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Claus Hintennach

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Baltmannsweiler muss die Rücklagen plündern. Weil das Geld im Haushaltsjahr 2026 nicht reicht, wird ein Defizit erwartet.

Die Schurwaldgemeinde Baltmannsweiler will in diesem Jahr ihre Finanzen konsolidieren. Es gehe darum, sich auf die Pflichtaufgaben zu konzentrieren, erklärte der Bürgermeister Simon Schmid mit Blick auf das Haushaltsjahr 2026. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Defizit im Ergebnishaushalt von 2,4 Millionen Euro und einer Mini-Investitionssumme. Zum Glück habe Baltmannsweiler in guten Jahren eine üppige Rücklage bilden können.
„Die Krise ist nun flächendeckend spürbar und angekommen. Während in den vergangenen Jahren Gewerbesteuereinnahmen noch viele Defizite überdeckten, ist dies nun spätestens in 2026 vorbei. Das spüren wir auch in Baltmannsweiler“, sagte Schmid. Den größten Posten machten die Transferleistungen aus, das sind die Umlagen an Bund, Land, Region und Kreis. Laut Schmid sind diese in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel gestiegen und „innerhalb des vergangenen Jahres um zehn Prozent auf ein Rekordhoch von 6,9 Millionen Euro“.
Weil die Verwaltung alle Budgets nochmals überprüft habe, sei nun mit einer leichten Verbesserung zu rechnen. Ursprünglich habe man beim Defizit sogar mit knapp drei Millionen Euro gerechnet. „Der Haushalt 2026 ist auf ein absolutes Mindestmaß reduziert. Das Investitionsvolumen beträgt gerade einmal abzüglich Fördersummen und Refinanzierungsstrategien rund 250 000 Euro. Wir müssen und werden uns auf die absoluten Pflichtaufgaben konzentrieren.“ Schmid ergänzte: „Die Zitrone ist vollständig ausgequetscht.“
Da Verwaltung und Gemeinderat in der Vergangenheit aber ihre Hausaufgaben gemacht hätten, könne es in der Gemeindeentwicklungsplanung mit den Themen Wohnraumschaffung, Mobilität und Bildung weiter gehen. Baltmannsweiler sei „vielleicht im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen auch in Krisenzeiten fit für die Zukunft“. Dabei helfe die gut gefüllte Ergebnisrücklage, da es bis 2024 immer gelungen sei, trotz erheblicher Investitionen einen positiven Jahresabschluss zu erzielen.

Handlungsfähigkeit der Kommunen gefährdet
„Wir können nun also auch einmal von unseren planerischen Rücklagen leben und somit Defizite in den Jahresabschlüssen ausgleichen. Aber: Diese sind natürlich endlich“, erklärte Schmid mit Blick auf die rund elf Millionen Euro. Wenn es nicht gelingt, die kommunalen Finanzen nachhaltig zu stärken und auch von Aufgaben zu entlasten, werde dies in den nächsten Jahren zur Handlungsunfähigkeit der Kommunen führen. Und die Kämmerin Silke Steiner ergänzt: „Mit dieser Rücklage können wir die negativen Ergebnisse der mittelfristigen Finanzplanung bis 2029 noch abdecken.“
Die Sondervermögen genannten Schulden, die der Bund für die Kommunen bestimmt hat, betrachtet Schmid als „ersten Schritt in die richtige Richtung. Wohl wissend, dass das Geld aber nicht das strukturelle Problem der kommunalen Seite löst.“ Baltmannsweiler soll für die kommenden zwölf Jahre 3,7 Millionen Euro bekommen, was helfe, die Liquidität zu stärken. Die genaue Verwendung sei noch nicht beschlossen. Die Verwaltung schlage vor, eine erste Tranche von rund 350 000 Euro für bereits beschlossene Maßnahmen und Neuinvestitionen zu verwenden. Näheres soll in der Haushaltsplanberatung besprochen werden. Um die Finanzlage in Baltmannsweiler zu stärken, soll auch das Thema Regelungsbefreiungsgesetz besprochen werden. Laut Schmid können Kommunen beantragen, von aus ihrer Sicht entbehrlichen (Landes-)Regelungen abzuweichen. In Zusammenarbeit mit dem Gemeindetag Baden-Württemberg sei es gelungen, beim Thema Erwirtschaftung der Abschreibungen einen konkreten Antrag zur Entlastung zu erarbeiten.
Die Gemeinde plant nun vor allem Investitionen in folgenden Bereichen: Verkehr, Katastrophenschutz (Anschaffung von Notstromaggregat oder Sirenen), Bildung und Erziehung, Klimaschutz mit dem Ausbau der Photovoltaik auf kommunalen Liegenschaften, um laufende Kosten zu senken, Glasfaserausbau in Hohengehren sowie im Tiefbau mit der Sanierung von Abwasserkanälen. (com)

Zahlreiche Zukunftsprojekte werden in der Innenstadt parallel realisiert. Die Stadt Esslingen erhofft sich wichtige Impulse, die Bauarbeiten sind herausfordernd.

Die Esslinger Innenstadt wird zur großen Baustelle: An allen Ecken und Enden wird in nächster Zeit gebaut, zahlreiche Zukunftsprojekte stehen auf dem Programm. Mit einem Spatenstich hat Mitte Januar die Neugestaltung des Marktplatzes begonnen. Im Rathaus verhehlt man nicht, dass mit den diversen Baumaßnahmen auch Beeinträchtigungen verbunden sind. Doch die Stadt wirbt mit dem Slogan „Wer schön sein will, muss buddeln“ für Verständnis. In einer Infoveranstaltung im CVJM-Haus hat die Verwaltung nun die diversen Innenstadtprojekte vorgestellt.
Nachdem er zuletzt einen dramatischen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen vermelden musste, unterstrich OB Matthias Klopfer im CVJM-Haus die Bedeutung von Investitionen: „Es ist ein Glück, dass wir die Zukunft unserer Stadt aktiv gestalten können.“ Von Projekten wie dem Marktplatz und der Bebauung des Karstadt-Areals verspricht sich Klopfer Impulse für die Innenstadt. Allerdings signalisierte er, dass die Stadt Projekte angesichts geringerer finanzieller Spielräume nochmals betrachten muss – etwa die Pläne, die Abt-Fulrad-Straße und den Kleinen Markt aufzuwerten. Eventuell müsse die Stadt die Ritterstraße vorziehen, ehe sie sich den flankierenden Maßnahmen zum Marktplatz zuwendet. „Darüber werden wir im Gemeinderat bis zur Sommerpause intensiv diskutieren“, so Klopfer.
Baubürgermeister Hans-Georg Sigel nahm die Zuhörer mit auf einen virtuellen Rundgang durch die Innenstadt. Mit Blick auf Großprojekte wie den neuen Marktplatz oder die Bebauung des Karstadt-Areals betonte er: „Es wird zeitweise laut und dreckig, aber das gehört zu solchen Baustellen nun mal dazu. Dafür wird sich unsere Innenstadt schöner denn je zeigen, wenn erst einmal alles fertig ist.“

Marktplatz: Fast zehn Millionen Euro investiert die Stadt in ihren neuen Marktplatz, der 2027 zu Pfingsten eingeweiht werden und sich dann „autoarm, grüner und mit deutlich mehr Platz für Außengastronomie und konsumfreien Aufenthalt“ präsentieren soll. Für die Bauarbeiten bleibt der Platz eingezäunt, Webcams geben Einblicke.
Im ersten Bauabschnitt wird abgegraben, um Strom- und Wasserleitungen verlegen zu können. Voraussichtlich im März beginnen dann entlang der Fachwerkhäuser im Norden die ersten Pflasterarbeiten. „Dann wird man bereits einen ersten Eindruck bekommen“, verspricht Hans-Georg Sigel, für den die Neugestaltung des Marktplatzes „unser wichtigstes Projekt“ ist.

