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Claus Hintennach

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Die Stadt Esslingen ändert ihre Polizeiverordnung: Die Alkoholverbotszone rund um den Bahnhof wird erweitert, die Mittagsruhe wird abgeschafft.

Der Konsum von Alkohol rund um den Esslinger Bahnhof ist auch weiterhin verboten. Die Stadt verlängert das Alkoholverbot und weitet die Verbotszone gleichzeitig aus. So soll das Verbot künftig auch in der Fleischmannstraße beim Bahnhofplatz und vor dem IKK-Gebäude gelten. Zudem schafft die Stadt die bislang geltende Mittagsruhe ab.
Eine große Mehrheit des Gemeinderats stimmte in der jüngsten Sitzung für die Verlängerung und Ausweitung der Alkoholverbotszone. Der Konsum von Alkohol ist schon seit Jahren zu bestimmten Zeiten auf dem Esslinger Bahnhofplatz und im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) verboten. Laut Stadtverwaltung hat sich das Verbot bewährt, denn damit habe der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) eine rechtliche Handhabe mit Blick auf die sogenannte Trinkerszene.
Allerdings kann ein solches Alkoholverbot stets nur zeitlich befristet ausgesprochen werden – die bislang geltende Regelung wäre jetzt ausgelaufen. Mit dem Beschluss des Gemeinderats gilt das Alkoholverbot nun für weitere drei Jahre und wurde zudem auf den Platz vor dem IKK-Gebäude und die Fleischmannstraße beim Bahnhofplatz ausgeweitet.
Der CDU-Fraktionschef Tim Hauser betonte, die Ausweitung sei sinnvoll, weil die Ordnungskräfte damit ein weiteres Instrument im Werkzeugkasten hätten. „Unser Eindruck ist, dass auch die mobile Wache am Bahnhof wirkt“, so Hauser. Eventuell müsse man aber noch einmal über das Thema Videoüberwachung sprechen, auch mit Blick auf eine mögliche Verdrängung der Trinkerszene in den Neckaruferpark oder den Merkelpark.
Ähnlich äußerte sich Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Es ist richtig und wichtig, die Alkoholverbotszone auszuweiten.“ Es sei aber auch sehr wichtig, künftig den Neckaruferpark zu bestreifen, damit sich die Szene nicht dorthin verlagere. „Schließlich gibt es ja einen Treffpunkt für die Trinkerszene, der sehr gut funktioniert“, erklärte sie mit Blick auf den „Treff am Bahnhof“ in einem Container in der Fleischmannstraße.

Verweis auf die „soziale Kontrolle“
Während Hermann Beck (WIR/Sportplätze erhalten) das Alkoholverbot nur für einen kleinen Schritt zur Verbesserung der Situation am Bahnhofplatz hält, erklärte Rena Farquhar, Vorsitzende der Fraktion FDP/Volt, sie werde sich bei der Abstimmung enthalten: „Soziale Kontrolle hilft viel besser als Verbote.“ Sie hoffe, dass der Bahnhofplatz wie angekündigt belebt und damit die soziale Kontrolle erhöht werde.
Da im Zuge der Ausweitung des Alkoholverbots ohnehin die Polizeiverordnung angepasst werden muss, schlug die Stadtverwaltung gleich noch eine weitere Änderung vor: Die Aufhebung der Mittagsruhe für Haus- und Gartenarbeiten. Bislang durften nicht-gewerbliche Haus- und Gartenarbeiten, die zu erheblichen Belästigungen anderer führen können, nur an Werktagen zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie zwischen 14 und 20 Uhr erfolgen. Künftig sollen solche Arbeiten lediglich zwischen 20 Uhr abends und 7 Uhr morgens verboten sein.
Laut Ordnungsbürgermeister Yalcin Bayraktar will die Stadt sich damit Aufwand ersparen. Viele Beschwerden gebe es zwar nicht, aber: „Es gibt Anfragen zur Streitschlichtung“, erklärte Bayraktar. Wenn die Mittagsruhe nicht mehr gelte, sei die Stadt dafür nicht mehr zuständig. „Wir sollen ja immer schauen, wo wir entbürokratisieren können“ – das wäre laut Bayraktar eine gute Möglichkeit. Vor diesem Hintergrund könne ihre Fraktion der Abschaffung der Mittagsruhe zustimmen, erklärte Grünen-Chefin Tittel. Bei Bedarf könne man diese ja auch wieder einführen. SPD-Rätin Christa Müller erklärte: „Die Mittagspause hat sich etabliert – wir setzen auf die gute Kinderstube der Esslinger und gehen davon aus, dass sie nicht um die Mittagszeit die Kettensäge herausholen.“ Auch Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler, betonte: „Mit gesundem Menschenverstand weiß man, dass man zur Mittagszeit keinen Lärm macht.“ Hermann Beck signalisierte ebenfalls Zustimmung.
Nicht so Rena Farquhar: „Wenn sich alle an die gute Kinderstube halten würden, bräuchten wir gar keine Polizeiverordnung“, erklärte sie. Aber dem sei leider nicht so. Auch CDU-Chef Hauser zeigte sich wenig begeistert von der Abschaffung: „Die Mittagsruhe hat sich offensichtlich etabliert, daher gibt es keinen Grund, sie aufzuheben.“ Zumal es genügend Menschen gebe, die ruhebedürftig seien – etwa Senioren oder Schichtarbeiter. Der Antrag seiner Fraktion zur Beibehaltung der Mittagsruhe wurde jedoch abgelehnt: Die Mittagsruhe wird abgeschafft.

Voraussetzungen für Verbotszone
Laut Esslinger Stadtverwaltung sind die Voraussetzungen für die Verlängerung und Ausweitung des Alkoholverbots erfüllt. So seien im Jahr 2025 rund um den Bahnhof 208 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Alkoholkonsumverbot eingeleitet worden, im Jahr zuvor 187 – der Schwellenwert liege bei 50. Hinzu kämen 67 Strafanzeigen im Jahr 2024 und 63 Straftaten 2025. Zudem müsse das Verbot zeitlich beschränkt sein: In Esslingen gilt es vom 1. März bis 15. November täglich von 12 bis 1 Uhr. (meb)

Damit die Vereinsgaststätte des TV Hochdorf am Aspen Mitte April wieder eröffnet werden kann, haben sich Vereinsmitglieder ins Zeug gelegt.

