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Claus Hintennach

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Das Land fördert die Neubauprojekte des Esslinger Krankenhauses. Insgesamt plant die Stadt als Trägerin der Einrichtung 200 Millionen Euro an Investitionen.

Fast 100 Millionen Euro Fördergelder erhält das Esslinger Klinikum vom Land Baden-Württemberg. Derzeit läuft der Neubau des Hauses 2. Dort entstehen moderne Strukturen für eine zentrale Notaufnahme, eine große Intensivtherapiestation, den OP-Bereich sowie zwei Pflegestationen. Ziel ist es, das Esslinger Krankenhaus damit zukunftsfähig aufzustellen.
Wegen der umstrittenen Kündigung eines Chefarztes ist das Esslinger Klinikum jüngst in die Schlagzeilen geraten. Ungewiss ist auch die Zukunft der Trägerschaft des Krankenhauses in der Kreisstadt. Derzeit prüfen die Stadt und der Landkreis Esslingen einen möglichen Zusammenschluss des Klinikums Esslingen mit den Medius-Kliniken des Landkreises – alleiniger Träger der neuen Krankenhausstruktur soll dann der Landkreis werden. Ziel eines Zusammenschlusses wäre „die Bildung einer leistungsfähigen und zukunftsfesten Klinikstruktur im Landkreis Esslingen, die im Wettbewerb innerhalb der Region Stuttgart sehr gut aufgestellt ist“. Eine Entscheidung in den zuständigen Gremien könnte bis Mitte 2027 fallen.
Parallel treibt das Esslinger Klinikum das Erweiterungsprojekt voran. Das Land unterstützt das größte Einzelbauprojekt in der 170-jährigen Geschichte des Hauses nun mit fast 100 Millionen Euro. Im Rahmen des Krankenhausbauprogramms 2026 fließen rund 87 Millionen Euro Fördergelder in den Neubau von Haus 2. Mit weiteren rund elf Millionen Euro wird die neue Technikzentrale des Klinikums Esslingen gefördert.
„Wir danken dem Land Baden-Württemberg ganz herzlich für diese finanzielle Unterstützung“, sagt Oberbürgermeister Matthias Klopfer. „Damit können wir die umfassende Modernisierung unseres Klinikums weiter vorantreiben und den Esslingerinnen und Esslingern eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung bieten.“

Die Investition ist fest im Etat eingeplant
Die Weichen für das Bauprojekt sind bereits 2024 gestellt worden. Damals hatte der Esslinger Gemeinderat dem „Masterplan Bau“ zugestimmt und damit den Weg für die Modernisierung des Klinikums geebnet. Insgesamt sollen rund 200 Millionen Euro investiert werden. Der Beschluss fiel vor der aktuellen Finanzkrise. Die Arbeiten im Klinikum laufen bereits und sind fest im Etat eingeplant. Nach dem Abriss des bisherigen Bettenhauses beginnt nun der Aushub der Baugrube für das künftige Haus 2, die an ihrer tiefsten Stelle bis zu 14 Meter erreichen wird. „Ziel ist es, diese anspruchsvolle Aufgabe bis Ende des Jahres zu bewältigen, sodass der Neubau planmäßig im Jahr 2029 in Betrieb gehen kann“, sagt Anja Dietze, die Sprecherin des Klinikums Esslingen.
Die Aufgabe ist komplex, denn das neue Gebäude entsteht nicht etwa auf der grünen Wiese, es ist vielmehr eingebettet in eine jahrzehntelang gewachsene Gebäudestruktur. Dem Abriss von Haus 2 aus dem Jahr 1966 sind jahrelange aufwendige Vorbereitungen vorausgegangen.
Mit dem vierstöckigen neuen Modulgebäude für 150 Betten wurden die nötigen Ausweichflächen geschaffen, um einen Teil der bestehenden Gebäude nach und nach durch Neubauten zu ersetzen. Wichtige Klinikbereiche mussten verlegt werden – und zwar so, dass sie künftig bessere und funktionalere Arbeitsbedingungen vorfinden. Außerdem wurden die Versorgungsleitungen für diese und alle künftigen Gebäude in einer Ringtrasse zusammengefasst. Auf sieben Vollgeschossen entstehen im Neubau von Haus 2 insgesamt 16 000 Quadratmeter Nutzfläche.
Der Umbau soll im laufenden Betrieb stattfinden. „Mit seinen Bauprojekten steht das Klinikum Esslingen beispielhaft für ein vorausschauendes und nachhaltiges Modernisierungskonzept“, sagt Dietze. Der modulare Ansatz mit voneinander unabhängigen Bauabschnitten ermögliche es, „flexibel auf medizinische Entwicklungen und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen zu reagieren und die Infrastruktur kontinuierlich an zukünftige Anforderungen anzupassen.“ Das Sozialministerium des Landes sei von Beginn an eng in die Planungen eingebunden gewesen.
Für die Patienten bedeuten die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb eine Belastung. Zugleich verweist Klinikum-Geschäftsführer Matthias Ziegler aber auf spürbare Verbesserungen: „Zwar stellen die umfangreichen Umbaumaßnahmen unsere Patienten und unsere Mitarbeitenden vor Herausforderungen.“ Gleichzeitig habe das Klinikum aber mit jeder Verlagerung eine Modernisierung und Verbesserung der räumlichen Bedingungen erreicht. (eli)