Schelztorsporthalle: Seit September 2023 ist die Halle wegen statischer Probleme geschlossen. 15 Millionen Euro sind für die Sanierung veranschlagt. Der für Mitte 2026 geplante Baubeginn dürfte sich verzögern, da die Stadt hofft, bei einem Förderprogramm zum Zug zu kommen. Ein vorzeitiger Baubeginn könnte Probleme bereiten.

Karstadt-Areal: Nach langen Jahren des Stillstands investiert Strabag Real Estate auf dem bisherigen Kaufhaus-Areal einen dreistelligen Millionenbetrag. Dafür entstehen rund 160 neue Wohnungen und 12 000 Quadratmeter Handels- und Gewerbeflächen. Auf dem bisherigen Parkplatz wird schon kräftig gearbeitet, erste Arbeiten im bisherigen Kaufhausgebäude sollen demnächst beginnen. Da die geplante Tiefgarage nur den Mietern des neuen Wohn- und Geschäftszentrums „qess“ zur Verfügung steht, wird deutlich weniger Verkehr in der Martinstraße erwartet. Ein Verkehrs- und Logistikkonzept soll helfen, die Belastungen während der Bauzeit möglichst gering zu halten.

Neue Weststadt: Mit dem Baublock A, der mit dem Alten Zollamt den Auftakt der Neubebauung auf dem früheren Güterbahnhof-Areal bildet, bekommt das Stadtviertel nun auch ein Entree hin zum Bahnhof. Beim Schlachthof-Areal sieht Sigel derzeit noch keinen entscheidenden Fortschritt.

Ritterstraße: Die Ritterstraße soll zur lebendigen und verkehrsberuhigten Zone werden. Im Frühjahr will die Verwaltung ihre Pläne im Gemeinderat vorstellen, Baubeginn soll 2028 sein. Ein Landeszuschuss von 3,2 Millionen Euro ist bereits bewilligt.

Pliensaubrücke: Die Pliensaubrücke besteht aus drei Abschnitten – der Teil, der den Neckar überspannt, wird durch einen filigraneren Neubau ersetzt. Voraussichtlich im September soll der Rückbau des bisherigen Brückenabschnitts beginnen.

Neckaruferpark: Derzeit gehen die Arbeiten am Neckaruferpark in den Endspurt. Eigentlich wollte die Stadt schon Ende 2025 Einweihung feiern – nun wird die feierliche Eröffnung der lang gestreckten Grün- und Erholungsfläche bis Ostern angestrebt.

Esslinger Infrastrukturprojekte
Fernwärme:
 Esslingen hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Daher wollen die Stadtwerke ihr Fernwärmenetz jedes Jahr um etwa 4000 Meter verlängern. Gerade in der Altstadt wird das nicht einfach.
O-Busse: Bis Ende 2026 will Esslingen eine der ersten Städte bundesweit mit emissionsfreiem Nahverkehr sein. Für die Umstellung des Linienverkehrs auf 100 Prozent Elektromobilität muss das 29 Kilometer lange Oberleitungsnetz um weitere fünf Kilometer verlängert werden.
Klimaanpassung: Die Stadt versucht, beim Klimawandel durch gezielte Maßnahmen gegenzusteuern, pflanzt klimaresistente Bäume und plant grüne Naherholungsflächen. Zusammen mit offenen Wasserflächen, Flachbrunnen und Wasserspielen sollen sie der Überwärmung entgegenwirken und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Der Esslinger Schattenweg wird ausgebaut, das Trinkbrunnen-Netz wird erweitert, der Schutz vor Starkregen und Hochwasser wird verbessert.   (adi)

Der Skiclub Schneesterne bietet seit diesem Jahr Kinderskikurse in Deizisau an. Schnee wird für die Piste nicht benötigt. Das Angebot soll vor allem erste Berührungspunkte mit der Sportart ermöglichen.

Trotz winterlicher Temperaturen sind schneeweiße Wiesen seit mehreren Jahren ein seltener Anblick in Deizisau geworden – die vergangenen Tage mal ausgenommen. Doch auch an den schneefreien Tagen wird in diesem Jahr am Hügel oberhalb des Kinderhauses Arche Noah Ski gefahren. „Das ist schon ein wenig Pionierarbeit hier“, sagt Florian Bayer, Leiter Wintersport im Skiclub Schneesterne Deizisau.
Seit den frühen Morgenstunden sind etwa zehn Vereinsmitglieder mit dem Aufbau der Piste beschäftigt. Diese Piste besteht nämlich aus einem Metallgeflecht und darüberliegenden Matten mit borstenähnlichen Fasern. Mit langen Metallschrauben wird alles befestigt. „Da ist es natürlich geschickt, wenn der Boden noch gefroren ist“, sagt Bayer. So entsteht auf der grünen Wiese am Hügel eine 20 Meter lange Piste, die auch ganz ohne Schnee befahren werden kann.
„Wir wollten mit dem Angebot das Skifahren nach Deizisau bringen“, erklärt Bayer. Neben den regulären Skikursen und Skifreizeiten gibt es deshalb in diesem Jahr erstmals das zusätzliche Angebot vor Ort. Die Umsetzung ist dabei gar nicht so einfach. Denn für den Sport gebe es immer mehr Herausforderungen, vor allem die aufgrund des Klimawandels steigenden Temperaturen stellen die Skivereine immer häufiger vor schwierige Entscheidungen, erklärt Bayer. „Das bedeutet dann oft, dass man entweder keinen Kurs anbieten kann oder ins Allgäu fahren muss.“ Man dürfe allerdings die Kosten für einen solchen Skikurs nicht vergessen. „Die Fahrt, die Liftkarte und dann noch die Verpflegung – das alles kostet“, sagt Bayer.
Und so haben sich an diesem Sonntagvormittag etwa 30 Kinder – begleitet von ihren Eltern, Tanten oder Großeltern – eingefunden, um Ski zu fahren. „Wir bieten etwas für jedes Kind, das Skifahren lernen will“, sagt Bayer. Die meisten der Kinder seien zwischen drei und acht Jahren alt. „Mit drei sind Kraft und Motorik für das Skifahren langsam da“, erklärt Bayer.
Einige Kinder haben bereits Erfahrungen auf Skiern, andere fahren zum ersten Mal, wie beispielsweise Tom. Voll ausgestattet mit Skijacke und Helm steht er am Start. Während die Matten noch mal mit einem Gemisch aus Wasser und Spülmittel besprüht werden, um das Fahren zu erleichtern, prüft er seine Skier – alles sitzt. Dann geht es mit vollem Elan die Piste hinunter.