Wenn alles nach Plan läuft, können die Gäste in einigen Tagen auf den neuen Terrassenmöbeln am Aspen Probe sitzen. Die Rede ist von der Gaststätte des TV Hochdorf, die Mitte April nach zwei Jahren Leerstand wieder eröffnet werden soll. Ein immenser Kraftakt war notwendig, um das Traditionslokal wieder flott zu machen, berichten Michaela Draffehn und Günter Schall vom Vorstandsteam, denn nur durch einen hohen Anteil an Eigenarbeit konnte der Verein diese große Aufgabe stemmen.
Auf mehr als 500 Stunden schätzen Schall und Draffehn die Zahl der Arbeitsstunden, die die Ehrenamtlichen vom TVH in ihr Vereinslokal am Aspen bisher investiert haben. „Die haben einen Megajob gemacht, das Team ist eine glückliche Fügung“, lobt Schall die handwerklich geschickten frisch gebackenen Ruheständler, die den Bärenanteil der Arbeit in den vergangenen Monaten gestemmt haben. „Und das war mehr als sportlich“, so Schall.
Die Rede ist von einem kleinen, aber umso effektiver arbeitenden Team, das sich vor allem aus aktiven Boule-Spielern zusammengefunden hat. „Jeder weiß, wie der andere tickt. Wir kennen uns schon seit Jahrzehnten“, beschreibt Christian Lang die Ausgangslage. Und für seinen Vereinskameraden Manne Braun steht fest: „Das Team war einfach perfekt. Wir haben uns über Wochen gut abgestimmt.“ Zunächst wurde die Holzdecke in der Küche runtergerissen. „So sind wir eingestiegen.“ Denn Holz in der Gastroküche sei nicht mehr zulässig.
Nur einer aus der Gruppe habe als Fliesenleger professionelle handwerkliche Fähigkeiten mitgebracht und dafür gesorgt, dass alle Ecken und Kanten mit perfekten Acrylfugen versehen wurden. Alles andere haben sich die Vereinskameraden selbst beigebracht. Vor allem den Einbau von Gipskartonplatten hätten sie dabei gelernt und damit zum Beispiel auch die große neue Abluftanlage über dem Gastroherd eingehaust und mit Spezialfarbe gestrichen, berichten sie.

Vieles fehlte, vieles war marode
„Wir haben viele Überraschungen erlebt“, erinnert Vorstand Günter Schall beim Rundgang durch die Küche an die heiße Sanierungsphase. Diese Schaltzentrale des Gastronomiebetriebs und damit auch das technische Herzstück musste komplett saniert und neu eingerichtet werden, vieles fehlte, vieles war marode.
Zu den ersten Überraschungen zählten die Angebote, die den TVH-Verantwortlichen dazu ins Haus flatterten. Allein das Angebot des Küchenbauers umfasste die stattliche Summe von 120 000 Euro. „Da mussten wir deutlich abspecken, immerhin sind wir mal von 50 000 Euro ausgegangen“, schildert Schall das Dilemma – am Schluss habe man 80 000 Euro in die Küche investiert.
Schnell war klar, die Ehrenamtlichen müssen Planung und Bauleitung selbst in die Hand nehmen, um Kosten zu drücken. Im September 2025 wurden die ersten Pläne geschmiedet, und nachdem das Vorstandsteam viele Wochenenden über Plänen und Angeboten gebrütete hatte, konnten die technisch versierten Bouler mit der praktischen Arbeit beginnen.
Aber ohne Profis wäre es nicht gegangen. Allein rund 100 Stunden gehen auf das Konto eines Elektrofachbetriebs, der die ganze Elektrik überarbeitet und neue Starkstromkabel verlegt hat. Außerdem gab es Installationsarbeiten zu erledigen, Rohre waren durchgerostet, der Flüssiggastank brauchte neue Armaturen und die neuerdings vorgeschriebenen Funkzähler für Heizung und Wasser mussten ebenfalls eingebaut ­werden. Nun verfügt die Küche über einen neuen Gasherd samt Bratplatte, besagte Abluftanlage, eine Haubenspülmaschine, eine gekühlte Anrichte für Gemüse und Salat sowie zahlreiche Schränke und Arbeitsflächen. Im Gastraum hat der Verein außerdem zwei Theken mit Kühlfächern für Getränke finanziert, während die neue Pächterin Hatice Beydogan den Pizzatisch und die Gläserspülmaschine sowie die Sanierung des Pizzaofens übernommen hat.
„Da sind wir gemeinsam auf einen guten Weg gekommen“, lobt Günter Schall das Zusammenspiel mit der künftigen Gastronomin, die mit ihrer Familie bereits in die dazugehörende Wohnung eingezogen ist.
Noch sind nicht alle Abrechnungen komplett, aber Schall und Draffehn rechnen für die Küchen- und Gastrosanierung mit rund 100 000 Euro Kosten. Der Vorstand hofft nun auf eine langfristige Zusammenarbeit mit der Pächterfamilie, damit die Investition auch wirtschaftlich betrachtet ein Erfolg wird. Es daure immerhin rund zehn Jahre, „bis wir wieder was auf dem Konto haben“, wie es Schall mit Blick auf die künftig anstehende Heizungssanierung und die geplante PV-Anlage formuliert.
Bereits in den vergangenen Jahren wurde in die Sportanlage und das Vereinsgebäude, das 1976 errichtet worden war, kräftig investiert. Neue Flutlichter wurden angeschafft, eine Boule- und eine Laufbahn saniert. Das Dach sei saniert, die Heizung optimiert und die Toiletten renoviert worden, erklärt Schall. Das kostete etwa eine viertel Million Euro. Für die Finanzierung war die Unterstützung der Gemeinde essenziell, zumal das Gebäude Verein und Gemeinde gemeinsam gehört. Die Küchensanierung stemmt der TVH alleine, da er für die Gastronomie zuständig ist. (com)

