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Claus Hintennach

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Nach Lichtenwald und Aichwald votiert auch der Gemeinderat in Baltmannsweiler gegen die Pläne der Region auf dem Schurwald.

Auf dem Schurwald soll es möglichst keine weiteren Windkraftanlagen geben. So sieht es die große Mehrheit des Gemeinderats Baltmannsweiler, der die Pläne des Verbands Region Stuttgart in seiner Sitzung Ende Januar weitgehend abgelehnt hat. Im Dezember hatte sich bereits die Nachbargemeinde Lichtenwald gegen die Ausweisung neuer Standorte für Windräder gestellt, während Aichwald den Windkraftausbau in der hochverdichteten Region Stuttgart kritisch bewertet und Plochingen Windräder an seiner nordöstlichen Gemarkungsgrenze ausdrücklich begrüßt. Auf den Fildern hat die Kommune Filderstadt dem Standort Uhlbergturm eine Absage erteilt.

Warnung vor dem Sankt-Florians-Prinzip
In Baltmannsweiler geriet die Debatte um Sinn oder Unsinn von Windkraftstandorten zu einem Schlagabtausch David gegen Goliath. Auf der einen Seite drei grüne Gemeinderäte, die sich für gezielt platzierte Windräder auch auf dem Schurwald im Dienst der Energiewende aussprachen und vor dem Sankt-Florians-Prinzip warnten. Auf der anderen Seite die Verwaltung, die Fraktionen von CDU, Freien Wählern, die SPD sowie Neue Freie Liste, Unabhängige Bürger und die Wählervereinigung Baltmannsweiler-Hohengehren, deren Beiträge von der zahlreich erschienenen Bürgerschaft überwiegend beklatscht wurden.
Die große Mehrheit des Gemeinderats folgte einem interfraktionellen Antrag, den maßgeblich die CDU-Fraktion auf Basis der Verwaltungsvorlage erarbeitet hatte, während die drei grünen Räte mit Nein stimmten. Der Antrag fordert den Regionalverband auf, die vier Standorte südwestlich von Baltmannsweiler mit der Bezeichnung ES-01 aufzugeben. Eine unerwünschte Galeriebildung zusammen mit den drei bestehenden Anlagen und weiteren potenziellen Standorten in der Nähe des Goldbodens (RM-34), Eingriffe in den Mischwald, das Landschaftsschutzgebiet, die Kollision mit der geplanten unterirdischen Süddeutschen Gasleitung sowie die Sorge vor Schattenschlag und Lärm wurden geltend gemacht. RM-34 erstreckt sich in Nord-Südrichtung zwischen Hohengehren und Thomashardt auf der westlichen und Schlichten (Rems-Murr-Kreis) auf der östlichen Seite.
Die Grünen hatten die Halbierung der ES-01-Standorte mit Rücksicht auf das Wochenendhausgebiet Buchwiesen vorgeschlagen sowie einen westlicher gelegenen neuen Standort an der Landesstraße. Sie erinnerten an finanzielle Vorteile für die Kommune mittels Pacht, Gewerbesteuer und Beteiligung.
Entschieden wurde ferner, das bereits bestehende Planungsgebiet RM-34 am Goldboden mit besagten bestehenden Windkraftanlagen, solle nicht vergrößert werden. Als Argumente wurden aufgeführt eine „industrielle Überformung der Landschaft“, die drohende „Zerstörung des Schurwalds als wichtigem Natur- und Erholungsraum für den Mittleren Neckarraum“, grenzwertige Windverhältnisse sowie der Schutz von Rotmilan, Wespenbussard und Fledermäusen. Der Regionalverband will dort weitere potenzielle Standorte für Windräder ausweisen und die Fläche auf 103 Hektar vergrößern.

Jede Anlage muss genehmigt werden
Schmid betonte, das Votum des Gemeinderats bedeute keine komplette Verhinderung von Windkraft auf dem Schurwald. Sonst hätte man sagen müssen, alle Vorranggebiete dort müssten weg. Man habe damit eine Stellungnahme abgegeben wie es in diesem Verfahren übrigens dankenswerterweise jeder Bürger und jede Bürgerin tun könne. Es gehe jetzt um Entwürfe. In den Vorranggebieten werde nicht einfach gebaut, sondern es brauche für jede geplante Anlage ein extra Genehmigung.
Auch von Göppinger Seite formiert sich Widerstand gegen neue Windräder auf dem Schurwald. Der Verein Mensch Natur hat vor wenigen Tagen beim Verband Region Stuttgart seine Stellungnahme mit der ablehnenden Haltung zu neuen Vorranggebieten bei Adelberg, Birenbach und Wäschenbeuren hinterlegt.

Beitrag zum Klimaschutz
Rechtslage:
 Der Landtag hat 2023 das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz verabschiedet. Demnach müssen 1,8 Prozent der Landesfläche bis Ende September 2025 im Regionalplan für Windkraftanlagen vorgesehen werden. Grundlage ist ein Bundesgesetz. Der Verband Region Stuttgart hat dazu eine Teilfortschreibung des Regionalplanes eingeleitet, der Entwurf wurde im Oktober 2023 beschlossen. Jetzt sollen Kommunen und die Bürgerschaft Stellungnahmen abgeben. Informationen dazu findet man unter www.region-stuttgart. org/wind. Die Festlegung von Vorranggebieten bedeutet nicht, dass dort tatsächlich automatisch Windräder gebaut werden. Dafür braucht es stets erst einen Investor. Vielmehr gilt der Umkehrschluss, denn auf allen anderen Flächen dürfen keine Windräder entstehen.

Kritik: Gegner wie die Bürgerinitiativen Pro Schurwald und Baltimore warnen vor bis zu 300 Meter hohen Windrädern. Sie lehnen Windräder in Wald- und Landschaftsschutzgebieten ab und fordern mindestens drei Kilometer Abstand zwischen den Vorranggebieten. (com/hin)

Die Stunde der Kirchenmusik in der Esslinger Stadtkirche blickt auf eine 60-jährige Geschichte zurück. Mit dem Jubiläumsprogramm zeigt Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler die musikalische Bandbreite.

