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Claus Hintennach

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Der Esslinger Gemeinderat macht den Weg frei für die nächste Etappe einer Erneuerung der Gebäude-Infrastruktur. Haus 2 ist mit OP-Sälen, Kreißsaal und Intensivstation ein Herzstück des Klinikums. Mehr als die Hälfte der Kosten von 197 Millionen Euro soll das Land übernehmen.

Quer durch die Republik ist die Krankenhauslandschaft in Bewegung. Im Klinikum Esslingen hat man schon vor Jahren festgestellt, „dass die Umsetzung moderner und patientenorientierter Versorgungs- und Unterbringungsstrukturen nur mit einem umfassenden Neubauvorhaben realisierbar sind“. Deshalb wurde 2021 ein Masterplan Bau für die nächsten 15 Jahre aufgelegt. Ziel ist es, hohe medizinische Qualität und qualifizierte Pflege langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.
Mit einem neu gebauten Haus 0 wurden im vergangenen Jahr Ausweichflächen für Neubauten geschaffen. Nun will das Klinikum die nächste Etappe angehen. Einstimmig hat der Gemeinderat den Weg für eine 197-Millionen-Euro-Investition freigemacht – stattliche Landeszuschüsse sollen fließen. Esslingens OB Matthias Klopfer verwies auf die tief greifenden Veränderungen in der deutschen Krankenhauslandschaft: „Wir wissen nicht, was sich gesundheitspolitisch auf Bundesebene in nächster Zeit noch tun wird.“ Sicher sei, dass in Stuttgart und in den Nachbarkreisen teils erheblich in die stationäre Gesundheitsversorgung investiert werde. Ihren Kurs haben Stadt und Klinikum mit ihrem Masterplan Bau abgesteckt – nun geht es an dessen Umsetzung. Dass solche millionenschweren Investitionen nicht leicht zu stemmen sind, machte der Finanzdezernent Ingo Rust deutlich – zumal finanzielle Hilfen der Coronazeit wieder wegfallen. „Mit unserem Masterplan sichern wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Klinikums, eine hoch qualifizierte medizinische Versorgung, effiziente Abläufe und Wirtschaftlichkeit, und wir steigern unsere Attraktivität als Arbeitgeber“, sagte Klinikumsgeschäftsführer Matthias Ziegler.
Der anstehende Bauabschnitt sieht Abriss und Neubau des Hauses 2 mit acht OP-Sälen, Aufwachraum, Notfallzentrum, Intensivtherapiestation, Kreißsaal sowie zwei Allgemeinpflegestationen vor. Außerdem wird eine neue zentrale Betriebstechnik für alle Gebäude des Klinikums mit einer Ringtrasse gebaut.
Bis das bestehende Gebäude abgerissen werden kann, sind viele Vorarbeiten und Umzüge notwendig. „Und wir bewältigen in diesem Jahr außerdem 24 Teilprojekte, die alle notwendig sind, um das Haus gänzlich leer räumen zu können“, erklärte Matthias Ziegler. „Allein das ist schon ein Mammutprojekt.“ Aber bei allen überwiege die Vorfreude auf das neue Gebäude.
Mit 197 Millionen Euro ist dieser Bauabschnitt kalkuliert. Klinikum und Stadt hatten auf eine geringere Summe gehofft, doch je konkreter die Planungen wurden, desto klarer zeichnete sich ab, dass der Aufwand deutlich größer werden würde – etwa durch zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen, die bereits auf die Erfordernisse der folgenden Bauabschnitte ausgerichtet werden, oder durch einen aufwendigeren Anschluss an angrenzende Gebäude. Alles hätte sich auf 213 Millionen Euro summiert. Dank diverser Einsparungen wie dem Verzicht auf eine fünfte Ebene für Haus 2 pendelten sich die Kosten bei jenen 197 Millionen Euro ein, die nun das Maß aller Dinge sind. Damit sieht sich der Finanzbürgermeister nun auf der sicheren Seite: „Wir sind mit kaufmännischer Vorsicht herangegangen. Das ist eines der am besten vorbereiteten Hochbauprojekte in Esslingen geworden.“ Da sich die Landeszuschüsse für Klinikprojekte dieser Dimension zuletzt deutlich erhöht haben, rechnet die Stadt mit rund 108 Millionen Euro aus dem Landessäckel – Esslingen müsste dann knapp 89 Millionen Euro stemmen. Im Gemeinderat fanden die Pläne durchweg positive Resonanz.

Die Zukunftspläne des Esslinger Klinikums
Der Masterplan: 
Das Klinikum verfügt über zehn miteinander verbundene Gebäude- und Gebäudeteile, der größte Teil ist mehr als 50 Jahre alt. Die Masterplanung sieht innerhalb der nächsten 15 Jahre den Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der noch verbleibenden Gebäude vor.
Der Start: Im Mittelpunkt stehen drei Neubauten mit rund 19 000 Quadratmetern Nutzfläche, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. In einem ersten Schritt wurde ein Modul-Gebäude (Haus 0) errichtet, das nötige Ausweichflächen bietet.   (adi)

Lichtenwald hat einen Ortsentwicklungsprozess mit breiter Bürgerbeteiligung auf dem Weg gebracht. Ein Konzept soll Leitlinien für die Lebensqualität in der Zukunft aufzeigen. Die Identität als ländliche Gemeinde soll bewahrt werden.

Die Gemeinde Lichtenwald hat einen Ortsentwicklungsprozess mit einer breit angelegten Bürgerbeteiligung gestartet. Dabei sollen die wesentlichen Leitlinien und Ziele bis zum Jahr 2040 festgestellt werden. Bei einer Infoveranstaltung wurden kürzlich die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Lebensqualität im Ort und zu den Erwartungen an die Zukunft vorgestellt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten zeigte sich zufrieden mit dem Leben in der Gemeinde, verbunden mit dem Wunsch, den Status einer ländlichen Kommune mit hohen Standards zu erhalten.
„Das Konzept, das wir derzeit erarbeiten, ist weit mehr als als nur ein weiteres Dokument. Wir haben uns gemeinsam auf einen Weg gemacht, bei dem die Bürger aktiv die Zukunft ihrer Gemeinde gestalten. Es ist ein Meilenstein für die Weiterentwicklung unseres Orts“, sagte Bürgermeister Ferdinand Rentschler bei dem Infoabend.
Der Prozess wird von einem Fachbüro für Kommunalplanung begleitet. Dabei legen die Verwaltung wie auch der Gemeinderat großen Wert auf eine breite Bürgerbeteiligung. Einer der Kernpunkte ist dabei besagte Befragung.