Der Bauausschuss des Esslinger Gemeinderats gibt grünes Licht zur Umgestaltung des östlichen Stadteingangs. Startschuss soll allerdings erst 2028 fallen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird im Esslinger Rathaus über eine Aufwertung der Ritterstraße diskutiert. Erklärtes Ziel ist es, „dieses wichtige Bindeglied zwischen östlicher und westlicher Altstadt als sozialen, öffentlichen und vielfältig nutzbaren Raum zu stärken“. An Vorschlägen und Ideen fehlt es nicht, doch die knappen Kassen haben der Stadt immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun will man Ernst machen – allerdings erst nach dem Stadtjubiläum 2027. Eine konkretisierte Planung wurde kürzlich im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) des Gemeinderats vorgestellt. Stattliche Zuschüsse, mit denen man im Rathaus rechnet, sollen die Realisierung ermöglichen. Ob sich auch der Wunsch nach einem Zugang zum Rossneckar erfüllen lässt, ist allerdings ungewiss.
Mit der Umgestaltung der Ritterstraße will die Stadt die Aufenthaltsqualität verbessern und zur Belebung der östlichen Altstadt beitragen. „Trotz der komplexen Rahmenbedingungen und der vielfältigen Anforderungen ist es gelungen, im Planungsbereich ein Mehr an grüner Infrastruktur zu schaffen“, ist die Verwaltung mit Blick auf das Konzept des Heidelberger Planungsbüros GDLA überzeugt.
Dazu gehören acht weitere Baumstandorte, attraktivere Baumbeete in der Ritterstraße sowie zwei zusätzliche Baumstandorte in der Küferstraße. Fußgänger und Radfahrer sollen in der Ritterstraße gleichberechtigt unterwegs sein, beschattete Zonen sollen den Blick zur Altstadt und zum Wasser eröffnen, die Straße mit ihrer reichen Geschichte soll als historische Flaniermeile erkennbar sein. Der Rossneckarplatz am Eingang zur Ritterstraße aus Richtung Maille-Kreuzung, der sich heute als schmucklose Parkfläche unter Wert verkauft, soll zu einem Kristallisationspunkt urbanen Lebens werden.

Die Finanzen im Blick behalten
Weil die Stadt erst nach dem Stadtjubiläum mit der Umgestaltung der Ritterstraße beginnen will, sind für 2027 temporäre Maßnahmen geplant, die eine erste Ahnung von den geplanten Veränderungen geben sollen. Die eigentliche Neugestaltung soll erst 2028 beginnen und in Etappen über die Bühne gehen, wobei die Stadt die Finanzen angesichts der angespannten Haushaltslage genau im Blick behalten möchte. OB Matthias Klopfer hat unlängst verordnet, dass neue Investitionen nur dann umgesetzt werden, „wenn sie weitgehend durch Fördermittel oder das Sondervermögen des Bundes finanziert werden können“. Bei der Ritterstraße sieht sich Finanzbürgermeister Ingo Rust auf der sicheren Seite: Das Projekt wird in drei Etappen realisiert, die Kosten werden auf fünf Millionen Euro begrenzt, wobei die Stadt guten Mutes ist, 3,2 Millionen Euro an Zuschüssen zu bekommen. Nach dem formellen Baubeschluss kann noch in diesem Jahr ein offizieller Förderantrag eingereicht werden.
Im ABMK fanden die Pläne einhellige Zustimmung. Dass die Stadt dieses Projekt in finanziell angespannten Zeiten anpackt, fand Tim Hauser (CDU) allerdings unglücklich: „Da wurde in den vergangenen 20 Jahren viel Zeit verplempert.“ Ob das vorhandene Pflaster durch einen neuen Bodenbelag ersetzt werden muss, der dem neuen Belag am Marktplatz ähnelt, bezweifelte Hauser, der die Realisierung des Projekts an die Bewilligung der Fördergelder knüpft. Carmen Tittel (Grüne) legte Wert auf die Feststellung, dass die Stadt trotz klammer Kassen auf Investitionen nicht verzichten dürfe. Sie bemängelte, dass der seit Jahren geforderte Zugang zum Rossneckar fehlt. Doch da verwies Yvonne Bast-Schöning, die das Projekt im Stadtplanungsamt betreut, auf allzu hohe Hürden: Einerseits stehe der Denkmalschutz größeren Eingriffen ins historische Mauerwerk der Rossneckar-Einfassung entgegen. Und andererseits münde just an dieser Stelle ein Mischwasserkanal in den Rossneckar, was zu hygienischen Problemen führen könne.
Daniel Scharpf (SPD) begrüßte die Pläne, beklagte aber den zwei Jahrzehnte dauernden Vorlauf. Er würde sich wünschen, dass im Zuge der Ritterstraßen-Umgestaltung auch die lange geforderte öffentliche Toilette in diesem Bereich gebaut wird. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) zeigte sich „bereit, die Planungen weiterhin mitzugehen“, will die Entwicklung der städtischen Finanzen jedoch genau im Blick behalten. Genau wie Rena Farquhar (FDP/Volt) wollte aber auch sie wissen, wie lange die Stadt notfalls die Bremse treten könne. Farquhar findet überdies: „Nicht alles, was eine Förderung bekommt, muss realisiert werden.“ Finanzbürgermeister Ingo Rust sieht bis zur förmlichen Ausschreibung der Bauarbeiten 2027 die Möglichkeit, das Projekt zu stoppen. Baubürgermeister Hans-Georg Sigel sagte derweil zu, im Bereich der Maille nach anderen Möglichkeiten für einen Zugang zu den Esslinger Neckarkanälen zu suchen. (adi)

Das Umweltzentrum Neckar-Fils in Plochingen startet mit innovativer Technik und einem buntem Programm ins Frühjahr.

Der Frühling steht in den Startlöchern und damit auch das Umweltzentrum Neckar-Fils in Plochingen: Mit dem Sonnenschein schnurrt der Stromzähler an der neuen Photovoltaikanlage des Gebäudes im Bruckenwasen. In einem großen Sanierungsprojekt – die Kosten lagen bei rund einer Viertelmillion Euro – hat das Umweltzentrum im vergangenen Jahr seine defekte Glasfront ausgetauscht. Glas wurde dabei nicht einfach durch Glas ersetzt, sondern durch Scheiben mit integrierten Solarzellen, die eine österreichische Fachfirma individuell angefertigt hat. Das innovative Projekt bekam Zuschüsse aus verschiedenen Fördertöpfen.
In Fahrt kommt jetzt auch das Jahresprogramm des Umweltzentrums. Der Vortrag am Dienstag, 21. April, 19 Uhr, widmet sich dem Vogel des Jahres, dem Rebhuhn. Referent ist Wolf Rühle, Ornithologe und Landespfleger. Er führt auch den Sensenkurs am Samstag, 9. Mai, durch und lädt am Samstag, 29. August, zur Abendführung über Fledermäuse ein.
Im Programm finden sich zahlreiche Workshops rund um Kräuter, teils mit kulinarischer Komponente. Unter dem Titel „Frühlingsblüher“ bestimmt und erklärt Kräuterpädagogin Martina Schäfer am Mittwoch, 15. April, ab 18 Uhr, im Garten des Umweltzentrums verschiedene Wildkräuter. Weil sich im Lauf des Sommers die Auswahl an Kräutern ändert, folgen zwei weitere Termine im Juni und September. Erstmals im Programm ist ein Workshop mit Irina Schulz im Juni: Sie erklärt Heilpflanzen und die Wirkung ihrer Bitterstoffe. Und sie führt sie wieder den Kurs „Grünkraft – Hildegard von Bingen“ durch.