Kunst und Kultur leben von der Innovation, aber auch von Kontinuität. Diese wird in der Esslinger Stadtkirche seit sechs Jahrzehnten gelebt. Hans Arnold Metzger, Kirchenmusiker in St. Dionys und erster Leiter der damaligen Esslinger Hochschule für Kirchenmusik, hatte die Stunde der Kirchenmusik im April 1964 aus der Taufe gehoben. Seit 1989 hält Uwe Schüssler die konzeptionellen Fäden der Konzertreihe in der Hand, und er hat das musikalische Profil der Reihe konsequent weiterentwickelt und stets auf der Höhe der Zeit gehalten. Zum 60-Jahr-Jubiläum will Schüssler mit einem profilierten Programm zeigen, was den Reiz dieser Konzertreihe ausmacht.

Fast immer freier Eintritt
Seit Hans Arnold Metzgers Zeiten zeichnen die jeweiligen Kantoren der Esslinger Stadtkirche für die Stunde der Kirchenmusik verantwortlich. Dem Gründer waren später die Kirchenmusiker und Hochschulprofessoren Werner Schrade und Hans Georg Bertram gefolgt, die Nähe zur Hochschule für Kirchenmusik war bis zu deren Umzug von Esslingen nach Tübingen deutlich zu spüren. Knapp 20 Konzerte stehen Jahr für Jahr auf dem Programm, die allermeisten werden bei freiem Eintritt angeboten. „Das ist uns wichtig, weil wir die Stunde der Kirchenmusik und damit auch unsere Kirche für möglichst viele Menschen öffnen wollen“, sagt Uwe Schüssler, der vor 20 Jahren für sein vielfältiges Engagement zum Kirchenmusikdirektor ernannt wurde.
Die evangelische Kirche engagiert sich finanziell, ein städtischer Zuschuss hilft, die Kosten für Solisten und technische Erfordernisse zumindest teilweise zu decken, Spenden der Konzertbesucher tun ein Übriges. Nur bei besonders kostspieligen und aufwendigen Projekten wie dem Sonderkonzert „Talkin’ about Barbara“ am 14. September in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Dieselstraße wird ein Eintrittsgeld fällig.
Stilistisch hat Uwe Schüssler das Programm der Reihe ganz bewusst geöffnet. Dazu tragen Kooperationen etwa mit dem Podium-Festival am 25. April oder dem Forum für junge Solisten am 9. November bei. Viele der Künstlerinnen, Künstler und Ensembles, die in der Stunde der Kirchenmusik zu hören sind, kommen aus der Umgebung wie der Esslinger Kammerchor ExVocal (3. Februar), der südwestdeutsche Kammerchor Tübingen, der am 2. März A-cappella-Passionsmusik aufführt, oder die Singakademie Stuttgart, die am 16. März geistliche Chormusik zur Passionszeit bietet.
Dass sich das Kirchenjahr im Programm widerspiegelt, ist ebenso Teil des Konzepts wie die liturgischen Elemente in den meisten Konzerten und die starke Präsenz der Chöre der Stadtkirche. Besonders gilt das im Jubiläumsjahr, wenn Jugendkantorei und Kantorei am 29. März zusammen mit dem Stuttgarter Ensemble Musica Viva sowie einigen Solisten Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion aufführen. Kurrende und Jugendkantorei sind am 19. Juli mit Bent Peder Holbechs Jazzmesse „Missa Rotna“ zu hören. Am 23. November führen Jugendkantorei und Kantorei zusammen mit der Sinfonia 02 Felix Mendelssohn Bartholdys Lobgesang op. 52 auf.
Mit Christian Fink wird am 11. Mai ein Esslinger Komponist in den Fokus gerückt, dessen Werk es für viele Musikliebhaber erst noch genauer zu entdecken gilt. International wird es am 15. Juni, wenn das Vokalensemble Bach speglarna zu Pfingsten schwedische, dänische und norwegische Chormusik darbietet. Und am 13. April kommt der renommierte Organist Pavel Kohout aus Prag nach Esslingen. (adi)

Mit dem letzten Bauabschnitt im Wohngebiet Flandernhöhe West setzt die Esslinger Wohnungsbau einen Schlusspunkt hinter ein Projekt, das 200 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen lässt. Zielgruppe sind Familien, Singles und Senioren mit geringem und mittlerem Einkommen.

Die Wohnraumversorgung gehört zu den größten Herausforderungen, denen sich die Stadt Esslingen in den kommenden Jahren widmen muss. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die jüngsten Rückgänge bei der Bautätigkeit vor Ort müssen zu denken geben. Da sind Erfolgsmeldungen umso willkommener: Im Gebiet Flandernhöhe West im Stadtteil Hohenkreuz hat die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) vergangene Woche Richtfest am letzten Bauabschnitt ihres Projekts gefeiert. Der Rohbau von insgesamt 33 Mietwohnungen mit einer Gesamtfläche von 2500 Quadratmetern ist damit fertig, bis Anfang des kommenden Jahres sollen die ersten Mieter dort einziehen.
Das letzte Gebäude im Bereich Flandernhöhe West, das intern „Bauteil E“ genannt wird, zählt zu einem Quartier mit insgesamt fünf Gebäuden, das die EWB im Stadtteil Hohenkreuz errichtet hat. Wenn auch die letzte Etappe geschafft ist, werden in diesem Bereich seit 2016 insgesamt 200 Miet- und Eigentumswohnungen entstanden sein. Zielgruppe sind Familien, Singles und Senioren mit geringem und mittlerem Einkommen. Ein Teil der Wohnungen ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation, der städtischen Pflegeheime und des Klinikums Esslingen vorgesehen.

Sehr kompakte Grundrisse
Bei den 33 Mietwohnungen, die jetzt im Rohbau fertiggestellt wurden, handelt es sich um Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 60 und 90 Quadratmetern. Ganz bewusst haben sich die Planer für sehr kompakte Grundrisse entschieden. Versorgt wird das Gebäude, das nach dem Effizienzhaus-Standard BEG 40 gebaut wurde, vom nahen Blockheizkraftwerk mit Heizwärme und Warmwasser. Außerdem gehört eine Tiefgarage mit 33 Stellplätzen zum Haus. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll der Straßenbereich zwischen den Neubauten und den Bestandsgebäuden saniert werden, um das Quartiersbild weiter aufzuwerten. „Es war baulich herausfordernd, das letzte Gebäude dieses Quartiers in die bestehende Blockbebauung der bereits vorhandenen Häuser einzufügen“, betonte EWB-Chef Hagen Schröter anlässlich des Richtfests.