Umfassendes Lob für hohe Lebensqualität
1926 Fragebogen waren an alle über 16-jährigen Lichtenwalder verschickt worden, 736 davon kamen zurück. „Das entspricht einem Rücklauf von 38,2 Prozent, ein sehr gutes Ergebnis“, erklärte der Stadtplaner Philipp König, der die Konzeptentwicklung begleitet.
Die Auswertung ergab laut König ein umfassendes Lob für die hohe Lebensqualität, die die Gemeinde bietet. Die Natur des Schurwalds vor der Haustür sowie die Einbettung in eine geschützte Landschaft spielten eine wichtige Rolle, was der Entwicklung gleichwohl aber auch Grenzen setze. „Es wird teilweise bemängelt, dass es zu wenige Wohnungen und zu wenige Bauplätze gibt. Die wichtigen Qualitätsmerkmale Natur, Landschaftsschutz und Erholung stehen also teilweise auch in Konkurrenz zur gewünschten Flächenentwicklung“, stellte Philipp König klar.

Viel Geld für die Kinderbetreuung
Allerdings werde das durch weiche Standortfaktoren wettgemacht. Die Gemeinschaft im Ort, Kultur- und Freizeitangebote, das rege Vereinsleben, die guten Einkaufsmöglichkeiten, Angebote und Treffpunkte für Jugendliche wie für Ältere würden gelobt, auch wenn vieles noch als verbesserungswürdig gesehen werde. Als klare Identifikationspunkte würden die Ortsmitte von Thomashardt und der Wasserturm benannt. „Und hätte der Gemeinderat in den vergangenen Jahren nicht so viel Geld für die Kinderbetreuung freigegeben, dann hätte die Gemeinde nicht so gute Werte in der Lebensqualität erhalten“, sagte König.
Wie der Planer bemerkte, weist die Befragung auch auf ein Paradox des ländlichen Raums hin. Die Bürger seien sehr zufrieden mit dem ländlichen Charakter des Orts und seiner Lage in der Region mit relativer Nähe zu den Arbeitsplätzen. Gleichzeitig werde der recht starke Verkehr auf den Ortsstraßen bemängelt. „Das darf aber niemanden wundern – das sind auch die vielen Pendler, also die Lichtenwalder selbst.“
In der Zusammenfassung sei festzuhalten, dass den Bürgerinnen und Bürgern als wesentliche Richtschnur am Herzen liege, die Identität Lichtenwalds als ländliche Gemeinde zu bewahren und zu pflegen. Entwicklungsschwerpunkte würden bei der Infrastruktur für Jugendliche und ältere Bürger, beim ÖPNV, bei Gewerbeentwicklung, Wohnraumangebot, Innenentwicklung und Klimaanpassung gesehen. Dies werde nun in den kommenden Monaten ausdifferenziert und in Leitlinien übertragen. „Letztlich soll etwas Umsetzbares und Finanzierbares herauskommen, damit der Mehrwert für die Gemeinde spürbar wird“, erklärte der Stadtplaner Philipp König. (pst)

Die Esslinger Stadtverwaltung hat ihre ersten Pläne für einen möglichen Umzug der Bibliothek ins einstige Modehaus Kögel vorgestellt. Eine Entscheidung soll Mitte Mai fallen. Die Zukunft des Pfleghofs bleibt ein Thema.

Die Diskussion über die Zukunft der Esslinger Stadtbücherei geht in eine entscheidende Phase: Mitte Mai soll der Gemeinderat entscheiden, ob die Pläne für einen Umzug der Bibliothek ins frühere Modehaus Kögel weiter vorangetrieben werden. OB Matthias Klopfer hatte im Herbst angeregt, die Volkshochschule im früheren Karstadt-Warenhaus in der Bahnhofstraße anzusiedeln und die Bücherei bei Kögel. Davon verspricht er sich Impulse für die gebeutelte Innenstadt. Bisher hatte der Gemeinderat nur hinter verschlossenen Türen darüber diskutiert. Nun hat er erstmals öffentlich getagt – und das vor vielen Zuhörerinnen und Zuhörern.
Mittlerweile hat die Verwaltung Klopfers Idee mit Zahlen, Daten und Informationen unterfüttert. Für den OB steht fest, dass eine neue Bibliothek im Kögel-Haus „eine sehr gute, wirtschaftliche und zeitnah realisierbare Lösung“ wäre. Mit Blick auf den Bürgerentscheid vom Frühjahr 2019, der eine klare Mehrheit für einen Verbleib im Bebenhäuser Pfleghof gebracht hatte, befand Klopfer: „Damals konnte niemand ahnen, dass Kögel schließen würde. Wenn sich die Möglichkeit eines Umzugs dorthin ergibt, sind wir gut beraten, neu nachzudenken.“ In der Verwaltung habe er für seine Überlegungen „ausschließlich Zustimmung erhalten“. In der Bürgerschaft spüre er „große Zustimmung“, so der OB.
Die Kulturamtsleiterin Alexa Heyder erläuterte, wo sie die Vorteile eines Umzugs ins Kögel-Haus sieht. Im Gebäudekomplex von Zehentgasse 1, Rathausplatz 14 sowie Fischbrunnen 4 und 4/1 könne eine moderne Bibliothek an exponierterer Stelle mit mehr Platz, mehr Barrierefreiheit, weniger denkmalbedingten Einschränkungen und besseren Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete Bibliotheksarbeit entstehen. Vieles von dem, was die CDU mit ihrem Antrag, alternativ ein Konzept für ein digitales Bürger- und Medienzentrum zu entwickeln, gefordert hatte, sei in einer Bücherei im Kögel-Haus realisierbar. Deshalb verzichtete die Stadt darauf, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Und mit Blick auf die Bürgerbeteiligung zu einer neuen Bibliothek im Pfleghof versicherte Heyder: „Kögel bietet alles, was sich die Menschen wünschen.“ Davon könne man sich in einer Infoveranstaltung am 5. März ab 18.30 Uhr und bei Besichtigungen am 9. März (11 bis 15 Uhr) überzeugen. Viel Lob für die Pläne der Stadt gab’s von Christian Spiegel vom Jugendgemeinderat, der sich viele Arbeitsplätze erhofft.

Breite Zustimmung zeichnet sich ab
Im Gemeinderat zeichnete sich bei vielen Zustimmung ab. Carmen Tittel (Grüne) sieht „einen Mehrwert für die Bibliothek und die Innenstadt“. Die Bürgerschaft erwarte allerdings „ein klares Bekenntnis zu einer Nachnutzung des Bebenhäuser Pfleghofs“. Außerdem wünschen sich die Grünen keine bloße Anmietung der Immobilie Kögel, sondern die Möglichkeit, „dass die Gebäude mittelfristig ganz oder zumindest teilweise von der Stadt erworben werden können“. Ulrike Gräter (SPD), die 2018 mit Wolfgang Drexler und Klaus Hummel das Bürgerbegehren für eine Bibliothek im Pfleghof initiiert hatte, sieht im Kögel-Gebäude „ein neues Tableau an Möglichkeiten für die Stadtbücherei“. Unverzichtbare Bedingung für die SPD sei, dass der Pfleghof im Besitz der Stadt bleibe. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) sieht bei Kögel ein großes Potenzial an Räumen und Chancen. Wichtig seien ein realistischer Zeit- und Finanzierungsplan und ein Konzept für die künftige Nutzung des Pfleghofs.

