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Claus Hintennach

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Das Jugendhaus Reichenbach, das der Kreisjugendring (KJR) betreibt, ist seit eineinhalb Jahren geschlossen. Jetzt will der KJR-Chef Ralph Rieck durchstarten.

Wo sollen sie sich treffen? Diese Frage beschäftigt Jugendliche in Reichenbach, für die das Jugendhaus in der Seidenstraße ein wichtiger Treffpunkt war, vor allem jetzt im Winter. Seit eineinhalb Jahren ist das vom Kreisjugendring (KJR) betriebene Jugendhaus geschlossen. Vandalismus im benachbarten Schulzentrum, Ärger mit Nachbarn und eine bis heute nicht aufgeklärte Brandserie im Ort hatten die Gemeindeverwaltung zusammen mit dem KJR veranlasst, die Reißleine zu ziehen. Nun will der KJR einen Neuanfang wagen – und die Wogen glätten.
„Es ist zu kalt, um sich draußen oder in der Tiefgarage zu treffen“, berichtet die 14-jährige Esila. Die Realschülerin aus Ebersbach, die in Reichenbach zur Schule geht, gehört zu den Jugendlichen, die früher im Jugendhaus ein- und ausgingen. Jetzt weichen sie abends in den Edeka aus oder sitzen stundenlang im Vorraum einer Bank, erzählen ihre Freundinnen und sie.
„Das Jugendhaus soll wieder öffnen. Wir wollen Canan wiederhaben“, sagt die 15-jährige Gülü aus Hochdorf, die in Reichenbach ihren Realschulabschluss gemacht hat und jetzt die Berufsschule besucht. Mit Canan ist die frühere Reichenbacher Jugendhausleiterin Canan Agbaba gemeint, die nach Ansicht dieser Jugendlichen „wie eine Mutter für uns war“.
„Wir wollen die Stelle im Frühjahr 2026 neu ausschreiben“, erklärt dagegen KJR-Geschäftsführer Ralph Rieck, der auf einen Neuanfang für die offene Jugendarbeit in Reichenbach hofft. Die Schließung des Jugendhauses, das zentraler Bestandteil offener Jugendarbeit in Reichenbach war, kann laut Rieck kein dauerhafter Zustand sein. Aber ein Weiter so „kann es auch nicht geben“, zumal es „unglaublich viele Beschwerden von Nachbarn des Jugendhauses“ gegeben habe. „Der jahrelange Disput hat uns das Leben erheblich schwer gemacht“, erinnert sich Rieck, stellt aber klar: „Niemand will dort die offene Jugendarbeit abwickeln“.

Vertrauen ist verloren gegangen
Die Schließung des Jugendhauses sei ein nachvollziehbarer Vorgang gewesen: „Wenn Vertrauen zwischen Verwaltung, Politik und Jugendarbeit nicht mehr gegeben ist, wird es schwierig“, erläutert Rieck und ergänzt, auch die Jugendhausmitarbeiterin habe ihre Anteile daran gehabt. In erster Linie habe es ein erhebliches Kommunikationsproblem gegeben. Im Oktober 2024 hatte Bürgermeister Bernhard Richter, der sich damals um die Wiederwahl als Reichenbacher Verwaltungschef bewarb, die Schließung des Jugendhauses mit Sachbeschädigungen auf dem Schulgelände begründet. Ein fehlendes sozialpädagogisches Konzept und stattdessen eine Laissez-faire-Haltung gegenüber den Jugendlichen lauteten weitere Vorhalte von Richter.
Schon vor einem Jahr hatte Ralph Rieck allerdings erklärt, Stammbesucher des Jugendhauses seien am Vandalismus nicht beteiligt. Entgegen anders lautender Vorwürfe sei auch nicht nachgewiesen worden, dass auswärtige Gäste des Jugendhauses damit in Zusammenhang stünden.
In dieser Zeit seien die Nerven in Reichenbach „etwas blank gelegen“, eine bis heute nicht aufgeklärte Brandserie rund um die Kleingartenanlage an der Neuwiesenstraße im Reichenbacher Westen mit erheblichem Sachschaden und Vandalismus im Schul- und Sportzentrum hätten zu einer schwierigen Gemengelage geführt.
Bereits Monate zuvor hatte es im September 2023 einen nächtlichen Brandanschlag auf einen leer stehenden Barbershop in der Hauptstraße in Reichenbach gegeben, der von den Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit zahlreichen Straftaten gesehen wird, die Mitglieder von zwei rivalisierenden Banden im Großraum Stuttgart, so auch im Kreis Esslingen, seit dem Jahr 2022 begehen.
Ralph Rieck bricht erneut eine Lanze für offene Jugendarbeit in Reichenbach in einem festen Haus mit hellen und transparenten Räumen. Dabei soll es sich um ein für alle offenes und bedarfsgerechtes Angebot handeln, das Schülerinnen und Schüler und pubertierende Teenies in den Blick nehme, ihnen bei Bedarf eine Begleitstruktur biete und einen Platz zum Entspannen. Gleichzeitig solle die neue Fachkraft bald raus auf die Schulhöfe, den Sportplatz und abends zum Beispiel auf Spielplätze, wo sich ebenfalls Heranwachsende treffen.
Während der Bürgermeister Bernhard Richter bestätigt, die Gemeinde arbeite an einer Lösung, sagt Rieck, es brauche jetzt die Stellenbesetzung. Zusammen mit der Verwaltung, dem Gemeinderat, den Jugendlichen und der Reichenbacher Schulsozialarbeiterin, die gleichzeitig kommunale Jugendreferentin ist, möchte Ralph Rieck klären, was man brauche. Eine Sozialraumanalyse brauche es „in dem Maß nicht“, da in Reichenbach genügend Experten vor Ort seien.
Dazu zählt der KJR-Chef vor allem die Reichenbacher Schulsozialpädagogin Janina Trinkaus, die mit 25 Prozent Stellenanteil auch das Kommunale Jugendreferat verantwortet, sowie Jochen Lung-Müller, der sich um die Offene Jugendarbeit in der Kulturinitiative „Die Halle“ kümmert.
Gut vorstellen kann sich Rieck übrigens – ähnlich wie in Wendlingen, Deizisau und Ostfildern – für Reichenbach einen Beirat, der die offene Jugendarbeit anregen, schützen und begleiten kann und dem beispielsweise Kommunalpolitiker, Jugendvorstände aus den Vereinen, Rektoren und Verwaltungsfachleute angehören könnten. (com)

Gute Nachrichten für Verbraucher in der Grund- und Ersatzversorgung: Die Stadtwerke Esslingen und Nürtingen sowie die EnBW senken ihre Tarife zum 1. Januar 2026. Die Entlastung ist zum Teil beträchtlich.