Schwierige Rahmenbedingungen
Mit der Bebauung dieses Quartiers folgt die Esslinger Wohnungsbau GmbH dem Wohnraumversorgungskonzept der Stadt, das konkrete Vorgaben für den Anteil geförderten Wohnraums an neu geschaffener Wohnfläche macht. Dass die Stadt bei der Umsetzung dieser Richtlinie nicht die einzelnen Gebäude, sondern bewusst das gesamte Quartier im Blick hatte, habe manches erleichtert, betonte Hagen Schröter.
Der EWB-Chef erinnerte beim Richtfest am „Bauteil E“ daran, dass sich sein Unternehmen in einer Zeit, in der die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte nicht gerade die einfachsten sind, bewusst dafür entschieden habe, mit dem „Bauteil E“ einen Schlusspunkt hinter das Projekt Flandernhöhe West zu setzen. Dass es gelungen sei, mit dem Generalunternehmer Rommel einen Partner aus der Region zu gewinnen, der Kostensicherheit gewährleistet habe, sei Ergebnis einer langjährigen guten Zusammenarbeit.
Für Schröter sind Bauprojekte wie dieses wegweisend. Wo immer dies möglich sei, müssten Optionen zur Nachverdichtung und Bebauung im Innenbereich genutzt werden. Klar ist für den Chef der Esslinger Wohnungsbau GmbH: „Man darf über Wohnbau nicht nur reden – man muss etwas machen.“


Die Flandernhöhe im Wandel der Zeit
Geschichte: 
Esslingen war schon im 18. Jahrhundert Garnisonsstadt. Mit der Becelaere-Kaserne, die anfangs Burg-Kaserne hieß, entstand ab 1914 oberhalb der Burg ein neues Militärgelände, das 1935 durch die Funkerkaserne ergänzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kasernen-Areal bis in die frühen 90er-Jahre von der US Army genutzt. Die Becelaere-Kaserne war Bundeswehr-Standort, 1994 wurde diese zu Wohnzwecken umgebaut. Mit der Räumung der Funkerkaserne werden dort ab Mitte der 90er-Jahre in großem Stil Wohnungen gebaut.
Zukunft: Angrenzend an das Kasernengelände wurde Anfang der 70er-Jahre an der Flandernstraße ein Hochschul-Campus gebaut. Wenn die Hochschule ihre neuen Räume in der Weststadt bezieht, kann das Areal ebenfalls für Wohnzwecke genutzt werden. Wie die Nutzung aussehen wird, steht noch in den Sternen. Auf der Webseite der Internationalen Bauausstellung 2027 heißt es, mit dem Vorhaben „Urbane Transformation Flandernhöhe“ solle auf dem Areal „ein neues, nachhaltiges, gemischt genutztes Stadtquartier entwickelt werden“. (adi)

Das Leihradsystem wird weniger genutzt als erhofft. In Plochingen ist man unzufrieden, in Hochdorf wurde das Angebot eingestellt.

Rund 25 Leihfahrräder, mit und ohne Elektromotor, sollten in Plochingen über Regio-Rad normalerweise verfügbar sein. Das ist die Theorie, in der Praxis sind es oft deutlich weniger. Was auch damit zu tun hat, dass die Nutzer mit den Rädern in andere Orte fahren. Aber der Plochinger Gemeinderat ist insgesamt nicht zufrieden, weder mit der Nutzung noch mit der Leistung des Anbieters Regio-Rad.
„Die Performance von Regio-Rad“ werde auch beim Verband Region Stuttgart, der die Leihradstationen finanziell unterstützt, kritisch gesehen, sagte der Bürgermeister Frank Buß vor Kurzem. Fünf Regio-Rad-Stationen gibt es in Plochingen, zwei davon – in den Lettenäckern und auf dem Stumpenhof – finanziert die Stadt, wobei der Verband Region Stuttgart 50 Prozent des Defizits trägt. Eine weitere Station ist beim Sportmarkt Decathlon und wird von diesem getragen, die beiden Standorte am Bahnhof und in der Eisenbahnstraße werden vom Betreiber DB Connect selbst finanziert.

Selten in die Lettenäcker und auf den Stumpenhof
Diese beiden sind die am stärksten genutzten Standorte in Plochingen. Das geht aus der Statistik hervor, die Thomas Lehr, der Umweltbeauftragte der Stadt, dem Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt vorlegte. Sie kamen von Januar bis Oktober 2023 auf jeweils mehr als 600 Entleihungen – ein Vielfaches der Zahlen an den anderen Plochinger Stationen. Die Erklärung dafür ist einfach: Es sind vor allem die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des S-Bahn-Betriebswerks, die die rund 700 Meter vom Bahnhof zu ihrem Arbeitsplatz mit den Leihrädern zurücklegen. Deutlich seltener fährt jemand in die Lettenäcker, auf den Stumpenhof oder zu Decathlon; daran ändert auch die Möglichkeit, ein Pedelec zu nehmen, nichts. Ebenso halten sich die interkommunalen Fahrten in Grenzen, hier liegt Wernau als Ziel mit Abstand vorne, gefolgt von Esslingen – alles andere sind eher Einzelfälle.
Thomas Lehr sah zwar in den Zahlen einen Aufwärtstrend, überzeugend fanden den die Ausschussmitglieder aber nicht. Man sehe „ein bisschen Licht, aber ziemlich viel Schatten“, meinte etwa Ralf Schmidgall (CDU). Das System funktioniere auf der Ebene, aber nicht bei Steigungen, was er auch auf die Qualität der Räder zurückführte: „Auf dem Sattel will niemand den Berg hochfahren.“ Auch Dagmar Bluthardt (SPD) fand die Zahlen eher enttäuschend: „Ohne Förderung können wir es komplett vergessen.“ Von Nutzern kann man hören, dass geliehene Räder teilweise defekt seien.

