Der Aussichtsturm bei der Katharinenlinde in Esslingen war zwei Jahre lang geschlossen. Nun wurde er nach einer umfassenden Sanierung wieder eröffnet.
Kurz vor der Wiedereröffnung gibt’s noch etwas Deko: Zwischen den beiden Schildern am Katharinenlindenturm oberhalb der Rüderner Heide bei Esslingen wird eine kleine Blumenkette angebracht. So verhalten herausgeputzt wurde das Bauwerk nach seiner zweijährigen Renovierung mit einer kleinen Feier wieder eröffnet. Die Öffentlichkeit kann nun erneut nach oben steigen und die prachtvolle Aussicht auf das Neckartal und die Schwäbische Alb genießen.
Zur Feier der Wiedereröffnung gab es Reden, Dankesworte an die Sponsoren und alkoholfreien Sekt. Vor knapp 70 Jahren war es poetischer zugegangen. Zur Einweihung des Katharinenlindenturms im Juni 1957 fielen gereimte Worte. Rolf Schäffer vom Schwäbischen Albverein hatte sich damals für den feierlichen Anlass ein Gedicht einfallen lassen: „Do stoht dr Turm am Schurwaldrand, grad mittladren em Grüne. Weit spickt er naus ins Schwobeland vom blauen Hemmel überspannt ond von dr Sonn beschiene.“ Bernd Zitzmann vom Schwäbischen Albverein Sulzgries trug die urschwäbischen Verse zur die Neueröffnung des Turms noch einmal vor.
Denn nach Ansicht der Verantwortlichen ist das vom Schwäbischen Albverein betreute Bauwerk nach seiner umfassenden Renovierung nun wieder ein Gedicht. Der etwa 17 Meter hohe, in Stahlbetonweise errichtete Turm war ab 2023 saniert worden. Bei diesen Arbeiten waren nach Angaben des Albvereins Probleme mit der Statik festgestellt worden. Laut Präsident Hans-Ulrich Rauchfuß habe sich die Maßnahme dadurch als aufwendiger erwiesen als ursprünglich angenommen: Das Treppenhaus habe saniert, tragende Betonstahlteile erneuert, das Flugdach aus Beton statisch ertüchtigt werden müssen. So hätten sich die Arbeiten bis in den Oktober 2025 hingezogen. Die Kosten für die gesamte Renovierung gibt der Schwäbische Albverein mit etwa 226 000 Euro an. Um das beliebte Ausflugsziel wird sich künftig Turmwart Robert Clauß kümmern.
Aufgrund der steigenden Kosten für die Renovierung hatte sich Hans-Ulrich Rauchfuß hilfesuchend an Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer gewandt. Man kenne sich schon länger, sagte das Stadtoberhaupt zur Wiedereröffnung. Aber es sei auch um den Erhalt eines beliebten Esslinger Ausflugszieles gegangen. Darum habe er die Werbetrommel gerührt und ein Sponsoring angestoßen.
Gemeinschaftliche Finanzierung
Der oberbürgermeisterliche Appell zeigte Wirkung: Zur Finanzierung der Sanierung des Aussichtsturms hatten auch mehrere Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins, die Stadtwerke Esslingen (SWE), die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die Sparkassenstiftung und die Esslinger Wohnungsbau (EWB) sowie viele Privatleute beigetragen. Gemeinschaftssponsoring hat beim Katharinenlindenturm Tradition. Das Esslinger Wahrzeichen war 1957 durch mehrere Geldgeber finanziert worden. Laut einem Artikel der Eßlinger Zeitung zur damaligen Einweihung aus dem Fundus des Stadtarchivs waren die Kosten (17 000 Mark) je zu etwa einem Drittel von der Stadt Esslingen, dem Schwäbischen Albverein und der Stuttgarter Brauerei Robert Leicht getragen worden. Die Brauerei sei auch deswegen mit im Boot gewesen, weil sie für die Errichtung der Gasträume, der Küche, des Wohnraums des Pächters und der Nebenräume der Gastwirtschaft gleich neben dem Turm verantwortlich gewesen war.
Mit dem Bau des Turms war im März 1957 begonnen worden. Die Einweihung am 14. Juni desselben Jahres begeisterte wohl auch den Berichterstatter der Eßlinger Zeitung. Denn er fand salbungsvolle Worte: „Der Wind fuhr rauschend in die Kronen der schönen Linden und bauschte die Fahnen in den Farben der Stadt Esslingen und des Schwäbischen Albvereins.“ Auch die genauen Maße des Turms hat er in seinem Artikel festgehalten – eine Grundfläche von 6,4 mal 4,1 Metern, sechs Zwischenpodeste und 72 Stufen. Angebracht wurde das Bauwerk auf 470 Metern Höhe.
Der lange Lulatsch ersetzte laut EZ-Bericht eine Schutzhütte, die im Juli 1888 vom damaligen örtlichen Verschönerungsverein errichtet und 1956 abgerissen worden war. Eine besondere architektonische Zierde mag sie kurz vor ihrem Abbruch nicht mehr gewesen sein. Die Eßlinger Zeitung spricht von einer „altersschwachen, an den Wochenenden bewirtschafteten Schutzhütte mit roh gezimmerten Holzbänken und einem niedrigen Holztürmchen.“
Ob es vor 1888 auf dem Gewann der Katharinenlinde schon Unterkünfte für Wanderer gegeben hatte, ist laut dem Bericht unklar. Es werde aber davon ausgegangen, dass lediglich eine einfache Hütte für die Schafhaltung auf der Höhe gestanden habe. Weitere Bauwerke seien aus alten Vermessungsurkunden nicht ersichtlich.
Der Albverein und sein Turm
Albverein: Der Schwäbische Albverein wurde laut Präsident Hans-Ulrich Rauchfuß 1888 in Plochingen gegründet. Der Wanderverein hat etwa 81 000 Mitglieder und gut 450 Ortsgruppen. Der Verein pflegt nach eigenen Angaben rund 19 000 Kilometer beschilderte Wanderwege, betreibt 19 Wanderheime sowie 28 Aussichtstürme auf der Schwäbischen Alb und im Schwäbischen Wald und pflegt und besitzt gut 163 Hektar Naturschutzflächen wie Wacholderheiden, Obstbaumwiesen oder Feuchtgebiete.
Katharinenlindenturm: Der Turm oberhalb der Rüderner Heide kann laut Schwäbischem Albverein zu jeder Zeit bestiegen werden. Alle Nichtmitglieder müssen dafür einen Obolus von einem Euro entrichten. Es gibt ein Turmkässchen, in das der Beitrag eingeworfen werden kann. Es sei ein kleiner Unkostenbeitrag. (sw)

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