Zum neuen Jahr werden zahlreiche regionale Energieversorger die Preise für Strom und Gas senken. Rund 4,8 Millionen Haushalte in Deutschland profitieren davon, teilt das Vergleichsportal Verivox mit. Auch im Kreis Esslingen können die Verbraucher teils deutliche Entlastungen bei den Energiekosten einplanen.
Gute Nachrichten kommen zum Beispiel von den Stadtwerken Esslingen (SWE), die zum 1. Januar 2026 die Preise für die Erdgas-Grundversorgung senken: „Dank langfristiger Planung und vorausschauendem Energieeinkauf können die SWE die Entwicklung der Netzentgelte sowie der staatlichen und regulatorischen Preisbestandteile ausgleichen“, teilt der kommunale Energieversorger mit. Positiv für die Kunden wirke sich auch die Abschaffung der Gasspeicherumlage aus.
Die Gasspeicherumlage – 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine eingeführt, um die Kosten für das Befüllen von Gasspeichern in Deutschland zu decken – spielte in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Erdgasversorgung. Bundestag und Bundesrat haben jüngst jedoch beschlossen, diese Umlage zum 1. Januar 2026 abzuschaffen und so Verbraucher und Industrie finanziell zu entlasten. Die Umlage machte bislang bei Privatkunden rund 2,4 Prozent des Gaspreises aus.
Für die Kunden der Stadtwerke Esslingen heißt das konkret: Der Grundpreis für den Bezug von Erdgas in der Grund- und Ersatzversorgung bleibt zwar unverändert, der Arbeitspreis reduziert sich jedoch. Bei einem Jahresverbrauch von bis zu 1000 Kilowattstunden sind künftig 15,12 Cent pro Kilowattstunde fällig statt bislang 15,47 Cent, bei bis zu 10 000 Kilowattstunden im Jahr sind es 11,96 Cent pro Kilowattstunde statt 12,30 Cent. Ein noch höherer Jahresverbrauch schlägt mit 10,53 Cent pro Kilowattstunde statt derzeit 10,88 Cent zu Buche. Das mag nach wenig klingen, summiert sich aber: Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 15 000 Kilowattstunden kann sich die Ersparnis auf mehr als 100 Euro belaufen.

Sinkende Netzentgelte, preisgünstiger Einkauf
Beim Strom sind die SWE zwar nicht Grundversorger, dennoch profitieren die Kunden der grünES GmbH, einem Unternehmen der Stadtwerke Esslingen, von sinkenden Netzentgelten und dem preisgünstigen Einkauf von Ökostrom, heißt es in der Mitteilung der SWE. Der Arbeitspreis wird um 2,55 Cent pro Kilowattstunde gesenkt, der Grundpreis fällt um 23,53 Euro im nächsten Jahr. Ein typischer Zwei-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Jahr spart damit laut den SWE im Vergleich zum Grundversorgungstarif rund 81 Euro pro Jahr. „Mit der erneuten Preissenkung lohnt sich der Wechsel zu grünES-Ökostrom jetzt noch mehr“, betont Geschäftsführer Udo Hoffmann.
Auch die Stadtwerke Nürtingen passen „aufgrund aktueller Entwicklungen auf den Energie- und Beschaffungsmärkten“ den Strompreis in der Grund- und Ersatzversorgung zum Jahreswechsel an. Der Arbeitspreis reduziert sich um 0,8 Cent pro Kilowattstunde, während sich der Grundpreis durch gestiegene „kalkulatorische Kosten“ um 7,14 Euro erhöht. „Für die meisten Haushalte mit Eintarifzählern ergibt sich durch die Kombination aus sinkendem Verbrauchspreis und steigendem Grundpreis eine Entlastung“, teilt das Unternehmen mit. Bei einem Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden seien das im nächsten Jahr 16,86 Euro weniger.
Die EnBW, die in weiten Teilen des Kreises Esslingen als Grundversorger fungiert, zieht ebenfalls mit: Die Preise für Haushaltsstrom, Wärmestrom und bei Gas werden um bis zu 14 Prozent gesenkt, kündigt der Karlsruher Konzern an. „In Zeiten flächendeckend steigender Lebenshaltungskosten ist diese deutliche Entlastung eine gute Nachricht für alle Kunden“, ist EnBW-Vertriebsvorstand Dirk Güsewell überzeugt.
Für einen Haushalt mit zwei bis drei Personen und einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden fällt nach Angaben der EnBW der Strompreis im nächsten Jahr um rund 168 Euro geringer aus. Bei Wärmestromkunden kann die Entlastung je nach Heizungsart und Verbrauch zwischen 106 und 235 Euro betragen. Günstiger wird es im kommenden Jahr auch für Gaskunden: Die Kosten für einen Haushalt mit einer Wohnfläche von 150 bis 180 Quadratmetern und einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden sinken um 424 Euro.
Die EnBW blickt optimistisch auf die kommenden Veränderungen im Energiemarkt. Güsewell räumt jedoch ein: „Große Teile des Strompreises, den die Verbraucher bezahlen, können wir als Energieunternehmen nicht beeinflussen. Fast 60 Prozent dieser Kosten werden durch regulatorische Vorgaben festgelegt.“ Der Vertriebsvorstand verspricht den Kunden: „Wir arbeiten im Rahmen unserer Möglichkeiten aktiv daran, die Energiekosten langfristig stabil und bezahlbar zu halten.“ (eh)

Esslingen treibt den Ausbau der Oberleitungen voran. Der letzte Bauabschnitt am Altstadtring steht bald an. Das ist auch nötig: Bis Ende 2026 muss das Projekt stehen.

Der Weg Esslingens zu einem komplett elektromobilen Busverkehr ist eine Geschichte mit vielen Wendungen. Doch in jüngster Zeit geht es recht zielstrebig vorwärts. Die Arbeiten an der Verlängerung der Oberleitungen in den Esslinger Norden und auf den Zollberg sind noch nicht beendet, da bringt die Stadt nun schon den nächsten und letzten Bauabschnitt auf den Weg: Im kommenden Jahr soll der Oberleitungsausbau am Altstadtring weitergehen. So hat der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) kürzlich den Weg frei gemacht für die Ausschreibung der Arbeiten am Altstadtring. Diese soll möglichst im Frühjahr erfolgen, damit im Sommer mit den Bauarbeiten gestartet werden kann und diese noch bis Ende 2026 beendet werden können. Das ist wichtig, um die bereits bewilligten Fördergelder auch abrufen zu können.
Konkret soll der Oberleitungsausbau am Altstadtring über die Berliner Straße, die Augustiner- und Ebershaldenstraße sowie die Grabbrunnen-, die Entengraben- und die Kiesstraße führen. An der Kreuzung von Schelztorstraße und Berlinerstraße sowie an der Maillekreuzung schließen die neuen Oberleitungen dann an die bereits vorhandenen an, sodass der Altstadtring komplett versorgt sein wird. Beim Neckar Forum soll zudem ein Abzweig in die Mülbergerstraße führen, der dann an die Oberleitungen im Esslinger Norden anknüpfen soll.
Im Zuge dieses letzten Bauabschnittes sollen auch die vorhandenen Oberleitungen in der Hauptfahrgasse am Omnibusbahnhof ausgebaut werden. Diese letzte Etappe des Oberleitungsausbaus in der Innenstadt sei sehr komplex, teilt die Stadtverwaltung mit. Daher rechne man mit höheren Kosten als ursprünglich kalkuliert. Allerdings könne man die Kostensteigerungen durch Umschichtungen innerhalb des Gesamtprojekts kompensieren.
Um die elektrisch betriebene Busflotte künftig einsatzbereit halten zu können, muss auch die Ladeinfrastruktur in den Betriebshöfen aufgerüstet werden. So soll im Betriebshof Heilbronner Straße ein Trafo sowie im Betriebshof Wäldenbronn eine mobile Trafostation eingebaut werden. Insgesamt sollen auf den Betriebshöfen 54 Ladeplätze mit 23 Wall-Boxen entstehen, an denen die 52 neuen Oberleitungsbusse künftig während der nächtlichen Betriebspause zwischen 0.30 und 4.30 Uhr geladen werden können.

