Esslingen

Pläne für Marktplatz der Möglichkeiten

Bis zum Stadtjubiläum 2027 möchte Esslingen den zentralen Ort im Herzen der Altstadt neu gestalten. Erste Pläne liegen inzwischen vor, Gemeinderat und Verwaltung drücken nun aufs Tempo. Parkplätze sollen das malerische Bild in Zukunft nicht mehr trüben.

Die Häuserkulisse stimmt, gestalterisch ist aber noch viel Luft nach oben: Seit Jahrzehnten wird in Esslingen über eine Aufwertung des Marktplatzes gesprochen – der entscheidende Schritt ist bislang nie gelungen. Nun wollen Gemeinderat und Stadtverwaltung keine weitere Zeit verlieren – die jüngsten Überlegungen wurden im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) des Gemeinderats vorgestellt. Bis zur 1250-Jahr-Feier der Stadt soll möglichst alles fertig sein. Ziel ist eine attraktive Mitte, die vielfältige Möglichkeiten für eine lebendige Stadt bietet. Parkende Autos sollen das Bild nicht länger stören, mehr Bäume, mehr Wasser und gezielte Beleuchtungseffekte sollen optische Akzente setzen.
OB Matthias Klopfer will die Neugestaltung des Marktplatzes rasch voranbringen: „Der Platz hat es verdient.“ Baubürgermeister Hans-Georg Sigel verwies auf die einzigartige Bedeutung für die Stadt und ihr Stadtbild, der der Marktplatz bislang aber nicht gerecht werde. Dass man auch im Gemeinderat dringenden Handlungsbedarf sieht, hatten Grüne, SPD und Freie Wähler mit Haushaltsanträgen unterstrichen. Bis zum Stadtjubiläum 2027 fertig zu sein, empfindet Sigel als „sehr sportliches Ziel“, das nur bei „stringenter Projektdurchführung“ zu erreichen sei. Der Platz soll auch künftig vielfältigen Anforderungen gerecht werden – als Wochenmarkt-Standort, Veranstaltungs- und Gastrofläche und als attraktiver öffentlicher Ort. Zudem gelte es, Aspekte des Denkmal- und des Klimaschutzes im Blick zu behalten. Die 3,2 Millionen Euro, die dafür im Haushalt eingeplant sind, werden für all das kaum ausreichen – die Stadt hofft auf Fördergelder.

Ämterübergreifende Arbeitsgruppe
Um das Projekt voranzubringen, hat die Verwaltung eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet. Projektleiterin Yvonne Bast-Schöning vom Stadtplanungsamt verwies darauf, dass der Marktplatz nicht nur isoliert gesehen werden darf, sondern dass auch die umliegenden Bereiche berücksichtigt werden müssen.
Dass sich ansprechende Gestaltung und Funktionalität in Einklang bringen lassen, machte Michael Höger mit ersten Skizzen deutlich. Der frühere Leiter der Abteilung Planung, Bau und Sanierung im Grünflächenamt hatte sich im Auftrag der Stadt konzeptionelle Gedanken gemacht. Auch für ihn ist klar: „Der Marktplatz muss autofrei sein, wenn wir eine neue Qualität entwickeln wollen.“ Der Platz müsse Teil eines Ganzen sein, das sich wie ein Puzzle zusammenfügt.
Angesichts der „unglaublichen historischen Kulisse“ gelte es, getreu dem Motto „weniger ist mehr“, nur ganz gezielt einzelne gestalterische Akzente zu setzen. Mehr Aufenthaltsqualität und Sitzmöglichkeiten regt Höger an, mehr Grün und Schatten durch einige zusätzliche Bäume, ein zurückhaltend gestaltetes Wasserfontänenfeld, das außerhalb von Märkten und Veranstaltungen klimafreundlich wirkt. Anstelle der in die Jahre gekommenen Asphaltdecke empfiehlt Höger barrierefreies Großpflaster. Eine Illumination der beiden Kirchen und der Rathäuser könnte ebenso Attraktivität schaffen wie Lichteffekte, die an das ehemalige Katharinenhospital erinnern, das einst an dieser Stelle stand. Der angrenzende Hof der Waisenhofschule soll als Spiel- und Rückzugsraum für Kinder und Jugendliche in das Gesamtkonzept integriert werden.
Im ATU fanden die Überlegungen der Verwaltung viel Beifall. Carmen Tittel (Grüne) befand: „Wenn das so kommt, hat die Stadt unglaublich gewonnen.“ Sie begrüßte vor allem die Überlegungen für eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Gestaltung der Abt-Fulrad-Straße. Zustimmung gab’s auch von Andreas Koch (SPD), dem an einer Beteiligung der direkt Betroffenen gelegen ist. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) bescheinigte den Planern, sie hätten „an alles gedacht“. Angesichts wegfallender Parkplätze brachte er wieder ein Parkhaus im Burgberg ins Gespräch. Jörn Lingnau (FDP) sah „sehr schöne Ideen“. Besonders wichtig sei ihm ein Sicherheitskonzept – Sigel sagte zu, dass daran von Anfang an gedacht werde. „Großes Lob“ gab’s von Karin Pflüger (CDU). Johanna Renz (Linke) gefallen die Vorschläge für ein Fontänenfeld und für Lichteffekte.

So soll es beim Marktplatz weitergehen
Konzept: Von der Neugestaltung des Marktplatzes und der angrenzenden Bereiche verspricht sich die Stadt einiges: Entstehen soll „eine neue Mitte, eine Bühne als ‚Möglichkeitsraum’ zur Aneignung, für eine lebendige Stadt, für vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen, aber auch ein qualitätvoller Stadtraum zum Verweilen und als Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger“.
Zeitplan: Der Marktplatz soll bis zum Stadtjubiläum 2027 fertig sein – ein ambitioniertes Ziel. Erforderliche Leitungsarbeiten sollen im kommenden Jahr erledigt werden, müssen aber mit der Sanierung des Geiselbachkanals koordiniert werden. Die Arbeiten zum Straßenbau und den Oberflächen sollen Anfang 2026 beginnen und bis Ende November 2026 erledigt sein.
Kosten: In den Haushaltsjahren 2024 bis 2027 sind für Planung und Bau bisher 3,2 Millionen Euro eingeplant. „Dies wird für die vorgesehene Aufgabe aber nicht ausreichend sein“, betont die Verwaltung, die weitere Gelder im Haushaltsplan beantragen möchte. (adi)

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