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Claus Hintennach

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Beim Bürgerentscheid haben sich die Esslinger klar gegen einen Umzug der Bücherei zu Kögel entschieden. OB denkt über Verkauf der Heugasse 11 nach.

Seit Monaten wird in Esslingen über den künftigen Standort der Stadtbücherei diskutiert und auch gestritten – nun sorgten die Bürgerinnen und Bürger für klare Verhältnisse: Beim Bürgerentscheid am vergangenen Sonntag wurde das bisherige Domizil im Bebenhäuser Pfleghof mit 68,5 Prozent der gültigen Stimmen bestätigt, für einen Umzug der Bibliothek ins frühere Modehaus Kögel konnten sich nur 31,5 Prozent erwärmen. Nach dem eindeutigen Votum möchte Oberbürgermeister Matthias Klopfer nun die Weichen für die seit vielen Jahren immer wieder aufgeschobene Sanierung des Pfleghofs stellen. Dass der OB noch am Abend des Bürgerentscheids ankündigte, den Gemeinderat rasch über den Verkauf des Nachbarhauses Heugasse 11 entscheiden zu lassen, das seit den 90er-Jahren als Erweiterungsfläche für den Pfleghof im Gespräch ist, hat viele allerdings irritiert.
Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatten auch noch auf den letzten Metern die Bürgerentscheid-Initiative, die sich für den Pfleghof stark machte, und die Initiative Neustart, die für die Kögel-Lösung warb, für ihre Positionen geworben. Im Bürgersaal des Alten Rathauses hatten Interessierte dann am Sonntagabend Gelegenheit, die Auswertung der Stimmen aus den Wahlbezirken zu verfolgen – parallel zur Landtagswahl. Gleich der erste ausgezählte Bezirk ergab eine klare Zweidrittelmehrheit für den Pfleghof, die sich für den Rest des Abends nicht mehr wesentlich verändern sollte. Und als klar war, dass das nötige Quorum von 13 551 Ja-Stimmen erreicht war, gab es großen Jubel bei den Pfleghof-Befürwortern. Am Ende lautete das Bürgerentscheid-Ergebnis: 26 464 gültige Stimmen (68,5 Prozent) entfielen auf den Pfleghof, 12 164 Stimmen (31,5 Prozent) wurden für Kögel verbucht. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 Prozent.

„Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten“
Die Initiatoren des Bürgerentscheids sahen sich durch das klare Votum in ihrem Bekenntnis zu einer modernisierten Bücherei im Pfleghof bestätigt. „Ein großartiges Ergebnis – besser geht’s nicht“, befand Rena Farquhar. „2019 gab es 15 321 Stimmen für den Pfleghof, diesmal 26 464 – weit mehr, als der OB bei seiner Wahl erhalten hat. Damit ist ganz klar, was die Bürgerschaft möchte. Das gilt es zu respektieren.“ Und Martin Auerbach erklärte: „Dieses Ergebnis ist ein wichtiges Signal an die Stadt, dass die Bürgerinnen und Bürger ernst genommen werden wollen und dass es gut und richtig ist, wenn wir uns auf unverzichtbare Vorhaben wie die überfällige Sanierung des Pfleghofs konzentrieren.“ Hermann Beck freute sich: „Ein großartiges Ergebnis für den Pfleghof, das für den Gemeinderat Verpflichtung sein muss, dort im Sinne der Bürger etwas richtig Gutes zu schaffen. Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten.“ Für Beck ist klar: „Wir werden uns auch darum kümmern, dass die Stadt das Problem fehlender Lernplätze rasch angeht. Dafür gibt es kurzfristig Möglichkeiten. Darüber werden wir aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dass im Nachbarhaus Heugasse 11 ein Lernhaus entsteht.“
In sozialen Netzwerken erklärte die Initiative Neustart: „Neustart bleibt der Stadtbücherei verbunden und wird sich dafür einsetzen, dass unsere Ziele eines barrierefreien, jugend- und familienfreundlichen Lern- und Begegnungsortes auch im Pfleghof so gut wie möglich umgesetzt werden.“
Noch bevor der letzte Wahlbezirk ausgezählt war, kündigte OB Matthias Klopfer im Bürgersaal an: „Wir werden die nächsten Schritte nun zügig vorbereiten. Gleichzeitig werden wir uns intensiv um Landesfördermittel bemühen.“ Die Verwaltung werde bereits am 27. April eine Vorlage zum weiteren Vorgehen in den Gemeinderat einbringen. Und am Montag konkretisierte Klopfer: „Einerseits werden wir die Eigentümerinnen und Eigentümer des Kögel-Areals weiterhin bei der Suche nach einer geeigneten Nachnutzung unterstützen, um einen jahrelangen Leerstand an zentraler Stelle zu vermeiden. Andererseits müssen wir dem Team der Stadtbibliothek eine Perspektive bieten und diese wichtige Einrichtung zukunftsfähig ausrichten.“ Klopfer betonte auch, es sei ihm „ein großes Anliegen, dass wir nach den heißen und emotionalen Debatten in den vergangenen Monaten wieder zusammenrücken und gemeinsam zum Wohle der Stadtbibliothek und der Stadtgesellschaft nach vorne blicken.“ (adi)

Ein Experte warnt in einem Bericht vor dem Köngener Gemeinderat, dass die Streuobstbestände akut gefährdet seien.

Baden-Württemberg hat vielfältige und einzigartige Naturräume, diese beinhalten wiederum eine Vielzahl an Biotopen. Damit sind Lebensräume gemeint, die Tier- und Pflanzenarten zur Nahrungssuche, als Fortpflanzungsstätten oder auch als Rückzugsgebiete benötigen. Um diese Vielfalt zu erhalten, müssen die Arten zwischen den verschiedenen Räumen wandern und sich genetisch austauschen können.
Ein dichtes Netz verbundener Lebensräume – der sogenannte Biotopverbund – ist daher überlebenswichtig für die biologische Vielfalt und die intakte Natur. Deswegen hat sich das Land mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz 2020 unter anderem das Ziel gesetzt, bis 2030 den funktionalen Biotopverbund auf mindestens 15 Prozent des Offenlandes der Landesfläche auszubauen. Mit 10,9 Prozent Ende 2023 wurde das Zwischenziel bereits erreicht – als wesentliche Akteure fungieren dabei die Landschaftserhaltungsverbände (LEV), Biotopverbundbotschafter sowie die Kommunen.
Um das zu unterstützen, werden Planungskosten einer Biotopverbundplanung mit 90 Prozent gefördert – so hat auch die Gemeinde Köngen bereits vor drei Jahren ein solches Schriftwerk in Auftrag gegeben, die Ergebnisse wurden dem Gemeinderat von Jürgen Deuschle vom Büro Tier- und Landschaftsökologie (Köngen) nun vor Kurzem vorgestellt.