Verändertem Verbrauch gerecht werden
Zudem sind laut Johannes Müller vom Städtischen Verkehrsbetrieb (SVE) wegen der geplanten Netzerweiterung auch der Neubau eines sogenannten Gleichrichterunterwerks am Hirschlandkopf sowie die Ertüchtigung der vorhandenen fünf Unterwerke erforderlich. Denn mit der steigenden Anzahl an Oberleitungsbussen müsse man auch dem veränderten Verbrauch gerecht werden. Auch diesem Vorhaben stimmte der ABMK geschlossen zu.
Damit scheint der Ausbau auf 100 Prozent Elektromobilität im Esslinger Busverkehr auf die Zielgerade einzubiegen. Das ist auch notwendig, denn nur wenn das Projekt bis Ende 2026 abgeschlossen wird, kann die Stadt die gesamte Fördersumme von rund 27,4 Millionen Euro auch abrufen. Dass das überhaupt klappt, war nicht immer klar. Denn auf dem Weg zum elektromobilen Busverkehr war die Stadt lange im Schlingerkurs unterwegs.
Schon die Entscheidung des Gemeinderats im Jahr 2017, dass der städtische Busverkehr schnellstmöglich rein elektrisch betrieben werden solle, war denkbar knapp ausgefallen. Nach schwierigen Jahren mit dem Calwer Busunternehmen Rexer und der darauf folgenden Entscheidung, den Busverkehr zu 100 Prozent in städtische Hand zu legen, wurde im Jahr 2022 dann die belgische Firma van Hool mit der Produktion der elektrohybriden Busflotte beauftragt. Doch van Hool meldete im Jahr 2024 Insolvenz an. In der Folge stimmte der Gemeinderat für eine Busflotte aus batterieergänzten Oberleitungsbussen.

Infrastruktur für E-Busse
Oberleitungen:
Damit das gesamte Stadtgebiet mit Batterieoberleitungsbussen angefahren werden kann, muss Esslingen sein Oberleitungsnetz ausbauen. In einem ersten Schritt wurden die Oberleitungen in der Pliensauvorstadt im vergangenen Jahr verlängert. Derzeit wird das Netz in den Esslinger Norden und auf dem Zollberg erweitert. Im kommenden Jahr folgt schließlich der Ausbau der Oberleitungen auf dem Altstadtring.
Busproduktion: Nachdem der ursprünglich beauftragte Bushersteller van Hool Insolvenz angemeldet hatte, wurde eine Kostensteigerung bei der Neuvergabe befürchtet. Doch es gab eine angenehme Überraschung: Das Angebot der nun beauftragten Firma Skoda Electric liegt mit rund 41,1 Millionen Euro für die inzwischen 52 benötigten Elektrohybridbusse deutlich niedriger als die einst von van Hool angesetzten 50 Millionen Euro für 46 Batterieoberleitungsbusse. (meb)

In Baltmannsweiler will die Gemeinde ein neues Baugebiet mit 20 Grundstücken ausweisen. Ein Streit wegen der Anliegerkosten könnte drohen.

Der Gemeinderat von Baltmannsweiler hat vor Kurzem mehrheitlich grünes Licht für eine vor allem bei Anliegern umstrittene Baulandentwicklung in Hohengehren gegeben. Im Bereich der Südlichen Wasenstraße sollen nun im zweiten Anlauf die Voraussetzungen geschaffen werden, damit dort einmal rund 20 Baugrundstücke ausgewiesen werden können. Unklar ist allerdings, ob auch Altanlieger, die zum Teil bereits seit Jahrzehnten in der Südlichen Wasenstraße in ihren Immobilien leben, Erschließungskosten bezahlen müssen.
Bürgermeister Simon Schmid sprach mit Blick auf die Pläne von einer „maßvollen Entwicklung, die Hohengehren gut tun würde“. Die Wiederaufnahme des Verfahrens ziele darauf ab, Wohnraum zu schaffen. Eine Sicht, die die weit überwiegende Mehrheit des Gemeinderats teilte.
Allein Peter Röser (Grüne) war anderer Meinung. Er sprach von einem finanziell auf Kante genähten, rechtlich komplexen Vorhaben, das erhebliche Risiken wegen der Frage der Erschließungskosten berge. Am Ende könnte die Gemeinde drauflegen. Röser erinnerte an einen jahrelangen und teuren Streit mit Anliegern in der Haldenstraße in Oberesslingen, den die Stadt Esslingen am Ende verlor. „Das würde ich uns gerne ersparen“, erklärte Röser, der außerdem den Eigenbedarf an Baugrundstücken auf lediglich 20 Prozent schätzte. Damit würde die Kommune eher den Bedarf von Auswärtigen decken, wofür der ökologische Preis unverhältnismäßig hoch sei, auch weil ein Landwirt dort wertvolle Flächen verlieren würde. Sein Vorschlag, die Entscheidung zugunsten einer Anhörung zwischen Gemeinderat und betroffenen Bürgern zu vertagen, fand keine Mehrheit.
Über die Frage, wann und in welcher Form die Bürgerschaft einbezogen werden soll, entspann sich eine Debatte im Gremium, die auch rund 20 Anlieger der Südlichen Wasenstraße verfolgten. Da aber zu Themen auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung keine Fragen gestellt werden dürfen, kamen sie an dem Abend nur am Rande zu Wort. Die Kommunikation mit den Altanliegern stehe im Fokus, heißt es indes in dem neu gefassten Beschluss.

