Esslingen

Karstadt-Areal: Projekt nimmt Fahrt auf

Der Investor Strabag plant auf dem Areal in Esslingen Wohnungen und Gewerbeflächen.
In diesem Jahr soll es deutlich vorangehen.

Nach jahrelangem Stillstand geht es inzwischen voran auf dem früheren Karstadt-Areal in der Esslinger Innenstadt. Nachdem das Gelände zwischen Martinstraße und Ehnisgasse im vergangenen Sommer zunächst archäologisch untersucht wurde, wird es nun für die Bauarbeiten vorbereitet. Die sollen noch in diesem Jahr starten.
Manch einer dürfte sich gewundert haben, als im Sommer die Bagger anrollten und nach und nach eine Grube auf der Brachfläche hinter dem ehemaligen Karstadt-Gebäude ausgehoben wurde. Denn zuvor war das Areal jahrelang als Parkplatz genutzt worden – stets unter der Prämisse, dass dies nur ein Provisorium sei. Dass das Gelände bebaut werden soll, ist schon lange gesetzt. Doch die verschiedenen Pläne, die im Lauf der Zeit von wechselnden Investoren verfolgt wurden, waren nie realisiert worden.
Dieses Mal scheint es anders zu sein. Seit der vorherige Eigentümer, der Investor BPI, das Gelände im Frühjahr vergangenen Jahres an die Strabag Real Estate GmbH verkauft hat, scheint mehr Zug hinter der Sache zu sein. Laut Annette Gauger, der Sprecherin von Strabag, sind die archäologischen Untersuchungen inzwischen abgeschlossen. Dabei seien keine relevanten Funde entdeckt worden. Daher habe man die Planungen für das ehemalige Karstadt-Gebäude sowie für den Neubau auf der Brache ohne wesentliche Veränderungen fortführen können.
Unterdessen ist auch die Stadt Esslingen dabei, ihren Teil zur Vorbereitung der Bebauung zu leisten. Schon seit September und noch bis zum Frühjahr erneuere man den Abwasserkanal in der Martinstraße, teilt der städtische Pressesprecher Marcel Meier mit. Zeitgleich verlegten die Esslinger Stadtwerke neue Fernwärmeleitungen für die Bewohner des Quartier „QUESS“, wie sich das neue Wohnviertel zwischen Martinstraße und Ehnisgasse künftig nennt. Wenn das erledigt sei, könne Strabag mit den Arbeiten am neuen Quartier beginnen, so Meier.
Man habe bereits rund 160 Anfragen für die neuen Wohnungen auf dem zentral gelegenen Grundstück, teilt Annette Gauger mit. Bei den Interessenten handele es sich zum großen Teil um Personen aus der Region Stuttgart, die selbst in eine der Wohnungen einziehen möchten. Zudem liefen schon konkrete Gespräche mit den zahlreichen Mietinteressenten für die gewerblichen Einheiten, berichtet Gauger.

Fertigstellung fürs Jahr 2029 angestrebt
Auch baulich soll es vorangehen: Im Januar steht laut Gauger der Beginn der Entkernung des Bestandsgebäudes an, in dem künftig vor allem Gewerbe- und Büroflächen geplant sind. Den Bauantrag für den Neubau will Strabag voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 einreichen. Mit dem Baubeginn rechnet man im Herbst oder Winter dieses Jahres. In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll auch mit dem Vertrieb der Wohneinheiten begonnen werden. Wenn alles läuft wie geplant, könnte das Bauvorhaben im Jahr 2029 abgeschlossen sein.
Bis dahin soll die bisherige Brache dann zu einem attraktiven Wohnviertel mit rund 160 Wohnungen und etwa 12 000 Quadratmetern Handels- und Gewerbeflächen geworden sein. Konkret sollen auf der Fläche zwischen dem ehemaligen Karstadtgebäude, der Martinstraße und der Ehnisgasse vier neue Gebäude mit durchschnittlich rund 75 Quadratmeter großen Wohnungen entstehen. Die vom vorherigen Investor noch geplanten sogenannten Townhouses auf dem Dach des Bestandsgebäudes sind von Strabag nicht mehr vorgesehen.
Die Tiefgarage plant Strabag eingeschossig mit rund 140 Parkplätzen statt der mehr als 220 Stellplätze auf zwei Ebenen, die ihr Vorgänger BPI vorgesehen hatte. Im Innenhof der vier Gebäude sollen verschiedene Angebote für die künftigen Bewohner entstehen – unter anderem eine Ruhezone für Senioren und ein Spielbereich für Kinder. Auch Bäume sind geplant, dazu Dachbegrünungen und Photovoltaikanlagen.
Ursprünglich einmal lag der Fokus bei der Bebauung des Karstadt-Areals vor allem auf Flächen für den Einzelhandel, verschob sich im Lauf der Zeit aber immer weiter in Richtung Wohnen. So war noch im Jahr 2014 auf dem Areal eine Einkaufspassage mit vier Ebenen, einer Tiefgarage sowie 20 Wohnungen im Obergeschoss geplant. Nach dem Verkauf des Areals im Jahr 2017 änderte sich auch die Planung: Die Einkaufspassage sollte den Namen „Die Via“ bekommen und sich nur noch auf drei Ebenen erstrecken, dafür aber mit 62 Wohnungen aufwarten. Wegen drohender Mehrkosten wurden die Pläne in den Jahren 2019 und 2020 erneut geändert.
Die neuen Pläne mit einer sehr viel höheren und dichteren Bebauung stießen auf massive Kritik im Gemeinderat. Letztlich wurden sie trotzdem abgesegnet in der Hoffnung, damit auch Karstadt in Esslingen zu retten. Eine Fehlannahme: Die Karstadt-Filiale wurde Anfang 2024 geschlossen und die Zukunft des Areals schien einmal mehr ungewiss – bis der Strabag-Konzern die Fläche im Frühjahr 2025 erwarb. (meb)

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