Der Skikurs liegt so nah
„Wir sind aus Deizisau, daher ist das hier für uns sehr geschickt“, sagt seine Mutter, die Toms Fahrt vom Start aus beobachtet. „Anfangs weiß man ja nie, ob es den Kindern am Ende auch Spaß macht, daher ist es gut, dass der Kurs so nah ist.“ Tom ist mittlerweile am Ende der Piste angekommen. Ein letztes Mal formt er mit den Skiern eine sogenannte Pizza, neigt also die Spitzen zueinander, und kommt so vor den Skilehrern zum Stehen.
Zwölf Skilehrer betreuen den Kurs. Sie erklären den Kindern die richtigen Positionen, geben Anweisungen und verhindern im Notfall, dass die Kinder auf der Wiese landen. „Einige von ihnen habe ich früher noch selbst betreut, jetzt sind sie hier als Lehrer dabei“, sagt Nick Taxis, der selbst mit 14 Jahren bei den Skilehrern angefangen hat. „Es geht bei diesem Kurs darum, dass die Kinder ein Gefühl für die Ski bekommen“, erklärt er. Vom ersten Anziehen der Ski, über eine einfache Abfahrt den Hügel hinunter bis hin zu ersten Kurven – die Grundlagen sind entscheidend. „Man muss den Kindern die Angst nehmen, das ist eine Grundvoraussetzung für das spätere Skifahren“, erklärt Bayer.
Den ganzen Vormittag lang geht es zwischen Schafen und Streuobstwiesen die Piste hinab. „Übung macht den Meister“, sagt Bayer. Selbst mit der vergleichsweise kurzen Piste und geringeren Geschwindigkeit könnten die Kinder viel lernen. „Die Kinder nehmen das als Skifahren wahr“, erklärt Bayer. Und auch am Mittag wird weitergefahren. „Wir hatten anfangs vier Stunden am Stück, aber das wird krafttechnisch dann mit den Kindern schwierig. Deshalb haben wir den Kurs aufgeteilt“, sagt Taxis.
In Zukunft seien für den Verein dann auch Kooperationen mit den Kindergärten und der Schule vor Ort denkbar. „Wir werden die Erfahrungen aus diesem Jahr mitnehmen und damit weitermachen“, sagt Bayer. Von den Kindern und Familien gibt es jedenfalls großen Zuspruch. „Nächstes Mal sind wir wieder dabei“, sagt eine junge Skifahrerin.

Die Schneesterne
Verein:
Der Skiclub Schneesterne Deizisau wurde 1970 gegründet. Er gehört mit fast 1000 Mitgliedern zu den größten Skivereinen in der Region. Neben Wintersport werden Sommeraktivitäten wie Mountainbiken oder Nordic Walking angeboten.
Investition: Die Teile der Piste zum Aufbauen stammen vom Unternehmen „Mr. Snow“ aus Chemnitz. 17 000 Euro hat der Verein für die Ausstattung bezahlt. „Wenn der Förderantrag bewilligt wird, erhalten wir bis zu 5000 Euro Unterstützung durch den Württembergischen Landessportverband“, erklärt Florian Bayer.
Hütte: Seit etwa 50 Jahren pachtet der Skiclub Schneesterne eine Hütte am Fuß des Hohen Ifen. Die Deizisauer Hütte bietet Schlafmöglichkeiten für mehr als 50 Gäste und dient als Ausgangspunkt für Skiausfahrten oder Wanderungen. (tki)

Der Investor Strabag plant auf dem Areal in Esslingen Wohnungen und Gewerbeflächen.
In diesem Jahr soll es deutlich vorangehen.

Nach jahrelangem Stillstand geht es inzwischen voran auf dem früheren Karstadt-Areal in der Esslinger Innenstadt. Nachdem das Gelände zwischen Martinstraße und Ehnisgasse im vergangenen Sommer zunächst archäologisch untersucht wurde, wird es nun für die Bauarbeiten vorbereitet. Die sollen noch in diesem Jahr starten.
Manch einer dürfte sich gewundert haben, als im Sommer die Bagger anrollten und nach und nach eine Grube auf der Brachfläche hinter dem ehemaligen Karstadt-Gebäude ausgehoben wurde. Denn zuvor war das Areal jahrelang als Parkplatz genutzt worden – stets unter der Prämisse, dass dies nur ein Provisorium sei. Dass das Gelände bebaut werden soll, ist schon lange gesetzt. Doch die verschiedenen Pläne, die im Lauf der Zeit von wechselnden Investoren verfolgt wurden, waren nie realisiert worden.
Dieses Mal scheint es anders zu sein. Seit der vorherige Eigentümer, der Investor BPI, das Gelände im Frühjahr vergangenen Jahres an die Strabag Real Estate GmbH verkauft hat, scheint mehr Zug hinter der Sache zu sein. Laut Annette Gauger, der Sprecherin von Strabag, sind die archäologischen Untersuchungen inzwischen abgeschlossen. Dabei seien keine relevanten Funde entdeckt worden. Daher habe man die Planungen für das ehemalige Karstadt-Gebäude sowie für den Neubau auf der Brache ohne wesentliche Veränderungen fortführen können.
Unterdessen ist auch die Stadt Esslingen dabei, ihren Teil zur Vorbereitung der Bebauung zu leisten. Schon seit September und noch bis zum Frühjahr erneuere man den Abwasserkanal in der Martinstraße, teilt der städtische Pressesprecher Marcel Meier mit. Zeitgleich verlegten die Esslinger Stadtwerke neue Fernwärmeleitungen für die Bewohner des Quartier „QUESS“, wie sich das neue Wohnviertel zwischen Martinstraße und Ehnisgasse künftig nennt. Wenn das erledigt sei, könne Strabag mit den Arbeiten am neuen Quartier beginnen, so Meier.
Man habe bereits rund 160 Anfragen für die neuen Wohnungen auf dem zentral gelegenen Grundstück, teilt Annette Gauger mit. Bei den Interessenten handele es sich zum großen Teil um Personen aus der Region Stuttgart, die selbst in eine der Wohnungen einziehen möchten. Zudem liefen schon konkrete Gespräche mit den zahlreichen Mietinteressenten für die gewerblichen Einheiten, berichtet Gauger.