Isolierte Lebensräume vernetzen
„Köngen hat noch große Entwicklungspotenziale“, konstatierte Jürgen Deuschle – was aber in einer dicht besiedelten Landschaft wie dem Mittleren Neckarraum nicht außergewöhnlich sei. Unterm Strich empfiehlt der Experte 29 Einzelmaßnahmen auf 57 öffentlichen und privaten Flächen, um neue Trittsteinbiotope zu schaffen oder bestehende Biotope zu optimieren.
Trittsteinbiotope sind kleine, isolierte Fläche, die als „Trittstein“ in der Landschaft dienen, um isolierte Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu vernetzen. Diese Biotope ermöglichen den genetischen Austausch, die Ausbreitung von Arten und dienen als Rast- oder Rückzugsort, etwa in Form von Totholz, Kleingewässern oder naturnahen Gärten.
Große Pflegerückstände hat Deuschle in Köngen bei Feldgehölzen und -hecken sowie bei Streuobstwiesen ausgemacht. „Die Rückstände sollten aufgearbeitet werden – beispielsweise durch regelmäßige Baumpflege oder Nachpflanzungen“, erklärte Deuschle. Außerdem sind die Streuobstbestände durch die zunehmende Verbreitung der Laubholzmistel – die Schmarotzerpflanze entzieht seinem Wirt Wasser und Nährstoffe, die er für die Photosynthese braucht – akut gefährdet. Hier bestehe wie im gesamten Landkreis dringender Handlungsbedarf.
Ein weiterer Tipp, da viele der sowieso eher spärlich vorhandenen Stillgewässer verlandet und stark verschattet sind: „Sie haben so nur noch wenig Nutzen für Amphibien und andere Wasserlebewesen. Nur gesunde Gewässer schaffen Artenreichtum.“ Auch bei der Pflege der Entwässerungsgräben entlang der Äcker und Wege gibt es Verbesserungspotenzial: „Etwa der Zeitpunkt der Mahd, die sollte nicht wie in Köngen üblich im Hochsommer erfolgen.“ Wird erst mit Herbst gemäht und nicht zum Zeitpunkt der Blüte der vielen Pflanzen rund um die Gräben, sei schon viel gewonnen, so Deuschle.
Es gibt aber auch bereits Erfolgsmeldungen: So wurden in einem neuen Biotop im Steinackertal am süd-westlichen Rand der Gemarkung bereits im zweiten Jahr stark gefährdete Arten wie einige Krötenarten nachgewiesen. Obendrein empfiehlt der Experte auch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit: „Vor allem bei größeren Eingriffen.“
Für die Umsetzung der Maßnahmen gilt indes der Grundsatz der Freiwilligkeit. „Wir werden nach und nach überlegen, was machbar ist“, kündigte der Köngener Bürgermeister Ronald Scholz angesichts klammer Haushaltskasse an: „Es ist aber ein großes Anliegen der Verwaltung, einzelne Maßnahmen gemeinsam mit dem Gemeinderat auf den Weg zu bringen.“ (kd)

Esslingen entscheidet am 8. März über den künftigen Standort seiner Stadtbücherei: Soll sie am bisherigen Standort bleiben oder in ein ehemaliges Modehaus umziehen? Vor dem Bürgerentscheid gehen die Meinungen auseinander, und es gibt vieles zu bedenken.

Kaum ein Thema hat die Esslinger Bürgerschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten so beschäftigt wie die Zukunft ihrer Stadtbücherei. Seit 1989 hat die Bibliothek ihren Platz im historischen Bebenhäuser Pfleghof. Weil sie mehr Platz braucht, werden seit vielen Jahren immer wieder Standortalternativen diskutiert und wieder zu den Akten gelegt. Nun soll beim Bürgerentscheid am 8. März – parallel zur Landtagswahl – eine Entscheidung fallen: Bleibt die Bibliothek am aktuellen Standort im Bebenhäuser Pfleghof und wird dort modernisiert, oder soll sie ins frühere Modehaus Kögel umziehen?
Mittlerweile ist die Bücherei ein Politikum. Große Erwartungen wurden über die Jahre geweckt und enttäuscht, eine 25-Millionen-Euro-Rücklage für eine neue Bücherei wurde angekündigt – hinterher hieß es, es habe sie nie gegeben. Der Bürgerentscheid vom Februar 2019 brachte das klare Ergebnis, dass die Bibliothek im Bebenhäuser Pfleghof modernisiert und erweitert werden soll. Doch die Stadt ließ sich viel Zeit mit der Umsetzung des Bürgervotums.
Nachdem OB Matthias Klopfer im Sommer 2022 ein düsteres Bild der Finanzlage gezeichnet und eine „Kostenexplosion“ bei der Bücherei von anfangs kalkulierten 25 Millionen Euro auf mehr als 60 Millionen Euro erklärt hatte, trat der Gemeinderat im Dezember 2022 auf die Bremse und beschloss anstelle der allseits gelobten großen Lösung eine „kleine, feine Sanierung“ ohne Erweiterung ins Nachbargebäude Heugasse 11. Bis heute sehen Pfleghof-Befürworter die „Kostenexplosion“ nicht ausreichend belegt.
Im Spätsommer 2023 schlug der OB vor, die Bücherei ins frühere Modehaus Kögel zu verlegen und dort „eine zukunftsfähige Stadtbibliothek“ zu schaffen. Seither verfolgt die Stadt dieses Ziel mit großem Nachdruck. Der Oberbürgermeister hat erklärt, für die Bücherei gebe es mit dem Pfleghof eine gute und mit Kögel eine sehr gute Lösung. Die Pfleghof-Pläne sind zumindest fürs Rathaus in den Hintergrund getreten. Doch in der Bürgerschaft gibt es auch andere Stimmen. Ein neuerlicher Bürgerentscheid soll am 8. März die Entscheidung bringen. Seit Monaten werden die Argumente für und gegen beide Standorte ausgetauscht.