Zweifel an Belebung der Innenstadt
Sven Kobbelt (FDP) befand: „Das Konzept ist gut, die Anforderungen an eine moderne Bibliothek werden umgesetzt.“ Mit dem Geld, das für den Pfleghof eingeplant war, lasse sich bei Kögel „eine schnelle und kostengünstige Lösung“ realisieren. Tim Hauser (CDU) hegt indes Zweifel, „ob es die erhoffte Belebung der Innenstadt bringt, wenn die Bücherei 130 Meter weiter in ein anderes Gebäude umzieht“. Und er fordert ein Konzept nebst Kostenschätzung für den Bebenhäuser Pfleghof und das Nebengebäude Heugasse 11. Martin Auerbach (Linke) sieht noch viele offene Fragen vor einer Entscheidung über eine Bücherei im Modehaus. Er vermisst ein Gesamtkonzept für die Zukunft der Innenstadt. Dilek Toy (FÜR) ist „nach wie vor empört über die raffinierte Art und Weise, wie die Umsetzung des Bürgerentscheids ausgebremst wurde“. Und: „Kein schwäbischer Häuslebauer würde auf die Idee kommen, eine teure Wohnung anzumieten, wenn er ein eigenes Haus besitzt.“ (adi)

Die Stadt Plochingen will auf einem Grundstück, das mal als Standort für Flüchtlingsheime angedacht war, nun Arztpraxen und Wohnungen realisieren.

Vor Kurzem stand das Grundstück zwischen Hohenzollern- und Schorndorfer Straße in Plochingen noch als möglicher Containerstandort für die Unterbringung von Geflüchteten auf einer Liste von „Optionsflächen“. Gleichzeitig hat die Stadt von Anfang an eine dauerhafte Bebauung in den kommenden zehn Jahren als Ziel formuliert, mit einer gemischten Nutzung von günstigen Wohnungen und Arztpraxen.
Um die Möglichkeiten auszuloten, wird nun eine Projektstudie in Auftrag gegeben – der Ausschuss für Bauen, Wohnen und Technik (ABTU) hat diesem jüngst zugestimmt. Ist damit ein Containerstandort endgültig vom Tisch? Ja, sagt Bürgermeister Frank Buß und bestätigt, dass er auch eine Zwischenlösung nicht für sinnvoll halte. Container seien in der Bevölkerung „negativ beaufschlagt“ und hätten ein „erhebliches Akzeptanzproblem“. Das habe er aus den vergangenen Monaten gelernt, in denen sich zuerst eine Initiative gegen die Aufstellung von Containern südlich des Bildungszentrums Garp formiert hatte und kürzlich eine Bürgerliste ein Flugblatt gegen Flüchtlingsunterkünfte auf dem Stumpenhof verteilte.
Geht es nach dem Rathauschef, wird diese Form der Unterbringung in Plochingen künftig gar nicht mehr angestrebt, das hat er auch im ABTU erklärt: „Ich werde gern zur Unterbringung von Flüchtlingen Gebäude bauen, aber ich werde mich nicht mehr für Container starkmachen.“

Fläche mit rund 1700 Quadratmetern
Folglich geht es nun an die grundlegende Entwicklung der Fläche auf dem Stumpenhof mit rund 1700 Quadratmetern. Zu ihr gehört der Bereich mit dem leer stehenden Flachdachgebäude, das früher eine Apotheke und dann eine Confiserie beherbergt hat, und die südlich angrenzende Wiese mit Parkplätzen. Letztere gehört der Stadt schon länger. Das Grundstück mit dem Haus hat sie im Juli 2023 erworben, damals schon mit Blick auf die ärztliche Versorgung der oberen Plochinger Stadtteile. Denn seit vor einigen Jahren die Praxis von Dr. Eckelt geschlossen hat, klafft hier eine Lücke.
An dieser Stelle sehe man Chancen, nicht nur für eine Hausarztpraxis, sondern auch für eine fachärztliche Praxis oder die Außenstelle einer Apotheke, sagte Buß im ABTU. Der Bedarf sei da, schon aufgrund der mehr als 4000 Einwohner in den Lettenäckern und auf dem Stumpenhof. Ergänzend will die Stadt günstigen Wohnraum dazu bauen. Es geht also wahrscheinlich um eine bis drei Praxen und eine Handvoll Wohnungen. Was genau möglich und sinnvoll ist, soll die Studie ermitteln, die von Albrings + Müller erstellt wird. Dieses Büro war auch bei der Entwicklung des Brühlareals in der Innenstadt beteiligt.
Ein Knackpunkt für die Planung an der Hohenzollernstraße ist, wie nah an der Schorndorfer Straße, einer Landesstraße mit Durchgangsverkehr, gebaut werden darf. Das Straßengesetz fordere einen Abstand von 20 Metern zum Fahrbahnrand, der Bebauungsplan nur acht Meter, erklärte der Verbandsbaumeister Wolfgang Kissling. Mit dem Amt sei aber besprochen, dass es zwölf Meter akzeptiere, für weniger müsse man gegebenenfalls „kämpfen“. Die Studie soll auch dafür Erkenntnisse und Argumente liefern.
Die Stadt habe natürlich Interesse, das Grundstück möglichst gut auszunutzen, sagt Bürgermeister Buß. Die Belastungen durch den Verkehr halte er durch einen passiven Schallschutz und eine entsprechende Ausrichtung der Wohnungen für „beherrschbar“. Silvia Ergin (OGL) brachte mit dem Vorschlag, die jetzige Bushaltestelle am Teckplatz zu verlegen und deren großzügige Fläche einzubeziehen, zusätzliche Quadratmeter ins Spiel. (aia)

Esslingen sieht einen geringeren Stellplatzbedarf für den Hochschulneubau und hat bisherige Pläne deutlich reduziert. Weil der Campus gut an den Nahverkehr angebunden ist und weil umliegende Parkhäuser nicht ausgelastet sind, soll eine Tiefgarage genügen.

