Neckar Schurwald

Ein Gewinner, kein Verlierer

Frank Buß, der alte und neue Plochinger Rathauschef, spricht nach der Bürgermeisterwahl von einem „sehr überragenden Ergebnis“. Harald Schmidt gratuliert dem Sieger und erklärt: „Meine Enttäuschung hält sich doch sehr, sehr in Grenzen.“

Natürlich wurde gefeiert: Es gab Gratulationen, ein kurzes Ständchen der Stadtkapelle und zahlreiche nette Worte. Plochingens Bürgermeister Frank Buß nahm die Glückwünsche zu seiner deutlichen Wiederwahl mit 65,7 Prozent der Stimmen am Sonntagabend (4. Februar) im Alten Rathaus entspannt und lächelnd entgegen. Auch sein Herausforderer Harald Schmidt, der auf respektable 33,1 Prozent kam, schüttelte im altehrwürdigen Gebäude am Markt noch etliche Hände, ehe er sich für ein „dickes Dankeschön“ an sein Team in den Bärenkeller aufmachte. Am anderen Morgen ging’s zurück zur Tagesordnung – und damit für beide wieder an ihren Arbeitsplatz.
Anders als das sonst bei solchen Wahlen üblich ist, regierte auf keiner Seite Unzufriedenheit. Buß war zwar der klare Gewinner des Urnengangs, Schmidt allerdings mitnichten ein Verlierer. Während der 63-jährige Businessanalyst noch vor Beginn der Auszählung davon sprach, dass für ihn alles über 30 Prozent „absolut okay“ sei, trauten ihm wohl nur die wenigsten Beobachter ein solches Ergebnis zu. Buß wiederum wertete sein Abschneiden als „sehr überragendes Ergebnis und einen sehr großen Vertrauensbeweis“. Schließlich müsse bedacht werden, „dass mehrere schwierige Jahre hinter uns liegen, dass in Plochingen aber dennoch viel bewegt worden ist, mit vielen zusätzlichen Aufgaben, was nicht immer einfach war und natürlich nicht von jedem akzeptiert wurde“, sagte der 59-Jährige. Sein Reichenbacher Kollege Bernhard Richter, der wie etliche andere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus den benachbarten Kommunen sowie rund 50 weitere Interessierte ins Alte Rathaus gekommen war, unterstrich diese Einschätzung: „Wir stecken in einer anhaltenden Krise, da ist ein solches Wahlergebnis nicht überraschend.“
Einig waren sich Buß und Schmidt obendrein, was die Wahlkampfführung angeht. Beide bedankten sich bei ihrem Gegenüber für den engagierten, aber stets fairen Umgang miteinander in den vergangenen Wochen. Die Wahlbeteiligung von 36,2 Prozent befand Buß für „die heutige Zeit okay“. Schmidt sagte, dass diese Quote „zwar immer noch nicht das ist, was ich mir wünsche, aber im Vergleich zu den lediglich rund 28 Prozent von vor acht Jahren schon ein Fortschritt ist“.
Wichtige Erkenntnisse haben derweil beide Bewerber aus dem Wahlkampf gezogen: Frank Buß unterstrich, dass es ihm ­ursprünglich wichtig gewesen sei, „einen thematischen Wahlkampf zu führen“. Allerdings seien im Laufe der Zeit andere Dinge, die auf der emotionalen Ebene gelegen hätten, mehr in den Fokus gerückt: „So waren zu meiner Verwunderung etwa die großen Punkte wie Klimaschutz, Mobilitätswende oder Kinderbetreuung keine Themen, über die gesprochen wurde.“ Die Botschaften, die es gegeben habe, so versicherte Buß, seien aber bei ihm angekommen.
Für Harald Schmidt wiederum hatten Kandidatur und Wahlkampfzeit einen „schönen Nebeneffekt“. Es sei anstrengend gewesen, aber er habe viel Rückhalt, nicht nur aus seinem achtköpfigen Team sowie von etlichen weiteren Helfern erfahren. „Vielmehr noch gab es aber Rückenwind für mich als Gemeinderat und für unsere Unabhängige Liste Plochingen“, sagte er. Er werde sich, sofern er bei der Kommunalwahl genügend Stimmen erhalte, dafür einsetzen, dass es kein Weiter-so gebe, und hofft dabei auf die Unterstützung „einer großen Mannschaft“.
Bis zum 9. Juni – an diesem Tag werden in Baden-Württemberg nicht nur die Europaabgeordneten, sondern auch die Gemeinde-, Kreis- und Regionalräte gewählt – steht aber erst einmal das Tagesgeschäft auf dem Programm. Frank Buß will „weiterhin die Ärmel hochkrempeln, weil vor mir und meinem bewährten Team in der Verwaltung ein Haufen Arbeit liegt“. Und Harald Schmidt hat in seinem jetzigen und künftigen Job bei einem Automobilzulieferer, wie er erklärte, „ebenfalls reichlich zu tun“.

Am 21. April wird in Köngen ein neuer Schultes gewählt
Häufung:
 Erst Wernau, dann Plochingen und bald schon Köngen: Nach der Bürgermeisterwahl ist im Neckartal zurzeit vor der Bürgermeisterwahl. Während die Urnengänge in Wernau und Plochingen im regulären Turnus stattgefunden haben, wird in Köngen im April außerplanmäßig gewählt, nachdem Amtsinhaber Otto Ruppaner im Dezember aus dem Rennen um den Oberbürgermeisterposten in Leinfelden-Echterdingen als Sieger hervorgegangen war und seine neue Tätigkeit am 1. März aufnimmt. Von dem Zeitpunkt an übernimmt die stellvertretende ehrenamt­liche Bürgermeisterin Johanna Fallscheer, zugleich stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Köngener Gemeinderat, diese Aufgabe, bis die Stelle neu besetzt ist.
Termine: Die Bewerbungsfrist für die Wahl eines neuen Köngener Rathauschefs beziehungsweise einer neuen Rathauschefin läuft seit dem 13. Januar. Eine offizielle und vollständige Kandidatur liegt im Rathaus bereits vor. Öffentlich machen will die besagte Person ihre Absicht allerdings noch nicht. Die Bewerbungsfrist endet am 25. März um 18 Uhr. Gewählt wird dann knapp einen Monat später, am 21. April. Sollte anschließend eine Stichwahl erforderlich sein, findet diese am 5. Mai statt. (eas)

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