Fertigstellung fürs Jahr 2029 angestrebt
Auch baulich soll es vorangehen: Im Januar steht laut Gauger der Beginn der Entkernung des Bestandsgebäudes an, in dem künftig vor allem Gewerbe- und Büroflächen geplant sind. Den Bauantrag für den Neubau will Strabag voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 einreichen. Mit dem Baubeginn rechnet man im Herbst oder Winter dieses Jahres. In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll auch mit dem Vertrieb der Wohneinheiten begonnen werden. Wenn alles läuft wie geplant, könnte das Bauvorhaben im Jahr 2029 abgeschlossen sein.
Bis dahin soll die bisherige Brache dann zu einem attraktiven Wohnviertel mit rund 160 Wohnungen und etwa 12 000 Quadratmetern Handels- und Gewerbeflächen geworden sein. Konkret sollen auf der Fläche zwischen dem ehemaligen Karstadtgebäude, der Martinstraße und der Ehnisgasse vier neue Gebäude mit durchschnittlich rund 75 Quadratmeter großen Wohnungen entstehen. Die vom vorherigen Investor noch geplanten sogenannten Townhouses auf dem Dach des Bestandsgebäudes sind von Strabag nicht mehr vorgesehen.
Die Tiefgarage plant Strabag eingeschossig mit rund 140 Parkplätzen statt der mehr als 220 Stellplätze auf zwei Ebenen, die ihr Vorgänger BPI vorgesehen hatte. Im Innenhof der vier Gebäude sollen verschiedene Angebote für die künftigen Bewohner entstehen – unter anderem eine Ruhezone für Senioren und ein Spielbereich für Kinder. Auch Bäume sind geplant, dazu Dachbegrünungen und Photovoltaikanlagen.
Ursprünglich einmal lag der Fokus bei der Bebauung des Karstadt-Areals vor allem auf Flächen für den Einzelhandel, verschob sich im Lauf der Zeit aber immer weiter in Richtung Wohnen. So war noch im Jahr 2014 auf dem Areal eine Einkaufspassage mit vier Ebenen, einer Tiefgarage sowie 20 Wohnungen im Obergeschoss geplant. Nach dem Verkauf des Areals im Jahr 2017 änderte sich auch die Planung: Die Einkaufspassage sollte den Namen „Die Via“ bekommen und sich nur noch auf drei Ebenen erstrecken, dafür aber mit 62 Wohnungen aufwarten. Wegen drohender Mehrkosten wurden die Pläne in den Jahren 2019 und 2020 erneut geändert.
Die neuen Pläne mit einer sehr viel höheren und dichteren Bebauung stießen auf massive Kritik im Gemeinderat. Letztlich wurden sie trotzdem abgesegnet in der Hoffnung, damit auch Karstadt in Esslingen zu retten. Eine Fehlannahme: Die Karstadt-Filiale wurde Anfang 2024 geschlossen und die Zukunft des Areals schien einmal mehr ungewiss – bis der Strabag-Konzern die Fläche im Frühjahr 2025 erwarb. (meb)

Die Gastronomie im Wernauer Quadrium war eigentlich schon totgesagt.
Jetzt nimmt sie doch noch einmal einen Anlauf mit einem neuen Konzept und neuen Wirten.

Ein Restaurant im Erdgeschoss, eine Bar im oberen Geschoss, das Catering bei Veranstaltungen und dann noch die Bar im Sauna- und Wellness-Bereich: Die Gastronomie im Wernauer Quadrium hat viele Facetten. Neu ist, dass diese von verschiedenen Betreibern abgedeckt werden. Damit hofft die Stadt, doch noch zu retten, was schon mehrfach gescheitert ist. Denn hier haben sich schon einige Gastwirte die Zähne ausgebissen.
Mit Ausnahme des ersten Pächters gaben sie nach wenigen Jahren wieder auf, weil die Einnahmen nicht ausreichten. Eine Rolle spielte dabei auch, so zumindest die Einschätzung der Gastronomen, dass das Restaurant etwas versteckt und nur durch den Eingang des Verwaltungszentrums zugänglich ist.
Der Gemeinderat hatte deshalb beschlossen, künftig auf ein Café anstelle des Restaurants zu setzen. Doch auch dafür fand sich „trotz intensiver Bemühungen“ kein Interessent, wie Bürgermeisterin Christiane Krieger im März dem Gemeinderat mitteilte. Stattdessen lag eine Initiativbewerbung des „La Dolce Vita“ auf ihrem Tisch, einer örtlichen Pizzeria, die schon seit 2011 in Wernau ansässig ist und trotz ihrer bisherigen, von außen eher unscheinbaren Räume offenbar gut lief. Sie bekam den Zuschlag. Nach dem Umzug passe jetzt auch das Ambiente sehr gut, sagt Junior-Chef Luigi Civitavecchia. In der Küche steht nach wie vor seine Mutter Rosalba. „Wenn die Mama kocht, ist das immer was Besonderes“, sagt der Sohn. Für seine Küche und insbesondere für die Pizza mit zwei Tagen Teigruhe sei das La Dolce bekannt. Das wolle man weiterentwickeln und künftig auch verstärkt auf Catering setzen.
Die neuen Betreiber der Bar im Obergeschoss, die jetzt Weinbar Veritas heißt, sind in Wernau ebenfalls keine Unbekannten: Die Brüder Andre und Marcel Langner, ihre Mutter Andrea Redle und Matthias Heinsch führen sie gemeinsam im Nebenerwerb. Das Quartett setzt auf Wein und Erlebnis. Zu Essen gibt es kaltes Vesper, regelmäßige Weinproben stehen auf dem Programm. „Wir versuchen neuen Schwung reinzubringen“, sagt Andre Langner. Er selbst war zuvor in der damaligen „Mammutbar“ regelmäßiger Gast und machte sich sofort auf die Suche nach Mitstreitern, als er die Ausschreibung, erstmals separat für diesen Bereich, sah. Das Quartett ist in der Stadt und ihrem Vereinsleben bestens vernetzt und mit der Resonanz bisher ganz zufrieden: Viele Interessierte hätten schon reingeschaut, darunter auch viele junge Leute.

Angepasst an den marokkanischen Stil
Ebenfalls in neuen Händen ist die Bar im Wellnessbereich. Gianluca Miscioscia Stock hat ihr Konzept „an den marokkanischen Stil“ der Saunalandschaft angepasst, und sie passend dazu in „Mint & Spice“ umbenannt. Den traditionellen Schweizer Wurstsalat gibt es zwar immer noch, hinzugekommen sind aber verschiedene Bowls. Auch Pommes fehlen nicht: Der neue Chef betreibt schon länger das „Pomm Fritz“ im Wendlinger Freibad und in der Kirchheimer Dreikönigstraße; in Wernau sind sie nun das neue Angebot für die Badegäste im Hallenbad. Diese können die Pommes in „verspielten, aber auch deftigen Varianten“, so Miscioscia Stock, über ein Display auf der Empore des Schwimmbads bestellen und dann im dort dekorierten „kleinen Beduinendorf“ verspeisen.
Nach der Eröffnung des Quadrium als Tagungs- und Verwaltungszentrum hat Philip Reise mit der PCP Gastro zehn Jahre lang dessen Gastronomie betrieben, bis er das Restaurant am Golfplatz übernahm. Nach ihm hatte der Plochinger Gastronom Uwe Staiger große Pläne und steckte zusammen mit der Stadt viel Geld in die Küche – um sich nach drei Jahren wieder zu verabschieden. 2019 übernahm das Sozialunternehmen SBR, eine gemeinnützige Gesellschaft, doch auch dieses Konzept trug nicht.
In den Jahren 2022 bis 2024 waren mit Familie Gagliardi aus Uhingen ebenfalls erfahrene Wirtsleute am Ruder. Doch auch sie strichen nach knapp drei Jahren die Segel. (aia)

Die Vesperkirche in Esslingen startet am 18. Januar.