Kräuter treffen auf Käse und Wein
Ebenso werden „No Waste“-Workshops angeboten. So vermittelt die Kräuterpädagogin Monika Schiller in zwei Kursen das Herstellen von Kosmetik, von der Seife über Shampoo-Bars bis hin zur Deo-Creme. Die Termine dafür sind im Juli und im November. Der Kurs „Die Brennnessel – Unkraut oder Alleskönner“ wird ebenso wieder angeboten wie der äußerst beliebte Kurs „Kräuter treffen auf Käse und Wein“ und weitere Kurse rund um Hagebutten, Senf oder Wurzeln.
Der bewährte Sensen- und Dengelkurse im Mai zählt seit Beginn bereits 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. „So werden immer mehr kurz gehaltene Rasenflächen zu Blühwiesen, weil die Gartenbesitzer das Gras höher stehen lassen können und erst mähen, wenn die Blüher ausgesamt haben“, freut sich Matthias Weigert, der Vorsitzende des Trägervereins.
Um den Nachwuchs anzusprechen, stehen zwei Lesungen für Kinder mit Kreativzeit im Kalender: am 12. April mit dem Buch „Du bist etwas ganz Besonderes, Tilli Löwenzahn“ und am 15. November mit „Tanne und das Geheimnis der Waldfreundschaft“. Diese Doppelveranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Storchenverlag statt.
Gute Tradition ist auch die Teilnahme am Plochinger Bruckenwasenfest, dieses Mal am Sonntag, 10. Mai, verbunden mit dem Tag der Nachhaltigkeit, zu dem unter anderem eine Tombola, vegane Smoothies, kreative Lesungen, Mitmachstände und mehr locken.
Das Umweltzentrum Neckar-Fils bietet seit der Landesgartenschau in Plochingen im Jahr 1998 eine Plattform für Aktivitäten und Angebote der Natur- und Umweltschutzverbände aus dem Raum Plochingen und dem Landkreis Esslingen. Der Trägerverein – bestehend vor allem aus Umweltverbänden, aber auch Einzelpersonen – und dessen ehrenamtlicher Vorstand sind für den laufenden Betrieb des Gebäudes zuständig. Trägerverein, Stadt und Landkreis bringen das Projekt „Oase für Biene, Falter und Co.“ am Neckarknie voran, das Teil der Kampagne „Blühender Landkreis“ ist.
In Zusammenarbeit mit der Stadt Plochingen kamen auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände Blühwiesen, Wildbienenbehausungen sowie Schautafeln hinzu. Der Garten des Umweltzentrums entwickelte sich zum Schaugarten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter übernehmen auch Aufgaben in der Gehölzpflege und betreuen die unmittelbar angrenzenden öffentlichen Bereiche des ehemaligen Landesgartenschaugeländes.

Info: Anmeldung zu den Kursen: Telefon 0 71 53 / 6 08 69 65 oder Mail: verwaltung@umweltzentrum-neckar-fils.de. (aia)

Beim Bürgerentscheid haben sich die Esslinger klar gegen einen Umzug der Bücherei zu Kögel entschieden. OB denkt über Verkauf der Heugasse 11 nach.

Seit Monaten wird in Esslingen über den künftigen Standort der Stadtbücherei diskutiert und auch gestritten – nun sorgten die Bürgerinnen und Bürger für klare Verhältnisse: Beim Bürgerentscheid am vergangenen Sonntag wurde das bisherige Domizil im Bebenhäuser Pfleghof mit 68,5 Prozent der gültigen Stimmen bestätigt, für einen Umzug der Bibliothek ins frühere Modehaus Kögel konnten sich nur 31,5 Prozent erwärmen. Nach dem eindeutigen Votum möchte Oberbürgermeister Matthias Klopfer nun die Weichen für die seit vielen Jahren immer wieder aufgeschobene Sanierung des Pfleghofs stellen. Dass der OB noch am Abend des Bürgerentscheids ankündigte, den Gemeinderat rasch über den Verkauf des Nachbarhauses Heugasse 11 entscheiden zu lassen, das seit den 90er-Jahren als Erweiterungsfläche für den Pfleghof im Gespräch ist, hat viele allerdings irritiert.
Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatten auch noch auf den letzten Metern die Bürgerentscheid-Initiative, die sich für den Pfleghof stark machte, und die Initiative Neustart, die für die Kögel-Lösung warb, für ihre Positionen geworben. Im Bürgersaal des Alten Rathauses hatten Interessierte dann am Sonntagabend Gelegenheit, die Auswertung der Stimmen aus den Wahlbezirken zu verfolgen – parallel zur Landtagswahl. Gleich der erste ausgezählte Bezirk ergab eine klare Zweidrittelmehrheit für den Pfleghof, die sich für den Rest des Abends nicht mehr wesentlich verändern sollte. Und als klar war, dass das nötige Quorum von 13 551 Ja-Stimmen erreicht war, gab es großen Jubel bei den Pfleghof-Befürwortern. Am Ende lautete das Bürgerentscheid-Ergebnis: 26 464 gültige Stimmen (68,5 Prozent) entfielen auf den Pfleghof, 12 164 Stimmen (31,5 Prozent) wurden für Kögel verbucht. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 Prozent.

„Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten“
Die Initiatoren des Bürgerentscheids sahen sich durch das klare Votum in ihrem Bekenntnis zu einer modernisierten Bücherei im Pfleghof bestätigt. „Ein großartiges Ergebnis – besser geht’s nicht“, befand Rena Farquhar. „2019 gab es 15 321 Stimmen für den Pfleghof, diesmal 26 464 – weit mehr, als der OB bei seiner Wahl erhalten hat. Damit ist ganz klar, was die Bürgerschaft möchte. Das gilt es zu respektieren.“ Und Martin Auerbach erklärte: „Dieses Ergebnis ist ein wichtiges Signal an die Stadt, dass die Bürgerinnen und Bürger ernst genommen werden wollen und dass es gut und richtig ist, wenn wir uns auf unverzichtbare Vorhaben wie die überfällige Sanierung des Pfleghofs konzentrieren.“ Hermann Beck freute sich: „Ein großartiges Ergebnis für den Pfleghof, das für den Gemeinderat Verpflichtung sein muss, dort im Sinne der Bürger etwas richtig Gutes zu schaffen. Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten.“ Für Beck ist klar: „Wir werden uns auch darum kümmern, dass die Stadt das Problem fehlender Lernplätze rasch angeht. Dafür gibt es kurzfristig Möglichkeiten. Darüber werden wir aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dass im Nachbarhaus Heugasse 11 ein Lernhaus entsteht.“
In sozialen Netzwerken erklärte die Initiative Neustart: „Neustart bleibt der Stadtbücherei verbunden und wird sich dafür einsetzen, dass unsere Ziele eines barrierefreien, jugend- und familienfreundlichen Lern- und Begegnungsortes auch im Pfleghof so gut wie möglich umgesetzt werden.“
Noch bevor der letzte Wahlbezirk ausgezählt war, kündigte OB Matthias Klopfer im Bürgersaal an: „Wir werden die nächsten Schritte nun zügig vorbereiten. Gleichzeitig werden wir uns intensiv um Landesfördermittel bemühen.“ Die Verwaltung werde bereits am 27. April eine Vorlage zum weiteren Vorgehen in den Gemeinderat einbringen. Und am Montag konkretisierte Klopfer: „Einerseits werden wir die Eigentümerinnen und Eigentümer des Kögel-Areals weiterhin bei der Suche nach einer geeigneten Nachnutzung unterstützen, um einen jahrelangen Leerstand an zentraler Stelle zu vermeiden. Andererseits müssen wir dem Team der Stadtbibliothek eine Perspektive bieten und diese wichtige Einrichtung zukunftsfähig ausrichten.“ Klopfer betonte auch, es sei ihm „ein großes Anliegen, dass wir nach den heißen und emotionalen Debatten in den vergangenen Monaten wieder zusammenrücken und gemeinsam zum Wohle der Stadtbibliothek und der Stadtgesellschaft nach vorne blicken.“ (adi)

Ein Experte warnt in einem Bericht vor dem Köngener Gemeinderat, dass die Streuobstbestände akut gefährdet seien.

Baden-Württemberg hat vielfältige und einzigartige Naturräume, diese beinhalten wiederum eine Vielzahl an Biotopen. Damit sind Lebensräume gemeint, die Tier- und Pflanzenarten zur Nahrungssuche, als Fortpflanzungsstätten oder auch als Rückzugsgebiete benötigen. Um diese Vielfalt zu erhalten, müssen die Arten zwischen den verschiedenen Räumen wandern und sich genetisch austauschen können.
Ein dichtes Netz verbundener Lebensräume – der sogenannte Biotopverbund – ist daher überlebenswichtig für die biologische Vielfalt und die intakte Natur. Deswegen hat sich das Land mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz 2020 unter anderem das Ziel gesetzt, bis 2030 den funktionalen Biotopverbund auf mindestens 15 Prozent des Offenlandes der Landesfläche auszubauen. Mit 10,9 Prozent Ende 2023 wurde das Zwischenziel bereits erreicht – als wesentliche Akteure fungieren dabei die Landschaftserhaltungsverbände (LEV), Biotopverbundbotschafter sowie die Kommunen.
Um das zu unterstützen, werden Planungskosten einer Biotopverbundplanung mit 90 Prozent gefördert – so hat auch die Gemeinde Köngen bereits vor drei Jahren ein solches Schriftwerk in Auftrag gegeben, die Ergebnisse wurden dem Gemeinderat von Jürgen Deuschle vom Büro Tier- und Landschaftsökologie (Köngen) nun vor Kurzem vorgestellt.

Isolierte Lebensräume vernetzen
„Köngen hat noch große Entwicklungspotenziale“, konstatierte Jürgen Deuschle – was aber in einer dicht besiedelten Landschaft wie dem Mittleren Neckarraum nicht außergewöhnlich sei. Unterm Strich empfiehlt der Experte 29 Einzelmaßnahmen auf 57 öffentlichen und privaten Flächen, um neue Trittsteinbiotope zu schaffen oder bestehende Biotope zu optimieren.
Trittsteinbiotope sind kleine, isolierte Fläche, die als „Trittstein“ in der Landschaft dienen, um isolierte Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu vernetzen. Diese Biotope ermöglichen den genetischen Austausch, die Ausbreitung von Arten und dienen als Rast- oder Rückzugsort, etwa in Form von Totholz, Kleingewässern oder naturnahen Gärten.
Große Pflegerückstände hat Deuschle in Köngen bei Feldgehölzen und -hecken sowie bei Streuobstwiesen ausgemacht. „Die Rückstände sollten aufgearbeitet werden – beispielsweise durch regelmäßige Baumpflege oder Nachpflanzungen“, erklärte Deuschle. Außerdem sind die Streuobstbestände durch die zunehmende Verbreitung der Laubholzmistel – die Schmarotzerpflanze entzieht seinem Wirt Wasser und Nährstoffe, die er für die Photosynthese braucht – akut gefährdet. Hier bestehe wie im gesamten Landkreis dringender Handlungsbedarf.
Ein weiterer Tipp, da viele der sowieso eher spärlich vorhandenen Stillgewässer verlandet und stark verschattet sind: „Sie haben so nur noch wenig Nutzen für Amphibien und andere Wasserlebewesen. Nur gesunde Gewässer schaffen Artenreichtum.“ Auch bei der Pflege der Entwässerungsgräben entlang der Äcker und Wege gibt es Verbesserungspotenzial: „Etwa der Zeitpunkt der Mahd, die sollte nicht wie in Köngen üblich im Hochsommer erfolgen.“ Wird erst mit Herbst gemäht und nicht zum Zeitpunkt der Blüte der vielen Pflanzen rund um die Gräben, sei schon viel gewonnen, so Deuschle.
Es gibt aber auch bereits Erfolgsmeldungen: So wurden in einem neuen Biotop im Steinackertal am süd-westlichen Rand der Gemarkung bereits im zweiten Jahr stark gefährdete Arten wie einige Krötenarten nachgewiesen. Obendrein empfiehlt der Experte auch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit: „Vor allem bei größeren Eingriffen.“
Für die Umsetzung der Maßnahmen gilt indes der Grundsatz der Freiwilligkeit. „Wir werden nach und nach überlegen, was machbar ist“, kündigte der Köngener Bürgermeister Ronald Scholz angesichts klammer Haushaltskasse an: „Es ist aber ein großes Anliegen der Verwaltung, einzelne Maßnahmen gemeinsam mit dem Gemeinderat auf den Weg zu bringen.“ (kd)

Esslingen entscheidet am 8. März über den künftigen Standort seiner Stadtbücherei: Soll sie am bisherigen Standort bleiben oder in ein ehemaliges Modehaus umziehen? Vor dem Bürgerentscheid gehen die Meinungen auseinander, und es gibt vieles zu bedenken.

