Bei der Sportinitiative geht es um Spaß und weniger um Spitzenzeiten: Jeden Samstag treffen sich weltweit Menschen, um gemeinsam fünf Kilometer zu laufen. Auch in Esslingen.
Zu nass, zu kalt, zu dunkel – gerade im Winter gibt es noch mehr Ausreden, um sich vor dem Sport im Freien zu drücken. Leichter fällt es mit Gleichgesinnten. In Esslingen findet jeden Samstag der Neckarufer-Parkrun statt. Sprinten, joggen oder walken – wie man die Fünf-Kilometer-Strecke bewältigt, ist jedem selbst überlassen. Bei diesem zwanglosen Event können alle mitmachen. Alter oder Fitness spielen keine Rolle. „Im Vordergrund steht der Spaß an der Bewegung in Gemeinschaft“, sagt Angela Scholtys vom Organisationsteam. Parkrun ist eine weltweite Bewegung, die vor allem in Großbritannien sehr verbreitet ist und dort großen Zulauf hat. In Deutschland gibt es derzeit 68 Standorte.
Vor gut sechs Jahren hat der Engländer Christopher Greenaway Parkrun nach Esslingen gebracht. Aktuell ist Nigel Dawson Standortleiter. Meistens nehmen 40 bis 60 Personen teil, die sich samstags am Skaterpark unter der Adenauerbrücke treffen. Los geht es um 8.45 Uhr mit einer kurzen Einweisung für diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, sowie einer launigen Begrüßung und einem Gruppenfoto für alle. Um 9 Uhr wird gestartet.
Die Läuferinnen und Läufer bewegen sich in Richtung Landratsamt bis zum ersten Streckenposten. Nach einer Kehre laufen sie in Richtung Dieter-Roser-Brücke und nach einer erneuten Wende wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Adenauerbrücke. Im Winter gehen die Helfer die Strecke, die eben am Neckar entlangführt, vorher ab und kontrollieren, ob Glatteis vorhanden ist. Falls es rutschig ist, wird die Route etwas geändert. Die Veranstaltung wird nur abgesagt, wenn es gar nicht geht.
Zu Parkrun gehört auch eine Zeitmessung. Manche schaffen die Runde in rund 20 Minuten, andere lassen sich mehr als doppelt so viel Zeit. Aber niemand muss Letzter sein, denn es gibt immer eine Schlussbegleitung. Siegerinnen und Sieger werden nicht gekürt, sondern es gibt nur Platzierungen, die man später auf der Parkrun-Homepage nachlesen kann.
Keine Laufveranstaltung und kein Wettkampf
Parkrun ist keine Laufveranstaltung und kein Wettkampf. „Wir wollen alle mitnehmen“, beschreibt Débora Stork vom Organisationsteam den Ansatz. Einen Barcode, der im Ziel eingescannt wird, erhält man nach der ersten Online-Registrierung. Er ist weltweit gültig. „Es gibt einige, die ihren Urlaubsort nach Parkrun ausrichten“, erzählt Angela Scholtys. Die Regeln und der Termin am Samstag sind überall gleich. Auch in Esslingen sind regelmäßig Touristen am Start.
Wer einmal bei Parkrun dabei war, kommt meistens wieder. Das könnte an der motivierenden Stimmung liegen. Unterwegs feuern sich die Läuferinnen und Läufer gegenseitig an, und jeder, der ins Ziel einläuft, wird bejubelt. „Man muss es selbst erleben“, sagt Angela Scholtys, die sich früher nie hätte vorstellen können, jeden Samstag auf der Matte zu stehen. Auch Andreas Weiner, der Leiter des Esslinger Figurentheaters Lima, gehört zum harten Kern. Er hat schon über 180 Läufe absolviert. „Früher habe ich im Winter immer eine Laufpause gemacht. Mit Parkrun laufe ich das ganze Jahr durch“, sagt Andreas Weiner. Ebenfalls ein treuer Teilnehmer ist Bernd Walter. Er genieße das Training in der Frühe. „Danach fühlt man sich gut und hat noch den ganzen Tag vor sich“, sagt der passionierte Läufer.
Eine große Rolle spielen die Helferinnen und Helfer, ohne die Parkrun nicht funktionieren würde. Beim Neckarufer-Parkrun sind jedes Mal mehr als zehn Ehrenamtliche im Einsatz, beispielsweise als Laufleiter, Streckenposten oder bei der Zeitmessung. „Wer verletzt ist oder nicht laufen möchte, muss also nicht zu Hause bleiben“, sagt Angela Scholtys. Nach jedem Lauf werden auf der Homepage Fotos und ein kleiner Bericht von der Veranstaltung veröffentlicht.
Die Anmeldung bei Parkrun ist kostenlos und verpflichtet zu nichts. „Es ist egal, ob man einmal oder immer mitmacht“, sagt Angela Scholtys. Immer mal wieder gibt es Motto-Tage bei Parkrun. Der Esslinger Standort hat daran besonders viel Spaß. „So verrückt wie wir sind nur wenige“, sagt Débora Stork und lacht. Egal ob das Thema Einhorn oder Nikolaus ist: Wer möchte, kann sich passend anziehen. Ein Muss ist das nicht. Der soziale Aspekt ist bei Parkrun mindestens so wichtig wie der sportliche. Ein gemütlicher Ausklang gehört immer dazu. In Esslingen stehen alle noch unter der Brücke zusammen und genießen Tee und Muffins.
Auch Helfende sind willkommen
Initiative Parkrun ist eine weltweite Gemeinschaftsinitiative, die jeden Samstag um 9 Uhr dazu einlädt, in entspannter Atmosphäre gemeinsam mit anderen fünf Kilometer zu laufen, zu walken oder zu gehen. Der Lauf wird von Ehrenamtlichen organisiert, deshalb sind nicht nur Sportler, sondern auch Helfende willkommen. Der Parkrun Neckarufer trifft sich am Skaterpark unter der Adenauerbrücke. In der Region gibt es weitere Parkruns: in Stuttgart im Rosensteinpark und am Kräherwald, in Schorndorf sowie in Ludwigsburg. Ein weiterer Standort ist in der Talaue in Waiblingen geplant.
Teilnahme: Jede Läuferin und jeder Läufer kann sich kostenlos auf der Parkrun-Homepage registrieren. Der generierte Barcode ist weltweit gültig. Im Ziel wird er für die Zeitmessung eingescannt. Bei Parkrun handelt es sich nicht um einen Wettkampf. Im Vordergrund stehen Spaß und das Gemeinschaftsgefühl. (pep)
www.parkrun.com.de/neckaruferesslingen

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