Der FV Plochingen plant einen neuen Kunstrasenplatz auf dem Pfostenberg. Eine wichtige Zusage für die Finanzierung hat der Verein von der Stadt erhalten.

Rund eine Million Euro könnte es kosten, einen der beiden Fußball-Rasenplätze auf dem Pfostenberg zu einem Kunstrasenplatz umzubauen. Seit mehreren Jahren ist der Fußballverein Plochingen nun bereits im Austausch mit Planern und Behörden. Doch ohne Zuschüsse wäre das Vorhaben für den Verein mit seinen rund 400 Mitgliedern kaum zu stemmen. Eine wichtige Zusage für einen Teil der Finanzierung hat der Verein im Februar erhalten. Die Stadt möchte 285 000 Euro hinzugeben. Vom Württembergische Landessportbund (WLSB) steht ein Zuschuss in Höhe von 120 000 Euro in Aussicht. Den Rest möchte der Verein aus Darlehen, mit Sponsoren und Sondermitgliedschaften finanzieren.
Warum das Ganze? Der Pfostenberg sei „das schönste Sportgelände im Landkreis Esslingen“, sagt der Vereinsvorsitzende Uwe Öhrlich. Allerdings seien die Rasenplätze nicht das ganze Jahr über bespielbar. In den feuchten und kalten Wintermonaten trainieren die Männermannschaften deshalb auf einem Kunstrasenplatz am Jägerhaus in Esslingen. Denn entweder ist der Rasen in Plochingen zu weich und würde beim Bespielen kaputt gehen, oder der Boden ist gefroren. In beiden Fällen wäre die Verletzungsgefahr hoch. Die Jugend trainiert über den Winter in einer Sporthalle. Optimal ist das alles nicht. Ohne einen Kunstrasenplatz befürchtet der FV Plochingen, Jugendspieler an Vereine in den Nachbarorten zu verlieren. „Das ist ein realistisches Szenario“, sagt der zweite Vorsitzende Darko Cvijanovic.
Dem Verein wäre es lieber, die Mannschaften könnten das Freigelände in Plochingen das ganze Jahr über nutzen. Das attraktivere Angebot käme auch der Jugendarbeit zugute, betont Öhrlich. Denn das Fußballspielen ist kein Selbstläufer mehr. Schon heute müssten in der Jugend häufig Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen eingegangen werden. Inzwischen gebe es im Umkreis kaum noch Fußballvereine, die keinen Kunstrasenplatz hätten, meint Öhrlich. Reichenbach, Deizisau, Baltmannsweiler, Aichwald machten es vor.
Warum so viele Fußballvereine im Umkreis von Plochingen einen Kunstrasenplatz trotz hoher Baukosten haben, wird bei näherer Betrachtung deutlich. Oft sind nämlich dort die Kommunen die Betreiber der Sportstätten und nicht die Vereine selbst, erklärt Cvijanovic. In Plochingen ist das anders. Der Pfostenberg gehört dem FV.
Kein Thema scheint die Idee mehr zu sein, den Fußballverein ins Sportzentrum am Stumpenhof zu integrieren. Dies war einst der Gedanke eines kommunalen Sportentwicklungsplans. Es ist aber schon lange still um das teure Stück Papier geworden. Unter den Vereinsverantwortlichen schienen nicht alle Ideen des Plans für große Begeisterung gesorgt zu haben. „Das war ein verrücktes Konzept“, sagt Öhrlich heute. Der FV hätte durch die Aufgabe des Pfostenbergs seine Identität verloren, erklärt er. Trotz der Nachteile wie die ungünstige Erreichbarkeit hängen die Plochinger Fußballer an ihrem idyllisch gelegenen Sportgelände auf dem Schurwald.
Doch nicht nur die Erreichbarkeit ist ein Hemmschuh. Durch die Lage im Wald haben die Fußballer viele tierische Nachbarn, die sich nicht um die Platzregeln scheren. Wiederholt haben Wildschweine das gepflegte Grün umgepflügt. Ebenfalls äußerst wohl fühlen sich Maulwürfe, Wühlmäuse, Rehe und Waschbären auf dem Areal.
Das Sportgelände liegt in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH). Die Planungen werden dadurch erschwert. Dort einen Kunstrasenplatz zu bauen, ist besonders aufwendig. Allein für die bisher beim Landratsamt eingereichten Untersuchungen habe der Verein rund 20 000 Euro bezahlt, erklärt Darko Cvijanovic.
In den kommenden Wochen und Monaten möchte die Vereinsspitze nun an weiteren Finanzierungszusagen arbeiten, damit in einer der nächsten Hauptversammlungen des Vereins ein formeller Beschluss für oder gegen den Bau des Kunstrasenplatzes gefasst werden kann. Wenn die Mehrheit der Mitglieder für den Kunstrasenplatz stimmt, soll der Bau im kommenden Jahr beginnen. Ein wenig drängt die Zeit. Denn die Genehmigung des Landratsamts für den Bau des Kunstrasenplatzes liegt seit dem Jahr 2023 vor. Diese ist aber bis 2028 befristet. Wird bis dahin nicht mit dem Bau begonnen, müsste wohl eine neue Genehmigung beantragt werden.