Einsamkeit ist ein gesellschaftlich relevantes Thema, auch in Esslingen. Die Vesperkirche im „Neuen Blarer“, dem evangelischen Gemeindehaus am Blarerplatz, soll ein Zeichen dagegen setzen. „Weil es ein Begegnungsprojekt ist“, erklärt Bernd Schwemm, Projektleiter der Vesperkirche. „Und das Thema der Kirche ist Begegnung. Nicht nur die Begegnung mit Gott, sondern auch untereinander.“ Es sei wichtig, Herz zu zeigen und gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, ohne Menschen auszugrenzen, fügt Dekan Klaus-Peter Lüdke hinzu. Das gemeinsame Essen sei zwar ein Teil der Vesperkirche, im Mittelpunkt stehe aber stets die Gemeinschaft.
Bis zu 200 Personen werden vom 18. Januar bis zum 1. Februar täglich von Ehrenamtlichen bedient. Dabei sei es egal, was man anhabe, woher man komme oder welcher Religion man angehöre. Egal ob wohnungslos, alleinlebend oder wohlhabend – alle seien in der Vesperkirche willkommen. Bedient werden die Gäste unter anderem von Mitarbeitern der Kreissparkasse und von Festo. Auch Esslingens vier Bürgermeister sind an einem Tag dabei. Geöffnet ist die Vesperkirche täglich zwischen 11.30 und 14.30 Uhr. „Jeder kann so lange bleiben, wie er möchte“, sagt Bernd Schwemm. Zwischen 12 und 14 Uhr wird das Essen ausgegeben, für das 1,50 Euro verlangt werde. Menschen mit schmalem Geldbeutel sollen entlastet werden, andere dürfen gerne mehr geben.
Auf dem Menü stehen täglich Suppe, ein Hauptgang, Salat, Kaffee und Kuchen. Das Essen wird beim diakonischen Altenhilfeträger Dienste für Menschen bestellt. Kuchenspenden werden nach Absprache mit Bernd Schwemm (E-Mail: bernd.schwemm@elkw.de oder Telefon: 01 51/ 54 40 00 98) entgegengenommen.
Zum 17. Mal findet in Esslingen die Vesperkirche statt. Beate Latendorf von der Evangelisch-methodistischen Kirche ist von Anfang an dabei. Inzwischen gehe es beim Projekt nicht mehr nur um von Armut betroffene Menschen, sagt sie: „Es gibt einige, die kommen, weil sie allein sind.“ Es sei ein Angebot für Leib und Seele. Latendorf erinnert sich an einen Mann, der jedes Jahr in die Vesperkirche komme: „Er sitzt immer vorne rechts. Wenn ich mich hinsetze und ein bisschen mit ihm reden will, will er nicht viel reden. Er sitzt einfach da und genießt, dass er unter Menschen ist.“
Um Gäste, die auf Hilfe angewiesen sind, richtig zu unterstützen, sei täglich ein Seelsorger vor Ort. Wer anderweitige Unterstützung benötigt, werde zudem an passende Beratungsdienste weitergeleitet.
7,80 Euro kostet die Veranstalter ein Essen. Überwiegend finanziert sich die Vesperkirche aus Spenden von Unternehmen und Einzelpersonen. Getragen wird sie von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und dem Kreisdiakonieverband. Kooperationspartner sind die Katholische Gesamtkirchengemeinde, die Evangelisch-methodistische Kirche und die Caritas Region Fils-Neckar-Alb. Eröffnet wird die Vesperkirche am 18. Januar, 12 Uhr, mit einem gottesdienstlichen Auftakt. (tye/red)

Die Skulptur „Augenblick“ am Lichtenwalder Höhenweg wurde von der kürzlich verstorbenen Lichtenwalderin Waltraut Heyke gespendet.

Seit dem Jahr 2014 steht an einem der höchsten Punkte des Lichtenwalder Höhenwegs zwischen Bürgerzentrum und Naturfreundehaus die Skulptur „Augenblick“ der Künstler Angie und René Heinze. Das mehr als drei Meter hohe ovale Kunstwerk, Teil des Lichtenwalder Kulturrundwegs und täglich Ziel vieler Spaziergänger, war laut einer damaligen Mitteilung „von einem Lichtenwalder Bürger und Gönner der Gemeinde, der anonym bleiben möchte“, gespendet worden. Wie das Künstlerpaar kürzlich bekannt gab, kann die Anonymität nun aufgehoben werden.
„Die Skulptur wurde von der Lichtenwalderin Waltraut Heyke gespendet“, erzählt Angie Heinze. Waltraut Heyke, promovierte Altphilologin und, wie Heinze sagt, „ein Vorbild an humanistischem Engagement“, war Lehrerin am Abendgymnasium Esslingen und Dozentin an der VHS Lichtenwald. Im Ruhestand hat sie Privatkurse in lateinischer Sprache zum Weltgeschehen und zu philosophischen Fragen gegeben. Im vergangenen Herbst ist sie im Alter von 88 Jahren verstorben.
Waltraut Heyke war mit der Idee, nach dem Tod ihres Mannes Hans Eberhard Heyke im Jahr 2013 „einen Platz der Kontemplation, des Erinnerns und auch des Trauerns zu gestalten“, auf das Künstlerpaar zugekommen, erzählt Heinze. Ihr ausdrücklicher Wunsch sei dabei gewesen, anonym zu bleiben und ihren Namen erst nach ihrem Tod zu veröffentlichen.
„Waltraut Heyke war eine aufgeschlossene, der Kunst und der Welt zugewandte Frau. Sie hat Position bezogen und hat darauf geachtet, dass sie für alle Menschen etwas tun kann“, erzählt René Heinze. So sei es ihr ein Anliegen gewesen, nicht nur einen persönlichen Ort des Erinnerns zu schaffen, sondern den Lichtenwaldern, den Wanderern und den Spaziergängern, die den Höhenweg und die spektakuläre Aussicht auf das Albvorland und die Alb zu schätzen wissen, einen Ort des Wohlfühlens zu schenken.