Der Neubau der Hochschule Esslingen in der Neuen Weststadt nimmt zusehends Gestalt an – und damit rückt die Frage in den Fokus, wo Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Studierende, die mit dem Auto anreisen, künftig parken sollen. Die Stadt Esslingen hat sich in einem Vertrag mit dem Land dazu verpflichtet, „alle baurechtlich notwendigen Stellplätze für die neue Hochschule auf dem Stadtwerke-Areal unterzubringen und die Stellplätze für den ersten Bauabschnitt zu erstellen beziehungsweise zu finanzieren“. Nach bisherigen Berechnungen waren 201 Stellplätze für den ersten Hochschul-Bauabschnitt baurechtlich nötig. Doch mit Blick auf die Parkplatzsituation im Umfeld und die gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr hat die Stadt ihre Planungen nun nach unten korrigiert.
Im Vertrag mit dem Land war keine verbindliche Stellplatzzahl vereinbart worden. Deshalb konnte der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats unlängst einen neuen Stellplatz-Schlüssel festlegen. Bislang war man von einem Bedarf von einem Stellplatz je vier Studierenden ausgegangen, mit Blick auf die gute Nahverkehrsanbindung galt ein Bonus von 40 Prozent. Außerdem musste die Stadt bei ihren Stellplatz-Berechnungen im Hinterkopf behalten, dass noch ein zweiter Bauabschnitt der Hochschule, für den bislang allerdings noch gar keine Planung vorliegt, irgendwann hinzukommen könnte. Für den dann entstehenden Bedarf an weiteren Parkplätzen muss es Entwicklungsmöglichkeiten geben – nach bisherigen Schätzungen war man dafür von weiteren 100 Stellplätzen ausgegangen. Zusammen mit den bislang vorgesehenen 201 Plätzen müssten damit insgesamt 301 Stellplätze eingeplant werden.
Lange Zeit war man im Rathaus davon ausgegangen, dass zur Unterbringung aller Stellplätze für die Hochschule und außerdem für die zukünftigen Nutzer des Stadtwerke-Areals ein oberirdisches Parkhaus mit 420 Stellplätzen erforderlich werden würde. „Dies entspräche ungefähr der Größe des Parkhauses ‚Beim Bahnhof’“, betont die Stadtverwaltung. Und sie gab im ATU zu bedenken: „Ein Parkhaus dieser Größenordnung wäre städtebaulich sehr schwer integrierbar und würde erhebliche Investitionskosten mit sich bringen.“

Tagsüber erhebliche freie Kapazitäten
Unter solchen Vorzeichen hat das Stadtplanungsamt die Auslastung der umliegenden öffentlich zugänglichen Parkhäuser untersucht und dabei „tagsüber erhebliche freie Kapazitäten“ festgestellt – also in jenen Zeiten, in denen der Bedarf der Hochschulangehörigen mutmaßlich am größten ist. Sollte ein Hochschulparkhaus in der bislang geplanten Größe realisiert werden, fürchtet das Stadtplanungsamt zudem, dass die Wirtschaftlichkeit der nahen Parkhäuser am Bahnhof und auf dem Dick-Areal sowie der Tiefgarage auf dem Hengstenberg-Areal geschwächt werden würde.
Deshalb kam das Stadtplanungsamt zu dem Schluss: „Die neue Hochschule wird sehr gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden und auch zu Fuß und mit dem Fahrrad gut erreichbar sein. Die Stellplätze für die Hochschule werden voraussichtlich zu marktüblichen Preisen angeboten. Vor diesem Hintergrund ist am neuen Standort ein deutlich reduzierter Bedarf zu erwarten.“ Die Errichtung zusätzlichen öffentlichen Parkraums sei daher „städtebaulich und wirtschaftlich nur in begrenztem Ausmaß sinnvoll“. Der ATU hat einstimmig zugestimmt, den Stellplatzschlüssel für die Hochschule abzusenken.
Die baurechtlich notwendigen Stellplätze reduzieren sich damit für den ersten Hochschul-Bauabschnitt auf 101, die bis zur Aufnahme des Lehrbetriebs zum Wintersemester 2025 bereitstehen müssen. Für den zweiten Hochschul-Bauabschnitt sollen etwa 50 weitere Stellplätze vorgehalten werden. In einer eingeschossigen Tiefgarage auf dem Stadtwerke-Areal könnten 235 Stellplätze entstehen. Im ATU fanden die Überlegungen des Stadtplanungsamtes einhellige Zustimmung.

Die Neue Weststadt im Kurzporträt
Projekt:
 Auf dem einstigen Esslinger Güterbahnhof-Areal entsteht mit der Neuen Weststadt ein urbanes Quartier, das auf 100 000 Quadratmetern Platz für 450 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie einen Neubau für die Hochschule Esslingen bietet. Mit dem Umzug wird die Hochschule ihren bisherigen Campus auf der Flandernhöhe räumen.
Zukunft: Im Rahmen eines Forschungsvorhabens unter dem Titel „Neue Weststadt – Klimaquartier” wird dort ein zukunftsfähiges Energiekonzept umgesetzt. Mit Power-to-Gas als Schlüsseltechnologie wird überschüssiger Ökostrom in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt und zur Gasnetzeinspeisung, die Nutzung in der Mobilität und der Industrie aufbereitet.  (adi)

Vor einem halben Jahrhundert schlossen sich einige zuvor eigenständige Schurwaldkommunen zu der neuen Gemeinde Aichwald zusammen. Im September wird das Jubiläum groß gefeiert.

Vor 50 Jahren wurde die Schurwaldgemeinde Aichwald aus der Taufe gehoben. Und es war „keine Liebesheirat“, als sich am 1. Januar 1974 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Aichelberg, Aichschieß mit Krummhardt und Schanbach mit Lobenrot zu der neuen Kommune Aichwald zusammengeschlossen haben, wie der heutige Bürgermeister Andreas Jarolim erzählt. Vielmehr habe es sich seinerseits um eine Zweckgemeinschaft gehandelt.
Die Alternative allerdings wäre noch unattraktiver gewesen: „Das wäre die Eingemeindung nach Esslingen gewesen“, sagt Jarolim. Um dem zu entgehen, entschied man sich dafür – wie viele andere Gemeinden während der Zeit der baden-württembergischen Gebietsreform zwischen 1969 und 1975 –, die kleinere Kröte zu schlucken.
Und heute? „Ich würde schon sagen, dass die Ortsteile inzwischen zusammengewachsen sind“, sagt Jarolim. In anderen Kommunen sei das nicht so gut gelaufen.
War ursprünglich geplant, das Jubiläum bereits am zweiten Juni-Wochenende gebührend mit einem großen Bürgerfest zu feiern, kam der Schurwaldgemeinde zwischenzeitlich der Termin für die Kommunal- und Europawahl am Sonntag, 9. Juni, dazwischen. Jetzt soll das Fest laut Andrea Dippon, bei der im Aichwalder Rathaus die Fäden für die Feierlichkeiten zusammenlaufen, vom 20. bis 22. September stattfinden. Am Freitagabend soll es zum Auftakt in der Schurwaldhalle in Schanbach einen Jubiläumsempfang geben – aber nur für geladene Gäste, wie Jarolim betont. Der genaue Ablauf stehe zwar noch nicht fest, doch solle alles „kurz und interessant“ gehalten werden.
Das eigentliche Bürgerfest soll dann am Samstag und am Sonntag sein. In und vor der Schurwaldhalle werden zwei Bühnen aufgebaut. Für Samstagabend ist bei freiem Eintritt ein Konzert mit dem Musikverein Aichelberg und zwei Bands geplant. Am Sonntag sollen sich Aichwalder Vereine präsentieren. Der Tag soll vor der Schurwaldhalle mit einem vom Musikverein Aichschieß umrahmten Frühschoppen beginnen. Danach stehen einzelne Vorführungen auf den beiden Bühnen auf dem Programm. „Die Aichwalder Vereine überlegen derzeit, was sie konkret machen wollen“, sagt Jarolim und betont, dass es sich bislang nur um ein vorläufiges Programm handelt.