Kaum ein Thema hat die Esslinger Bürgerschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten so beschäftigt wie die Zukunft ihrer Stadtbücherei. Seit 1989 hat die Bibliothek ihren Platz im historischen Bebenhäuser Pfleghof. Weil sie mehr Platz braucht, werden seit vielen Jahren immer wieder Standortalternativen diskutiert und wieder zu den Akten gelegt. Nun soll beim Bürgerentscheid am 8. März – parallel zur Landtagswahl – eine Entscheidung fallen: Bleibt die Bibliothek am aktuellen Standort im Bebenhäuser Pfleghof und wird dort modernisiert, oder soll sie ins frühere Modehaus Kögel umziehen?
Mittlerweile ist die Bücherei ein Politikum. Große Erwartungen wurden über die Jahre geweckt und enttäuscht, eine 25-Millionen-Euro-Rücklage für eine neue Bücherei wurde angekündigt – hinterher hieß es, es habe sie nie gegeben. Der Bürgerentscheid vom Februar 2019 brachte das klare Ergebnis, dass die Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof modernisiert und erweitert werden soll. Doch die Stadt ließ sich viel Zeit mit der Umsetzung des Bürgervotums.
Nachdem OB Matthias Klopfer im Sommer 2022 ein düsteres Bild der Finanzlage gezeichnet und eine „Kostenexplosion“ bei der Bücherei von anfangs kalkulierten 25 Millionen Euro auf mehr als 60 Millionen Euro erklärt hatte, trat der Gemeinderat im Dezember 2022 auf die Bremse und beschloss anstelle der allseits gelobten großen Lösung eine „kleine, feine Sanierung“ ohne Erweiterung ins Nachbargebäude Heugasse 11. Bis heute sehen Pfleghof-Befürworter die „Kostenexplosion“ nicht ausreichend belegt.
Im Spätsommer 2023 schlug der OB vor, die Bücherei ins frühere Modehaus Kögel zu verlegen und dort „eine zukunftsfähige Stadtbibliothek“ zu schaffen. Seither verfolgt die Stadt dieses Ziel mit großem Nachdruck. Der Oberbürgermeister hat erklärt, für die Bücherei gebe es mit dem Pfleghof eine gute und mit Kögel eine sehr gute Lösung. Die Pfleghof-Pläne sind zumindest fürs Rathaus in den Hintergrund getreten. Doch in der Bürgerschaft gibt es auch andere Stimmen. Ein neuerlicher Bürgerentscheid soll am 8. März die Entscheidung bringen. Seit Monaten werden die Argumente für und gegen beide Standorte ausgetauscht.

Finanzen: Nach den jüngsten Ankündigungen des Oberbürgermeisters, angesichts klammer Kassen massiv zu sparen und neue Investitionen nur umzusetzen, „wenn sie weitgehend durch Fördermittel oder das Sondervermögen des Bundes finanziert werden können“, könnten finanzielle Aspekte bei der Wahlentscheidung vieler Bürgerinnen und Bürger eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Flächen: Beim Platzangebot sieht die Stadt Kögel im Vorteil: Im Pfleghof stehen 1838 Quadratmeter Publikumsfläche zur Verfügung, bei Kögel geht die Stadt von 2564 Quadratmetern aus und verspricht „mehr Qualität und mehr Flexibilität“. Die zusätzlichen Flächen, die ursprünglich in den Gebäuden Fischbrunnen 4 und 4/1 eingeplant waren, wurden gestrichen. Die Pfleghof-Befürworter sehen die Chance, den Pfleghof durch die Heugasse 11 um 650 Quadratmeter zu erweitern. Und sie verweisen auf den Architektenwettbewerb zum Pfleghof, der im Bereich der Nanzhalle Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft gezeigt hatte.

Kosten: Die Stadt taxiert sowohl eine Modernisierung der Bibliothek im Pfleghof als auch den Kauf und die Sanierung des Kögel-Hauses auf jeweils etwa 20 Millionen Euro. Mit weiteren 15 bis 20 Millionen Euro rechnet der OB, wenn der Pfleghof zu einem Kulturquartier werden sollte. Was genau ein Kulturquartier kosten wird, hängt von der endgültigen Konzeption ab, über die aber erst in den 30er-Jahren entschieden werden soll.

Barrierefreiheit: „Am jetzigen Standort ist völlige Barrierefreiheit annähernd unmöglich“, sagt die Stadt. „Das liegt an der historischen Bausubstanz sowie den Vorgaben des Denkmal- und Brandschutzes. Angestrebt wird eine möglichst barrierearme Nutzung.“ Im ehemaligen Modehaus Kögel lasse sich „durch entsprechende bauliche Maßnahmen ein Höchstmaß an Barrierefreiheit erreichen“. Pfleghof-Befürworter erklären derweil, fehlende Barrierefreiheit sei schon beim Bürgerentscheid im Jahr 2019 gern ins Feld geführt, durch den Architektenwettbewerb jedoch weitgehend widerlegt worden. Barrierefreiheit sei für öffentliche Gebäude ein Muss, heißt es von dieser Seite: Ein Kulturquartier könne man nur fordern, wenn man überzeugt ist, dass Barrierefreiheit auch im Pfleghof machbar ist.

Heugasse 11: Das Nachbarhaus des Pfleghofs ist seit den 1990er-Jahren als Erweiterungsfläche für die Bücherei im Gespräch und steht schon lange leer. Erste Pläne für eine größere Bücherei wurden bereits Mitte der 90er-Jahre formuliert und 2013 vertieft. Für die heutige Stadtverwaltung ist die Heugasse 11 keine Option mehr: „Das Gebäude ist sehr kleinteilig strukturiert, hat Durchgangszimmer und nur wenig Tageslicht. Die Umsetzung von Barrierefreiheit ist sehr schwierig. Aus Denkmalschutzgründen kann im Inneren wenig verändert werden. Dies schränkt die Nutzbarkeit der Heugasse 11 für Bibliothekszwecke sehr ein.“ Die Pfleghof-Befürworter finden die Heugasse 11 mit ihrer Kleinteiligkeit gut geeignet, um dort ein Haus mit zusätzlichen Lernplätzen einzurichten, das allerdings nicht Teil des Bürgerentscheids ist. Dass die Heugasse 11 schon vor dem Bürgerentscheid auf einer Liste der Stadt als möglicher Verkaufskandidat aufgetaucht ist, hat manche irritiert.