Zur Geschichte des Vereins
Angebot:
Die meisten der rund 400 Mitglieder des FV Plochingen spielen Fußball. Es gibt aber auch eine Cricket- und eine Tischtennisabteilung.
Spielbetrieb: Die erste Mannschaft des FV Plochingen spielt in dieser Saison in der Bezirksliga Neckar-Fils. Die zweite Mannschaft spielt in der Kreisliga A. Und für die reiferen Spieler gibt es außerdem noch eine Seniorenmannschaft.
Historie: Das Gründungsjahr steht im Namen des Vereins: 1911 wurde der Fußballclub „Schwaben“ gegründet. Zunächst wurde auf einem Platz in einem Steinbruch gespielt, bevor der Fußballverein von der Stadt das Waldstück am Pfostenberg erhielt. Das war laut Vereinschronik im Jahr 1921. Das Sportgelände haben die Vereinsmitglieder dann selbst angelegt. Im Jahr 1924 wurde der Sportplatz eingeweiht. (bra)

Esslingen baut an einem klimaneutralen Quartier: Der Baublock A der Neuen Weststadt wächst und soll laut Investor bezahlbaren Wohnraum für die Mittelschicht bieten.

Er ist sozusagen das Entree des Vorzeigestadtteils: Vom Bahnhofsplatz aus gesehen soll der Baublock A zusammen mit dem Alten Zollamt künftig den Beginn der Neuen Weststadt markieren. Auf dem Areal südlich von Altem Zollamt und IKK-Gebäude wird derzeit kräftig gearbeitet. Mit dem Bau des neuen Wohn- und Gewerbehauses kommt die Umgestaltung des früheren Güterbahnhof-Areals langsam auf die Zielgerade.
Seit Oktober 2025 laufen die Arbeiten auf dem rund 0,6 Hektar großen Gelände zwischen Fleischmannstraße im Norden, Berliner Straße im Osten, Eugenie-von-Soden-Straße im Süden und Kollwitzstraße im Westen. Laut Jan Rau von RVI, dem Investor und Bauherrn, steht das Untergeschoss bereits, demnächst werde das Gebäude geschossweise in die Höhe wachsen. Die Rohbauarbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2026 oder Anfang 2027 fertiggestellt sein. Man rechne damit, alle Arbeiten bis Anfang 2028 erledigt zu haben.
Konkret geplant ist ein gestaffeltes Gebäude mit fünf bis sieben Geschossen. In diesem entstehen insgesamt 51 Wohneinheiten, die meisten davon als Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen. Acht der Wohnungen sollen barrierefrei sein. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf geförderten Wohnungen liegen: Laut Jan Rau werden 39 Wohnungen, also rund 75 Prozent, als geförderte Wohnungen realisiert. „Zielgruppe sind insbesondere Angehörige der arbeitenden Mittelschicht“, so Rau. Ihnen wolle man qualitativ hochwertigen Wohnraum zu bezahlbaren Mieten anbieten. Voraussetzung für den Bezug sei ein Wohnberechtigungsschein, der an bestimmte Einkommensgrenzen geknüpft sei.
Im Erdgeschoss und in den Obergeschossen sind laut Jan Rau gewerbliche Nutzungen vorgesehen, die zur Belebung des Quartiers beitragen sollen. Es gebe bereits Interessenten für die gewerblichen Einheiten. Im Übrigen habe man das gesamte Gebäude an einen „institutionellen Investor aus dem genossenschaftlichen Umfeld“ veräußert, teilt Rau mit.

Interessenten können sich schon jetzt melden
Gerade vor dem Hintergrund des hohen Anteils geförderter Wohnungen sei ein professioneller Bestandshalter von Vorteil, da er die damit verbundenen Anforderungen in der Bewirtschaftung effizient und zuverlässig abbilden könne, so Rau. RVI bleibe aber Bauherrin und kümmere sich auch um die erste Vermietung der Wohn- und Gewerbeeinheiten. Mit der Vermietung werde frühestens Ende 2027 begonnen, Interessenten könnten sich aber bereits vormerken lassen. „Wir gehen von einer hohen Nachfrage aus“, so Rau.
Das neue Gebäude soll im Rahmen der Quartiersentwicklung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zertifiziert werden, laut Rau strebt man den Gold-Standard an. Damit würden neben sozialen auch ökologische Aspekte berücksichtigt. Unter anderem kämen sogenannte wohngesunde Materialien zum Einsatz, die eine gute Luftqualität in den Innenräumen sicherstellen sollten. Auch Aspekte wie Ressourcenschonung, geringe Betriebskosten oder Langlebigkeit der Baukonstruktion spielten eine zentrale Rolle.
Vor einigen Jahren hatte die Stadt zudem mit dem Kauf des IKK-Gebäudes geliebäugelt, um den Platz davor als öffentliche Aufenthaltsfläche in Verlängerung des Bahnhofsplatzes gestalten zu können. Doch jetzt sagt Nicole Amolsch dazu: „Die Stadt Esslingen hat vor einiger Zeit den Erwerb des IKK-Gebäudes geprüft, diese Überlegung jedoch verworfen, da keine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit für die Stadt ersichtlich war.“ Zu einer Freiflächenplanung vor dem IKK-Gebäude könne man deshalb derzeit keine Aussagen treffen.
Ganz fertig ist die Neue Weststadt aber auch mit der Fertigstellung des Baublocks A noch nicht. Denn es steht noch der Baublock E aus – und damit der Bau eines architektonisch außergewöhnlichen Bürohochhauses mit dem Namen „Crystal Rock“ mitten zwischen Wohngebäuden und neuer Hochschule. Geplant wurde der innovative Bau mit bis zu 13 Geschossen vom renommierten Rotterdamer Architektenbüro MVRDV.
Ungewöhnlich ist unter anderem die Fassade des „Crystal Rock“, die laut Plänen teils begehbar sein und teilweise aus transparentem, aber auch aus verspiegeltem Glas bestehen soll. Laut Stadtverwaltung steht der Zeitpunkt der Realisierung noch nicht fest. Auf der Fläche des Baublock E entstehe derzeit ein temporärer Stadtteilplatz vor der Neuen Hochschule, teilt Nicole Amolsch mit.