Ein enormes Bevölkerungswachstum
Gefragt, was in den vergangenen 50 Jahren in Aichwald die wichtigste Entwicklung gewesen sei, muss der Schultes etwas länger nachdenken. „Das Wichtigste ist, dass Aichwald so gut zusammengewachsen ist“, sagt er schließlich. Anstatt konkrete Punkte zu nennen, spricht er lieber von einer „Summe von Kleinigkeiten“. Was allerdings auffällt, ist das enorme Bevölkerungswachstum nach dem Zusammenschluss im Jahr 1974. Das erklärt sich der Bürgermeister damit, dass jede Teilgemeinde noch kurz vor der Reform ihre eigenen Neubaugebiete ausgewiesen hat. Und so stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von nur zehn Jahren von 5000 auf 8000 Einwohner. „Das war ein riesiger Sprung innerhalb kürzester Zeit“, sagt Jarolim.
Zudem verweist er noch auf einzelne Bauprojekte: Er nennt das Seniorenzentrum, die Schurwaldhalle, die in den 80er-Jahren gebaut wurde, und das neue Rathaus im Zentrum von Schanbach, das Mitte der 90er-Jahre, noch während der Amtszeit des ersten Aichwalder Bürgermeisters Richard Hohler, eröffnet wurde. Vieles sei schon „sehr gut gelungen“. Aichwald stehe heute deshalb so gut da, weil sich die Gemeinde stets auf „das Notwendige und Wichtige“ beschränkt habe.
Als wichtige Projekte der Zukunft nennt Jarolim den geplanten Neubau der Kindertagesstätte mit Schule in Aichschieß und die Sicherung der sogenannten Grundversorgung. „Es ist schade, dass so viele Aichwalder noch immer zum Einkaufen wegfahren, obwohl es bei uns im Ort doch alles gibt“, sagt Jarolim. Derzeit sei die Gemeinde dabei, an der Albstraße in Schanbach eine Fläche für die Ansiedelung eines Vollsortimenters sowie weiterer Pflegeplätze zu entwickeln.

Die Entstehung von Aichwald
Historie:
Am 1. Januar 1974 hat sich auf dem Schurwald als Folge der baden-württembergischen Gebietsreform die Gemeinde Aichwald gegründet. Für kurze Zeit führte der ehemalige Bürgermeister von Schanbach, Peter Kuhn, als Amtsverweser die Geschäfte, bevor noch im selben Jahr Richard Hohler zum ersten Bürgermeister von Aichwald gewählt wurde. Von 2006 bis 2019 hatte Nicolas Fink das Amt inne. Andreas Jarolim wurde im Jahr 2019 zum Bürgermeister gewählt.
Name: Wie Recherchen zum Jubiläum ergeben haben, war ein wichtiger Grund bei der Namensfindung der Wunsch der Gewerbetreibenden, dass der Ortsname in den damaligen alphabetischen Verzeichnissen – das Internet stand noch nicht einmal in den Startlöchern – möglichst weit vorne auftauchen sollte. Zudem sollte der neue Name einen Bezug zu der Umgebung der neuen Gemeinde haben. Schließlich einigte man sich auf den Namen Aichwald.  (kai)

Die Änderung des Postrechts macht den Verzicht auf den Brieftransport ab April möglich. In Stuttgart geht es pro Monat um 80 bis 100 Flüge.

Der Nachtluftpostflug zwischen Stuttgart und Berlin wird zum 1. April eingestellt. „Der letzte Flug startet am 27. März abends nach Berlin“, sagt Marc Mombauer, Pressesprecher der DHL-Group in Stuttgart. Vom 2. April an wird der Posttransport nach seinen Worten „komplett auf die Straße verlagert“. Der Verzicht auf die Nachtpostflüge, die beim Lärmschutzbeauftragten für den Flughafen Stuttgart Stefan Köhler einer der Hauptgründe für Beschwerden sind, wird durch die Modernisierung des Postrechts möglich. Das Thema steht am 23. Februar auf der Agenda des Bundestags in Berlin. Dann entscheiden die Parlamentarier über das neue Gesetz.
Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, der die Grünen im Wahlkreis Nürtingen/Filder vertritt, geht davon aus, dass sich eine Mehrheit für die Modernisierung des Postgesetzes findet. Auch die Post bereitet den Umstieg vom Flugzeug auf die Straße nach Mombauers Worten bereits vor.
Das bedeutet das neue Postgesetz für den Briefverkehr? „Das noch geltende Postrecht schreibt der Deutschen Post vor, dass 80 Prozent aller Briefe am nächsten Werktag ankommen müssen“, bringt Gastel die Gesetzeslage auf den Punkt. Da die Briefmengen immer stärker zurückgingen und die Kosten des Briefnetzes auf immer weniger Briefe verteilt werden müssten, drohen nach seinen Worten „deutliche Portoerhöhungen“. Um das Porto auch künftig unter dem europäischen Durchschnitt halten zu können, wolle die Post nun die maximal zulässigen Brieflaufzeiten etwas verlängern. 95 Prozent der Briefe sollen am dritten Werktag ankommen müssen. Damit etwa überregionale Tageszeitungen auf dem Postweg pünktlich zu ihren Leserinnen und Lesern gelangen, denkt der Bundestag noch über Sonderregelungen nach.
„Mit dem neuen Postrecht kann auf besonders teure und klimaschädliche Nachtpostflüge verzichtet werden“, sagt Gastel. Dies habe auf die Menschen, die rund um den Flughafen Stuttgart leben, besonders positive Auswirkungen, weil eine Lärmquelle mitten in der Nacht wegfalle: Zwei der insgesamt drei Postverbindungen in Deutschland haben den Flughafen Stuttgart als Start- oder Zielort. Neben der Nachtluftpostverbindung nach Berlin wird auch Hannover von Stuttgart aus nachts angeflogen. Die Nachtpost wird in Passagiermaschinen transportiert, die tagsüber Linie fliegen. „Da geht es pro Monat um 80 bis 100 An- und Abflüge, die zwischen Mitternacht und 1 Uhr erfolgen“, fasst Gastel zusammen.