Finanzen: Nach den jüngsten Ankündigungen des Oberbürgermeisters, angesichts klammer Kassen massiv zu sparen und neue Investitionen nur umzusetzen, „wenn sie weitgehend durch Fördermittel oder das Sondervermögen des Bundes finanziert werden können“, könnten finanzielle Aspekte bei der Wahlentscheidung vieler Bürgerinnen und Bürger eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Flächen: Beim Platzangebot sieht die Stadt Kögel im Vorteil: Im Pfleghof stehen 1838 Quadratmeter Publikumsfläche zur Verfügung, bei Kögel geht die Stadt von 2564 Quadratmetern aus und verspricht „mehr Qualität und mehr Flexibilität“. Die zusätzlichen Flächen, die ursprünglich in den Gebäuden Fischbrunnen 4 und 4/1 eingeplant waren, wurden gestrichen. Die Pfleghof-Befürworter sehen die Chance, den Pfleghof durch die Heugasse 11 um 650 Quadratmeter zu erweitern. Und sie verweisen auf den Architektenwettbewerb zum Pfleghof, der im Bereich der Nanzhalle Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft gezeigt hatte.

Kosten: Die Stadt taxiert sowohl eine Modernisierung der Bibliothek im Pfleghof als auch den Kauf und die Sanierung des Kögel-Hauses auf jeweils etwa 20 Millionen Euro. Mit weiteren 15 bis 20 Millionen Euro rechnet der OB, wenn der Pfleghof zu einem Kulturquartier werden sollte. Was genau ein Kulturquartier kosten wird, hängt von der endgültigen Konzeption ab, über die aber erst in den 30er-Jahren entschieden werden soll.

Barrierefreiheit: „Am jetzigen Standort ist völlige Barrierefreiheit annähernd unmöglich“, sagt die Stadt. „Das liegt an der historischen Bausubstanz sowie den Vorgaben des Denkmal- und Brandschutzes. Angestrebt wird eine möglichst barrierearme Nutzung.“ Im ehemaligen Modehaus Kögel lasse sich „durch entsprechende bauliche Maßnahmen ein Höchstmaß an Barrierefreiheit erreichen“. Pfleghof-Befürworter erklären derweil, fehlende Barrierefreiheit sei schon beim Bürgerentscheid im Jahr 2019 gern ins Feld geführt, durch den Architektenwettbewerb jedoch weitgehend widerlegt worden. Barrierefreiheit sei für öffentliche Gebäude ein Muss, heißt es von dieser Seite: Ein Kulturquartier könne man nur fordern, wenn man überzeugt ist, dass Barrierefreiheit auch im Pfleghof machbar ist.

Heugasse 11: Das Nachbarhaus des Pfleghofs ist seit den 1990er-Jahren als Erweiterungsfläche für die Bücherei im Gespräch und steht schon lange leer. Erste Pläne für eine größere Bücherei wurden bereits Mitte der 90er-Jahre formuliert und 2013 vertieft. Für die heutige Stadtverwaltung ist die Heugasse 11 keine Option mehr: „Das Gebäude ist sehr kleinteilig strukturiert, hat Durchgangszimmer und nur wenig Tageslicht. Die Umsetzung von Barrierefreiheit ist sehr schwierig. Aus Denkmalschutzgründen kann im Inneren wenig verändert werden. Dies schränkt die Nutzbarkeit der Heugasse 11 für Bibliothekszwecke sehr ein.“ Die Pfleghof-Befürworter finden die Heugasse 11 mit ihrer Kleinteiligkeit gut geeignet, um dort ein Haus mit zusätzlichen Lernplätzen einzurichten, das allerdings nicht Teil des Bürgerentscheids ist. Dass die Heugasse 11 schon vor dem Bürgerentscheid auf einer Liste der Stadt als möglicher Verkaufskandidat aufgetaucht ist, hat manche irritiert.

Einzelhandel: Oberbürgermeister Matthias Klopfer verspricht sich von einer Bücherei im Kögel ein „starkes Signal für eine attraktive Innenstadt und für die Zukunft unserer Stadt“. Kritiker beklagen, dass eine wichtige Einzelhandelsfläche in zentraler Lage verloren gehe. Unter Einzelhändlern sind die Meinungen geteilt. Manche finden, eine Bücherei im Kögel könnte genau an dieser Stelle zur Belebung der Innenstadt beitragen. Andere bezweifeln, ob eine Verlagerung der Bibliothek um etwas mehr als 100 Meter wesentliche Impulse zur Innenstadtbelebung bringen würde, und sie fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, wieder Einzelhandel im früheren Modehaus anzusiedeln. Das letzte Wort haben nun die Bürgerinnen und Bürger am Sonntag. (adi)

Bei Konzerten auf der Esslinger Burg treten im Sommer die Mittelalter-Rock-Formation und zwei Schweizer Hard-Rock-Bands auf.