Einzelhandel: Oberbürgermeister Matthias Klopfer verspricht sich von einer Bücherei im Kögel ein „starkes Signal für eine attraktive Innenstadt und für die Zukunft unserer Stadt“. Kritiker beklagen, dass eine wichtige Einzelhandelsfläche in zentraler Lage verloren gehe. Unter Einzelhändlern sind die Meinungen geteilt. Manche finden, eine Bücherei im Kögel könnte genau an dieser Stelle zur Belebung der Innenstadt beitragen. Andere bezweifeln, ob eine Verlagerung der Bibliothek um etwas mehr als 100 Meter wesentliche Impulse zur Innenstadtbelebung bringen würde, und sie fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, wieder Einzelhandel im früheren Modehaus anzusiedeln. Das letzte Wort haben nun die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag. (adi)

Bei Konzerten auf der Esslinger Burg treten im Sommer die Mittelalter-Rock-Formation und zwei Schweizer Hard-Rock-Bands auf.

Der nächste Sommer kommt bestimmt – und damit auch eine weitere Konzertsaison auf der Esslinger Burg. Zwei Veranstaltungen hat der Konzertveranstalter Musiccircus schon vor einiger Zeit festgemacht: Die Mittelalter-Rock-Band „In Extremo“ macht auf ihrer Burgentour einmal mehr auf Esslingens Höhen Station. Und mit „Gotthard“ und „Krokus“ werden zwei der größten Bands der Schweizer Rockgeschichte mit vereinten Kräften die Bühne zum Beben bringen. Der Vorverkauf für beide Konzerte läuft.
Viele große Namen haben auf der Esslinger Burg bereits ihre musikalischen Visitenkarten abgegeben: Stars wie Van Morrison, Al Jarreau, B. B. King, Katie Melua, John Fogerty, Steve Winwood, Eric Burdon, Richie Blackmore oder Ian Anderson waren schon zu Gast. Und sie alle wussten das ganz besondere Flair der Burg zu schätzen. Ganz besonders passt dieses Ambiente zu einer Mittelalter-Rock-Band wie „In Extremo“.
Deshalb ist es kein Wunder, dass Frontmann Michael Robert Rhein, der sich auf der Bühne gern „Das letzte Einhorn“ nennt, mit seinen Mannen immer wieder gern in Esslingen Station macht. Die Mittelalter-Rocker haben sich am 24. Juli auf der Burg angesagt.
Unvergessen sind die beiden Esslinger Gastspiele von „In Extremo“ in den Jahren 2020 und 2022. Damals schrieb die Eßlinger Zeitung: „25 Songs lang ist das Publikum eins mit sich und den Künstlern. Auf der Bühne brennt ‚In Extremo’ im wahrsten Wortsinn ein Feuerwerk ab. Jede Show ist ein Gesamtkunstwerk – mitreißend, ungestüm, voller Lebenslust und Leidenschaft. Dazu passt jener unverwechselbare Sound, den die Band seit ihrer Gründung Mitte der 90er-Jahre in Berlin immer weiter kultiviert hat. Die Musik ist eine unkonventionelle Mischung aus historischen Einflüssen und dem brachialen Sound der Metal-Gitarren, mittelalterliche und rockmusikalische Klangelemente gehen Hand in Hand.“ Und auch diesmal versprechen die Veranstalter „ikonische Hits, lange nicht gespielte Juwelen, mitreißende Melodien und die unverwechselbare Bühnenpräsenz einer Band, die seit 30 Jahren Maßstäbe setzt“.
Nicht minder reizvoll ist der zweite Open-Air-Konzertabend 2026 auf der Burg, der am 25. Juli zwei der besten Schweizer Rockbands auf der Bühne vereint. „Sie werden den Fans eine Show bieten, die nicht nur laut und intensiv, sondern auch voller Leidenschaft und musikalischer Geschichte ist“, verspricht der Veranstalter. Mit 16 Nummer-Eins-Alben gilt „Gotthard“ als erfolgreichste Band der Schweiz, auch deutsche Fans wissen ihre Musik zu schätzen. Mehr als eine Million verkaufter Alben in der Schweiz brachten „Gotthard“ den renommierten Diamond Award ein, in mehr als 2000 Konzerten war die Band in den vergangenen drei Jahrzehnten weltweit zu hören.
Die Bühne teilt sich „Gotthard“ an diesem Abend auf der Burg mit der Band „Krokus“, deren Namen weit über das Land der Eidgenossen hinaus einen guten Klang hat. Die Band hat schon auf unzähligen Bühnen mit den Größten dieser Welt gerockt und wurde mit Gold und Platin in den USA und Kanada ausgezeichnet – zu ihren erklärten Fans zählen Stars wie Alice Cooper, Jack Black und Rihanna. (adi)

Die Anlaufstelle zeigt, dass sich Reparieren lohnt. Ehrenamtliche helfen, defekte Alltagsgegenstände wieder zum Leben zu erwecken.