Eine ganze Kette an Verfahrensschritten
Carlo Schlienz (CDU), der sich „weder als Gegner noch als Befürworter des Projekts“ bezeichnete, regte eine juristische Prüfung zur Frage der Anliegerkosten an und sagte, die Bestandsanlieger dürften nicht schlechter gestellt werden als andere im Ort. Außerdem sagte Schlienz, an der besagten Baulandentwicklung führe kein Weg vorbei, da diese bereits bei der Planung der Umgehungsstraße mitbeschlossen worden sei. Man müsse jetzt ins Verfahren kommen, um alle Seiten zu hören.
„Wir haben alle Interesse, dass es korrekt und fair abläuft“, sagte Christiane Lopes (Freie Wähler) und ergänzte, es gebe bereits Kaufverträge für Grundstücke in dem Gebiet, das dürfe man nicht vergessen.
Mit dem Grundsatzbeschluss machte der Gemeinderat den Weg frei für eine ganze Kette an Verfahrensschritten, denn zunächst muss ein städtebauliches Konzept samt einem Bebauungs- und Erschließungskonzept als Grundlage für den künftigen Bebauungsplan erarbeitet werden. Danach müssen der bestehende Flächennutzungsplan geändert und Gutachten zum Artenschutz, zum Baugrund und zur Erschließungsplanung sowie ein Umweltbericht aktualisiert werden.
Dies ist notwendig, da die ersten Überlegungen, an dieser Stelle Bauland auszuweisen, schon viele Jahre zurückliegen. Einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Südliche Wasenstraße“ hatte der Gemeinderat im März 2014 bereits gefasst, doch die Pläne kamen zum Erliegen, als es um die Baulandumlegung ging. Die Gespräche mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der Grundstücke ergaben, dass man sich nicht mit allen Eignern bei Fragen der Umlegung einig werden würde. Daraufhin wurden die Verfahren für den Bebauungsplan und die Baulandumlegung nicht fortgeführt.
Inzwischen haben laut Verwaltung Gespräche stattgefunden, und in der Vorlage für den Gemeinderat stand zu lesen: „Der Gemeinderat hat beschlossen, dass die förmlichen Verfahren erst dann beraten werden, wenn mit allen Grundstückseigentümern eine Einigung über die erweiterte Gebietsentwicklung erzielt werden konnte. Diese Voraussetzung für die Fortführung der Verfahren ist nun gegeben.“
Wie es mit dem von 1,6 auf nun knapp zwei Hektar leicht vergrößerten Areal weitergehen wird, bei dem sich nach Worten des beauf­tragten Planers dank des neuen Zuschnitts das Verhältnis von Bauflächen und Kosten etwas verbessert habe, muss sich aber erst noch ­weisen. (com)

Die Verpackungssteuer und die Grundsteuer C wurden vom Gemeinderat abgelehnt, doch die Beherbergungssteuer in Esslingen wird kommen. Allerdings nur zu bestimmten Bedingungen.

Sie ist umstritten. Bis kurz vor der Gemeinderatssitzung in Esslingen Anfang November war noch unklar, ob es eine Mehrheit für die Einführung einer Beherbergungssteuer in dem Gremium gibt – zumal wenige Tage vor der Entscheidung mehr als ein Dutzend Esslinger Hoteliers gegen eine solche Steuer protestiert hatten. Doch während eine Verpackungssteuer und eine Grundsteuer C abgelehnt wurden, beschloss der Gemeinderat letztlich die Einführung einer Beherbergungssteuer – allerdings zu ganz bestimmten Konditionen.
Denn vor allem die CDU, die letztlich zum Zünglein an der Waage wurde, hatte sich schwer getan mit der Entscheidung über die Beherbergungssteuer. „Wir nehmen die Argumente aus dem Gastgewerbe sehr ernst, sehen aber auch die Notwendigkeit, Esslingen als touristischen Standort weiter zu entwickeln“, erklärte der CDU-Fraktionschef Tim Hauser.
Kurz vor der Entscheidung hatten die Christdemokraten dann einen Änderungsantrag zur Einführung der Beherbergungssteuer eingebracht. Dieser sieht unter anderem eine Selbstverpflichtung des Gemeinderats vor, die Einnahmen aus dieser Steuer für Investitionen in die touristische Attraktivität der Stadt zu verwenden. Konkret soll das zusätzliche Geld zunächst vor allem in die Planung, Finanzierung, Realisierung und Unterhaltung einer gastronomisch betriebenen Aussichtsplattform in den Esslinger Weinbergen fließen.
Ein mögliches Vorbild könnte dabei laut CDU die Aussichtsplattform Luitenbächer Höhe im Remstal sein. Ein vergleichbares Projekt in Esslingen mit Sicht auf den Marktplatz und die historische Silhouette der Stadt würde Tourismus, Wirtschaft und Weinbau auf beispielhafte Weise verknüpfen und der Stadt ein modernes, attraktives Aushängeschild geben, glauben die Christdemokraten. Während manche Ratskollegen sowie die Stadtverwaltung den Vorschlag dankbar aufnahmen, konnten andere diesem gar nichts abgewinnen.
So bezeichnete etwa Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, die Plattform als „neues touristisches Highlight in den Weinbergen“, das ihre Fraktion sich sehr gut vorstellen könne. „Und wenn die Plattform finanziert ist, steht das Geld anderen touristischen Maßnahmen zur Verfügung“, lobte Tittel den Vorschlag der Selbstverpflichtung, die Steuereinnahmen für den Tourismus zu verwenden. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Nicolas Fink lobte den CDU-Antrag als „elegant und passend“. Die Beherbergungssteuer sei eine der wenigen Möglichkeiten, Einfluss auf die Einnahmenseite des Haushalts auszuüben. „Und sie hat einen Mehrwert, wenn wir sie so umsetzen wie von der CDU vorgeschlagen.“

Geld in den Erhalt der Steillagen investieren
Das sah Matthias Vetter von den Freien Wählern allerdings ganz anders. Seine Fraktion frage sich, ob eine Plattform in den Weinbergen wirklich notwendig sei. Viel sinnvoller sei es doch, Geld für den Erhalt der Steillagen in die Hand zu nehmen – das sei aber nicht Aufgabe der Übernachtungsgäste.
Die FDP-Fraktionschefin Rena Farquhar zeigte sich empört über das Vorhaben: „In Wahrheit geht es hier darum, mehr Steuern zu generieren, um den Haushalt aufzumöbeln statt zu sparen und zu konsolidieren.“ Das ärgere sie ungemein: „Wir wissen genau, dass es den Betrieben genauso schlecht geht wie der Stadt“ – aber das scheine hier völlig egal zu sein. Und die Aussichtsplattform sei nur Augenwischerei, denn die sei mit den neuen Steuereinnahmen schnell bezahlt: „Und was finanzieren wir dann?“, fragte Farquhar. „Ich finde das unmöglich.“
Auch die Fraktionen von Linke/FÜR und AfD lehnten die Beherbergungssteuer ab, die Gruppe WIR/Sportplätze erhalten bezweifelte, dass der Zeitpunkt passend sei. Genau das war auch für Martin Auerbach, Fraktionschef von Linke/FÜR, ein Argument gegen die neue Steuer: „Die Betriebe sind in der Krise, das ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ Zumal viele Tagesgäste in Esslingen beruflich vor Ort seien und mit Tourismus nicht viel am Hut hätten. Die AfD befürchtete gar, dass durch die neue Steuer Arbeitsplätze in der Hotellerie wegfallen könnten.
Letztlich wurde die Einführung der Beherbergungssteuer mit einer Mehrheit von 25 Ja-Stimmen von insgesamt 41 Stimmen beschlossen. Sie soll gemäß dem Änderungsantrag der CDU, der von der Stadtverwaltung eins zu eins übernommen wurde, Anfang 2027 eingeführt und pauschal erhoben werden – also nicht etwa als prozentualer Anteil des Übernachtungspreises.

Zwei abgelehnte Steuervorschläge
Verpackungssteuer:
Die Einführung einer Verpackungssteuer wurde im Esslinger Gemeinderat mit einer knappen Mehrheit abgelehnt: 17 Mitglieder hatten Anfang November für die Steuer gestimmt, 22 dagegen, zudem gab es eine Enthaltung. Ziel der Verpackungssteuer sollten die Vermeidung von Einwegverpackungen und die Stärkung von Mehrwegverpackungen sowie die Verringerung von Müll im öffentlichen Raum sein.
Grundsteuer C: Die Einführung der Grundsteuer C wurde vom Gemeinderat mit 15 Stimmen für die Steuer, 24 dagegen und zwei Enthaltungen abgelehnt. Die Steuer wäre für baureife, aber unbebaute Grundstücke erhoben worden und hätte den Bau von mehr Wohnraum auf innerstädtischen Baulücken zum Ziel gehabt. (meb)

Die fünf Millionen Euro teure Erweiterung und Sanierung des Pavillons an der Breitwiesenschule in Hochdorf soll im April 2026 beginnen. Während der Bauzeit ist ein Provisorium vorgesehen.