Der nächste Sommer kommt bestimmt – und damit auch eine weitere Konzertsaison auf der Esslinger Burg. Zwei Veranstaltungen hat der Konzertveranstalter Musiccircus schon vor einiger Zeit festgemacht: Die Mittelalter-Rock-Band „In Extremo“ macht auf ihrer Burgentour einmal mehr auf Esslingens Höhen Station. Und mit „Gotthard“ und „Krokus“ werden zwei der größten Bands der Schweizer Rockgeschichte mit vereinten Kräften die Bühne zum Beben bringen. Der Vorverkauf für beide Konzerte läuft.
Viele große Namen haben auf der Esslinger Burg bereits ihre musikalischen Visitenkarten abgegeben: Stars wie Van Morrison, Al Jarreau, B. B. King, Katie Melua, John Fogerty, Steve Winwood, Eric Burdon, Richie Blackmore oder Ian Anderson waren schon zu Gast. Und sie alle wussten das ganz besondere Flair der Burg zu schätzen. Ganz besonders passt dieses Ambiente zu einer Mittelalter-Rock-Band wie „In Extremo“.
Deshalb ist es kein Wunder, dass Frontmann Michael Robert Rhein, der sich auf der Bühne gern „Das letzte Einhorn“ nennt, mit seinen Mannen immer wieder gern in Esslingen Station macht. Die Mittelalter-Rocker haben sich am 24. Juli auf der Burg angesagt.
Unvergessen sind die beiden Esslinger Gastspiele von „In Extremo“ in den Jahren 2020 und 2022. Damals schrieb die Eßlinger Zeitung: „25 Songs lang ist das Publikum eins mit sich und den Künstlern. Auf der Bühne brennt ‚In Extremo’ im wahrsten Wortsinn ein Feuerwerk ab. Jede Show ist ein Gesamtkunstwerk – mitreißend, ungestüm, voller Lebenslust und Leidenschaft. Dazu passt jener unverwechselbare Sound, den die Band seit ihrer Gründung Mitte der 90er-Jahre in Berlin immer weiter kultiviert hat. Die Musik ist eine unkonventionelle Mischung aus historischen Einflüssen und dem brachialen Sound der Metal-Gitarren, mittelalterliche und rockmusikalische Klangelemente gehen Hand in Hand.“ Und auch diesmal versprechen die Veranstalter „ikonische Hits, lange nicht gespielte Juwelen, mitreißende Melodien und die unverwechselbare Bühnenpräsenz einer Band, die seit 30 Jahren Maßstäbe setzt“.
Nicht minder reizvoll ist der zweite Open-Air-Konzertabend 2026 auf der Burg, der am 25. Juli zwei der besten Schweizer Rockbands auf der Bühne vereint. „Sie werden den Fans eine Show bieten, die nicht nur laut und intensiv, sondern auch voller Leidenschaft und musikalischer Geschichte ist“, verspricht der Veranstalter. Mit 16 Nummer-Eins-Alben gilt „Gotthard“ als erfolgreichste Band der Schweiz, auch deutsche Fans wissen ihre Musik zu schätzen. Mehr als eine Million verkaufter Alben in der Schweiz brachten „Gotthard“ den renommierten Diamond Award ein, in mehr als 2000 Konzerten war die Band in den vergangenen drei Jahrzehnten weltweit zu hören.
Die Bühne teilt sich „Gotthard“ an diesem Abend auf der Burg mit der Band „Krokus“, deren Namen weit über das Land der Eidgenossen hinaus einen guten Klang hat. Die Band hat schon auf unzähligen Bühnen mit den Größten dieser Welt gerockt und wurde mit Gold und Platin in den USA und Kanada ausgezeichnet – zu ihren erklärten Fans zählen Stars wie Alice Cooper, Jack Black und Rihanna. (adi)

Die Anlaufstelle zeigt, dass sich Reparieren lohnt. Ehrenamtliche helfen, defekte Alltagsgegenstände wieder zum Leben zu erwecken.

Diese Aussage kennen die meisten Verbraucher, die schon mal ein Haushaltsgerät oder ähnliches instand setzen lassen wollten: „Reparieren? Das lohnt sich nicht.“ Wegwerfen und neu kaufen ist da viel einfacher, wie Edda Eichhorn weiß. „Wo bringe ich denn eine Kaffeemaschine hin?“, fragt sie. „Das ist total umständlich, wenn ich überhaupt jemanden finde.“ Die Plochingerin hat an ihrem Wohnort den Anstoß dafür gegeben, dass künftig immer am letzten Freitag im Monat repariert statt weggeworfen wird.
Neu ist das Konzept nicht: Im Repair-Café beziehungsweise im Reparatur-Café kann man sich von Fachleuten oder versierten Bastlern dabei helfen lassen, defekte Alltagsgegenstände wieder instand zu setzen. Solche Cafés gibt es unter anderem schon in Wendlingen, Nürtingen, Kirchheim oder Ebersbach. 
In Plochingen wird der Treff vom Stadtseniorenrat getragen; an ihn hatte sich Eichhorn gewandt, weil dort ihrer Erfahrung nach Menschen zu finden sind, „die was bewegen wollen“. Junge Leute sind aber natürlich ebenso willkommen, schließlich ist Nachhaltigkeit auch unter ihnen ein großes Thema, und unter den ehrenamtlichen Helfern des Reparatur-Cafés sind auch mehrere Jüngere vertreten.
Wolfgang Humburg ist einer dieser Helfer und organisiert das Reparatur-Café mit. Der ehemalige TÜV-Mitarbeiter hat einfach Freude daran, Fehler zu finden und zu beheben, Dinge wieder zum Laufen zu bringen, wie er sagt. Das gilt für alle Ehrenamtliche, die derzeit auf der Liste stehen. Sie haben ganz unterschiedliche Kenntnisse und Schwerpunkte – vom Elektromeister bis hin zur passionierten Näherin. Bei einem internen Probelauf wurden durch ihren Einsatz eine Nähmaschine, eine Kaffeemühle und eine Stehlampe wieder zum Leben erweckt.
Wobei die Freiwilligen auf keinen Fall in Konkurrenz zu lokalen Geschäften oder Dienstleistern treten wollen. „Wir unterstützen nur die Leute bei ihrer eigenen Reparatur“, betont Wolfgang Humburg, „Hilfe zur Selbsthilfe, das ist uns wichtig.“ Wer das in Anspruch nimmt, muss zur Absicherung der Freiwilligen einen Haftungsausschluss unterschreiben.
Die Stadt Plochingen stellt den Raum fürs Repair-Café zur Verfügung und hat dort mehrere Steckdosen mit erhöhtem Schutz installiert. Auch eine bestehende, ehrenamtlich geführte Fahrradwerkstatt soll integriert werden. Dank der Spende von Edda Eichhorns ehemaligem Arbeitgeber Single in Hochdorf sowie einem günstigen Einkauf bei einer insolventen Firma ist auch die Ausstattung mit Werkzeug und Messgeräten unerwartet umfangreich.
Die Hilfe zur Selbsthilfe ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen und werden für die laufenden Kosten auch benötigt. Erforderliche Ersatzteile müssen die Nutzer selbst besorgen, was in Zukunft hoffentlich einfacher wird. Denn das Recht zur Reparatur wird die Hersteller von Geräten verpflichten, Einzelteile und Werkzeuge für die Reparatur zu einem vernünftigen Preis bereitzustellen – und die Produkte so aufzubauen, dass eine Reparatur möglich ist: also beispielsweise zu verschrauben statt zu verschweißen oder zu kleben. (aia)

Das Projekt auf dem Karstadt-Areal in Esslingen zieht sich erneut: Der Bauantrag muss nun erst bis September eingereicht werden.