Personalmangel und Vandalismus
Den holprigen Start erklärte Thomas Lehr auch mit Auswirkungen von Corona und einem allgemeinen Personalmangel beim Anbieter DB Connect. Das habe dazu geführt, dass die Räder weder ausreichend gewartet noch schnell genug neu verteilt wurden. Der Umweltbeauftragte sprach auch Vandalismus an, sei es in Form von Beschädigungen, sei es durch wildes Abstellen oder gar Wegwerfen der Leihräder. DB Connect hat der Stadt wegen der Ausfälle im Jahr 2022 einen beachtlichen Teil ihrer Kosten zurückerstattet. Thomas Lehr würde angesichts der leichten Aufwärtstendenz und fehlender Alternativen Regio-Rad noch eine Chance geben – die Ausschussmitglieder nahmen den Bericht zur Kenntnis, wollen aber auch Optionen wie die Verlegung von Standorten prüfen. Die vorzeitige Vertragskündigung schlossen sie nicht endgültig aus. Sie wäre spätestens im März auf Ende Oktober möglich. Ansonsten verlängert sich der Vertrag und würde erst 2026 neu ausgeschrieben.
Bereits gekündigt hat zum Beispiel die Gemeinde Hochdorf. Dort waren seit 2021 an zwei Stationen, in der Ortsmitte und im Gewerbegebiet beim Supermarkt, Regio-Räder stationiert. Nachdem die acht Pedelecs und zwei Fahrräder im ersten Jahr insgesamt nur 22 Mal ausgeliehen wurden, verabschiedete sich die Gemeinde wieder von den Leihrädern.
Als Hintergrund werden in Hochdorf ähnliche Gründe genannt wie die, die auch in Plochingen festgestellt wurden: Immer wieder seien wegen Vandalismus und wegen der Personalnot beim Anbieter wenig Räder verfügbar gewesen. Ein weiterer Grund sei, dass die direkt benachbarten Gemeinden überwiegend nicht an das System angeschlossen seien und damit die entsprechenden „Anknüpfungspunkte“ fehlten.
Die Stadt Esslingen, die am Bahnhof und am Krankenhaus jeweils einen Standort hat, hält sich mit Aussagen zur Nutzung von Regio-Rad zurück. Nutzungsdaten und Erfahrungswerte solle man direkt beim Anbieter erfragen, schreibt die Pressestelle. Zu einer möglichen Verlängerung des Vertrags, der ebenfalls bis Ende Oktober 2026 läuft, könne man derzeit noch keine Auskunft geben. (aia)

Am 21. Januar starten die Vesperkirchen in Esslingen und Nürtingen, eine Woche später folgt Kirchheim. Die Organisatoren halten trotz hoher Kosten am symbolischen Preis von 1,50 Euro pro Mahlzeit fest. Sie stellen sich auf täglich mehrere hundert Gäste ein.

Weltweit werden Reiche immer reicher und die Armen immer ärmer. Das besagt eine aktuelle Studie der internationalen Entwicklungsorganisation Oxfam. „Das Ergebnis lässt sich nicht eins zu eins auf Esslingen übertragen, aber wir stellen fest: Auch bei uns gibt es viele Menschen, denen es wirtschaftlich schlecht geht“, sagt Bernd Weißenborn, der Dekan des evangelischen Kirchenbezirkes Esslingen. „Mit unserer Vesperkirche trotzen wir Armut, Ausgrenzung und sozialer Kälte.“
Vom Sonntag, 21. Januar, bis Sonntag, 4. Februar, jeweils zwischen 11.30 und 14.30 Uhr, heißt es im Neuen Blarer wieder „Gemeinsam an einem Tisch“. Neben einer reichhaltigen warmen Mahlzeit gibt es im Gemeindehaus am Blarerplatz Kaffee und Kuchen, der von Privatpersonen gebacken und gespendet wird. „Hier ist jeder und jede willkommen“, freut sich der Projektleiter der Esslinger Vesperkirche, Bernd Schwemm, auf zahlreiche Gäste – junge und alte, arme und wohlhabende, einsame und gesellige Menschen gleichermaßen. „Sie können bei Tischgesprächen Gemeinschaft erleben.“
Schwemm rechnet mit bis zu 200 Besuchern täglich, so viele Menüs – Suppe, Salat, Hauptspeise und Dessert – wird die Küche des Geriatrischen Zentrums Kennenburg ins Blarer liefern. Die Gästezahl sei aber kaum planbar, räumt Schwemm ein. Zum einen gebe es noch Ängste aus der Corona-Zeit. Zum anderen steige die Zahl der Bedürftigen. Schwemm verrät seinen „Plan B“: „Sollten wir überrannt werden und das Essen nicht ausreichen, dann bieten wir kurzerhand Maultaschen in der Brühe an.“

In der Frauenkirche nicht mehr zu stemmen
Zum zweiten Mal in ihrer 15-jährigen Geschichte öffnet die Esslinger Vesperkirche im Neuen Blarer. In der Frauenkirche, die ihr vor Corona zehn Jahre lang als Veranstaltungsort diente, sei die Atmosphäre zwar schöner gewesen, „aber wir können die Vesperkirche dort nicht mehr stemmen“, sagt Schwemm. Der personelle, logistische und finanzielle Aufwand sei einfach zu hoch. Selbst das „kleine Konzept“ mit einem Team von 300 Helfern schlage mit rund 45 000 Euro zu Buche. Dass die Kosten mit dem symbolischen Preis von 1,50 Euro pro Mahlzeit nicht annähernd gedeckt werden können, ist kein Geheimnis. „Das Essen müsste realistischerweise mindestens sieben Euro kosten“, erläutert Schwemm und fügt hinzu: „Wer mehr zahlen kann, darf gerne mehr bezahlen. Aber es gibt Menschen, für die sind selbst 1,50 Euro viel Geld.“ Die Initiatoren seien daher „dringend auf Spenden angewiesen“, bittet Dekan Weißenborn um Unterstützung.
Dass die Spendenbereitschaft sinkt, kann Evi Handke, die Leiterin der Vesperkirche Nürtingen, nicht feststellen: „Sie ist nach wie vor gut.“ Ohne freiwillige Zuwendungen aber geht es nicht. Auch die Organisatoren der Nürtinger Vesperkirche, die vom 21. Januar bis zum 11. Februar in der Lutherkirche öffnet, müssen mit spitzem Bleistift rechnen. Im vergangenen Jahr haben wir zwischen 400 und 700 Essensportionen in der Kirche serviert oder zum Mitnehmen verkauft“, berichtet die Diakonin. Damit war das Limit erreicht. In diesem Jahr entfällt das Angebot „to go“. Dafür wird die Essenszeit um eine halbe Stunde verlängert. Handke rechnet damit, dass pro Tag 250 bis 400 Portionen ausgegeben werden. „Die Metzger, die uns versorgen, erstellen einen bunten Speiseplan.“ Auch hier gilt: Spenden sind willkommen. Während der dreiwöchigen Aktion seien täglich rund 40 bis 45 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.
Ein paar Tage später, am Sonntag, 28. Januar, öffnet dann die dritte Vesperkirche im Landkreis Esslingen. Bis zum 11. Februar sind die Türen der Thomaskirche in Kirchheim täglich zwischen 11.30 und 14 Uhr für Besucher geöffnet, ein Team von 200 Freiwilligen sorgt für ein gelingendes Miteinander. „Der Gottesdienstraum wird zu einem warmen und gastlichen Ort, an dem sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihres Einkommens beim Mittagessen begegnen können“, sagt Diakon und Organisator Uli Häußermann. Auch in Kirchheim hält man am Obolus von 1,50 Euro pro Mahlzeit fest.