Klimaquartier Neue Weststadt
Vorzeigequartier:
In den vergangenen Jahren ist auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Esslingen nach und nach das klimaneutrale Stadtquartier Neue Weststadt gewachsen. Dieses umfasst mehr als zwölf Hektar Fläche, im Endausbau über 600 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen, Grünflächen und den neuen Hochschulcampus. Mit ihrem innovativen Energiekonzept und der Produktion von grünem Wasserstoff gilt die Neue Weststadt als Vorzeigequartier in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
Baublock A: Der Baublock A soll als ansprechendes Portal in direkter Nähe zum Bahnhof wirken. Neben dem Wohn- und Geschäftsgebäude entsteht auf dem Areal auch eine Tiefgarage mit rund 40 Stellplätzen für Autos und zusammen mit Abstellmöglichkeiten im Untergeschoss etwa 60 Stellplätzen für Fahrräder. Weitere neun Parkplätze für Autos sowie rund 55 Fahrrad-Stellplätze entstehen oberirdisch. (meb)

In Wernau gibt es, wohl vom Jahr 2030 an, nur noch eine zentrale katholische Kirche. St. Magnus wird saniert und umgebaut. Auf zukünftig zwei Ebenen findet sich dann alles unter einem Dach wieder. Der Sakralraum „wandert“ in den ersten Stock.