Schon wieder: Die Bebauung des Karstadt-Areals in der Esslinger Innenstadt verzögert sich erneut. Denn der Investor Strabag schafft es nicht innerhalb der vorgesehenen Frist, den Bauantrag einzureichen. Der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz hat deshalb nun einer Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr bis September zugestimmt. Das ist längst nicht die erste Verzögerung bei dem Bauvorhaben auf der zentral gelegenen Brache.
So wurden bei manchen Stadträten angesichts der Nachricht von der notwendigen Fristverlängerung unangenehme Erinnerungen wach. Schließlich wird seit Jahren über die Bebauung des Geländes zwischen Martinstraße und Ehnisgasse diskutiert – immer wieder gab es Pläne, immer wieder aber auch Änderungen, Verzögerungen, Stillstand und Neustart. Mit der Übernahme des Projekts durch die Strabag Real Estate Invest GmbH hatte man auf eine zügige Umsetzung des Bauvorhabens gehofft. Ganz ohne Stolpersteine geht es nun aber offenbar doch nicht über die Bühne.
Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Esslinger Gemeinderat, lässt die Fristverlängerung aufhorchen. „Schon wieder eine Verzögerung, schon wieder Karstadt – das lässt Erinnerungen wach werden“, sagt sie. Sie gehe jetzt mal davon aus, dass diese Verlängerung in Ordnung gehe, habe aber durchaus Bedenken, dass nach dieser weitere Aufschübe folgten. „Ich hoffe, das ist die letzte Verzögerung auf diesem Grundstück“, betonte sie in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK).
Während Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler, vor allem wissen wollte, welche Handhabe die Stadt hat, um Druck aufzubauen, damit es vorangeht auf dem Karstadt-Areal, erklärte Monika Heim (Linke): „Strabag ist doch ein großer, erfahrener Bauträger – wir verstehen nicht, warum jetzt so plötzlich Verzögerungen auftreten.“ Zumal die Stadt im Zweifelsfall doch sicher Konventionalstrafen einfordern könne.
Ähnlich argumentierte Andreas Klöpfer von der Gruppe WIR/Sportplätze erhalten: „Man muss als Kommune schon darauf achten, in die Verträge etwas reinzuschreiben, das man dann auch ziehen kann, damit Konsequenzen folgen können.“
Laut Stadtverwaltung sind jedoch auch bei zeitlichem Verzug des Projekts keine Geldstrafen vorgesehen. Es gebe aber gesetzlich geregelte Konsequenzen: So könne die Kommune einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufheben, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten würden. Allerdings habe Strabag bereits sehr viel Geld in das Projekt investiert. Man habe versucht, über ein serielles Bausystem die Baukosten zu reduzieren – das habe aber auch Veränderungen bei der Ausgestaltung im Inneren nach sich gezogen und daher mehr Zeit in Anspruch genommen. Auch die Abstimmung der Rettungswege, der Feuerwehraufstellflächen und der Baumstandorte in der Martinstraße habe sich aufgrund der Vielzahl der Leitungen im Erdreich als schwierig erwiesen, was zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung geführt habe.
Ganz anders bewertete Rena Farquhar, Vorsitzende der Fraktion FDP/Volt, die Verzögerung auf dem Karstadt-Areal: „Es ist völlig normal, dass man eine gewisse Zeit braucht bei einem solchen Projekt, zumal es ja einen Wechsel beim Bauträger gab.“ Daher stimme ihre Fraktion der Fristverlängerung zu und habe großes Verständnis für den Bauträger. Allerdings stelle sie sich die Frage: „Wenn die Verzögerung keinerlei Konsequenzen hat, warum haben wir die Frist dann überhaupt?“
Auch der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel zeigte sich im ABMK gelassen. Man müsse überlegen, wo man herkam bei diesem Projekt, und dass der Investorenwechsel eine gewisse Umplanung bedeutet habe. Zudem habe bislang die Detailschärfe gefehlt, die für den Bauantrag nötig sei. „Ich glaube, wir sind noch sehr gut unterwegs, ich bin optimistisch, dass es vorangeht“, betonte er. Im Übrigen habe der Investor versichert, dass man die Verzögerungen wieder reinholen wolle. Die archäologischen Grabungen seien bereits abgeschlossen, ebenso einige bauvorbereitende Arbeiten. „Es passiert parallel schon etwas auf dem Gelände“, versicherte Sigel. (meb)

Der Musikverein Aichelberg wird 100 Jahre alt. Zu diesem Anlass wird im Mai ein dreitägiges Fest steigen.