Die Vesperkirche
Die Esslinger Vesperkirche im Neuen Blarer am Blarerplatz wird am Sonntag, 21. Januar, um 12 Uhr durch Dekan Bernd Weißenborn und Projektleiter Bernd Schwemm eröffnet, zum Abschluss am 4. Februar ist ebenfalls ein spezielles Ritual geplant. Am Donnerstag, 25. Januar, ist Künstler Helge Thun ab 19.30 Uhr zu Gast im Gemeindehaus. Bereits ab 18 Uhr besteht Gelegenheit zu Diskussionen rund um das Projekt „Ansprechbar für Demokratie“ des Kreisdiakonieverbands. (eh)

In Plochingen wurden in den vergangenen Jahren mehr als 300 Wohnungen gebaut. Aber nach wie vor fehlt es in der Stadt an Wohnraum, vor allem der „preisgedämpften“ Art.

Hermannstraße, Brühlareal, Moltkebehälter oder Punkthaus im Bruckenwasen: Das sind Beispiele für Wohnbauprojekte, die bereits umgesetzt sind oder gerade umgesetzt werden. „Die Ziele, die wir uns vorgenommen haben – vor allem im Inneren zu wachsen – sind schon sehr gut erfüllt“, stellte Wolfgang Kissling, der Leiter des Verbandsbauamtes, vor Kurzem in der Sitzung des Bauausschusses fest. Auch die Fraktionen sahen die Stadt auf einem guten Weg bei der Schaffung von neuem Wohnraum. Nicht so Einzelstadtrat Klaus Hink, der unter anderem die Neubauten am Mittleren Haldenweg ansprach. Sie seien „am Markt vorbeientwickelt“ worden, das sehe man daran, dass sie nach wie vor für teures Geld zum Verkauf oder zur Miete ausgeschrieben seien. Das Immobilienunternehmen Pflugfelder, das sie gebaut hat, spricht dagegen von einer bedarfsgerechten Planung: Man habe vier Einfamilienhäuser und zehn Doppelhaushälften gebaut und sechs dieser Wohneinheiten verkauft. Die anderen habe man, auch als Reaktion auf den veränderten Markt und die verunsicherten Kunden, in den eigenen Bestand aufgenommen. Sie seien zum größten Teil bereits vermietet.
Dringend notwendig ist aber aus Sicht der Fraktionen wie auch der Stadtverwaltung weiterer Wohnraum im „preisgedämpften Bereich“, also im Geschosswohnungsbau. Deshalb soll jetzt der Masterplan Wohnen weiterentwickelt werden, wobei die Stadt nur noch wenige Flächen selbst zur Verfügung hat: verbleibende Baulücken im Innenbereich seien „fast ausschließlich in privater Hand“, so Kissling.

Hallenbad im Gebiet Schafhausäcker?
Relativ kurzfristig aktivieren könne man die Flächen Bühl Süd und Bühl Nord am östlichen Ortsrand auf dem Stumpenhof. Für den nördlichen Teil hält die Stadt den Bau von „Hoffnungshäusern“ für sinnvoll, die sich sowohl für die Unterbringung von Geflüchteten als auch als allgemeiner, günstiger Wohnraum eignen. Verfügbar ist außerdem eine Fläche an der Hohenzollernstraße, die der Stadt gehört – auch sie ein weiterer möglicher Standort für die Flüchtlingsunterbringung.
Andere Bereiche, die für die Wohnbebauung im Blick waren, müssen zurückgestellt oder auch ganz abgehakt werden. Dazu gehört das Gebiet Schafhausäcker I, in dem neuen Plänen zufolge ein Hallenbad entstehen könnte. Zwar sieht die CDU dennoch Potenzial für eine weitere Bebauung, Wolfgang Kissling hinterfragte das aber – die Bodenverhältnisse, die Hanglage, ein Abwasserkanal und ein Regenüberlaufbecken im Untergrund sprächen dagegen. Große Hoffnungen hatte der Gemeinderat ins weitaus größere Gebiet Schafhausäcker II, rund ums Bildungszentrum Garp, gesetzt. Das ist jedoch fraglich geworden, nachdem kürzlich der Schutz von Streuobstwiesen verschärft worden sei. Diese seien jetzt „sakrosankt“, meinte Kissling, es werde „extrem schwierig“, diese gut fünf Hektar große Fläche zu entwickeln.
Für andere Stellen wie die Gärten bei den Eisenbahnerhäusern in der Ulmer Straße oder Garagenflächen auf dem Stumpenhof muss aus Sicht der Stadtverwaltung zunächst ein Konzept erstellt werden. Das gilt auch für das Kronenareal in der Kurve Neckar-/Schorndorfer Straße, das Joachim Hahn (SPD) als wichtiges Projekt ansprach. „Auch ich sehe dort das nächste Sanierungsgebiet der Stadt“, meinte Bürgermeister Frank Buß. Allerdings sei man aktuell ja schon mit dem Gebiet Fils-West beschäftigt; zwei Sanierungsgebiete parallel könne die Stadt erfahrungsgemäß kaum stemmen. Lorenz Moser (OGL) regte an, im Innenstadtbereich die Aufstockung von Häusern zu erleichtern und sprach im Zusammenhang mit privaten Grundstücken die Frage nach einem Baugebot, ähnlich wie in Tübingen, an. Das halte er eher für einen „zahnlosen Tiger“, meinte Kissling – es sei sehr schwierig umzusetzen, weil man dem Eigentümer nachweisen müsse, dass die Bebauung für ihn zumutbar ist. (aia)

Bald schließen zwei große Player im Esslinger Einzelhandel ihre Tore. Wie realistisch ist es, für die Flächen Nachfolger zu finden?

