Die Stadt Plochingen übernimmt zum 1. Januar den Kindergarten St. Konrad. Das hat auch finanzielle Gründe. Anderen Kitas könnte es in den kommenden Jahren ähnlich ergehen.
Pfarrer Bernhard Ascher redet nicht um den heißen Brei herum. Die katholische Kirchengemeinde St. Konrad sei vor zwei Jahren auf die Stadt zugegangen, „weil uns die Kindergärten über den Kopf wachsen“. Derzeit ist die Kirchengemeinde Trägerin von sechs Kindertageseinrichtungen in den zu ihr gehörenden Kommunen Plochingen, Deizisau, Altbach, Reichenbach, Hochdorf und Lichtenwald. Das sei nicht mehr zu stemmen, weder finanziell noch vom Verwaltungsaufwand her, sagt Ascher.
Mit einer einzigen Kirchenpflegerin sei die wachsende Bürokratie nicht zu bewältigen. Und die Kosten für den Betrieb der Kitas trägt zwar zu einem Großteil die Stadt, auch bei den konfessionellen Einrichtungen. Aber ein Teil bleibt doch bei der Kirche hängen, die eigentlich sparen und sich auch von einem Teil ihrer Gebäude trennen muss.
So ist es auch kein Zufall, dass man nun zuerst mit dem Kindergarten St. Konrad in Plochingen diesen Weg geht. In dem Gebäude aus den 80er-Jahren steht in naher Zukunft eine umfassende Sanierung an, sowohl energetisch als auch vom Grundriss und der Konzeption her. Es wurde in einer Zeit gebaut, als offene, hohe Räume en vogue waren. Heute sind dagegen, zumindest bei Ganztagsangeboten, zusätzliche Schlaf- und Nebenräume und eine Küche gefragt. Auch Barrierefreiheit ist ein Thema. Aber mit alledem wird sich nun die Stadt befassen, die das Gebäude gekauft hat. Der Vertrag ist abgeschlossen, die neue Trägerschaft gilt ab 1. Januar.
Das Team des Kindergartens wechselt damit den Arbeitgeber, es kommt geschlossen zur Stadt Plochingen. Für die betreuten Kinder und ihre Eltern dürfte sich der Trägerwechsel folglich kaum bemerkbar machen, und die Verwaltung ist darüber ebenfalls froh. Zumal es sich, wie Pfarrer Ascher betont, um ausgesprochen motiviertes Personal handle, das nach einem guten Konzept Hand in Hand arbeite. Da schwingt auch ein wenig Wehmut mit, so sehr er sich über die gefundene Lösung freut.
Für die Stadt war die Übernahme fast unumgänglich, schließlich gebe es den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, so Bürgermeister Frank Buß, und St. Konrad sei Teil des Gesamtangebots. Die Einrichtung soll nun im Kontext mit den anderen in der Stadt weiterentwickelt werden. Dazu gehöre auch die Überlegung, so Buß, ob weitere Gruppen an diesem Standort nötig seien.
Gedanken auch in der evangelischen Kirche
Pfarrer Ascher will sich nicht festlegen, ob die katholische Kirchengemeinde noch weitere Kindergärten abgeben wird. Aber er deutet an, dass es gut möglich ist. Der Strukturwandel bei der Trägerschaft der Kitas ist tatsächlich schon länger im Gange, auch in der evangelischen Kirche. Sie geht zwar einen anderen Weg, der aber ebenfalls das Ziel hat, die einzelnen Gemeinden zu entlasten und die Verwaltung zu zentralisieren und zu professionalisieren.
So hat der evangelische Kirchenbezirk in seiner Zentrale neue Stellen geschaffen, die seit Anfang dieses Jahres die Verwaltung der evangelischen Kitas in fünf Kommunen übernehmen. In Einzelfällen sind auch evangelische Einrichtungen an bürgerliche Gemeinden übergegangen. In Reichenbach war das 2014 beim Kinderhaus Kunterbunt so, was auch damit zu tun hatte, dass dessen Grundstück Teil einer Umlegung wurde. In Deizisau und Altbach wurden das Kinderhaus im Palmschen Garten und das Kinderhaus Vogelwiesen von den bürgerlichen Gemeinden übernommen. In diesen Fällen ging der Wunsch zum Trägerwechsel von den Kommunen aus, die ihr eigenes Angebot breiter und effizienter aufstellen wollten.
Grundsätzlich ist der Hintergrund überall derselbe: knapper werdende Finanzen, knapper werdendes Personal und gleichzeitig wachsende Anforderungen in der Kinderbetreuung. Ob eine Einrichtung bei der jeweiligen Kirchengemeinde bleibe oder in die übergeordnete Struktur gehe, liege bei den Gemeinden, sagt Samuel Daub, der Geschäftsführer für die Kitas beim evangelischen Kirchenbezirk ist. Aber der Trend gehe klar in Richtung Zentralisierung.
Dicker Brocken im Haushalt
Viel Geld für Betreuung: In Plochingen betragen die Kosten für die Kinderbetreuung gemäß dem Entwurf für den nächsten Plochinger Doppelhaushalt rund 10,5 Millionen Euro pro Jahr. Wenn man die Einnahmen gegenrechnet, bleibe ein Defizit von acht Millionen Euro übrig, sagt Bürgermeister Frank Buß. Ein Großteil davon besteht aus Personalkosten, mittlerweile habe die Stadt rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich.
Zuschuss: Plochingen hat in den vergangenen Jahren die Verträge mit den konfessionellen Trägern von Kindertagesstätten neu verhandelt und vor rund acht Monaten unterzeichnet. Demnach schießt die Stadt bei Investitionen der Träger 90 Prozent der Kosten zu, bei den Betriebskosten 95 Prozent. Das gilt einheitlich für alle Träger, vorausgesetzt, die jeweilige Einrichtung ist Teil des Kindergartenbedarfsplans. (aia)

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