In diesem Jahr wird der Musikverein (MV) Aichelberg 100 Jahre alt. Schon jetzt steht fest: Zum runden Geburtstag machen sich die Musikerinnen und Musiker selbst das schönste Geschenk. Es ist die große Jubiläumsparty, die von Freitag bis Sonntag, 15. bis 17. Mai, auf dem Festplatz neben dem Vereinsheim an der Schnaiter Straße 64 in Aichelberg in einem Zirkuszelt steigt – und das bei freiem Eintritt. „Wir wollen eine etwas andere Jubiläumsfeier machen, ein Fest, das uns Spaß macht und uns nicht in ein traditionelles Korsett zwingt“, sagt der Vereinschef Daniel Geiger.
Freitags steht nach einer Kinderdisco und dem Fassanstich der MV Aichelberg selbst auf der Bühne und feiert mit seinen Gästen die „Blasmusik-2.0-Jubiläumsparty“. Samstags sind die „BlechBand“ sowie der schwäbische Humorist und Liedermacher Ernst Mantel zu Gast, bevor am Abend DJ Beatcat zum Schwof in der Manege einlädt. Am Sonntag ist Familientag unter anderem mit einem Mitmachzirkus für Kinder der Zirkusfamilie Riedesel, Blasmusik der Musikkapelle Kirchhaslach und einem Auftritt des MV Aichelberg.
Vereine, die für sonntags einen Tisch im Zirkuszelt reservieren, spendiert das Geburtstagskind einen Verzehrgutschein über 30 Euro, zudem können drei Vereine jeweils 300 Euro bei einer Verlosung gewinnen. Reservierungen und Plätze für den Kinderzirkus nimmt der MV Aichelberg bereits jetzt über seine Homepage entgegen.
Daniel Geiger sagt, der MV Aichelberg sei kein Musikverein wie jeder andere. „Wir haben uns von einem traditionellen Orchester hin zu einer Partyband entwickelt“, verweist der Vorsitzende auf einen Prozess hin zur „Blasmusik 2.0“, der schon vor zwölf Jahren begonnen hat und der die wohl größte Veränderung in der 100-jährigen Vereinsgeschichte markiert.
Am 1. November 1926 gegründet, stand über Jahrzehnte hinweg vor allem die traditionelle Blasmusik mit dem entsprechenden Repertoire im Zentrum des Vereinslebens. Als zu Beginn der 2010er-Jahre der damalige Dirigent aufhörte, übernahm Florian Haag die musikalische Leitung und richtete das Orchester zusammen mit seinen Musikerinnen und Musikern neu aus – hin zu einer modernen Band, die Blas- und Unterhaltungsmusik präsentiert.
Der MV Aichelberg hat heute rund 130 Mitglieder, 25 davon sind aktive Musikerinnen und Musiker. Die Instrumente werden elektronisch verstärkt, zum Einsatz kommen beispielsweise auch E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Die erste Hüttengaudi im Jahr 2013, die das traditionelle Neujahrskonzert ablöste, war laut Schriftführer Philipp Wiedmann „gleich ein voller Erfolg“. Heute spiele der Musikverein vier Stunden am Stück, vor allem klassische Festzeltlieder, bekannte Schlager, aber auch Rock- und Popsongs. „Wir haben eine große Bandbreite“, sagt Daniel Geiger. Klassische Blasmusik mit Märschen oder Polkas ist nicht mehr im Repertoire. Es gehe vor allem darum, Party zu machen.
Um sich auf das diesjährige Jubiläum gebührend vorbereiten zu können, haben die Musikerinnen und Musiker der „Blasmusik 2.0“ ihr Mitte der 1970er-Jahre in Eigenregie erbautes Vereinsheim mit dem großen Probenraum an der Schnaiter Straße 64 im vergangenen Jahr selbst renoviert. „Insgesamt haben wir rund 35 000 Euro investiert und etwa 1000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet“, sagt Philipp Wiedmann. Organisiert wurden die Arbeiten federführend von den aktiven Musikern Andreas Ruider, Tobias Höß und Jochen Heubach. (kai)

Es wäre gewiss eine Übertreibung zu behaupten, dass die Wernauer Narren die Guggenmusik nach Süddeutschland gebracht hätten. Aber sie haben vor 40 Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass hierzulande deutlich mehr Sound und Stimmung in die Fasnet kommen.

Die Idee kam – wo auch sonst – bei einer feucht-fröhlichen Kellerparty auf: Die damals bereits bestehenden Wernauer Narrengruppen wollten nicht länger ohne Musik durch die Straßen ziehen. Aber auch nicht mit Schalmeien, wie sie damals bei der Fasnet noch weit verbreitet waren. Stattdessen schauten die Wernauer in die Schweiz, wo die Guggenmusik ihren Ursprung hat. Mit einem „Du kannsch doch Trompete spielen“ war in Armin Müller gleich der erste Dirigent gefunden; weitere Mitspieler, mit oder ohne musikalische Vorkenntnisse, wurden im Freundes- und Bekanntenkreis angeworben.
Und dann ging‘s los. „Wir waren hier im Kreis Esslingen die ersten“, sagt Markus Mirbauer stolz. Er ist aktuell der erste Zunftmeister der Wernauer Narren und hat selbst zehn Jahre lang die Bodenbachsymphoniker geleitet. Deren Name kommt im übrigen von dem Bach, der durch beide Wernauer Stadtteile fließt und von den Narren auf ihrer Website als plätscherndes Rinnsal bezeichnet wird. Zur Musik der „Guggaler“ passt das wiederum nicht, denn die darf tosen und ausgelassen sein, gern auch mal ein bisschen schrill. „Es gibt noch mehr als genug schräge Töne“, sagt Mirbauer, auch wenn sich die Guggenmusik in den vergangenen vier Jahrzehnten „sehr stark weiterentwickelt und professionalisiert“ habe.
Das gilt für die Wernauer wie für all die anderen Guggengruppen, die ab Ende der 1980er-Jahre in den Gemeinden rundum aus dem Boden schossen. Eine richtige Welle sei das gewesen, erinnert sich der Zunftmeister, eine, die allerdings auch wieder abebbte: Etliche dieser Gruppen bestehen heute nicht mehr. Andere haben sich etabliert, darunter die Bodenbachsymphoniker.
Sie waren vor allem in ihrer Anfangszeit eine echte Größe in der Szene. 2002 beschlossen die Bodenbachsymphoniker sogar, eine CD aufzulegen. Das war teuer und freute deshalb nicht alle im Vorstand des Gesamtvereins. Weil die Fixkosten hoch waren, entschieden sich die Musikanten schließlich für eine Auflage von 2500 Stück statt der zunächst nur geplanten 500 – und konnten selbst kaum fassen, wie gefragt die Scheiben waren. Nach einer Saison waren alle vergriffen. Das sei mehr als 20 Jahre her, aber sie werde nach wie vor auf die CD angesprochen oder gefragt, ob es eine neue gebe, ergänzt Alexandra Buckenmayer, die Bodenbachsymphoniker-Gruppenleiterin.
Auch mit ihren Schlagzeugwagen sorgte die Wernauer Guggentruppe für Aufmerksamkeit. Ein Mitglied entwarf und konstruierte vor allem für die Fasnetsumzüge ein fahrbares Schlagzeug. Dieses Set können die Drummer vor sich herschieben anstatt sich wie früher ein Gestell umzuhängen. Immer wieder kamen Besucher nach Wernau, um sich die Konstruktion anzuschauen und diese dann nachzubauen.