Ein wenig trostlos stellt sich die Lage für die Stammkunden von Kögel und Karstadt in Esslingen derzeit wohl dar: In den Schaufenstern und von den Decken hängen grellbunte Schilder mit Rabatten und Sprüchen wie „Alles muss raus“, während die Regale und Kleiderstangen darunter teilweise leer geräumt und die Puppen in den Schaufenstern nackt sind. Karstadt will nun nicht Ende des Monats, sondern schon am 17. Januar zum letzten Mal öffnen, weil laut Geschäftsleitung der Filiale die Bestände zur Neige gingen. Alexander Kögel plant derzeit, am Abend des 27. Januars endgültig die Pforten zu schließen.
Angesichts der Schließung dieser zwei großen Player stimmten Pessimisten in den vergangenen Monaten bereits den Abgesang auf den Esslinger Einzelhandel an. Doch von der Stadt und von Kögel kommen in diesen Tagen positive Signale. Der Modehauschef ist guter Dinge, dass schon im Frühjahr auf einem Teil seiner Flächen Nachmieter neu eröffnen. Laut der Citymanagerin Carina Killer ist der Leerstand in Esslingen nicht so dramatisch, wie es manchmal erscheinen mag. Waren es 2019 – vor der Pandemie – zehn bis 14 Prozent, so seien es im vergangenen Jahr zehn bis 13 Prozent der Ladenflächen gewesen. Um Leerstand zu vermeiden und zu verringern, suche das Citymanagement früh Kontakt zu den Immobilieneigentümern. Insbesondere bei Flächen bis 80 Quadratmetern sei es oft gelungen, schnell Nachfolger zu finden. „Wir haben Glück in Esslingen. Es haben einige interessante Geschäfte neu eröffnet“, sagt Killer.
Das spiegelt eine allgemeine Entwicklung wider: Der Bedarf an kleineren Flächen sei größer, sagt Killer weiter. In der Kategorie Kögel oder Galeria mit 3000 bis 5000 Quadratmetern werde es mutmaßlich schwieriger, alles eins zu eins mit Einzelhandel nachzubesetzen. Es gebe nur wenige Unternehmen, die Flächen dieser Größe bespielten und expandierten. „Wir sind bemüht, dass wir die Flächen zumindest zum Teil mit Einzelhandel und Textil nachbesetzen“, sagt die Citymanagerin.

Einzug der Bücherei steht zur Debatte
Alexander Kögel selbst ist guter Dinge, für seine Immobilien Nachnutzer zu finden. „Ich bin relativ weit mit den Nachvermietungsgesprächen, obwohl die Branche ein halbes Jahr vorher Waren einkauft.“ In das Geschäft in der Bahnhofstraße, in dem Mode für eine jüngere Zielgruppe verkauft wurde, könnte bereits im Frühjahr ein Nachfolger einziehen. Beim Modehaus am Postmichelbrunnen werde es schwieriger. Er sei nicht optimistisch, dass es noch 2024 eine Neueröffnung geben werde. Unter anderem steht ein Einzug der Bücherei zur Debatte. In diesem Jahr will die Verwaltung das Thema in den Gemeinderat einbringen.
Derweil geht der Rechtsstreit in der Karstadt-Mietsache zwischen dem Warenhauskonzern und dem Immobilieneigner BPI weiter, obwohl klar ist, dass die Filiale geschlossen werden soll. Am 1. März ist ein Termin am Landgericht Stuttgart angesetzt. Wie die Flächen weitergenutzt werden, liegt bei BPI. Die Stadt hatte einen Einzug der Volkshochschule ins Spiel gebracht.
Und wie steht es um den Einzelhandel an sich in Esslingen? Das Weihnachtsgeschäft sei spät angelaufen. Infolge des Konjunkturabschwungs und der Inflation sei eine Kaufzurückhaltung zu verzeichnen, sagt Killer. Für die Zukunft erwarte sie, dass in Bereichen, in denen der Onlinehandel bereits stark vertreten ist, eine weitere Konsolidierung einsetzen werde. Doch der stationäre Einzelhandel werde fortbestehen. Die Citymanagerin sieht Modelle wie Genossenschaften oder Mixed-Use-Flächen im Kommen, bei denen Handel und Gastronomie oder Dienstleistung in einem Geschäft zusammengehen. Auch Alexander Kögel sieht eine Zukunft für seine Mitbewerber: „Ich glaube an den stationären Einzelhandel, nur nicht an unsere Betriebsgröße.“ Das Geschäft in seinen Modeläden war seiner Aussage nach in den vergangenen Monaten gut. „Seit die Nachricht raus ist Ende Juni, erfahren wir viel Unterstützung.“
Und was macht er selbst nach der Schließung? Er sei noch nicht dazu gekommen, sich etwas zu überlegen. Er wisse nur, dass er arbeiten wolle und müsse, so der 52-Jährige. Und er wolle in Esslingen bleiben und zumindest ein paar Ehrenämter behalten, etwa das Amt als Stadtrat. „Ich will mich zur Kommunalwahl wieder aufstellen lassen.“ (gg)

Hochkarätige Stars und Musiker aus der Region: Der Jazzclub Köngen präsentiert fürs erste Halbjahr ein ambitioniertes Programm.