Den Kirchen geht es nicht anders, als den Kommunen, den Landkreisen oder den Bundesländern: Sparen lautet das Gebot der Stunde – wobei das im kirchlichen Bereich schon seit geraumer Zeit der Fall ist. Bereits vor Jahren hat in den beiden katholischen Wernauer Kirchengemeinden die Diskussion über einen Zusammenschluss begonnen, ehe 2025 endgültig ein Knopf an die Fusion gemacht wurde. St. Magnus und St. Erasmus werden eins: eine Kirchengemeinde, ein neuer Gemeindename, der noch gefunden werden muss – und eine Kirche. Dieser Rahmen steht ebenso fest wie die Tatsache, dass das kirchliche Leben im Bereich von St. Magnus zentriert wird. Genauer gesagt kommt alles unter ein Dach, nämlich in die jetzige Kirche. Dort werden das Pfarrbüro, die Gemeinderäume, der Jugendbereich und das Gotteshaus als solches untergebracht.
Dies bedeutet zum einen, dass das jetzige Pfarramtsgebäude an der Kirchheimer Straße aufgegeben wird; und zum anderen, dass der Kirchenraum an sich in Zukunft „höher gelegt“ wird. Vereinfacht gesagt kommen auf der Erdgeschossebene die funktionalen Bereiche unter, eine Etage drüber der Kirchenraum. Mit einem entsprechenden Entwurf ist das Göppinger Büro Dauner/Rommel/Schalk aus einem Architektenwettbewerb jedenfalls als einhelliger Sieger hervorgegangen.
Das Konzept der Planer hat Charme, für das moderne kirchliche Leben ebenso wie aus städtebaulicher und energetischer Sicht. Umgesetzt wird das Vorhaben im Rahmen eines Projekts der Diözese Rottenburg-Stuttgart, das den Titel „Räume für eine Kirche der Zukunft“ trägt. Gemeinsam haben die Architekten, die Gesamtkirchengemeinde, die Diözese und nicht zuletzt die Stadtverwaltung den Entwicklungsprozess zwischenzeitlich vorangetrieben und werden diesen weiterhin den Anforderungen und Gegebenheiten anpassen.
Mit dem Umbau einher gehen die ohnehin erforderliche, klimaneutrale Sanierung der Kirche, die grundsätzlich angestrebte Reduktion der notwendigen Flächen und eine respektvolle Neugestaltung des Bestandsgebäudes, gerade im Inneren des Kirchenschiffes. Für den Göppinger Architekten Tilman Schalk ist es dabei selbstverständlich, eine große Sensibilität walten zu lassen. „St. Magnus ist für Wernau ein wichtiges Bauwerk der Nachkriegsarchitektur und vor allem das Erstlingswerk des aus Wernau stammenden Architekten Gerold Reutter, der später mehr als 100 Kirchen gebaut hat“, so Schalk. Der Charakter des Sakralraums solle deshalb erhalten bleiben, auch wenn dieser auf eine Idee der Kirche hin räumlich reduziert werde. So sei zwar rasch der Gedanke aufgekommen, ein Haus-in-Haus- Prinzip umzusetzen, „was allerdings gerade in so einem Fall nicht ganz einfach ist“.
Geschafft hat es das Büro Dauner/Rommel/Schalk letztlich aber doch. So wird zunächst ein Rückbau der langen Außenwände stattfinden und, wenn man es einfach beschreiben will, ein zweites Geschoss eingezogen. Unten bleibt der Eingangsbereich offen, dahinter folgen ein Foyer, wie gesagt, die Funktionsräume und im Anbau der Jugendbereich. Im ersten Stock, über dem Eingang, gibt es eine Empore, von der aus der Kirchenraum über eine Art Brücke erreichbar ist.