Das Thema Ganztagesbetreuung in der Breitwiesenschule beschäftigt die Gemeinde Hochdorf bereits einige Zeit. Anfang 2024 hatte die Gemeindeverwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die Möglichkeiten aufzeigen sollte, die Betreuungsmöglichkeiten zu erweitern. Denn klar ist: In Hochdorf wächst der Bedarf an Plätzen in der flexiblen Schulkindbetreuung, und auch der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Kinder im Grundschulalter beginnt ab dem kommenden Schuljahr.
Am Ende setzte sich der Entwurf durch, den sogenannten Pavillon, der jetzt schon von der Schulkindbetreuung genutzt wird, zu modernisieren und um ein Geschoss und einen Seitentrakt zu ergänzen. Hier soll später auch die kommunale Kinder- und Jugendbücherei unterkommen, die sich momentan im Schulgebäude selbst befindet.

Land fördert mit zwei Millionen Euro
Anfang April nächsten Jahres beginnen die Umbauarbeiten am mehr als 50 Jahre alten Pavillon. Im Moment geht die Verwaltung von etwa 20 Monaten Bauzeit aus, erklärt Hochdorfs Bürgermeister Gerhard Kuttler. „Im Optimalfall sind wir dann Ende 2027 fertig“, fügt er hinzu. Da die Schulkindbetreuung auch während der Umbauarbeiten angeboten wird, hat sich der Gemeinderat nun für eine Übergangslösung mit Containern entschieden.
Eine Schulkindbetreuung im Schulhaus selbst sei für die Dauer der Bauzeit kaum umsetzbar, sagt Gerhard Kuttler. „Wir hätten die Schwierigkeit, dass die Klassenräume doppelt genutzt werden müssten“, erklärt er. Gerade in der ersten und sechsten Stunde gebe es große Überschneidungen, was bedeute, dass in den betroffenen Klassenräumen nur zwischen der zweiten und fünften Stunde regulärer Unterricht stattfinden könne. „Wir haben das schon in einem Klassenzimmer, aber die Schule hat bereits signalisiert, dass das kein dauerhaft mögliches Konzept ist“, sagt der Bürgermeister.
Nun soll also ein zweigeschossiges Bauwerk aus Containern nahe des Spielplatzes im Schulhof als Übergangslösung dienen. Da dieses pünktlich zu den Umbauarbeiten stehen soll, hat die Kommune einen straffen Zeitplan aufgestellt. „Die Vorarbeiten werden jetzt im Winter von unserem Bauhof durchgeführt“, erklärt Kuttler. Noch im Dezember sollen die Arbeiten auf der Wiese beginnen. In den Containern werden vier Gruppenräume, Sanitäranlagen und ein Treppenhaus eingerichtet. Die Kosten für die Vorarbeiten und die Containermiete belaufen sich auf etwa 190 000 Euro, erklärt Kuttler. „Die Container zu kaufen, wäre um einiges teurer“, fügt er hinzu.
Auch für den Umbau des Pavillons liegt der Gemeinde nun eine Kostenberechnung vor. Etwas mehr als fünf Millionen Euro soll das Projekt kosten – circa 800 000 Euro mehr als noch bei der vorangegangenen Kostenschätzung. „Wir freuen uns natürlich auch nicht darüber“, sagt Kuttler. Doch es gebe eben einen Unterschied zwischen einer Schätzung und einer Berechnung. Außerdem habe es Veränderungen in der Planung gegeben. „Beim Brandschutz musste noch einiges umgestellt werden“, erklärt Kuttler. Und auch das Kellergeschoss musste angepasst werden. „Aufgrund von statischen Berechnungen“, sagt Kuttler.
Einen Lichtblick stellen die knapp zwei Millionen Euro dar, die die Gemeinde über die Schulförderung des Landes bekommt. „Ein Teil davon ist im Sommer schon eingegangen“, sagt Kuttler. Im kommenden Jahr möchte die Verwaltung zudem zusätzliche Förderung über den Ausgleichstock beantragen. (tki)

Der Aussichtsturm bei der Katharinenlinde in Esslingen war zwei Jahre lang geschlossen. Nun wurde er nach einer umfassenden Sanierung wieder eröffnet.

Kurz vor der Wiedereröffnung gibt’s noch etwas Deko: Zwischen den beiden Schildern am Katharinenlindenturm oberhalb der Rüderner Heide bei Esslingen wird eine kleine Blumenkette angebracht. So verhalten herausgeputzt wurde das Bauwerk nach seiner zweijährigen Renovierung mit einer kleinen Feier wieder eröffnet. Die Öffentlichkeit kann nun erneut nach oben steigen und die prachtvolle Aussicht auf das Neckartal und die Schwäbische Alb genießen.
Zur Feier der Wiedereröffnung gab es Reden, Dankesworte an die Sponsoren und alkoholfreien Sekt. Vor knapp 70 Jahren war es poetischer zugegangen. Zur Einweihung des Katharinenlindenturms im Juni 1957 fielen gereimte Worte. Rolf Schäffer vom Schwäbischen Albverein hatte sich damals für den feierlichen Anlass ein Gedicht einfallen lassen: „Do stoht dr Turm am Schurwaldrand, grad mittladren em Grüne. Weit spickt er naus ins Schwobeland vom blauen Hemmel überspannt ond von dr Sonn beschiene.“ Bernd Zitzmann vom Schwäbischen Albverein Sulzgries trug die urschwäbischen Verse zur die Neueröffnung des Turms noch einmal vor.
Denn nach Ansicht der Verantwortlichen ist das vom Schwäbischen Albverein betreute Bauwerk nach seiner umfassenden Renovierung nun wieder ein Gedicht. Der etwa 17 Meter hohe, in Stahlbetonweise errichtete Turm war ab 2023 saniert worden. Bei diesen Arbeiten waren nach Angaben des Albvereins Probleme mit der Statik festgestellt worden. Laut Präsident Hans-Ulrich Rauchfuß habe sich die Maßnahme dadurch als aufwendiger erwiesen als ursprünglich angenommen: Das Treppenhaus habe saniert, tragende Betonstahlteile erneuert, das Flugdach aus Beton statisch ertüchtigt werden müssen. So hätten sich die Arbeiten bis in den Oktober 2025 hingezogen. Die Kosten für die gesamte Renovierung gibt der Schwäbische Albverein mit etwa 226 000 Euro an. Um das beliebte Ausflugsziel wird sich künftig Turmwart Robert Clauß kümmern.
Aufgrund der steigenden Kosten für die Renovierung hatte sich Hans-Ulrich Rauchfuß hilfesuchend an Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer gewandt. Man kenne sich schon länger, sagte das Stadtoberhaupt zur Wiedereröffnung. Aber es sei auch um den Erhalt eines beliebten Esslinger Ausflugszieles gegangen. Darum habe er die Werbetrommel gerührt und ein Sponsoring angestoßen.

