Die um fast zwei Jahre verspätete Amtseinführung der Wernauer Bürgermeisterin Christiane Krieger wird zu einer Show. Ihre Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Vereine und Organisationen der Stadt zeigen, wie sehr sie die Rathauschefin schätzen.
Die Polizei ist da, das Rote Kreuz und auch die Feuerwehr. Die Fahrzeuge vor dem Wernauer Quadrium lassen für einen Moment Schlimmes erahnen. Passiert ist aber nichts. Was die Besucherinnen und Besucher der Amtseinführung von Bürgermeisterin Christiane Krieger bei ihrer Ankunft indes nicht ahnen können: Im großen Saal der Stadthalle wird an diesem Freitagabend (21. November) noch eine Menge „passieren“.
Die Rathauschefin, die von den Fasnetsgruppen der Stadt den Titel „Schultese“ verpasst bekommen hat, erklärte im Vorfeld der Veranstaltung, dass sie sich ein „großes Fest mit meinen Leuten“ wünsche. Sie bekam jedoch viel, viel mehr. Ihre offizielle Ernennung geriet zu einer Show der Superlative, die es in dieser Art und Weise im Landkreis Esslingen noch nicht gegeben hat.
Gut 600 Gäste sind da, haben sich auf ein bisschen Musik und eine Reihe von Reden eingestellt, denn formal war, wie sich das gehört, zu einer „öffentlichen Sitzung des Gemeinderats“ geladen worden. Michael Bauer, der Beigeordnete der Stadt Wernau, stellt aber bereits in seiner Begrüßung klar, „dass heute nicht diskutiert oder abgestimmt wird, und dass es auch keine Vorsitzende gebe, weil die Hauptperson befangen ist“.
Langes Warten bis zur finalen Klageabweisung
Als der Musikverein Stadtkapelle Wernau loslegt, lässt sich dann erahnen, in welche Richtung der Abend gehen könnte. Denn das Auftaktstück greift musikalisch auf, wie Kriegers erste beiden Jahre verlaufen sind: dramatisch, durch die Wahlanfechtung des im Vorfeld abgewiesenen Bewerbers Thomas Nitsch, aber trotz allem zielstrebig und hoffnungsvoll, ob mit oder zunächst noch ohne Stimmrecht der mit gut 70 Prozent gewählten Schultese im Gemeinderat.
Das lange Warten bis zur finalen Klageabweisung und auf die Amtseinsetzung thematisieren mehrere Redner. So sagt Bauer, „dass wir gerne früher gefeiert hätten“, und Landrat Marcel Musolf betont, als er die Wahlprüfungsurkunde überreicht, „dass es trotz aller Belastungen für dich, liebe Christiane, und die Stadt Wernau, keinen Stillstand gegeben hat“. Andererseits, und das wird in den Ausführungen ebenfalls deutlich: Eine solche Feier hätte 20 Monate früher gar nicht stattfinden können.
Die Riege der Ehrengäste ist groß
So aber erfährt die Bürgermeisterin, die bis jetzt offenkundig nicht viel falsch gemacht hat, Wertschätzung pur. Die Riege der Ehrengäste ist groß: Bundes- und Landtagsabgeordnete sind gekommen, ebenso Oberbürgermeister und Bürgermeister aus der Umgebung. Zudem sind die Verwaltungsbeschäftigten da und Kriegers Amtsvorgänger in Wernau, Armin Elbl und Roger Kehle. Hinzu kommt die versammelte Stadtgesellschaft, die nach und nach in einem liebevoll zusammengestellten Programm, das von einem Team um Hauptamtsleiterin Leonie König verantwortet wurde, auf der Bühne in Erscheinung tritt. Der Tschakka-Chor der Grundschulen singt, die Musikschule spielt, die TSV-Tanzgruppe Mixed tritt auf und die städtischen Kindergärten übermitteln ihre Glückwünsche in einer professionell gefertigten Videobotschaft.
Dazwischen werden launige Reden gehalten, von Landrat Musolf, aber auch vom Denkendorfer Bürgermeister Ralf Barth, im Namen des Gemeindetag-Kreisverbands, sowie für den fast vollständig versammelten Gemeinderat von Sabine Dack-Ommeln, der Fraktionsvorsitzenden der Wernauer Bürgerliste.
Und natürlich gibt es Geschenke, die fast alle mit Kriegers großer Leidenschaft, dem Fußball im allgemeinen beziehungsweise dem VfB Stuttgart im besonderen, zu tun haben. Dass die Wasenkicker ihr Herzensverein sind, ist inzwischen weithin bekannt. Und so war es Stadionsprecher Holger Laser nach eigenem Bekunden „eine Ehre, diese Amtseinsetzung moderieren zu dürfen“.
Die Chefin ist in der Stadt allseits bekannt
Die Formalien, darunter die feierliche Verpflichtung der Bürgermeisterin, werden ausgesprochen kurz gehalten, sodass genügend Zeit für die individuell auf Krieger zugeschnittenen Aufführungen bleibt. Hochprofessionell hatten die Amtsleiter ein sehr persönliches Saalquiz vorbereitet. Es zeigte sich, dass ihre Chefin in der Stadt allseits bekannt ist. Gleich darauf macht der Chor Leo Cantabile des Liederkranzes seine Aufwartung, und was die Freiwillige Feuerwehr zeigt, führt zu Begeisterungsstürmen im Publikum. Kommandant Steffen Sitte setzt zur Rede an, wird aber jäh von einem Alarmanruf unterbrochen. Kurzer Schock im Saal, doch schnell ist klar, dass dieser zum Theaterstück der Jugendfeuerwehr gehört, das letztlich in eine Modenschau mündet. Dem nicht minder begeistert gefeierten Tanz des Ungarndeutschen Folkloreensembles folgt ein Videogruß von VfB-Keeper Fabian Bredlow, der ebenso persönlich und individuell gehalten ist, wie die gesamten Darbietungen zuvor.
Die Schultese ist in ihrer kurzen Rede erst mal sprachlos, zeigt stattdessen ihren Unterarm mit Stadtwappen-Tattoo, um sich dann für „einen wunderbaren Wernau-Abend“ zu bedanken. Zu Ende ist dieser indes noch nicht. Die Stadtkapelle begleitet den Sänger Robin Henderson zu „Music“ und „Let me entertain you“. Die Unterhaltungen gehen danach im Foyer weiter. Worte wie „großartig“ und „sensationell“ fallen immer wieder. Und: Es wird spät. (eas)

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