Michael Konz, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Magnus, koordiniert das Projekt seitens der Kirche – in enger Absprache mit seinen Kolleginnen Marina Schaub (St. Erasmus) und Beate Stark (Gesamtkirchengemeinde). „Es hat sich schnell gezeigt, dass wir beide Kirchen nicht halten können, und so wollen wir jetzt das Bestmögliche daraus machen“, betont Konz und ist froh, dass die Diözese St. Erasmus als sogenannte Depotkirche, unter anderem zur Aufbewahrung von Reliquien, erhalten wird. Außerdem dient St. Erasmus während des Umbaus von St. Magnus als Gotteshaus.
Zugleich lobt er die Zusammenarbeit sowohl innerhalb der Kirchengemeinden, aber auch mit der Diözese, den Architekten, den Urheberrechtsvertretern und der Stadtverwaltung. Von allen Seiten sei die Arkadenbauweise und das Konzept insgesamt als ein Öffnen der Kirche angesehen worden.
Gleichwohl ist das Vorhaben in vielerlei Hinsicht ehrgeizig: Dem gemeinsam aufgestellten Zeitplan nach soll der Umbau im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Konz, der als Vermessungsingenieur eine gehörige Portion Fachwissen vorweisen kann, spricht von einem „sehr sportlichen Ziel, für dessen Erreichung wir den zeitlichen Druck in jeglicher Hinsicht aufrecht erhalten müssen“. Nicht minder sportlich als der Zeitplan ist es, den Kostenrahmen nicht zu sprengen. Den Deckel hat die Diözese auf vier Millionen Euro gesetzt. Parallel laufe der Verkauf des bisherigen Gemeindezentrums.

Wernau greift dem vor, was ohnehin kommt
Projekt:
Im vergangenen November hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ auf den Weg gebracht. Mit dessen Umsetzung soll den rückläufigen Finanzressourcen und dem damit verbundenen Personalabbau Rechnung getragen werden. Letztlich empfahl der Diözesanrat aus den aktuell noch mehr als 1000 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden 50 bis 80 sogenannte Raumschaften zu bilden, um die Verwaltungsaufgaben zu reduzieren, dem kirchlichen Leben vor Ort mehr Freiräume zu ermöglichen und es langfristig zu sichern.
Umsetzung: Bereits Ende dieses Jahres soll klar sein, welche bisherigen Kirchengemeinden sich in den neuen Raumschaften zusammenschließen. Wie diese den ländlichen beziehungsweise den großstädtischen Strukturen gerecht werden, wird laut der Diözese berücksichtigt. Die bestehenden Gemeinden und Dekanate werden an diesem Prozess beteiligt. Die Leitung der neuen Raumschaften sollen neben Pfarrern auch geeignete Laien als Pfarrbeauftragte übernehmen können. Zu deren Entlastung wird es zudem Verwaltungsbeauftragte geben. (eas)

Nicht nur die beiden Esslinger Freibäder sind schon in die Saison gestartet. In Esslingen gibt es eine neue Attraktion, neue Preise und eine neue Regelung.

