Anfang an eine dauerhafte Bebauung in den kommenden zehn Jahren als Ziel formuliert, mit einer gemischten Nutzung von günstigen Wohnungen und Arztpraxen.
Um die Möglichkeiten auszuloten, wird nun eine Projektstudie in Auftrag gegeben – der Ausschuss für Bauen, Wohnen und Technik (ABTU) hat diesem jüngst zugestimmt. Ist damit ein Containerstandort endgültig vom Tisch? Ja, sagt Bürgermeister Frank Buß und bestätigt, dass er auch eine Zwischenlösung nicht für sinnvoll halte. Container seien in der Bevölkerung „negativ beaufschlagt“ und hätten ein „erhebliches Akzeptanzproblem“. Das habe er aus den vergangenen Monaten gelernt, in denen sich zuerst eine Initiative gegen die Aufstellung von Containern südlich des Bildungszentrums Garp formiert hatte und kürzlich eine Bürgerliste ein Flugblatt gegen Flüchtlingsunterkünfte auf dem Stumpenhof verteilte.
Geht es nach dem Rathauschef, wird diese Form der Unterbringung in Plochingen künftig gar nicht mehr angestrebt, das hat er auch im ABTU erklärt: „Ich werde gern zur Unterbringung von Flüchtlingen Gebäude bauen, aber ich werde mich nicht mehr für Container starkmachen.“

Fläche mit rund 1700 Quadratmetern
Folglich geht es nun an die grundlegende Entwicklung der Fläche auf dem Stumpenhof mit rund 1700 Quadratmetern. Zu ihr gehört der Bereich mit dem leer stehenden Flachdachgebäude, das früher eine Apotheke und dann eine Confiserie beherbergt hat, und die südlich angrenzende Wiese mit Parkplätzen. Letztere gehört der Stadt schon länger. Das Grundstück mit dem Haus hat sie im Juli 2023 erworben, damals schon mit Blick auf die ärztliche Versorgung der oberen Plochinger Stadtteile. Denn seit vor einigen Jahren die Praxis von Dr. Eckelt geschlossen hat, klafft hier eine Lücke.
An dieser Stelle sehe man Chancen, nicht nur für eine Hausarztpraxis, sondern auch für eine fachärztliche Praxis oder die Außenstelle einer Apotheke, sagte Buß im ABTU. Der Bedarf sei da, schon aufgrund der mehr als 4000 Einwohner in den Lettenäckern und auf dem Stumpenhof. Ergänzend will die Stadt günstigen Wohnraum dazu bauen. Es geht also wahrscheinlich um eine bis drei Praxen und eine Handvoll Wohnungen. Was genau möglich und sinnvoll ist, soll die Studie ermitteln, die von Albrings + Müller erstellt wird. Dieses Büro war auch bei der Entwicklung des Brühlareals in der Innenstadt beteiligt.
Ein Knackpunkt für die Planung an der Hohenzollernstraße ist, wie nah an der Schorndorfer Straße, einer Landesstraße mit Durchgangsverkehr, gebaut werden darf. Das Straßengesetz fordere einen Abstand von 20 Metern zum Fahrbahnrand, der Bebauungsplan nur acht Meter, erklärte der Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling. Mit dem Amt sei aber besprochen, dass es zwölf Meter akzeptiere, für weniger müsse man gegebenenfalls „kämpfen“. Die Studie soll auch dafür Erkenntnisse und Argumente liefern.
Die Stadt habe natürlich Interesse, das Grundstück möglichst gut auszunutzen, sagt Bürgermeister Buß. Die Belastungen durch den Verkehr halte er durch einen passiven Schallschutz und eine entsprechende Ausrichtung der Wohnungen für „beherrschbar“. Silvia Ergin (OGL) brachte mit dem Vorschlag, die jetzige Bushaltestelle am Teckplatz zu verlegen und deren großzügige Fläche einzubeziehen, zusätzliche Quadratmeter ins Spiel. (aia)

Esslingen sieht einen geringeren Stellplatzbedarf für den Hochschulneubau und hat bisherige Pläne deutlich reduziert. Weil der Campus gut an den Nahverkehr angebunden ist und weil umliegende Parkhäuser nicht ausgelastet sind, soll eine Tiefgarage genügen.

