Esslingen

Neue Ära für die Bahnhofstraße

Nach dem Aus von Karstadt befürchten die Händler der Bahnhofstraße, dass Kunden ausbleiben. Sie setzen auf eine Aufwertung der Einkaufsmeile.

Karstadt ist Geschichte. Das Aus des Kaufhauses, das jahrzehntelang die Esslinger Bahnhofstraße prägte, ist für die Einkaufsmeile aber auch ein Neuanfang – der Beginn einer Ära ohne großes Warenhaus. Allerdings befürchten viele Händler in der Bahnhofstraße nun, dass das verlassene Kaufhaus zum Schandfleck verkommt und Kunden abschreckt. Deshalb hat sich die Initiative Bahnhofstraße Gedanken gemacht, wie man die Einkaufsmeile aufwerten könnte. Ideen gibt es einige – ob sie alle umsetzbar sind, ist aber noch unklar.
Wolfgang Seifried, Sprecher der Initiative Bahnhofstraße, sagt: „Das Schlimmste wäre, wenn nichts passiert.“ Es sei unklar, was der Investor BPI jetzt auf dem Karstadt-Areal vorhabe. Er und seine Mitstreiter hofften inständig, dass es nicht noch ewig dauert, bis sich auf dem Gelände etwas tut. In der Zwischenzeit aber gelte es, die Phase gut zu überbrücken. Schließlich gehe man davon aus, dass das einstige Kaufhaus wegen Sanierungsarbeiten zunächst ein bis zwei Jahre leer steht. „Uns brennt vor allem eine schönere Gestaltung des Schaufensters auf den Nägeln“, sagt Seifried. Seine Initiative wolle vermeiden, dass Menschen, die vom Bahnhof kommen, erst einmal auf hundert Meter leere Fensterflächen im bisherigen Karstadt-Gebäude schauen. Man könne sich vorstellen, die Schaufenster von außen mit schönen Motiven zu bekleben oder aber innen Werke Esslinger Künstler auszustellen. Noch wisse man nicht, was möglich sei, so Seifried. Seine Initiative sei aber im Gespräch mit der Stadt.

Das Nottreppenhaus entfernen
Für Seifried ist es entscheidend, die Bahnhofstraße aufzuwerten, so gut es geht. So müsse dringend auch das Nottreppenhaus vor dem Karstadt-Gebäude entfernt werden, ebenso die provisorische Anlieferung in der Martinstraße. Auch die Beleuchtung der Bahnhofstraße müsse auf den neuesten Stand gebracht und die Stromversorgung bei Veranstaltungen und Wochenmärkten besser organisiert werden. „Wenn alles wieder schöner ist, wird es auch insgesamt besser“, glaubt der Sprecher der Händler-Initiative. Dabei gehe es nicht nur um die Bahnhofstraße: „Es geht darum, dass die ganze Stadt ein positives Image hat.“ Die Befürchtung der Händler sei, dass die Menschen nach dem fast gleichzeitigen Aus von Karstadt und dem Modehaus Kögel keinen Grund mehr sehen, nach Esslingen zu kommen, sondern lieber nach Stuttgart führen oder aber nach Kirchheim – zumal dort das Parken in der ersten Stunde kostenlos sei. Dabei sei Esslingen nach wie vor eine sehr attraktive Einkaufsstadt mit vielen kleinen und inhabergeführten Läden.
Die Pläne der Stadt, die Volkshochschule im bisherigen Karstadt-Gebäude anzusiedeln, begrüßt die Initiative Bahnhofstraße ausdrücklich – allerdings nur, wenn sie in den oberen Geschossen des bisherigen Kaufhaus-Komplexes angesiedelt wird. „In das Erdgeschoss gehört Gewerbe rein“, sagt Seifried. Er hofft, dass das auch noch der Plan des Investors BPI ist. Einzelhandel auf mehreren Etagen wie einst auf dem Areal geplant, sei heute zwar nicht mehr unbedingt zeitgemäß, sagt Seifried. Aber Läden im Erdgeschoss hält er an diesem Standort nach wie vor für sehr sinnvoll. Seine Initiative hoffe nun, dass die Stadt Esslingen sie in dem Bestreben unterstütze, die Bahnhofstraße als Eingangstor in die Stadt aufzuwerten. „Man muss auf so eine Straße aufpassen“, betont Wolfgang Seifried.
Damit ist die Initiative Bahnhofstraße offenbar auf einer Linie mit der Stadtverwaltung. „Besonders wichtig ist für die Bahnhofstraße, aber auch für die gesamte Innenstadt, dass möglichst schnell Klarheit darüber besteht, wie die Galeria-Immobilie entwickelt wird“, sagt Carina Killer, Leiterin des Citymanagements. Aus ihrer Sicht sollte im Erdgeschoss des bisherigen Kaufhauses möglichst Einzelhandel angesiedelt werden, der den Branchenmix in der Stadt ergänzt. In der Zeit des unvermeidlichen Leerstandes der Immobilie strebe man eine Schaufenstergestaltung an und versuche, die Beeinträchtigungen für die umliegenden Geschäfte so gering wie möglich zu halten, so Killer.

Strategisches Flächenmanagement
Außerdem arbeite man bereits an der Aufwertung der Verbindung zwischen Bahnhofsplatz und Bahnhofstraße. Eine Schlüsselrolle nehme dabei die Nachbesetzung der Immobilie von „Kögel Trends“ ein. Man sei im ständigen Austausch mit den Akteuren in der Bahnhofstraße und habe sich für 2024 ein ambitioniertes Programm vorgenommen. Neben den üblichen Aktionen wie etwa dem Esslinger Frühling, Esslingen funkelt oder dem Esslinger Herbst plane man eine Plakatkampagne und verfolge ein strategisches Flächenmanagement, um die Händlerinnen und Händler in der Einkaufsmeile zu unterstützen, berichtet die Citymanagerin Carina Killer. (meb)

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