Auf den ersten Blick habe sich nicht viel verändert, räumt der Bäderleiter Michael Werner ein. Doch wer genauer hinschaut, der erkennt kleine, feine Unterschiede: Die neue Riesenrutsche im Esslinger Neckarfreibad hat nicht nur einen kräftigen Anstrich in Blau und Gelb, den Farben der Stadtwerke Esslingen (SWE), erhalten, sondern auch eine Kurve mehr – und einen separaten Auslaufbereich.
Letzterer sei ein wichtiger Punkt gewesen bei der Erneuerung der in die Jahre gekommenen Anlage, sagt Werner: „Während die bisherige Rutsche direkt ins Nichtschwimmerbecken führte, entlastet die neue Lösung diesen Bereich deutlich und schafft mehr Platz sowie zusätzliche Sicherheit für Badegäste.“ Die neue Rutsche startet in rund sechs Metern Höhe, dann geht es etwa 70 Meter hinunter – mal rechtsherum, mal linksherum – bis man mit einer Welle auf der Zielgeraden „angespült“ wird.
Rund 380 000 Euro haben die Stadtwerke als Bad-Betreiberin in das „deutlich sichtbare Zeichen für mehr Attraktivität und Familienfreundlichkeit“ gesetzt, sagt der SWE-Geschäftsführer Jörg Zou. Nach rund drei Jahrzehnten Dauerbetrieb war der Austausch nötig. Die alte Rutsche samt Treppenturm wurde im Januar demontiert Im Februar und März wurden Fundamente gesetzt und eine unterirdische Wasserleitung verlegt. Im März und April folgte die Installation der aus robusten Glasfaser-Kunststoff bestehenden Rutschenelemente, die eine Schweizer Firma in Einzelteilen anlieferte. Nur der sechs Meter hohe Stahl-Treppenturm kam in einem Stück. Hinzu kam schließlich noch die Badewassertechnik. Wenige Tage vor der zur Saisoneröffnung ist alles fertig geworden.
„Mit der neuen Rutsche setzen wir den Modernisierungskurs in den Esslinger Bädern konsequent fort“, sagt Jörg Zou. Das Neckarfreibad wurde 2018/2019 saniert, das Hallen-Freibad Berkheim folgte von 2019 bis 2021. Zuletzt wurde das Merkel’sche Bad nach zweijähriger Sanierung vergangenen September eröffnet.
Am 1. Mai hat die Saison im Neckarfreibad und im Hallen-Freibad Berkheim begonnen. Bei schönem Wetter werden im Neckarfreibad bis Anfang September gut 100 000 Gäste erwartet, in Berkheim rund 40 000. Der SWE-Chef und der Bäderleiter hoffen auf eine gute Saison, in der eine wichtige Neuerung zum Tragen kommt: Es gilt ein strenges Rauchverbot, das sich nicht nur auf Tabakprodukte beschränkt. Auch E-Zigaretten, Vapes und Shishas dürfen auf den Liegewiesen nicht konsumiert werden, sondern nur noch in ausgewiesenen Raucherbereichen. Das schreibt das neue Nichtraucherschutzgesetz des Landes vor. Es tritt am 1. Juni in Kraft und sieht bei Verstößen Bußgelder in Höhe von bis zu 500 Euro vor.
Der Eintritt ist teurer als im Vorjahr, eine Folge von gestiegenen Personal-, Energie- und Betriebskosten. In den beiden Esslinger Freibädern zahlen Erwachsene jetzt fünf Euro, Schüler drei Euro, Familien 11,90 Euro. Die Saisonkarte für Erwachsene kostet 104 Euro, für Familien 227 Euro. Kinder unter fünf Jahren haben freien Zutritt. Das Neckarfreibad ist werktags von 6.30 bis 20.15 Uhr, am Wochenende ab 8 Uhr geöffnet, das Freibad Berkheim täglich von 10 bis 19 Uhr.