Ein Symbol der Vergänglichkeit
Ein Dinosaurier-Ei, das auf das Alter der Alb verweist, das Okular im oberen Drittel der Skulptur, mit in Gold und Silber glitzernden Plättchen ausgelegt, das den Blick in den Himmel richtet – „wenn die Leute alles Mögliche in dem Kunstwerk gesehen haben oder einfach nur von dem Anblick und der schönen Aussicht dort geschwärmt haben, ging ihr das Herz auf“, erzählt Angie Heinze.
Waltraut Heyke wollte indes mit der Skulptur auch eine Botschaft verbunden wissen. Die roten Mosaiksteine im oberen Teil des Kunstwerks sind auf der dem Weg zugewandten Seite scharf von den darunter angeordneten grauen Flächen abgegrenzt und bilden ein zwar stilisiertes aber doch leicht erkennbares M. „Es ist ein Symbol der Vergänglichkeit und steht für den lateinischen Ausspruch memento mori – bedenke, dass du sterben musst“, erklärt Angie Heinze.
Gleichzeitig weise der Name der Skulptur „Augenblick“ auf die Gegenwart hin und fordere auf, das Leben zu genießen. „Die Zeit ist eine treue Begleiterin und sie besteht aus kostbaren, unwiederbringlichen Augenblicken“, sagt Angie Heinze. So stehe das M auch für einen weiteren Leitsatz von Waltraut Heyke: „Memento vivere – erinnere dich, zu leben“, sagt die Künstlerin. (pst)

Damit Esslingen seinen 1250. Geburtstag 2027 richtig feiern kann, darf erst einmal weniger gefeiert werden. Denn auf dem Marktplatz als einer Hauptveranstaltungsfläche werden in diesem Jahr Bauarbeiten durchgeführt.

Feste sollen ja gefeiert werden, wie sie fallen. In Esslingen könnten in diesem Jahr aber einige Events ausfallen. Denn der Marktplatz als eine Hauptplattform für Festivitäten steht als Schaubühne nicht zur Verfügung: Mit Blick auf den 1250. Geburtstag der Neckarstadt, der 2027 gefeiert wird, wird der Vorzeigeplatz auf Vordermann gebracht. Gibt es in Esslingen wegen der Bauarbeiten mit Blick auf Straßenfeste 2026 eine Nullnummer?
Keine Esslinger Feste – das ist für viele nur schwer vorstellbar. Denn Michael Metzler, Geschäftsführer der viele Events veranstaltenden Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST), zieht eine positive Feier-Bilanz für 2025: Der zweitägige „Esslinger Frühling“ mit Shoppingvergnügen und viel Unterhaltung lockte seiner Darstellung nach gut 70 000 Frühlingsfreunde an. Die frische Sommersause, das Estival im August, haben an die 100 000 Besucher mit ihrer Anwesenheit bereichert. „Es funkelt“ schlägt mit gut 25 000 Gästen zu Buche, der „Esslinger Herbst“ mit ungefähr 30 000. Nach Angaben des Pressereferats der Stadt kamen am Wochenende des Schwörfests zwischen 90 000 und 100 000 Menschen in die Innenstadt.
Große Festbegeisterung also trotz kleiner werdender Geldbeutel angesichts von Jobabbau, Krisen in vielen Branchen und Turbulenzen auch bei renommierten Unternehmen. Michael Metzler erklärt sich das so: „Der Zuspruch bei den Events war groß. Die Menschen suchen in Zeiten der wirtschaftlichen Herausforderung Zerstreuung und Ablenkung.“ Die Events böten wichtige Anlässe, „bei denen die Stadtgesellschaft zusammen kommt“. Außerdem seien sie wichtig für die Innenstadtbelebung: „Denn sie bietet dafür die ideale Bühne.“
Hat es sich nun aber wegen der Bauarbeiten auf dem Marktplatz ausgefeiert? Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt wird nach Angaben von Michael Metzler 2026 als Esslinger Top-Vorzeige-Veranstaltung auf jeden Fall an gewohnter Stelle über die Bühne gehen: „Alle unsere anderen Events müssen umgeplant werden.“ Die Autoshow des „Esslinger Frühlings“ werde 2026 in die Ritterstraße verlegt. Bei „Es funkelt“ und dem „Esslinger Herbst“ würden ebenfalls Verlagerungen von Programmpunkten auf andere Flächen stattfinden. Auch das Estival müsse den Marktplatzbauarbeiten weichen: „Wir planen eine kleinere Alternative.“ Informationen dazu werde es im Frühjahr geben.

Neue Denkmuster beim Schwörfest
Neue Denkmuster sind auch beim Schwörfest gefragt. In diesem Jahr wird es laut Alexa Heyder, der Leiterin des Kulturamtes, von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Juli, über die Bühne gehen. Und: „Der Umbau des Marktplatzes wird dabei eine neue Herausforderung, da aufgrund der Baumaßnahme Teile der bisherigen Veranstaltungsfläche nicht zur Verfügung stehen.“ Die Stadtverwaltung arbeite aktuell an einem Plan B, an einer Alternative, um das Schwörfest auch im kommenden Jahr in einer angepassten Form durchführen zu können.
Feste wird es also auch in diesem Jahr geben. Sorgloses Feiern aber ist angesichts der Sorgen vor einem möglichen Anschlag schwierig. Die bisherigen Sicherheitskonzepte, so teilt Michael Metzler mit, würden im Frühjahr evaluiert und in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden punktuell weiterentwickelt: „Das ist ein ganz normaler Vorgang. Stand heute gehen wir aber von keinen größeren Änderungen aus.“ Im auslaufenden Jahr aber hätte das Ringen um den Schutz der Festbesucher eine große Herausforderung dargestellt. Für den Zufahrtsschutz hätten im Jahr 2025 Konzepte entwickelt, die Finanzierung im Gemeinderat geklärt, Material angeschafft und Dienstleister beauftragt werden müssen.
Eine Herausforderung war im auslaufenden Jahr der Aspekt Sicherheit auch laut Alexa Heyder. Erstmals, so die Leiterin des städtischen Kulturamtes, habe es einen erweiterten Zufahrtsschutz für Veranstaltungen gegeben: „Alle Ebenen der Stadtverwaltung haben bei der Umsetzung Hand in Hand zusammengearbeitet. Während des Schwörfestes funktionierte das neue Sicherheitskonzept für alle Beteiligten gut und trug zu einem sicheren Ablauf bei.“
Von Januar 2026 bis Frühjahr 2027 soll der Esslinger Marktplatz umgestaltet werden. Geplant sind mehr Flächen für Außengastronomie, zusätzliche Radstellplätze, Stellen zum konsumfreien Verweilen und eine moderne Multifunktionsfläche. Auch ein Fontänenfeld soll das Areal rechtzeitig zum Stadtjubiläum aufhübschen.