Der Neubau der Hochschule Esslingen in der Neuen Weststadt nimmt zusehends Gestalt an – und damit rückt die Frage in den Fokus, wo Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Studierende, die mit dem Auto anreisen, künftig parken sollen. Die Stadt Esslingen hat sich in einem Vertrag mit dem Land dazu verpflichtet, „alle baurechtlich notwendigen Stellplätze für die neue Hochschule auf dem Stadtwerke-Areal unterzubringen und die Stellplätze für den ersten Bauabschnitt zu erstellen beziehungsweise zu finanzieren“. Nach bisherigen Berechnungen waren 201 Stellplätze für den ersten Hochschul-Bauabschnitt baurechtlich nötig. Doch mit Blick auf die Parkplatzsituation im Umfeld und die gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr hat die Stadt ihre Planungen nun nach unten korrigiert.
Im Vertrag mit dem Land war keine verbindliche Stellplatzzahl vereinbart worden. Deshalb konnte der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats unlängst einen neuen Stellplatz-Schlüssel festlegen. Bislang war man von einem Bedarf von einem Stellplatz je vier Studierenden ausgegangen, mit Blick auf die gute Nahverkehrsanbindung galt ein Bonus von 40 Prozent. Außerdem musste die Stadt bei ihren Stellplatz-Berechnungen im Hinterkopf behalten, dass noch ein zweiter Bauabschnitt der Hochschule, für den bislang allerdings noch gar keine Planung vorliegt, irgendwann hinzukommen könnte. Für den dann entstehenden Bedarf an weiteren Parkplätzen muss es Entwicklungsmöglichkeiten geben – nach bisherigen Schätzungen war man dafür von weiteren 100 Stellplätzen ausgegangen. Zusammen mit den bislang vorgesehenen 201 Plätzen müssten damit insgesamt 301 Stellplätze eingeplant werden.
Lange Zeit war man im Rathaus davon ausgegangen, dass zur Unterbringung aller Stellplätze für die Hochschule und außerdem für die zukünftigen Nutzer des Stadtwerke-Areals ein oberirdisches Parkhaus mit 420 Stellplätzen erforderlich werden würde. „Dies entspräche ungefähr der Größe des Parkhauses ‚Beim Bahnhof’“, betont die Stadtverwaltung. Und sie gab im ATU zu bedenken: „Ein Parkhaus dieser Größenordnung wäre städtebaulich sehr schwer integrierbar und würde erhebliche Investitionskosten mit sich bringen.“

Tagsüber erhebliche freie Kapazitäten
Unter solchen Vorzeichen hat das Stadtplanungsamt die Auslastung der umliegenden öffentlich zugänglichen Parkhäuser untersucht und dabei „tagsüber erhebliche freie Kapazitäten“ festgestellt – also in jenen Zeiten, in denen der Bedarf der Hochschulangehörigen mutmaßlich am größten ist. Sollte ein Hochschulparkhaus in der bislang geplanten Größe realisiert werden, fürchtet das Stadtplanungsamt zudem, dass die Wirtschaftlichkeit der nahen Parkhäuser am Bahnhof und auf dem Dick-Areal sowie der Tiefgarage auf dem Hengstenberg-Areal geschwächt werden würde.
Deshalb kam das Stadtplanungsamt zu dem Schluss: „Die neue Hochschule wird sehr gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden und auch zu Fuß und mit dem Fahrrad gut erreichbar sein. Die Stellplätze für die Hochschule werden voraussichtlich zu marktüblichen Preisen angeboten. Vor diesem Hintergrund ist am neuen Standort ein deutlich reduzierter Bedarf zu erwarten.“ Die Errichtung zusätzlichen öffentlichen Parkraums sei daher „städtebaulich und wirtschaftlich nur in begrenztem Ausmaß sinnvoll“. Der ATU hat einstimmig zugestimmt, den Stellplatzschlüssel für die Hochschule abzusenken.
Die baurechtlich notwendigen Stellplätze reduzieren sich damit für den ersten Hochschul-Bauabschnitt auf 101, die bis zur Aufnahme des Lehrbetriebs zum Wintersemester 2025 bereitstehen müssen. Für den zweiten Hochschul-Bauabschnitt sollen etwa 50 weitere Stellplätze vorgehalten werden. In einer eingeschossigen Tiefgarage auf dem Stadtwerke-Areal könnten 235 Stellplätze entstehen. Im ATU fanden die Überlegungen des Stadtplanungsamtes einhellige Zustimmung.