Gemeinschaftliche Finanzierung
Der oberbürgermeisterliche Appell zeigte Wirkung: Zur Finanzierung der Sanierung des Aussichtsturms hatten auch mehrere Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins, die Stadtwerke Esslingen (SWE), die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die Sparkassenstiftung und die Esslinger Wohnungsbau (EWB) sowie viele Privatleute beigetragen. Gemeinschaftssponsoring hat beim Katharinenlindenturm Tradition. Das Esslinger Wahrzeichen war 1957 durch mehrere Geldgeber finanziert worden. Laut einem Artikel der Eßlinger Zeitung zur damaligen Einweihung aus dem Fundus des Stadtarchivs waren die Kosten (17 000 Mark) je zu etwa einem Drittel von der Stadt Esslingen, dem Schwäbischen Albverein und der Stuttgarter Brauerei Robert Leicht getragen worden. Die Brauerei sei auch deswegen mit im Boot gewesen, weil sie für die Errichtung der Gasträume, der Küche, des Wohnraums des Pächters und der Nebenräume der Gastwirtschaft gleich neben dem Turm verantwortlich gewesen war.
Mit dem Bau des Turms war im März 1957 begonnen worden. Die Einweihung am 14. Juni desselben Jahres begeisterte wohl auch den Berichterstatter der Eßlinger Zeitung. Denn er fand salbungsvolle Worte: „Der Wind fuhr rauschend in die Kronen der schönen Linden und bauschte die Fahnen in den Farben der Stadt Esslingen und des Schwäbischen Albvereins.“ Auch die genauen Maße des Turms hat er in seinem Artikel festgehalten – eine Grundfläche von 6,4 mal 4,1 Metern, sechs Zwischenpodeste und 72 Stufen. Angebracht wurde das Bauwerk auf 470 Metern Höhe.
Der lange Lulatsch ersetzte laut EZ-Bericht eine Schutzhütte, die im Juli 1888 vom damaligen örtlichen Verschönerungsverein errichtet und 1956 abgerissen worden war. Eine besondere architektonische Zierde mag sie kurz vor ihrem Abbruch nicht mehr gewesen sein. Die Eßlinger Zeitung spricht von einer „altersschwachen, an den Wochenenden bewirtschafteten Schutzhütte mit roh gezimmerten Holzbänken und einem niedrigen Holztürmchen.“
Ob es vor 1888 auf dem Gewann der Katharinenlinde schon Unterkünfte für Wanderer gegeben hatte, ist laut dem Bericht unklar. Es werde aber davon ausgegangen, dass lediglich eine einfache Hütte für die Schafhaltung auf der Höhe gestanden habe. Weitere Bauwerke seien aus alten Vermessungsurkunden nicht ersichtlich.

Der Albverein und sein Turm
Albverein:
Der Schwäbische Albverein wurde laut Präsident Hans-Ulrich Rauchfuß 1888 in Plochingen gegründet. Der Wanderverein hat etwa 81 000 Mitglieder und gut 450 Ortsgruppen. Der Verein pflegt nach eigenen Angaben rund 19 000 Kilometer beschilderte Wanderwege, betreibt 19 Wanderheime sowie 28 Aussichtstürme auf der Schwäbischen Alb und im Schwäbischen Wald und pflegt und besitzt gut 163 Hektar Naturschutzflächen wie Wacholderheiden, Obstbaumwiesen oder Feuchtgebiete.
Katharinenlindenturm: Der Turm oberhalb der Rüderner Heide kann laut Schwäbischem Albverein zu jeder Zeit bestiegen werden. Alle Nichtmitglieder müssen dafür einen Obolus von einem Euro entrichten. Es gibt ein Turmkässchen, in das der Beitrag eingeworfen werden kann. Es sei ein kleiner Unkostenbeitrag. (sw)

Die Stadt Plochingen übernimmt zum 1. Januar den Kindergarten St. Konrad. Das hat auch finanzielle Gründe. Anderen Kitas könnte es in den kommenden Jahren ähnlich ergehen.

Pfarrer Bernhard Ascher redet nicht um den heißen Brei herum. Die katholische Kirchengemeinde St. Konrad sei vor zwei Jahren auf die Stadt zugegangen, „weil uns die Kindergärten über den Kopf wachsen“. Derzeit ist die Kirchengemeinde Trägerin von sechs Kindertageseinrichtungen in den zu ihr gehörenden Kommunen Plochingen, Deizisau, Altbach, Reichenbach, Hochdorf und Lichtenwald. Das sei nicht mehr zu stemmen, weder finanziell noch vom Verwaltungsaufwand her, sagt Ascher.
Mit einer einzigen Kirchenpflegerin sei die wachsende Bürokratie nicht zu bewältigen. Und die Kosten für den Betrieb der Kitas trägt zwar zu einem Großteil die Stadt, auch bei den konfessionellen Einrichtungen. Aber ein Teil bleibt doch bei der Kirche hängen, die eigentlich sparen und sich auch von einem Teil ihrer Gebäude trennen muss.
So ist es auch kein Zufall, dass man nun zuerst mit dem Kindergarten St. Konrad in Plochingen diesen Weg geht. In dem Gebäude aus den 80er-Jahren steht in naher Zukunft eine umfassende Sanierung an, sowohl energetisch als auch vom Grundriss und der Konzeption her. Es wurde in einer Zeit gebaut, als offene, hohe Räume en vogue waren. Heute sind dagegen, zumindest bei Ganztagsangeboten, zusätzliche Schlaf- und Nebenräume und eine Küche gefragt. Auch Barrierefreiheit ist ein Thema. Aber mit alledem wird sich nun die Stadt befassen, die das Gebäude gekauft hat. Der Vertrag ist abgeschlossen, die neue Trägerschaft gilt ab 1. Januar.
Das Team des Kindergartens wechselt damit den Arbeitgeber, es kommt geschlossen zur Stadt Plochingen. Für die betreuten Kinder und ihre Eltern dürfte sich der Trägerwechsel folglich kaum bemerkbar machen, und die Verwaltung ist darüber ebenfalls froh. Zumal es sich, wie Pfarrer Ascher betont, um ausgesprochen motiviertes Personal handle, das nach einem guten Konzept Hand in Hand arbeite. Da schwingt auch ein wenig Wehmut mit, so sehr er sich über die gefundene Lösung freut.
Für die Stadt war die Übernahme fast unumgänglich, schließlich gebe es den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, so Bürgermeister Frank Buß, und St. Konrad sei Teil des Gesamtangebots. Die Einrichtung soll nun im Kontext mit den anderen in der Stadt weiterentwickelt werden. Dazu gehöre auch die Überlegung, so Buß, ob weitere Gruppen an diesem Standort nötig seien.