Ohne Vorkenntnisse und ohne Notenlesen
Ja, es gibt große und kleine Leute bei den Bodenbachsymphonikern, junge und ältere, Männer, Frauen und Kinder. Wer musikalisch ist und Spaß am Trommeln oder Pusten hat, ist willkommen, auch ohne Vorkenntnisse und ohne Notenlesen: eins, zwei und drei als Markierung fürs jeweilige Ventil am Blasinstrument tun es auch.
Und die Notenlänge? „Man muss halt die Melodie kennen“, sagt der Zunftmeister achselzuckend. Rund 50 Aktive sind es derzeit, die Jüngsten sind zwölf beziehungsweise 14 Jahre alt und zum ersten Mal dabei. Ein paar noch Jüngere fahren im Kinderwagen mit, aber die spielen noch kein Instrument.
Das kann sich jedoch ändern. „Man kann das bei uns lernen“, sagt Stephan Jorda, der seit einigen Jahren Dirigent der Bodenbachsymphoniker ist – ein Job, der ihm einiges abfordert. Auf der Straße muss er teils im Rückwärtsgang den Taktstock schwingen, und das ist ein extra langes Modell, damit auch die hinteren Reihen etwas sehen. „Der wiegt ein bisschen was“, sagt Jorda. In Hallen wird dagegen oft auf Biertischen und -bänken stehend gespielt, was auch nicht ohne ist. Für die Stimmung ist der Dirigent sowieso verantwortlich. „Für Introvertierte ist das nichts“, sagt Jorda, körperlich sei’s auch anstrengend.
Es gäbe noch eine Menge zu erzählen über diesen bunten Haufen, in dem mehrere Generationen und viele Familien vertreten sind. Dass Gemeinschaft großgeschrieben wird, dass man auch international auf Festivals wie dem Euro-Carneval unterwegs ist. Dass man sich alle vier Jahre ein neues Motto ausdenkt und folglich ein neues Häs näht, und zwar eigenhändig mit Hilfe des Nähteams im Vereinsheim Löwen. Und natürlich, dass man die Bodenbachsymphoniker zurzeit live erleben kann – unter anderem beim Fasnetsumzug in Wernau am 14. Februar. (aia)

Narrenfahrplan
In der Fasnetshochburg Wernau treiben die Feierlichkeiten ihrem Höhepunkt entgegen.
Fasnetsumzug: Der große Umzug durchs Stadtgebiet findet am Samstag, 14. Februar, ab 14 Uhr, statt. Anschließend Partys in der Stadt. Ab 20 Uhr wird im Quadrium zum Fasnetsball geladen.
Kinderfasnet und Abschluss: Am Dienstag, 17. Februar, 14 Uhr, wird dann zur Kinderfasnet im Quadrium geladen. Das Fasnetsbegräbnis findet ab 19 Uhr auf dem Rathausplatz statt (anschließend Fasnetsausklang in der „Hölle“ in der alten Rathausgarage). (hin)

Auch im Jahr 2025 war Esslingen ein begehrtes Besuchs- und Reiseziel. Die Tourismusbilanz der Stadt fällt positiv aus. Damit das so bleibt, gibt es neue Angebote.

Als Tourismusziel steht die Stadt Esslingen weiterhin hoch im Kurs. Auf Basis der bislang vorliegenden amtlichen Zahlen, die von Januar bis September reichen, und einer Hochrechnung für das vierte Quartal zeichnet sich nach Einschätzung der Esslinger Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft (EST) ab, dass 2025 mit rund 295 000 Übernachtungen – nach dem Rekordjahr 2024 – das zweitbeste Jahr seit Beginn der Datenerhebung durch das Statistische Landesamt Baden-Württemberg sein wird.
Die EST spricht von einem „stabilen Niveau trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen“. So verzeichneten die 23 Beherbergungsstätten in Esslingen – ausgewertet werden nur Betreibe mit zehn oder mehr Betten – insgesamt 215 970 Übernachtungen. Das entspricht zwar einem Minus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum in 2024, das hat aber seine Gründe. „Gerade vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlich anspruchsvollen Lage und ohne zusätzliche Sondereffekte wie der Fußball-EM im Jahr zuvor zeigt sich: Esslingen ist als Reiseziel robust und wettbewerbsfähig. Das ist ein sehr positives Signal“, ordnet Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der EST ist, die Gesamtentwicklung ein.
Für Stabilität in den Zahlen sorgen nicht zuletzt die Stadtführungen der EST. Die Nachfrage ist erneut gestiegen: sowohl bei individuell gebuchten Gruppenführungen (plus sechs Prozent) wie auch bei den öffentlichen Führungen (plus sieben Prozent). Dabei kommen sowohl die Klassiker, wie auch die erlebnisorientierten Formate sehr gut an. Dass die Stadtinformation ihr Sortiment geschärft und ihr Profil gestärkt hat, trägt aus Sicht der EST ebenfalls ihren Teil zum Erfolg bei.

Estival leistet wichtigen Beitrag zur Belebung
Positiv fällt obendrein die Bilanz der Esslingen Markt und Event GmbH (EME) aus. Veranstaltungen wie das Estival und – natürlich – der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt seien „starke Impulsgeber“, lässt die EME wissen. Während sich das Estival in der Region etabliert habe und im Sommer einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leiste, locke man mit dem Mittelalter- und Weihnachtsmarkt auch internationale Gäste an. „Wir werden dieses Erfolgskonzept konsequent weiterentwickeln und die Veranstaltung emotional weiter aufladen“, betont EME-Geschäftsführer Michael Metzler.
Zwei seiner Wahrzeichen stehen Esslingen seit dem vergangenen Herbst ebenfalls wieder zur Verfügung. Der Dicke Turm und das Merkel’sche Schwimmbad sind fertig saniert und wieder geöffnet, was, wie Klopfer und Metzler unisono erklären, „die Attraktivität unserer Stadt nochmals steigert“. Beide Einrichtungen stünden für Geschichte, Kultur und Freizeit gleichermaßen. Und auch digital hat das Stadtmarketing im vergangenen Jahr zugelegt: Sowohl die Website als auch die Social-Media-Kanäle erfuhren eine stark steigende Zahl an Aufrufen.
Neue Events werden das bestehende Angebot in diesem Jahr ergänzen. So kommen bei den Stadtführungen die Fans von Krimigeschichten auf ihre Kosten: Mit den kostümierten Touren „Allerley Geschichte – die etwas andere Krimitour“ und „Crime Time – Esslingens verbrecherische Seiten“ gibt es zusätzliche Erlebnisführungen.
Und selbstverständlich stehen auch 2026 wieder Jubiläumsfeiern auf dem Programm: Kessler, die älteste Sektkellerei Deutschlands, feiert am 1. Juli ihr 200-jähriges Bestehen. Das Team-Werk Esslingen wiederum begeht sein 125-Jahr-Jubiläum – begleitet von zahlreichen Veranstaltungen.