Die Neue Weststadt im Kurzporträt
Projekt:
 Auf dem einstigen Esslinger Güterbahnhof-Areal entsteht mit der Neuen Weststadt ein urbanes Quartier, das auf 100 000 Quadratmetern Platz für 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie einen Neubau für die Hochschule Esslingen bietet. Mit dem Umzug wird die Hochschule ihren bisherigen Campus auf der Flandernhöhe räumen.
Zukunft: Im Rahmen eines Forschungsvorhabens unter dem Titel „Neue Weststadt – Klimaquartier” wird dort ein zukunftsfähiges Energiekonzept umgesetzt. Mit Power-to-Gas als Schlüsseltechnologie wird überschüssiger Ökostrom in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt und zur Gasnetzeinspeisung, die Nutzung in der Mobilität und der Industrie aufbereitet.  (adi)

Vor einem halben Jahrhundert schlossen sich einige zuvor eigenständige Schurwaldkommunen zu der neuen Gemeinde Aichwald zusammen. Im September wird das Jubiläum groß gefeiert.

Vor 50 Jahren wurde die Schurwaldgemeinde Aichwald aus der Taufe gehoben. Und es war „keine Liebesheirat“, als sich am 1. Januar 1974 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Aichelberg, Aichschieß mit Krummhardt und Schanbach mit Lobenrot zu der neuen Kommune Aichwald zusammengeschlossen haben, wie der heutige Bürgermeister Andreas Jarolim erzählt. Vielmehr habe es sich seinerseits um eine Zweckgemeinschaft gehandelt.
Die Alternative allerdings wäre noch unattraktiver gewesen: „Das wäre die Eingemeindung nach Esslingen gewesen“, sagt Jarolim. Um dem zu entgehen, entschied man sich dafür – wie viele andere Gemeinden während der Zeit der baden-württembergischen Gebietsreform zwischen 1969 und 1975 –, die kleinere Kröte zu schlucken.
Und heute? „Ich würde schon sagen, dass die Ortsteile inzwischen zusammengewachsen sind“, sagt Jarolim. In anderen Kommunen sei das nicht so gut gelaufen.
War ursprünglich geplant, das Jubiläum bereits am zweiten Juni-Wochenende gebührend mit einem großen Bürgerfest zu feiern, kam der Schurwaldgemeinde zwischenzeitlich der Termin für die Kommunal- und Europawahl am Sonntag, 9. Juni, dazwischen. Jetzt soll das Fest laut Andrea Dippon, bei der im Aichwalder Rathaus die Fäden für die Feierlichkeiten zusammenlaufen, vom 20. bis 22. September stattfinden. Am Freitagabend soll es zum Auftakt in der Schurwaldhalle in Schanbach einen Jubiläumsempfang geben – aber nur für geladene Gäste, wie Jarolim betont. Der genaue Ablauf stehe zwar noch nicht fest, doch solle alles „kurz und interessant“ gehalten werden.
Das eigentliche Bürgerfest soll dann am Samstag und am Sonntag sein. In und vor der Schurwaldhalle werden zwei Bühnen aufgebaut. Für Samstagabend ist bei freiem Eintritt ein Konzert mit dem Musikverein Aichelberg und zwei Bands geplant. Am Sonntag sollen sich Aichwalder Vereine präsentieren. Der Tag soll vor der Schurwaldhalle mit einem vom Musikverein Aichschieß umrahmten Frühschoppen beginnen. Danach stehen einzelne Vorführungen auf den beiden Bühnen auf dem Programm. „Die Aichwalder Vereine überlegen derzeit, was sie konkret machen wollen“, sagt Jarolim und betont, dass es sich bislang nur um ein vorläufiges Programm handelt.