Gedanken auch in der evangelischen Kirche
Pfarrer Ascher will sich nicht festlegen, ob die katholische Kirchengemeinde noch weitere Kindergärten abgeben wird. Aber er deutet an, dass es gut möglich ist. Der Strukturwandel bei der Trägerschaft der Kitas ist tatsächlich schon länger im Gange, auch in der evangelischen Kirche. Sie geht zwar einen anderen Weg, der aber ebenfalls das Ziel hat, die einzelnen Gemeinden zu entlasten und die Verwaltung zu zentralisieren und zu professionalisieren.
So hat der evangelische Kirchenbezirk in seiner Zentrale neue Stellen geschaffen, die seit Anfang dieses Jahres die Verwaltung der evangelischen Kitas in fünf Kommunen übernehmen. In Einzelfällen sind auch evangelische Einrichtungen an bürgerliche Gemeinden übergegangen. In Reichenbach war das 2014 beim Kinderhaus Kunterbunt so, was auch damit zu tun hatte, dass dessen Grundstück Teil einer Umlegung wurde. In Deizisau und Altbach wurden das Kinderhaus im Palmschen Garten und das Kinderhaus Vogelwiesen von den bürgerlichen Gemeinden übernommen. In diesen Fällen ging der Wunsch zum Trägerwechsel von den Kommunen aus, die ihr eigenes Angebot breiter und effizienter aufstellen wollten.
Grundsätzlich ist der Hintergrund überall derselbe: knapper werdende Finanzen, knapper werdendes Personal und gleichzeitig wachsende Anforderungen in der Kinderbetreuung. Ob eine Einrichtung bei der jeweiligen Kirchengemeinde bleibe oder in die übergeordnete Struktur gehe, liege bei den Gemeinden, sagt Samuel Daub, der Geschäftsführer für die Kitas beim evangelischen Kirchenbezirk ist. Aber der Trend gehe klar in Richtung Zentralisierung.

Dicker Brocken im Haushalt
Viel Geld für Betreuung:
In Plochingen betragen die Kosten für die Kinderbetreuung gemäß dem Entwurf für den nächsten Plochinger Doppelhaushalt rund 10,5 Millionen Euro pro Jahr. Wenn man die Einnahmen gegenrechnet, bleibe ein Defizit von acht Millionen Euro übrig, sagt Bürgermeister Frank Buß. Ein Großteil davon besteht aus Personalkosten, mittlerweile habe die Stadt rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich.
Zuschuss: Plochingen hat in den vergangenen Jahren die Verträge mit den konfessionellen Trägern von Kindertagesstätten neu verhandelt und vor rund acht Monaten unterzeichnet. Demnach schießt die Stadt bei Investitionen der Träger 90 Prozent der Kosten zu, bei den Betriebskosten 95 Prozent. Das gilt einheitlich für alle Träger, vorausgesetzt, die jeweilige Einrichtung ist Teil des Kindergartenbedarfsplans. (aia)

Die um fast zwei Jahre verspätete Amtseinführung der Wernauer Bürgermeisterin Christiane Krieger wird zu einer Show. Ihre Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Vereine und Organisationen der Stadt zeigen, wie sehr sie die Rathauschefin schätzen.

Die Polizei ist da, das Rote Kreuz und auch die Feuerwehr. Die Fahrzeuge vor dem Wernauer Quadrium lassen für einen Moment Schlimmes erahnen. Passiert ist aber nichts. Was die Besucherinnen und Besucher der Amtseinführung von Bürgermeisterin Christiane Krieger bei ihrer Ankunft indes nicht ahnen können: Im großen Saal der Stadthalle wird an diesem Freitagabend (21. November) noch eine Menge „passieren“.
Die Rathauschefin, die von den Fasnetsgruppen der Stadt den Titel „Schultese“ verpasst bekommen hat, erklärte im Vorfeld der Veranstaltung, dass sie sich ein „großes Fest mit meinen Leuten“ wünsche. Sie bekam jedoch viel, viel mehr. Ihre offizielle Ernennung geriet zu einer Show der Superlative, die es in dieser Art und Weise im Landkreis Esslingen noch nicht gegeben hat.
Gut 600 Gäste sind da, haben sich auf ein bisschen Musik und eine Reihe von Reden eingestellt, denn formal war, wie sich das gehört, zu einer „öffentlichen Sitzung des Gemeinderats“ geladen worden. Michael Bauer, der Beigeordnete der Stadt Wernau, stellt aber bereits in seiner Begrüßung klar, „dass heute nicht diskutiert oder abgestimmt wird, und dass es auch keine Vorsitzende gebe, weil die Hauptperson befangen ist“.

Langes Warten bis zur finalen Klageabweisung
Als der Musikverein Stadtkapelle Wernau loslegt, lässt sich dann erahnen, in welche Richtung der Abend gehen könnte. Denn das Auftaktstück greift musikalisch auf, wie Kriegers erste beiden Jahre verlaufen sind: dramatisch, durch die Wahlanfechtung des im Vorfeld abgewiesenen Bewerbers Thomas Nitsch, aber trotz allem zielstrebig und hoffnungsvoll, ob mit oder zunächst noch ohne Stimmrecht der mit gut 70 Prozent gewählten Schultese im Gemeinderat.
Das lange Warten bis zur finalen Klageabweisung und auf die Amtseinsetzung thematisieren mehrere Redner. So sagt Bauer, „dass wir gerne früher gefeiert hätten“, und Landrat Marcel Musolf betont, als er die Wahlprüfungsurkunde überreicht, „dass es trotz aller Belastungen für dich, liebe Christiane, und die Stadt Wernau, keinen Stillstand gegeben hat“. Andererseits, und das wird in den Ausführungen ebenfalls deutlich: Eine solche Feier hätte 20 Monate früher gar nicht stattfinden können.

Die Riege der Ehrengäste ist groß
So aber erfährt die Bürgermeisterin, die bis jetzt offenkundig nicht viel falsch gemacht hat, Wertschätzung pur. Die Riege der Ehrengäste ist groß: Bundes- und Landtagsabgeordnete sind gekommen, ebenso Oberbürgermeister und Bürgermeister aus der Umgebung. Zudem sind die Verwaltungsbeschäftigten da und Kriegers Amtsvorgänger in Wernau, Armin Elbl und Roger Kehle. Hinzu kommt die versammelte Stadtgesellschaft, die nach und nach in einem liebevoll zusammengestellten Programm, das von einem Team um Hauptamtsleiterin Leonie König verantwortet wurde, auf der Bühne in Erscheinung tritt. Der Tschakka-Chor der Grundschulen singt, die Musikschule spielt, die TSV-Tanzgruppe Mixed tritt auf und die städtischen Kindergärten übermitteln ihre Glückwünsche in einer professionell gefertigten Videobotschaft.
Dazwischen werden launige Reden gehalten, von Landrat Musolf, aber auch vom Denkendorfer Bürgermeister Ralf Barth, im Namen des Gemeindetag-Kreisverbands, sowie für den fast vollständig versammelten Gemeinderat von Sabine Dack-Ommeln, der Fraktionsvorsitzenden der Wernauer Bürgerliste.
Und natürlich gibt es Geschenke, die fast alle mit Kriegers großer Leidenschaft, dem Fußball im allgemeinen beziehungsweise dem VfB Stuttgart im besonderen, zu tun haben. Dass die Wasenkicker ihr Herzensverein sind, ist inzwischen weithin bekannt. Und so war es Stadionsprecher Holger Laser nach eigenem Bekunden „eine Ehre, diese Amtseinsetzung moderieren zu dürfen“.