Limitierte Edition einer Monopoly-Ausgabe
Ein Highlight für Spielefans gibt es derweil schon ab Ende März: In einer Kooperation bringen Alpine Editions, der Spieleverlag Hasbro und die EST in einer limitierten Edition eine Monopoly-Sonderausgabe „Esslingen am Neckar“ heraus. Mit Blick auf das Stadtjubiläum 2027 investiert Esslingen zudem in die Weiterentwicklung seines Stadtbilds. Der Marktplatz soll als „Wohnzimmer der Stadt“ künftig noch stärker erlebbar sein. Die dafür notwendigen Baumaßnahmen erfordern für die regulären Veranstaltungen heuer allerdings alternative Konzepte. Unberührt davon bleibt indes der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt.

Publikumsmagnete
Veranstaltungen gibt es auch 2026 in Hülle und Fülle. Eine Auswahl: 25./26. April: Esslinger Frühling; 30.  April bis 10. Mai: Podium-Festival; 17. Mai: Weinwandertag; 13. Juni: Freilichtbühne der WLB auf der Maille („Die Zauberflöte – The Opera but not the Opera“); 3. bis 5. Juli: Schwörfest; 30. Juli bis 8. August: Kino auf der Burg; 12. September: Esslingen funkelt; 13. September: Tag des offenen Denkmals; 24. November bis 22. Dezember: Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. (eas)

Studierende und Mitarbeitende der Hochschule Esslingen brauchen einen langen Geduldsfaden: Die Bauarbeiten am neuen Campus in der Weststadt verzögern sich.

Mitarbeitende, Studierende und Führungsriege der Hochschule Esslingen haben schon mehrfach im Geiste die Umzugskartons gepackt – um sie dann mental wieder auszupacken. Denn der Zeitplan war öfter nach hinten korrigiert worden. Doch nach dem letzten terminlichen Update war eine Aufnahme des Lehrbetriebs am neuen Standort in der Esslinger Weststadt zum Wintersemester 2026/2027 im Oktober vorgesehen gewesen. Aus diesem Termin wird aber auch nichts: Wie Sprecherin Michaela Hornung vom baden-württembergischen Finanzministerium mitteilt, werden sich die Bauarbeiten weiter verzögern.
Champagner zur Einweihung des Campus? Der sollte noch nicht einmal kalt gestellt werden. Denn mit dem Anstoßen aus Anlass des Bauendes ist das so eine Sache. „Die bauliche Fertigstellung ist im vierten Quartal 2026 geplant“, sagt Michaela Hornung. Einen genaueren Zeitpunkt nennt sie nicht.
Zur Begründung der Terminkorrektur gibt sie an, dass es während des Projektverlaufs zu Verzögerungen gekommen sei: „Diese betrafen unter anderem Teile der technischen Gebäudeausstattung.“ Durch diese unvorhergesehenen Schwierigkeiten habe der Bauablauf „angepasst“ werden müssen: „Der avisierte Termin für die Aufnahme des Lehrbetriebs zum Wintersemester 2026/2027 kann nicht mehr gehalten werden.“
Gegen Ende des Jahres sei die Übergabe an die Nutzer vorgesehen, heißt es aus dem Stuttgarter Finanzministerium. Der Hauptumzug in den Neubau sei dann für den Zeitraum zwischen Anfang Februar 2027 und dem Beginn des Sommersemesters im März 2027 geplant. Bis zum Sommersemester könne der Lehrbetrieb also wohl am neuen Standort aufgenommen werden.
Gearbeitet wird auf der Baustelle aber: Aktuell seien die Verantwortlichen mit dem Innenausbau beschäftigt. Er laufe auf Hochtouren. Erledigt würden derzeit Oberflächengewerke wie Betonwerkstein oder Bodenbelag. Durchgeführt würden auch die Malerarbeiten, die Maßnahmen an den Holzinnen- und den Brandschutztüren sowie an der Verglasung für den Brandschutz. Der Einbau der Metalldecken gehöre ebenfalls zu den gerade zu erledigenden Leistungen. Derzeit finden laut Michaela Hornung auch die Abschlussarbeiten an allen Häusern statt. Im Anschluss seien die Pflasterarbeiten an der Nordseite geplant.

Bushaltestelle vor dem Haupteingang
Trotz der Verzögerungen ist nach Angaben von Michaela Hornung bereits einiges umgesetzt worden. Die Estricharbeiten seien bis auf den Atriumbereich beendet: „Nach Abnahme der Kunstwerke wird auch in diesen Bereichen der Estrich verlegt.“ Erledigt seien auch die vorbereitenden Arbeiten für die Bushaltestelle vor dem Haupteingang auf den Campus. Die Außengerüste seien bis auf den Bauaufzug komplett abgebaut und die Außenanlagen zu großen Teilen fertiggestellt. Mit den Asphaltarbeiten im Bereich der Anlieferung soll bald begonnen werden. Die Telefonanlage und die Medientechnik sowie die Beschilderung müssten noch in Auftrag gegeben werden.
Die Kosten für die Neubauten gibt Michaela Hornung mit rund 180 Millionen Euro an. Das Geld sei im Haushaltsplan des Landes eingestellt. Ursprünglich waren Kosten in Höhe von gut 150 Millionen Euro eingeplant gewesen.
Nach Angaben der Hochschule Esslingen entsteht der Neubau auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt auf einem etwa 1,7 Hektar großen Grundstück entlang der Bahnlinie mit einer Gesamtnutzfläche von gut 19 600 Quadratmetern. In dem neuen Campus sollen rund 2000 Studierende unterrichtet werden. Etwa 250 Arbeitsplätze würden für Professorinnen und Professoren, Mitarbeitende der Hochschule sowie das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte geschaffen. Auf dem neuen Areal werden auch eine Mensa und ein Rechenzentrum untergebracht. Die Neubauten sollen längerfristig die Gebäude in der Flandernstraße in Esslingen ersetzen.

Der neue Campus der Hochschule
Zeitplan:
Baubeginn für den neuen Campus war nach Angaben der Hochschule Esslingen im April 2020 gewesen. Die Grundsteinlegung in der Neuen Weststadt war Anfang Dezember 2021 mit Finanzstaatssekretärin Gisela Splett erfolgt. Richtfest war ein Jahr später im Dezember 2022. Die Fassade war im Juli 2024 fertiggestellt worden.
Fakultäten: An dem Campus werden laut Hochschule Studierende der Fakultäten Wirtschaft und Technik, Informatik und Informationstechnik sowie Soziale Arbeit, Bildung und Pflege lernen und forschen. (sw)