Diese Aussage kennen die meisten Verbraucher, die schon mal ein Haushaltsgerät oder ähnliches instand setzen lassen wollten: „Reparieren? Das lohnt sich nicht.“ Wegwerfen und neu kaufen ist da viel einfacher, wie Edda Eichhorn weiß. „Wo bringe ich denn eine Kaffeemaschine hin?“, fragt sie. „Das ist total umständlich, wenn ich überhaupt jemanden finde.“ Die Plochingerin hat an ihrem Wohnort den Anstoß dafür gegeben, dass künftig immer am letzten Freitag im Monat repariert statt weggeworfen wird.
Neu ist das Konzept nicht: Im Repair-Café beziehungsweise im Reparatur-Café kann man sich von Fachleuten oder versierten Bastlern dabei helfen lassen, defekte Alltagsgegenstände wieder instand zu setzen. Solche Cafés gibt es unter anderem schon in Wendlingen, Nürtingen, Kirchheim oder Ebersbach. 
In Plochingen wird der Treff vom Stadtseniorenrat getragen; an ihn hatte sich Eichhorn gewandt, weil dort ihrer Erfahrung nach Menschen zu finden sind, „die was bewegen wollen“. Junge Leute sind aber natürlich ebenso willkommen, schließlich ist Nachhaltigkeit auch unter ihnen ein großes Thema, und unter den ehrenamtlichen Helfern des Reparatur-Cafés sind auch mehrere Jüngere vertreten.
Wolfgang Humburg ist einer dieser Helfer und organisiert das Reparatur-Café mit. Der ehemalige TÜV-Mitarbeiter hat einfach Freude daran, Fehler zu finden und zu beheben, Dinge wieder zum Laufen zu bringen, wie er sagt. Das gilt für alle Ehrenamtliche, die derzeit auf der Liste stehen. Sie haben ganz unterschiedliche Kenntnisse und Schwerpunkte – vom Elektromeister bis hin zur passionierten Näherin. Bei einem internen Probelauf wurden durch ihren Einsatz eine Nähmaschine, eine Kaffeemühle und eine Stehlampe wieder zum Leben erweckt.
Wobei die Freiwilligen auf keinen Fall in Konkurrenz zu lokalen Geschäften oder Dienstleistern treten wollen. „Wir unterstützen nur die Leute bei ihrer eigenen Reparatur“, betont Wolfgang Humburg, „Hilfe zur Selbsthilfe, das ist uns wichtig.“ Wer das in Anspruch nimmt, muss zur Absicherung der Freiwilligen einen Haftungsausschluss unterschreiben.
Die Stadt Plochingen stellt den Raum fürs Repair-Café zur Verfügung und hat dort mehrere Steckdosen mit erhöhtem Schutz installiert. Auch eine bestehende, ehrenamtlich geführte Fahrradwerkstatt soll integriert werden. Dank der Spende von Edda Eichhorns ehemaligem Arbeitgeber Single in Hochdorf sowie einem günstigen Einkauf bei einer insolventen Firma ist auch die Ausstattung mit Werkzeug und Messgeräten unerwartet umfangreich.
Die Hilfe zur Selbsthilfe ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen und werden für die laufenden Kosten auch benötigt. Erforderliche Ersatzteile müssen die Nutzer selbst besorgen, was in Zukunft hoffentlich einfacher wird. Denn das Recht zur Reparatur wird die Hersteller von Geräten verpflichten, Einzelteile und Werkzeuge für die Reparatur zu einem vernünftigen Preis bereitzustellen – und die Produkte so aufzubauen, dass eine Reparatur möglich ist: also beispielsweise zu verschrauben statt zu verschweißen oder zu kleben. (aia)

Das Projekt auf dem Karstadt-Areal in Esslingen zieht sich erneut: Der Bauantrag muss nun erst bis September eingereicht werden.

Schon wieder: Die Bebauung des Karstadt-Areals in der Esslinger Innenstadt verzögert sich erneut. Denn der Investor Strabag schafft es nicht innerhalb der vorgesehenen Frist, den Bauantrag einzureichen. Der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz hat deshalb nun einer Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr bis September zugestimmt. Das ist längst nicht die erste Verzögerung bei dem Bauvorhaben auf der zentral gelegenen Brache.
So wurden bei manchen Stadträten angesichts der Nachricht von der notwendigen Fristverlängerung unangenehme Erinnerungen wach. Schließlich wird seit Jahren über die Bebauung des Geländes zwischen Martinstraße und Ehnisgasse diskutiert – immer wieder gab es Pläne, immer wieder aber auch Änderungen, Verzögerungen, Stillstand und Neustart. Mit der Übernahme des Projekts durch die Strabag Real Estate Invest GmbH hatte man auf eine zügige Umsetzung des Bauvorhabens gehofft. Ganz ohne Stolpersteine geht es nun aber offenbar doch nicht über die Bühne.
Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Esslinger Gemeinderat, lässt die Fristverlängerung aufhorchen. „Schon wieder eine Verzögerung, schon wieder Karstadt – das lässt Erinnerungen wach werden“, sagt sie. Sie gehe jetzt mal davon aus, dass diese Verlängerung in Ordnung gehe, habe aber durchaus Bedenken, dass nach dieser weitere Aufschübe folgten. „Ich hoffe, das ist die letzte Verzögerung auf diesem Grundstück“, betonte sie in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK).
Während Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler, vor allem wissen wollte, welche Handhabe die Stadt hat, um Druck aufzubauen, damit es vorangeht auf dem Karstadt-Areal, erklärte Monika Heim (Linke): „Strabag ist doch ein großer, erfahrener Bauträger – wir verstehen nicht, warum jetzt so plötzlich Verzögerungen auftreten.“ Zumal die Stadt im Zweifelsfall doch sicher Konventionalstrafen einfordern könne.
Ähnlich argumentierte Andreas Klöpfer von der Gruppe WIR/Sportplätze erhalten: „Man muss als Kommune schon darauf achten, in die Verträge etwas reinzuschreiben, das man dann auch ziehen kann, damit Konsequenzen folgen können.“
Laut Stadtverwaltung sind jedoch auch bei zeitlichem Verzug des Projekts keine Geldstrafen vorgesehen. Es gebe aber gesetzlich geregelte Konsequenzen: So könne die Kommune einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufheben, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten würden. Allerdings habe Strabag bereits sehr viel Geld in das Projekt investiert. Man habe versucht, über ein serielles Bausystem die Baukosten zu reduzieren – das habe aber auch Veränderungen bei der Ausgestaltung im Inneren nach sich gezogen und daher mehr Zeit in Anspruch genommen. Auch die Abstimmung der Rettungswege, der Feuerwehraufstellflächen und der Baumstandorte in der Martinstraße habe sich aufgrund der Vielzahl der Leitungen im Erdreich als schwierig erwiesen, was zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung geführt habe.
Ganz anders bewertete Rena Farquhar, Vorsitzende der Fraktion FDP/Volt, die Verzögerung auf dem Karstadt-Areal: „Es ist völlig normal, dass man eine gewisse Zeit braucht bei einem solchen Projekt, zumal es ja einen Wechsel beim Bauträger gab.“ Daher stimme ihre Fraktion der Fristverlängerung zu und habe großes Verständnis für den Bauträger. Allerdings stelle sie sich die Frage: „Wenn die Verzögerung keinerlei Konsequenzen hat, warum haben wir die Frist dann überhaupt?“
Auch der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel zeigte sich im ABMK gelassen. Man müsse überlegen, wo man herkam bei diesem Projekt, und dass der Investorenwechsel eine gewisse Umplanung bedeutet habe. Zudem habe bislang die Detailschärfe gefehlt, die für den Bauantrag nötig sei. „Ich glaube, wir sind noch sehr gut unterwegs, ich bin optimistisch, dass es vorangeht“, betonte er. Im Übrigen habe der Investor versichert, dass man die Verzögerungen wieder reinholen wolle. Die archäologischen Grabungen seien bereits abgeschlossen, ebenso einige bauvorbereitende Arbeiten. „Es passiert parallel schon etwas auf dem Gelände“, versicherte Sigel. (meb)