Die Chefin ist in der Stadt allseits bekannt
Die Formalien, darunter die feierliche Verpflichtung der Bürgermeisterin, werden ausgesprochen kurz gehalten, sodass genügend Zeit für die individuell auf Krieger zugeschnittenen Aufführungen bleibt. Hochprofessionell hatten die Amtsleiter ein sehr persönliches Saalquiz vorbereitet. Es zeigte sich, dass ihre Chefin in der Stadt allseits bekannt ist. Gleich darauf macht der Chor Leo Cantabile des Liederkranzes seine Aufwartung, und was die Freiwillige Feuerwehr zeigt, führt zu Begeisterungsstürmen im Publikum. Kommandant Steffen Sitte setzt zur Rede an, wird aber jäh von einem Alarmanruf unterbrochen. Kurzer Schock im Saal, doch schnell ist klar, dass dieser zum Theaterstück der Jugendfeuerwehr gehört, das letztlich in eine Modenschau mündet. Dem nicht minder begeistert gefeierten Tanz des Ungarndeutschen Folkloreensembles folgt ein Videogruß von VfB-Keeper Fabian Bredlow, der ebenso persönlich und individuell gehalten ist, wie die gesamten Darbietungen zuvor.
Die Schultese ist in ihrer kurzen Rede erst mal sprachlos, zeigt stattdessen ihren Unterarm mit Stadtwappen-Tattoo, um sich dann für „einen wunderbaren Wernau-Abend“ zu bedanken. Zu Ende ist dieser indes noch nicht. Die Stadtkapelle begleitet den Sänger Robin Henderson zu „Music“ und „Let me entertain you“. Die Unterhaltungen gehen danach im Foyer weiter. Worte wie „großartig“ und „sensationell“ fallen immer wieder. Und: Es wird spät. (eas)

Die neue Flugroute für den Flughafen Stuttgart hat mehr Beschwerdemeldungen zur Folge. Das stellt die neue Lärmschutzbeauftragte fest. Die Bürgerinitiative hat eine Petition gestartet.

Das neue, verkürzte Abflugverfahren für Flüge in Richtung Süden sorgte für viele Lärmbeschwerden in den neu betroffenen Kommunen. Etwa 85 Prozent aller Lärmbeschwerden kamen aus Orten, die einen räumlichen Bezug zum neuen Abflugverfahren haben. Das hat Kathrin Frank, die neue Lärmschutzbeauftragte für den Flughafen Stuttgart, mitgeteilt. Im Jahr 2024 seien weniger als ein Prozent der Flugbewegungen über diese Route abgewickelt wurden.
Ein räumlicher Vergleich des Beschwerdeaufkommens zeigt der Expertin, dass Orte ohne Bezug zum seit 2023 betriebenen neuen Abflugverfahren „weiterhin ein zu den Vorjahren vergleichbares Beschwerdeaufkommen haben.“ Bei den neu Betroffenen sieht das anders aus.
Die Bürgerinitiative „Vereint gegen Fluglärm“ fordert, dass der Kompromissvorschlag umgesetzt wird, nach dem auf der neuen Flugroute erst ab 8 Uhr geflogen werden soll. Darauf hatte sich eine Mehrheit in der Fluglärmkommission geeinigt. Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay, der Vorsitzende des Gremiums, hatte aber damals schon deutlich gemacht, dass die Akteure am Flughafen da wohl nicht mitziehen. Dazu müssten auch die Fluggesellschaften einverstanden sein. Die Slots zwischen 6 und 8 Uhr sind am Flughafen die gefragtesten. Nun sammelt die Initiative Unterschriften für eine Petition, die fordert, dass sich der Landtag mit dem Thema auseinandersetzt. Wenn mindestens 10 000 gültige Unterschriften gesammelt werden, muss der Petitionsausschuss in der Regel eine öffentliche Anhörung abhalten.
Dass Fluglärm im gesamten Kreis Esslingen ein Problem bleibt, stellte die neue Lärmschutzbeauftragte in ihrem Bericht für das Jahr 2024 klar, der in diesem Jahr später kommt als sonst. Der Grund ist, dass der bisherige Lärmschutzbeauftragte, Stefan Köhler, nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart gegangen ist. So war die wichtige Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die unter dem Fluglärm leiden, „mehrere Monate“ nicht besetzt.

Weniger Nachtflüge sorgen für Entlastung
Kathrin Frank hat ihre Stelle im September 2025 angetreten. Sie ist Ingenieurin und Privatpilotin. Das Regierungspräsidium, bei dem die Stelle angesiedelt ist, verwies auf die Bedeutung. „Fluglärm ist ein Thema, das viele Menschen bewegt. Umso wichtiger ist es, dass Bürgerinnen und Bürger eine kompetente und neutrale Ansprechpartnerin haben“, sagte Regierungspräsidentin Susanne Bay.
Dass der Bedarf nach wie vor groß ist, stellte die neue Lärmschutzbeauftragte klar. „Das Beschwerdeaufkommen rund um den Flughafen bleibt hoch“, sagt Frank. Dennoch sorgten weniger Nachtflüge für eine gewisse Entlastung. Immer wieder komme es zu Lärmbeschwerden, auch wenn die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten würden.
Die Lärmschutzbeauftragte hat hier aus ihrer Sicht „die vermittelnde Aufgabe“, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, wieso der wahrgenommene Lärm in der Regel gesetzeskonform ist. Wird gegen Vorgaben verstoßen, ist es Aufgabe der Lärmschutzbeauftragten, einzuschreiten und den Grund zu ermitteln. „In diesem Fall verfolgt man das Fehlverhalten der Fluglinien und sorgt so für Lärmverbesserungen im Flugverkehr“, sagt Kathrin Frank. 2024 habe es aber keine Notwendigkeit gegeben, Fluglinien wegen ihres Fehlverhaltens zu verfolgen.
Die Beschwerden, die während der Vakanz eingegangen sind, hat die Lärmschutzbeauftragte nun erfasst und in die Statistik eingearbeitet. Insgesamt sind demnach 13 788 Beschwerden beim Lärmschutzbeauftragten eingegangen. Anonyme Beschwerden würden allerdings nicht erfasst. 29 Prozent der Beschwerden wurden von vier Beschwerdeführen eingereicht, die sich vielfach beschwert haben. Diese Beschwerden werden nach Franks Worten erfasst, „jedoch aus der flächenhaften Verteilung der Beschwerden herausgerechnet, um ein räumliches Verzerren des Beschwerdeaufkommens zu vermeiden“. Im Jahr 2024 sind die Flugbewegungen auf 95 481 angestiegen. Die Anzahl von Nachtflügen hat im selben Zeitraum abgenommen. „Grund hierfür ist, dass Nachtpostflüge ab dem 1. April 2024 eingestellt wurden“, sagt Kathrin Frank. Das entlastet die Bürgerinnen und Bürger aus ihrer Sicht deutlich.

Info: Die Lärmschutzbeauftragte Kathrin Frank ist für Informationen und Fragen unter der Telefonnummer 07 11/ 72 24 93 49 oder per E-Mail an: lsb@rps.bwl.de zu erreichen. (eli)