Seit mehr als 20 Jahren – seit 2002 – bietet der Jazzclub Köngen internationalen Stars sowie Musikern der regionalen Jazzszene ein stimmungsvolles Forum in der ehemaligen Hauskapelle des im 14. Jahrhundert gegründeten Köngener Schlosses. Nach der Zwangspause wegen der Coronapandemie herrscht mittlerweile wieder Business as usual in dem rustikalen Ambiente des alten Gemäuers: „Wie fahren wieder unser ganz normales Programm“, bekräftigt der Vereinschef Johannes C. Laxander, der den Jazzclub seit 2018 führt. Und das mit Erfolg – die Konzerte sind fast immer ausverkauft, die meisten Karten gehen dabei bereits im Vorfeld online über den Tisch. „Wir haben über 700 Newsletter-Empfänger“, sagt Laxander – die sitzen in der gesamten Region und kommen immer wieder gerne nach Köngen.
Zudem sei die alte Schlosskapelle ein ganz besonderer Ort, der sich deutlich von anderen Locations abhebe, betont der Vereinschef. Ein großer Pluspunkt sei aber auch das ausgewogene Programm, in dem eigentlich für alle etwas dabei sei. Auch das Programm fürs erste Halbjahr 2024, für das wie gewohnt mit Albrecht Nissler der ehemalige Musikpädagoge des Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasiums verantwortlich zeichnet, besticht durch seine Vielseitigkeit: Sowohl Künstler aus der Region als auch internationale Stars aus Europa und Übersee haben sich angesagt. Der Vorverkauf hat im Dezember begonnen.
Los geht es am Freitag, 26. Januar, mit der französisch-deutschen Formation „HS French Connection“, die für Jazz mit Drive in höchster Perfektion steht. Im Gepäck hat die Connection ihre neue CD „Welcome to Studio5“. Für Freitag, 23. Februar, hat sich die „Old Fashion Jazzband“ angesagt – die Gruppe aus Überzeugungstätern besteht seit 1981 und widmet sich der Pflege des traditionellen Jazz. Gegründet wurde sie von dem Pianisten Rheinhold Reichle mit Musikern aus dem Großraum Stuttgart, wobei sich im Laufe der Jahre die Besetzung immer wieder verändert und damit verjüngt hat, sodass heute nur noch ein Gründungsmitglied dabei ist. Aber noch immer wird eine swingende Musik gemacht, die in die Beine geht.
Deutschsprachige Lieder gewürzt mit reichlich Jazz, Pop und Poesie stehen am Freitag, 22. März, mit „Gretchens Pudel“ auf dem Programm. Mit ihrem zweiten Album „Kein schöner Land“ entstauben die Musiker deutsche Volkslieder, verwandeln sie durch eingängige Arrangements in Jazzstücke, schreiben bekannte Texte um, spitzen zu, verleihen neuen Sinn und nähren so die Lust am Wiederentdecken. „Auf ‚Gretchens Pudel’ bin ich besonders gespannt“, verrät Laxander. „Das ist schon Jazz außerhalb der Norm.“ Aber auch die Stuttgarter Saxofonistin und Sängerin Ruth Sabadino, die zusammen mit Werner Acker am 26. April in Köngen gastiert, hat bei Laxander und Co. einen Stein im Brett: „Das ist einfach Lokalkolorit pur.“
Mit dem Virginia MacDonald Quintett ist am 31. Mai dann internationale Spitzenklasse in der Köngener Schlosskapelle angesagt: Die junge kanadische Klarinettistin gilt als Shooting Star des nordamerikanischen Jazz. Unterwegs ist sie mit einer Allstar-Auswahl aus den USA, Kanada, Italien und Österreich. Den Abschluss macht am Freitag, 28. Juni, mit der „Allotria Jazz Band“ aus München eine deutsche Formation mit ebenfalls internationalem Renommee. (kd)

Info: Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr. Das ausführliche Halbjahresprogramm ist auf der Homepage des Jazzclubs Schloss Köngen zu finden – dort werden auch Karten für die Konzerte verkauft: www.jazz-club-schlosskoengen.de

Esslingen bleibt Mitglied der „Seebrücke“. Der Gemeinderat ist jedoch uneins: wichtiges Zeichen oder reine Symbolpolitik?

Der Streit um die Mitgliedschaft in der „Seebrücke“ ist entschieden – die Kontroverse bleibt. 2020 hatte sich Esslingen zum „sicheren Hafen für Geflüchtete“ erklärt und beschlossen, der Initiative beizutreten, um Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen. Der Beschluss war umstritten – zuletzt hatte die CDU-Ratsfraktion das Thema erneut in den Fokus gerückt, weil sie ihre Einschätzung bestätigt sah, dass die Mitgliedschaft „reine Symbolpolitik“ sei und den Betroffenen nicht wirklich helfe. Nachdem bereits der Sozialausschuss kontrovers diskutiert hatte, kam es im Gemeinderat kürzlich erneut zum Schlagabtausch. Am Ende gab es eine klare Mehrheit für die Mitgliedschaft.
Im Sozialausschuss hatte die Verwaltung erklärt, eine Anfrage des Ministeriums an die Stadt zur außerordentlichen Aufnahme von Geflüchteten habe es bis jetzt nicht gegeben. Dagegen bestätigt ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage ein per Mail an das Rathaus versandtes Schreiben vom 23. Dezember 2021 sowie einen per Post verschickten Brief vom 16. Oktober 2023. „Eine Rückmeldung von der Stadt Esslingen hat das Ministerium der Justiz und für Migration bisher nicht erhalten“, erklärt der Sprecher. Hausers Kommentar: „Das zeigt, wie aus Symbolik Realität werden kann.“

„Weltoffene Stadt, der Humanität verpflichtet“
Oberbürgermeister Matthias Klopfer sagte zu, den Verbleib der beiden Schreiben zu prüfen und fand: „Eine Sammelmail des Ministeriums findet vielleicht nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie ein Brief.“ Esslingen tue viel für Geflüchtete. Der OB verwies unter anderem auf die 550 Flüchtlinge, die der Landkreis in der Pliensauvorstadt unterbringen will. Den schwarzen Peter reichte er an das Land weiter, das die Anerkennungsverfahren beschleunigen müsse. Den Vorschlag der CDU, statt einer Mitgliedschaft in der „Seebrücke“ das Projekt „Kommunales Know-how für Nahost“ zu unterstützen, konterte der OB mit dem Hinweis auf die Esslinger Hilfe für die ukrainische Stadt Kamianets-Podilskyi. Klopfers Appell: „Mir ist es wichtig, dass wir eine weltoffene Stadt bleiben, die der Humanität verpflichtet ist.“
Ursula Strauß (Grüne) wies die Kritik an der Mitgliedschaft in der „Seebrücke“ zurück, die man beschlossen habe im Wissen, nicht alle Forderungen erfüllen zu können. Nicolas Fink (SPD) appellierte, die große Aufgabe der Flüchtlingsun­terbringung gemeinsam zu lösen und dabei Humanität und Ordnung im Blick zu behalten. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) weiß, dass die Flüchtlingsunterbringung in der Öffentlichkeit für Unruhe sorgt. Mit dem Vorstoß der CDU lasse sich das Problem nicht lösen: „Ich weiß nicht, was man sich davon erhofft.“ Sven Kobbelt (FDP) kann der Mitgliedschaft in der „Seebrücke“ wenig abgewinnen, will aber auch den CDU-Antrag nicht überbewerten. Tobias Hardt (Linke) warnte, „Menschen auf der Flucht zu Buhmännern zu machen“. Und Dilek Toy (FÜR) forderte wie Hardt, die Fluchtursachen konsequent zu bekämpfen. Am Ende wurde der Verbleib in der „Seebrücke“ bei sechs Gegenstimmen beschlossen. (adi)