Etwas längere Brieflaufzeiten
Für den Grünen-Abgeordneten bringt das neue Verfahren unter dem Strich Vorteile. „Mit dem sich abzeichnenden neuen Recht könnte zwar der ein oder andere Brief etwas länger bis zu seiner Zustellung unterwegs sein.“ Dafür bleibe das Porto erschwinglich, und mit dem möglichen Entfall nächtlicher Briefpostflüge würden „Beiträge zum Lärm- und Klimaschutz geleistet“.
Die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner des Flughafens entlastet der Wegfall der Nachtluftpostflüge zur Schlafenszeit. Stefan Köhler, der Lärmschutzbeauftragte für den Flughafen Stuttgart, hat 2022 insgesamt 1515 Nachtflugbewegungen verzeichnet. Flüge der Nachtluftpost machten mit 986 Flügen (65 Prozent) „wie in jedem Jahr“ den Hauptanteil aller Nachtflüge aus. 2021 verzeichnete der Lärmschutzbeauftragte, dessen Stelle beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist, 1132 Flüge in den Nachtstunden, in denen in Stuttgart die Nachtflugbeschränkung gilt.
In Köhlers Statistik machen die Nachtflüge der Deutschen Post den Hauptteil der Flugbewegungen im Betrieb jenseits der Nachtflugbeschränkung aus, die für den Flughafen Stuttgart gilt. Mit einer Sondergenehmigung, die allerdings strengen Vorgaben unterliegt, dürfen Linienmaschinen mit einer Ausnahmeerlaubnis des Regierungspräsidiums starten und landen. Dazu kommen Polizei- und Rettungsflüge, Militärmaschinen und Propellerflugzeuge – diese sind von der Beschränkung ausgenommen.
Die meisten Beschwerden gab es über Nachtflugbetrieb, Fluglärm allgemein und vermeintliche Streckenabweichungen. Diesen geht der Lärmschutzbeauftragte nach. „Alle Nachtflüge werden auf Einhaltung der Beschränkung nachträglich überprüft“, schreibt Köhler in seinem Bericht. Im Berichtsjahr gab es 70 Beschwerden zu Nachtflügen; 2021 waren es 97. Davon wurden viele wegen des Verdachts der Verletzung der Nachtflugbeschränkung vorgetragen.

Die Nachtflugbeschränkung
Flugbetrieb: 
Die Betriebszeiten am Flughafen Stuttgart sind für Starts täglich von 6 bis 23 Uhr, für Landungen von 6 bis 23.30 Uhr. Bei verspäteter Ankunft dürfen Maschinen bis 24 Uhr landen, wenn die planmäßige Zeit vor 23.30 Uhr lag.
Ausnahmen: Eine Ausnahme von der Beschränkung gilt für die Nachtpostflüge. Die Maschinen brauchen allerdings ein entsprechendes Lärmzeugnis. Außerdem kann die Luftaufsicht Ausnahmegenehmigungen erteilen, wenn ein triftiger Grund vorliegt – das gilt allerdings nur in begründeten Einzelfällen. Unter anderem sind auch Vermessungsflüge, Einsätze in der Notfallmedizin und im Katastrophenschutz sowie militärische Flüge zulässig. (eli)

Der Esslinger Verein Denk-Zeichen hat bisher 66 Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal von NS-Opfern erinnern. Dieses Gedenken will gepflegt werden.

In Esslingen erinnern 66 Stolpersteine an das unsägliche Leid, die Verfolgung und Ermordung zahlreicher Frauen und Männer, die während der NS-Zeit zu Opfern einer unmenschlichen Ideologie wurden. Jede dieser knapp zehn mal zehn Zentimeter großen Messingtafeln, die in Wege und Plätze eingelassen werden, steht für ein Schicksal. Und jede Lebensgeschichte, die hinter einem Namen steht, kann helfen, dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte greifbar zu machen. Der Künstler Gunter Demnig hat seit Anfang der 90er-Jahre mehr als 100 000 Stolpersteine geschaffen. In Esslingen steht der Verein Denk-Zeichen hinter diesem Projekt. Seine Mitglieder sorgen dafür, dass jedes Jahr weitere Orte des Gedenkens hinzukommen. Dem Verein ist es ein Anliegen, dass die Erinnerung nie verblasst.
Gerhard Voss, Klaus Zimmerer, Cedric Müllner und viele andere engagieren sich für dieses Projekt. Es ist ein weiter Weg, bis eine der quadratischen Messingtafeln mit ihren abgerundeten Ecken und Kanten vor einem Haus verlegt werden kann, in dem einst ein späteres NS-Opfer gewohnt hat. Namen müssen ermittelt, Lebensgeschichten akribisch recherchiert, Angehörige ausfindig gemacht werden. Erst dann können der Name, die Geburts- und Sterbedaten und der Ort, an dem das Leben dieser Menschen beendet wurde, in Gunter Demnigs Werkstatt mit Hilfe von Schlagbuchstaben verewigt werden.
66 Stolpersteine hat der Verein Denk-Zeichen in den vergangenen Jahren auf diese Weise in Esslingen verlegt, und jedes Jahr kommen weitere hinzu. Mal ist es eine Handvoll, mal ist es ein ganzes Dutzend auf einmal. So soll es auch in den nächsten Jahren weitergehen. Klaus Zimmerer betont: „Aber unsere Aufgabe ist damit noch lange nicht erfüllt. Mindestens ebenso wichtig ist es, dafür zu sorgen, dass das Gedenken an die NS-Opfer nicht verblasst.“ Zimmerer meint das durchaus auch wörtlich: „Anfangs glänzen die Stolpersteine, doch mit der Zeit wird dieser Glanz in Wind und Wetter stumpf. Dann müssen wir ihn wieder aufpolieren.“ Das ist für Gerhard Voss auch symbolisch zu verstehen: „Wenn man die Erinnerung nicht pflegt, verblasst sie früher oder später. Gerade wenn es um die Zeit des Nationalsozialismus geht, ist es wichtig, das Bewusstsein für die damaligen Verbrechen aufrechtzuerhalten, damit so etwas nie wieder geschehen kann.“

Geschichte anschaulich vermitteln
In Esslingen sehen das viele genauso. „Wir sind sehr froh, dass nicht nur unsere Mitglieder die verlegten Stolpersteine reinigen und pflegen“, sagt Gerhard Voss. „Es gibt auch eine ganze Reihe von Organisationen, die uns dabei unterstützen. Auch manche Paten wollen Stolpersteine nicht nur stiften, sondern sich später um deren Pflege kümmern.“ Dank einer Spende hat Denk-Zeichen nun vier Akkuschrauber zur Verfügung, die man sich beim Verein leihen kann, wenn man Stolpersteinen zu altem Glanz verhelfen will. „Wir denken dabei gerade an Schulklassen“, sagt Klaus Zimmerer, der als Lehrer an der Johannes-Landenberger-Schule in Esslingen unterrichtet. „Die Stolpersteine sind eine sehr gute Möglichkeit, Geschichte anschaulich zu vermitteln.“ Zimmerer baut solche Projekte regelmäßig in seinen Unterricht ein. Oft geht er dann mit seinen Klassen auch zum Theodor-Rothschild-Haus, wo ein Stolperstein an den Namensgeber des einstigen jüdischen Waisenhauses erinnert.
Neuerdings können Pädagogen eine weitere Möglichkeit nutzen, wenn sie an das Schicksal von Menschen erinnern wollen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden: Im Internet gibt es einen sogenannten Stolpersteine-Guide, in dem Initiativen ihre Standorte vermerken können. Zu jedem Namen, der auf einer der Messingtafeln festgehalten ist, gibt es biografische Informationen und – soweit vorhanden – sogar Bildmaterial.
So wie im Falle der Familie Katz, die einst in der Mittleren Beutau 13 gelebt hatte, später nach Ludwigsburg umzog und schließlich im Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen wurde. Dort verlieren sich ihre Spuren. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Hermann, Sarah und Rosa Hilde Katz von den Nazis ermordet wurden. Doch die Erinnerung an sie lässt sich nicht auslöschen – drei Stolpersteinen in der Esslinger Altstadt sei Dank.