Ein enormes Bevölkerungswachstum
Gefragt, was in den vergangenen 50 Jahren in Aichwald die wichtigste Entwicklung gewesen sei, muss der Schultes etwas länger nachdenken. „Das Wichtigste ist, dass Aichwald so gut zusammengewachsen ist“, sagt er schließlich. Anstatt konkrete Punkte zu nennen, spricht er lieber von einer „Summe von Kleinigkeiten“. Was allerdings auffällt, ist das enorme Bevölkerungswachstum nach dem Zusammenschluss im Jahr 1974. Das erklärt sich der Bürgermeister damit, dass jede Teilgemeinde noch kurz vor der Reform ihre eigenen Neubaugebiete ausgewiesen hat. Und so stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von nur zehn Jahren von 5000 auf 8000 Einwohner. „Das war ein riesiger Sprung innerhalb kürzester Zeit“, sagt Jarolim.
Zudem verweist er noch auf einzelne Bauprojekte: Er nennt das Seniorenzentrum, die Schurwaldhalle, die in den 80er-Jahren gebaut wurde, und das neue Rathaus im Zentrum von Schanbach, das Mitte der 90er-Jahre, noch während der Amtszeit des ersten Aichwalder Bürgermeisters Richard Hohler, eröffnet wurde. Vieles sei schon „sehr gut gelungen“. Aichwald stehe heute deshalb so gut da, weil sich die Gemeinde stets auf „das Notwendige und Wichtige“ beschränkt habe.
Als wichtige Projekte der Zukunft nennt Jarolim den geplanten Neubau der Kindertagesstätte mit Schule in Aichschieß und die Sicherung der sogenannten Grundversorgung. „Es ist schade, dass so viele Aichwalder noch immer zum Einkaufen wegfahren, obwohl es bei uns im Ort doch alles gibt“, sagt Jarolim. Derzeit sei die Gemeinde dabei, an der Albstraße in Schanbach eine Fläche für die Ansiedelung eines Vollsortimenters sowie weiterer Pflegeplätze zu entwickeln.

Die Entstehung von Aichwald
Historie:
Am 1. Januar 1974 hat sich auf dem Schurwald als Folge der baden-württembergischen Gebietsreform die Gemeinde Aichwald gegründet. Für kurze Zeit führte der ehemalige Bürgermeister von Schanbach, Peter Kuhn, als Amtsverweser die Geschäfte, bevor noch im selben Jahr Richard Hohler zum ersten Bürgermeister von Aichwald gewählt wurde. Von 2006 bis 2019 hatte Nicolas Fink das Amt inne. Andreas Jarolim wurde im Jahr 2019 zum Bürgermeister gewählt.
Name: Wie Recherchen zum Jubiläum ergeben haben, war ein wichtiger Grund bei der Namensfindung der Wunsch der Gewerbetreibenden, dass der Ortsname in den damaligen alphabetischen Verzeichnissen – das Internet stand noch nicht einmal in den Startlöchern – möglichst weit vorne auftauchen sollte. Zudem sollte der neue Name einen Bezug zu der Umgebung der neuen Gemeinde haben. Schließlich einigte man sich auf den Namen Aichwald.  (kai)