Termine und Feste
Termine:
Viele Termine für 2026 wurden bereits festgezurrt. Nach bisheriger Planung soll der „Esslinger Frühling“ am Wochenende vom 25. und 26. April über die Bühne gehen. „Es funkelt“ mit langer Einkaufsnacht ist für Samstag, 12. September, gedacht, der „Esslinger Herbst“ für Sonntag, 8. November.
Estival: Das Estival wurde 2022 als Nachfolger des Zwiebelfestes erstmals auf die Beine gestellt. Es soll sommers eine Mischung aus Kulinarik, Wein, Kultur und Live-Musik bieten. (sw)

Nach einigen Herausforderungen bei der Planung soll die Erschließung des Neubaugebiets „Obeswiesen“ in Hochdorf in diesem Jahr beginnen. Lediglich bei der Wahl der Straßennamen kommt der Gemeinderat bislang zu keiner Einigung.

Etwa 100 Wohneinheiten und Platz für mehr als 200 künftige Einwohner in Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern – das soll das Neubaugebiet „Obeswiesen“ der Gemeinde Hochdorf bringen. „Es ist eine Maßnahme, die wir seit vielen Jahren vorbereiten“, erklärt Bürgermeister Gerhard Kuttler. Für Hochdorf hat das Wohnbaugebiet mit dem geplanten angrenzenden Misch- und Gewerbegebiet „Mittleres Feld“ eine große Bedeutung, da es auf absehbare Zeit voraussichtlich das letzte Projekt sein wird, das die Gemeinde im Rahmen der Außenentwicklung realisieren kann.
Das Projekt ist in Hochdorf nicht unumstritten. Anwohner aus dem angrenzenden Obeswiesenweg brachten in der Vergangenheit Sorgen bezüglich der Verkehrsführung und der Gestaltung ihrer Straße vor. Auch von der Gemeinderatsfraktion „Die.Mitte“ gab es Gegenwind. Der „unveränderbare Schritt“, den die Gemeinde mit dem Projekt gehen würde, könnte die bestehende Infrastruktur im Ort an ihre Grenzen bringen, erklärte die ehemalige Gemeinderätin Birgit Wiesenhütter.
Doch die Planungen für das Neubaugebiet „Obeswiesen“ schritten schnell voran – nicht zuletzt dank eines beschleunigten Verfahrens nach Paragraf 13b BauGB. Umso größer war die Ernüchterung, als dieser im Sommer 2023 vom Bundesverwaltungsgericht als rechtswidrig eingestuft wurde. Dank einer Änderung im Baugesetzbuch hatte die Gemeinde jedoch die Möglichkeit zur „Heilung“ des Verfahrens.
Allen Widrigkeiten zum Trotz schreiten die Planungen nun voran. „Der Bebauungsplan ist im November 2024 rechtskräftig geworden, wir haben nun ein Jahr abgewartet“, sagt Günter Baumann, Geschäftsführer des für die Planung verantwortlichen Büros Geoteck Ingenieure. Dies sei die Frist für mögliche Klagen bei einem Verwaltungsgericht. Nachdem diese nun abgelaufen sei, könne man mit den weiteren Schritten fortfahren.
Dieses Frühjahr soll der Beschluss für den Umlegungsplan folgen. „Darin ist die Bodenordnung abgebildet. Die Grundstücke müssen erst ins Eigentum der Gemeinde übergehen, von dort aus gelangen sie dann an die künftigen Eigentümer“, erklärt Baumann. Dieser Schritt verzögere sich aufgrund von kürzlichen Todesfällen in den Reihen der bisherigen Grundstückseigner. Man gehe jedoch davon aus, dass der Terminplan dadurch nicht beeinflusst werde.

Ein kreditähnliches Rechtsgeschäft
Ab den Sommerferien 2026 soll dann die Erschließung des Neubaugebiets beginnen. Die Gemeinde rechnet hierfür mit Gesamtkosten von etwa 3,6 Millionen Euro. „Wir gehen davon aus, dass das Gebiet gegen Ende 2027 erschlossen und baubereit sein wird“, sagt Baumann. Um das zu finanzieren, wird die Gemeinde ein kreditähnliches Rechtsgeschäft in Höhe von etwa 7,5 Millionen Euro mit der LBBW eingehen. „Dieses wird dann über die Verkäufe der Bauplätze refinanziert“, erklärt Kämmerin Sabine Kobarg.
Im Gemeinderat stößt die Form der Finanzierung auf Anklang. „Auch wenn ich gegen das Wohngebiet bin, finde ich den Ansatz zur Finanzierung grundsätzlich vernünftig“, sagt etwa Ali Izmir (Die.Mitte). Allerdings fragte Gemeinderat Karsten Rößler (SPD) die Verwaltung, ob bei der Refinanzierung die ursprünglich geplanten 30 Prozent sozial geförderter Wohnraum bedacht werden würden. „Es ist so, dass die meisten Bauträger heute ohnehin von 20 Prozent sozialem Wohnungsbau ausgehen“, meinte dazu Bürgermeister Kuttler.
Vor Erschließungsstart steht nun noch eine weitere wichtige Aufgabe an. „Es geht darum, dass wir den öffentlichen Flächen einen Namen geben“, sagt Baumann. Drei neue Straßen würden im Neubaugebiet entstehen, drei Namen seien zu vergeben. Doch die von der Verwaltung vorgeschlagenen Namen – Philosophenstraße, Einsteinweg und Heisenbergweg – stoßen im Gemeinderat auf Kritik. Die Philosophenstraße sei zu nichtssagend, finden einige Ratsmitglieder. Das Thema „Philosophen“ sei in einer Ecke, in der bereits viele Straßen nach Dichtern und Musikern benannt sind, passend, sagt Marc Behringer (CDU). „Wir haben aber auch gute Philosophen aus Baden-Württemberg“, erklärt er. Hegel oder Schelling würden sich als Namensgeber besser eignen. „Bei drei Straßen wäre es schön, wenn auch eine Frau dabei wäre“, merkt Beate Schmid (SPD) an. Man könnte Lise Meitner als erste Professorin für Physik in Deutschland ehren, findet Doris Dirmeier (Bündnis90/Grüne). Einen ganz anderen Vorschlag hat Rolf Dreher (Freie Wähler): „Wir könnten auch Apfelnamen wie Jakob Fischer nehmen.“ Weitere Gemeinderatsmitglieder haben andere Namen in den Ring geworfen, einig geworden ist sich das Gremium bislang nicht. Im Januar soll darüber nun neuerlich abgestimmt werden. Die sonstigen Planungen werden davon unberührt fortgesetzt.

Details zum Baugebiet und zu den rechtlichen Widrigkeiten
Pläne der Gemeinde:
Das Wohnbaugebiet „Obeswiesen“ wird 2,36 Hektar umfassen und liegt zwischen Obeswiesenweg und Roßwälder Straße. Dort sollen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie Mehrfamilienhäuser entstehen. Auf östlicher Seite angrenzend ist das Misch- und Gewerbegebiet „Mittleres Feld“ mit etwa 5,94 Hektar geplant, das Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbetreibende schaffen soll.
Baugesetz: Der Paragraf 13b BauGB ermöglichte es Kommunen, Bebauungspläne im Außenbereich ohne förmliche Umweltprüfung aufzustellen. Das Bundesverwaltungsgericht sah diesen als mit dem Europarecht unvereinbar an. Für betroffene Gemeinden wurde der Paragraf 215a BauGB als „Reparaturvorschrift“ eingeführt. In Hochdorf konnte das Verfahren so noch rechtzeitig „geheilt“ werden. „Der Umweltbericht ist mittlerweile nachgereicht“, erklärt Günter Baumann. (tki)

Bei der Sportinitiative geht es um Spaß und weniger um Spitzenzeiten: Jeden Samstag treffen sich weltweit Menschen, um gemeinsam fünf Kilometer zu laufen. Auch in Esslingen.