Wissenswertes zu den Stolpersteinen
Projekt: 
Der Künstler Gunter Demnig möchte mit seinem internationalen Projekt an die Opfer der NS-Zeit erinnern: Juden, politisch Verfolgte, Zwangsarbeiter, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Sinti und Roma, aber auch Menschen, die in dem menschenverachtenden Nazi-Jargon als „lebensunwertes Leben“ abgestempelt und ermordet wurden. An deren letzten selbst gewählten Wohnort lässt Demnig kleine Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg ein. 100 000 dieser Stolpersteine liegen bereits in 1800 Kommunen in 30 europäischen Ländern. Selbst in Argentinien gibt es eine Stolperschwelle.
Konzept: Die Schicksale der gewürdigten Opfer der Nazi-Zeit werden zunächst intensiv recherchiert. Dazu gehört auch die Suche nach Angehörigen, mit denen die Verlegung eines Stolpersteins nach Möglichkeit abgestimmt werden soll. In die Erarbeitung der Stolperstein-Texte, die Verlegung und Pflege sollen Schulen einbezogen werden. Auch Paten sind willkommen. (adi)

Übersicht unter https:// stolpersteine-guide.de/

Frank Buß, der alte und neue Plochinger Rathauschef, spricht nach der Bürgermeisterwahl von einem „sehr überragenden Ergebnis“. Harald Schmidt gratuliert dem Sieger und erklärt: „Meine Enttäuschung hält sich doch sehr, sehr in Grenzen.“

Natürlich wurde gefeiert: Es gab Gratulationen, ein kurzes Ständchen der Stadtkapelle und zahlreiche nette Worte. Plochingens Bürgermeister Frank Buß nahm die Glückwünsche zu seiner deutlichen Wiederwahl mit 65,7 Prozent der Stimmen am Sonntagabend (4. Februar) im Alten Rathaus entspannt und lächelnd entgegen. Auch sein Herausforderer Harald Schmidt, der auf respektable 33,1 Prozent kam, schüttelte im altehrwürdigen Gebäude am Markt noch etliche Hände, ehe er sich für ein „dickes Dankeschön“ an sein Team in den Bärenkeller aufmachte. Am anderen Morgen ging’s zurück zur Tagesordnung – und damit für beide wieder an ihren Arbeitsplatz.
Anders als das sonst bei solchen Wahlen üblich ist, regierte auf keiner Seite Unzufriedenheit. Buß war zwar der klare Gewinner des Urnengangs, Schmidt allerdings mitnichten ein Verlierer. Während der 63-jährige Businessanalyst noch vor Beginn der Auszählung davon sprach, dass für ihn alles über 30 Prozent „absolut okay“ sei, trauten ihm wohl nur die wenigsten Beobachter ein solches Ergebnis zu. Buß wiederum wertete sein Abschneiden als „sehr überragendes Ergebnis und einen sehr großen Vertrauensbeweis“. Schließlich müsse bedacht werden, „dass mehrere schwierige Jahre hinter uns liegen, dass in Plochingen aber dennoch viel bewegt worden ist, mit vielen zusätzlichen Aufgaben, was nicht immer einfach war und natürlich nicht von jedem akzeptiert wurde“, sagte der 59-Jährige. Sein Reichenbacher Kollege Bernhard Richter, der wie etliche andere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus den benachbarten Kommunen sowie rund 50 weitere Interessierte ins Alte Rathaus gekommen war, unterstrich diese Einschätzung: „Wir stecken in einer anhaltenden Krise, da ist ein solches Wahlergebnis nicht überraschend.“
Einig waren sich Buß und Schmidt obendrein, was die Wahlkampfführung angeht. Beide bedankten sich bei ihrem Gegenüber für den engagierten, aber stets fairen Umgang miteinander in den vergangenen Wochen. Die Wahlbeteiligung von 36,2 Prozent befand Buß für „die heutige Zeit okay“. Schmidt sagte, dass diese Quote „zwar immer noch nicht das ist, was ich mir wünsche, aber im Vergleich zu den lediglich rund 28 Prozent von vor acht Jahren schon ein Fortschritt ist“.
Wichtige Erkenntnisse haben derweil beide Bewerber aus dem Wahlkampf gezogen: Frank Buß unterstrich, dass es ihm ­ursprünglich wichtig gewesen sei, „einen thematischen Wahlkampf zu führen“. Allerdings seien im Laufe der Zeit andere Dinge, die auf der emotionalen Ebene gelegen hätten, mehr in den Fokus gerückt: „So waren zu meiner Verwunderung etwa die großen Punkte wie Klimaschutz, Mobilitätswende oder Kinderbetreuung keine Themen, über die gesprochen wurde.“ Die Botschaften, die es gegeben habe, so versicherte Buß, seien aber bei ihm angekommen.
Für Harald Schmidt wiederum hatten Kandidatur und Wahlkampfzeit einen „schönen Nebeneffekt“. Es sei anstrengend gewesen, aber er habe viel Rückhalt, nicht nur aus seinem achtköpfigen Team sowie von etlichen weiteren Helfern erfahren. „Vielmehr noch gab es aber Rückenwind für mich als Gemeinderat und für unsere Unabhängige Liste Plochingen“, sagte er. Er werde sich, sofern er bei der Kommunalwahl genügend Stimmen erhalte, dafür einsetzen, dass es kein Weiter-so gebe, und hofft dabei auf die Unterstützung „einer großen Mannschaft“.
Bis zum 9. Juni – an diesem Tag werden in Baden-Württemberg nicht nur die Europaabgeordneten, sondern auch die Gemeinde-, Kreis- und Regionalräte gewählt – steht aber erst einmal das Tagesgeschäft auf dem Programm. Frank Buß will „weiterhin die Ärmel hochkrempeln, weil vor mir und meinem bewährten Team in der Verwaltung ein Haufen Arbeit liegt“. Und Harald Schmidt hat in seinem jetzigen und künftigen Job bei einem Automobilzulieferer, wie er erklärte, „ebenfalls reichlich zu tun“.