Karl-Heinz Tewes und Thomas Seemann sind Zollbeamte aus zwei Generationen. Ihre Aufgaben am Stuttgarter Flughafen sind vielfältig. In Globalisierungszeiten sind Markenpiraterie und gefälschte Medikamente bei den Kontrollen an der Tagesordnung.

Zigaretten, Aschenbecher aus Alligatorenköpfen und gefälschte Markenturnschuhe: Verbotene Schmugglerware gehört zum Alltag der Zollbeamten am Stuttgarter Flughafen. Der 66-jährige Karl-Heinz Tewes hat in seiner fast 50-jährigen Berufslaufbahn vieles erlebt. „In den vergangenen Jahren wurden sogenannte Bodypacker verstärkt zum Problem“, sagt sein 46-jähriger Kollege Thomas Seemann. Das sind Schmuggler, die Drogen im eigenen Körper transportieren.
Wie lassen sich solche Straftäter aufspüren? „Man entwickelt ein Gespür dafür, wer sich verdächtig verhält“, sagt Tewes. Da brauche man Feingefühl. Er hat vor Jahren einen jungen Mann aus Südamerika abgefertigt, der vorgab, ein Priester zu sein. „Vier oder fünf gezielte Nachfragen“, erinnert sich Tewes, „da war mir klar, dass das kein Theologe sein kann.“ Als der Mann ins Krankenhaus gebracht wurde, stellte sich heraus, dass er tatsächlich Schmuggelware im Körper hatte. Die Zollbeamten bleiben in solchen Fällen dabei, bis die meist in Plastik verpackten Drogen auf natürlichem Wege ausgeschieden werden. „Auch das gehört zu unserer Arbeit“, sagt Seemann. „Solche Einsätze sind hart.“

Nicht provozieren lassen, ruhig ermitteln
Der Zollbeamte Thomas Seemann hat den vielseitigen Beruf unter anderem bei Karl-Heinz Tewes gelernt. In der Lehrzeit sei es dem erfahrenen Beamten zunächst gelungen, ihn aus der Fassung zu bringen. Das habe sich später geändert. „Sich nicht provozieren lassen, ruhig und sachlich ermitteln“, das hat Seemann von älteren Kollegen wie Tewes gelernt. Denn gerade bei den Zollkontrollen versuchten viele Straftäter, die Beamten abzulenken oder mit aggressivem Verhalten aus der Reserve zu locken. „Und Schmuggler sind erfinderisch“, sagt Seemann.
Wie hat sich die Arbeit beim Zoll in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt? „Die Aufgaben sind vielschichtiger geworden“, meint der Senior Tewes, der kürzlich seinen Ruhestand angetreten hat. In den 1970er-Jahren hat er seine Ausbildung an der Zollschule gemacht, war dann zunächst an der deutsch-niederländischen Grenze eingesetzt. „Man erinnert sich heute kaum noch daran, dass es diese Barrieren innerhalb Europas gab.“ Durch die offenen Grenzen in Europa aber sind die Netzwerke der Schmuggler aus seiner Sicht globaler geworden. Gerade an Flughäfen liefen da Fäden zusammen.
In der Asservatenkammer des Stuttgarter Zollamts am Flughafen gegenüber dem Skyland zeigen Tewes und Seemann, der heute der Pressesprecher des Zollamts ist, Besuchergruppen und Fluggästen regelmäßig, was sie bei ihren Kontrollen sichergestellt haben. Der Schauraum wird für Gruppen und Führungen geöffnet. Der Lederkoffer mit Köpfen getöteter Alligatoren erschreckt nicht nur Kinder. „Das sind klare Verstöße gegen das Artenschutzgesetz“, sagt Thomas Seemann. Auf der ganzen Welt sterben nach seinen Worten Tier- oder Pflanzenarten aus. „Unsere Aufgabe ist es, diese zu schützen.“ Die meisten Verstöße gegen die Artenschutzbestimmungen werden nach seinen Worten von Urlauberinnen und Urlaubern begangen. „Da ist auch Unwissenheit im Spiel.“ Korallenschmuck, Papageienfedern oder Gürtel aus Schlangenleder bringen Reisende aus exotischen Ländern mit, ohne zu wissen, dass sie sich dabei strafbar machen. Deshalb setzt der Zoll gerade in diesem Bereich bundesweit auf Prävention.
Wer gefälschte Medikamente im Ausland kauft und einführt, macht sich nicht nur strafbar. „Oft sind diese Medikamente völlig wirkungslos und gefährden so die Gesundheit“, sagt Karl-Heinz Tewes. Wer wiederum gefälschte Markenschuhe im Ausland kauft, mache sich zwar nicht strafbar: „Aber meist sind diese Produkte von schlechterer Qualität.“ Dem Zollbeamten ist es ein Anliegen, die Reisenden über diese Risiken aufzuklären.

Es geht um viel Geld
Um Straftaten aufzuklären, arbeiten die Zollbeamten am Flughafen eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Das gründliche Ermitteln ist es, was die Männer aus zwei Generationen am Beruf reizt. „Da geht es um sehr viel Geld“, sagt Thomas Seemann. Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 1756 Steuerstrafverfahren gegen Reisende eingeleitet. Dabei wurde ein Steuerschaden von rund zwei Millionen Euro verhindert. Auch die Kontrolle von Schwarzarbeit, etwa auf Baustellen, gehört zum Aufgabenbereich.
Was gibt Karl-Heinz Tewes seinen jungen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg? „Eine gute Menschenkenntnis zu entwickeln, das ist wichtig“, sagt er. (eli)