Zu nass, zu kalt, zu dunkel – gerade im Winter gibt es noch mehr Ausreden, um sich vor dem Sport im Freien zu drücken. Leichter fällt es mit Gleichgesinnten. In Esslingen findet jeden Samstag der Neckarufer-Parkrun statt. Sprinten, joggen oder walken – wie man die Fünf-Kilometer-Strecke bewältigt, ist jedem selbst überlassen. Bei diesem zwanglosen Event können alle mitmachen. Alter oder Fitness spielen keine Rolle. „Im Vordergrund steht der Spaß an der Bewegung in Gemeinschaft“, sagt Angela Scholtys vom Organisationsteam. Parkrun ist eine weltweite Bewegung, die vor allem in Großbritannien sehr verbreitet ist und dort großen Zulauf hat. In Deutschland gibt es derzeit 68 Standorte.
Vor gut sechs Jahren hat der Engländer Christopher Greenaway Parkrun nach Esslingen gebracht. Aktuell ist Nigel Dawson Standortleiter. Meistens nehmen 40 bis 60 Personen teil, die sich samstags am Skaterpark unter der Adenauerbrücke treffen. Los geht es um 8.45 Uhr mit einer kurzen Einweisung für diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, sowie einer launigen Begrüßung und einem Gruppenfoto für alle. Um 9 Uhr wird gestartet.
Die Läuferinnen und Läufer bewegen sich in Richtung Landratsamt bis zum ersten Streckenposten. Nach einer Kehre laufen sie in Richtung Dieter-Roser-Brücke und nach einer erneuten Wende wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Adenauerbrücke. Im Winter gehen die Helfer die Strecke, die eben am Neckar entlangführt, vorher ab und kontrollieren, ob Glatteis vorhanden ist. Falls es rutschig ist, wird die Route etwas geändert. Die Veranstaltung wird nur abgesagt, wenn es gar nicht geht.
Zu Parkrun gehört auch eine Zeitmessung. Manche schaffen die Runde in rund 20 Minuten, andere lassen sich mehr als doppelt so viel Zeit. Aber niemand muss Letzter sein, denn es gibt immer eine Schlussbegleitung. Siegerinnen und Sieger werden nicht gekürt, sondern es gibt nur Platzierungen, die man später auf der Parkrun-Homepage nachlesen kann.

Keine Laufveranstaltung und kein Wettkampf
Parkrun ist keine Laufveranstaltung und kein Wettkampf. „Wir wollen alle mitnehmen“, beschreibt Débora Stork vom Organisationsteam den Ansatz. Einen Barcode, der im Ziel eingescannt wird, erhält man nach der ersten Online-Registrierung. Er ist weltweit gültig. „Es gibt einige, die ihren Urlaubsort nach Parkrun ausrichten“, erzählt Angela Scholtys. Die Regeln und der Termin am Samstag sind überall gleich. Auch in Esslingen sind regelmäßig Touristen am Start.
Wer einmal bei Parkrun dabei war, kommt meistens wieder. Das könnte an der motivierenden Stimmung liegen. Unterwegs feuern sich die Läuferinnen und Läufer gegenseitig an, und jeder, der ins Ziel einläuft, wird bejubelt. „Man muss es selbst erleben“, sagt Angela Scholtys, die sich früher nie hätte vorstellen können, jeden Samstag auf der Matte zu stehen. Auch Andreas Weiner, der Leiter des Esslinger Figurentheaters Lima, gehört zum harten Kern. Er hat schon über 180 Läufe absolviert. „Früher habe ich im Winter immer eine Laufpause gemacht. Mit Parkrun laufe ich das ganze Jahr durch“, sagt Andreas Weiner. Ebenfalls ein treuer Teilnehmer ist Bernd Walter. Er genieße das Training in der Frühe. „Danach fühlt man sich gut und hat noch den ganzen Tag vor sich“, sagt der passionierte Läufer.
Eine große Rolle spielen die Helferinnen und Helfer, ohne die Parkrun nicht funktionieren würde. Beim Neckarufer-Parkrun sind jedes Mal mehr als zehn Ehrenamtliche im Einsatz, beispielsweise als Laufleiter, Streckenposten oder bei der Zeitmessung. „Wer verletzt ist oder nicht laufen möchte, muss also nicht zu Hause bleiben“, sagt Angela Scholtys. Nach jedem Lauf werden auf der Homepage Fotos und ein kleiner Bericht von der Veranstaltung veröffentlicht.
Die Anmeldung bei Parkrun ist kostenlos und verpflichtet zu nichts. „Es ist egal, ob man einmal oder immer mitmacht“, sagt Angela Scholtys. Immer mal wieder gibt es Motto-Tage bei Parkrun. Der Esslinger Standort hat daran besonders viel Spaß. „So verrückt wie wir sind nur wenige“, sagt Débora Stork und lacht. Egal ob das Thema Einhorn oder Nikolaus ist: Wer möchte, kann sich passend anziehen. Ein Muss ist das nicht. Der soziale Aspekt ist bei Parkrun mindestens so wichtig wie der sportliche. Ein gemütlicher Ausklang gehört immer dazu. In Esslingen stehen alle noch unter der Brücke zusammen und genießen Tee und Muffins.

Auch Helfende sind willkommen
Initiative Parkrun
ist eine weltweite Gemeinschaftsinitiative, die jeden Samstag um 9 Uhr dazu einlädt, in entspannter Atmosphäre gemeinsam mit anderen fünf Kilometer zu laufen, zu walken oder zu gehen. Der Lauf wird von Ehrenamtlichen organisiert, deshalb sind nicht nur Sportler, sondern auch Helfende willkommen. Der Park­run Neckarufer trifft sich am Skaterpark unter der Adenauerbrücke. In der Region gibt es weitere Parkruns: in Stuttgart im Rosensteinpark und am Kräherwald, in Schorndorf sowie in Ludwigsburg. Ein weiterer Standort ist in der Talaue in Waiblingen geplant.
Teilnahme: Jede Läuferin und jeder Läufer kann sich kostenlos auf der Parkrun-Homepage registrieren. Der generierte Barcode ist weltweit gültig. Im Ziel wird er für die Zeitmessung eingescannt. Bei Parkrun handelt es sich nicht um einen Wettkampf. Im Vordergrund stehen Spaß und das Gemeinschaftsgefühl. (pep)
www.parkrun.com.de/neckaruferesslingen