Am 21. April wird in Köngen ein neuer Schultes gewählt
Häufung:
 Erst Wernau, dann Plochingen und bald schon Köngen: Nach der Bürgermeisterwahl ist im Neckartal zurzeit vor der Bürgermeisterwahl. Während die Urnengänge in Wernau und Plochingen im regulären Turnus stattgefunden haben, wird in Köngen im April außerplanmäßig gewählt, nachdem Amtsinhaber Otto Ruppaner im Dezember aus dem Rennen um den Oberbürgermeisterposten in Leinfelden-Echterdingen als Sieger hervorgegangen war und seine neue Tätigkeit am 1. März aufnimmt. Von dem Zeitpunkt an übernimmt die stellvertretende ehrenamt­liche Bürgermeisterin Johanna Fallscheer, zugleich stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Köngener Gemeinderat, diese Aufgabe, bis die Stelle neu besetzt ist.
Termine: Die Bewerbungsfrist für die Wahl eines neuen Köngener Rathauschefs beziehungsweise einer neuen Rathauschefin läuft seit dem 13. Januar. Eine offizielle und vollständige Kandidatur liegt im Rathaus bereits vor. Öffentlich machen will die besagte Person ihre Absicht allerdings noch nicht. Die Bewerbungsfrist endet am 25. März um 18 Uhr. Gewählt wird dann knapp einen Monat später, am 21. April. Sollte anschließend eine Stichwahl erforderlich sein, findet diese am 5. Mai statt. (eas)

Nach dem Aus von Karstadt befürchten die Händler der Bahnhofstraße, dass Kunden ausbleiben. Sie setzen auf eine Aufwertung der Einkaufsmeile.

Karstadt ist Geschichte. Das Aus des Kaufhauses, das jahrzehntelang die Esslinger Bahnhofstraße prägte, ist für die Einkaufsmeile aber auch ein Neuanfang – der Beginn einer Ära ohne großes Warenhaus. Allerdings befürchten viele Händler in der Bahnhofstraße nun, dass das verlassene Kaufhaus zum Schandfleck verkommt und Kunden abschreckt. Deshalb hat sich die Initiative Bahnhofstraße Gedanken gemacht, wie man die Einkaufsmeile aufwerten könnte. Ideen gibt es einige – ob sie alle umsetzbar sind, ist aber noch unklar.
Wolfgang Seifried, Sprecher der Initiative Bahnhofstraße, sagt: „Das Schlimmste wäre, wenn nichts passiert.“ Es sei unklar, was der Investor BPI jetzt auf dem Karstadt-Areal vorhabe. Er und seine Mitstreiter hofften inständig, dass es nicht noch ewig dauert, bis sich auf dem Gelände etwas tut. In der Zwischenzeit aber gelte es, die Phase gut zu überbrücken. Schließlich gehe man davon aus, dass das einstige Kaufhaus wegen Sanierungsarbeiten zunächst ein bis zwei Jahre leer steht. „Uns brennt vor allem eine schönere Gestaltung des Schaufensters auf den Nägeln“, sagt Seifried. Seine Initiative wolle vermeiden, dass Menschen, die vom Bahnhof kommen, erst einmal auf hundert Meter leere Fensterflächen im bisherigen Karstadt-Gebäude schauen. Man könne sich vorstellen, die Schaufenster von außen mit schönen Motiven zu bekleben oder aber innen Werke Esslinger Künstler auszustellen. Noch wisse man nicht, was möglich sei, so Seifried. Seine Initiative sei aber im Gespräch mit der Stadt.

Das Nottreppenhaus entfernen
Für Seifried ist es entscheidend, die Bahnhofstraße aufzuwerten, so gut es geht. So müsse dringend auch das Nottreppenhaus vor dem Karstadt-Gebäude entfernt werden, ebenso die provisorische Anlieferung in der Martinstraße. Auch die Beleuchtung der Bahnhofstraße müsse auf den neuesten Stand gebracht und die Stromversorgung bei Veranstaltungen und Wochenmärkten besser organisiert werden. „Wenn alles wieder schöner ist, wird es auch insgesamt besser“, glaubt der Sprecher der Händler-Initiative. Dabei gehe es nicht nur um die Bahnhofstraße: „Es geht darum, dass die ganze Stadt ein positives Image hat.“ Die Befürchtung der Händler sei, dass die Menschen nach dem fast gleichzeitigen Aus von Karstadt und dem Modehaus Kögel keinen Grund mehr sehen, nach Esslingen zu kommen, sondern lieber nach Stuttgart führen oder aber nach Kirchheim – zumal dort das Parken in der ersten Stunde kostenlos sei. Dabei sei Esslingen nach wie vor eine sehr attraktive Einkaufsstadt mit vielen kleinen und inhabergeführten Läden.
Die Pläne der Stadt, die Volkshochschule im bisherigen Karstadt-Gebäude anzusiedeln, begrüßt die Initiative Bahnhofstraße ausdrücklich – allerdings nur, wenn sie in den oberen Geschossen des bisherigen Kaufhaus-Komplexes angesiedelt wird. „In das Erdgeschoss gehört Gewerbe rein“, sagt Seifried. Er hofft, dass das auch noch der Plan des Investors BPI ist. Einzelhandel auf mehreren Etagen wie einst auf dem Areal geplant, sei heute zwar nicht mehr unbedingt zeitgemäß, sagt Seifried. Aber Läden im Erdgeschoss hält er an diesem Standort nach wie vor für sehr sinnvoll. Seine Initiative hoffe nun, dass die Stadt Esslingen sie in dem Bestreben unterstütze, die Bahnhofstraße als Eingangstor in die Stadt aufzuwerten. „Man muss auf so eine Straße aufpassen“, betont Wolfgang Seifried.
Damit ist die Initiative Bahnhofstraße offenbar auf einer Linie mit der Stadtverwaltung. „Besonders wichtig ist für die Bahnhofstraße, aber auch für die gesamte Innenstadt, dass möglichst schnell Klarheit darüber besteht, wie die Galeria-Immobilie entwickelt wird“, sagt Carina Killer, Leiterin des Citymanagements. Aus ihrer Sicht sollte im Erdgeschoss des bisherigen Kaufhauses möglichst Einzelhandel angesiedelt werden, der den Branchenmix in der Stadt ergänzt. In der Zeit des unvermeidlichen Leerstandes der Immobilie strebe man eine Schaufenstergestaltung an und versuche, die Beeinträchtigungen für die umliegenden Geschäfte so gering wie möglich zu halten, so Killer.

Strategisches Flächenmanagement
Außerdem arbeite man bereits an der Aufwertung der Verbindung zwischen Bahnhofsplatz und Bahnhofstraße. Eine Schlüsselrolle nehme dabei die Nachbesetzung der Immobilie von „Kögel Trends“ ein. Man sei im ständigen Austausch mit den Akteuren in der Bahnhofstraße und habe sich für 2024 ein ambitioniertes Programm vorgenommen. Neben den üblichen Aktionen wie etwa dem Esslinger Frühling, Esslingen funkelt oder dem Esslinger Herbst plane man eine Plakatkampagne und verfolge ein strategisches Flächenmanagement, um die Händlerinnen und Händler in der Einkaufsmeile zu unterstützen, berichtet die Citymanagerin Carina Killer. (meb)