Die Freibäder im Kreis Esslingen starten in die Saison
Denkendorf: Seit 6. Mai ist das Bad täglich von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, im September bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,80 Euro.
Wernau: Das  Freibad soll am 23. Mai eröffnen. Die Öffnungszeiten stehen noch nicht fest. Der Eintritt kostet 5,50 Euro/3 Euro.
Deizisau: Das Freibad hat am  1. Mai aufgemacht. Im Mai und September ist es täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, Juni/Juli/August werktags von 9 bis 20 Uhr, wochenends bis 19 Uhr. Eintritt: fünf Euro/drei Euro.
Reichenbach: Start ist am 13. Mai. Das Freibad ist täglich von 9 bis 19.45 Uhr geöffnet. Eintritt: 5,50  Euro/3 Euro.
Kirchheim: Seit 1. Mai täglich von 8.30 bis 20.30 Uhr geöffnet, dienstags und donnerstags ab 7 Uhr. Der Eintritt kostet 5,50 Euro/ 3,50 Euro. 
Nürtingen:  Start ist am 9. Mai; montags, samstags und sonntags von 9 bis 20 Uhr geöffnet, an den anderen Tagen von 7 bis 20 Uhr. Eintritt: 5,30 Euro/drei Euro.
Neuffen: Das Höhenfreibad ist ab 14. Mai dienstags bis samstags von 9.30 bis 19.30 Uhr und sonntags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro/zwei Euro.
Weilheim: Das Freibad ist ab dem 9. Mai täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro.  (eh)

Im Juni macht die UCI-Pump-Track-World-Championship-Qualifier-Series auf dem Köngener Pumptrack Station.

Die besten Pumptrack-Fahrer der Welt kommen am 19. und 20. Juni nach Köngen: Auf dem Pumptrack am Burgweg kämpfen etwa 80 internationale Elitefahrer um die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in der chinesischen Hauptstadt Peking. Der Lauf ist Teil der sogenannten UCI-Pump-Track-World-Championship-Qualifier-Series. Veranstalter ist neben dem Radsport-Weltverband UCI die weltweit tätige Spezialfirma für die Erstellung vom Pumptracks und Mountainbike-Trails „Velosolutions“ aus der Schweiz, die auch die Köngener Anlage gebaut hat.
Ausrichter sind der Ski-Club Unterensingen (SCU), das Köngener Jugendhaus Trafo im Burgforum, die Gemeinde Köngen sowie der Württembergische Radsportverband (WRSV). Für die sportliche Durchführung ist der SCU verantwortlich, der WRSV stellt die Funktion des nationalen Rennleiters sicher und gewährleistet so einen professionellen und regelkonformen Ablauf – was bei internationalen Rennen zwingend ist. Bei den Unterensingern – die zwar Ski-Club heißen, aber seit vielen Jahren über eine hoch motivierte Bike-Sparte verfügen – ist die Freude über den Zuschlag groß, auch wenn die Ausrichtung eines solchen Events einen großen Personalbedarf erfordert.
„Es gibt viel zu organisieren“, sagt Frank Essig vom SCU. Deswegen habe man sich bereits lange vor der eigentlichen Bewerbung mit den Mitveranstaltern zusammengesetzt und analysiert, ob der Aufwand überhaupt zu stemmen sei. Aber es gibt auch Unterstützung von außen. So haben laut Essig einige Köngener Vereine signalisiert, dass sie mithelfen wollen. Zudem verfügt der SCU auch über Erfahrung in der Ausrichtung von Großveranstaltungen: Zwei Mal wurde die Weltmeisterschaft im Inline-Alpine-Slalom durchgeführt, dazu gab es etliche nationale und internationale Events in derselben Sportart.
Die WM-Qualifikation ist eine globale Rennserie mit 23 Stationen, gefahren wird im Elite-Format: keine Altersklassen, keine Hobbykategorien – nur die Leistung zählt. Startberechtigt sind ausschließlich lizenzierte Athletinnen und Athleten. Nach den Zeitläufen folgen die K.-o.-Duelle, lediglich die jeweils vier Besten pro Kategorie qualifizieren sich für das Weltfinale Mitte Oktober in Peking.
Erbaut wurde die Köngener Anlage 2023, es gibt zwei Tracks: der für Profis ist 230 Meter lang, der für Einsteiger hat eine Länge von 80 Metern. Seit der Eröffnung tummeln sich praktisch täglich Radler, Skater, Inliner- und Rollerfahrer auf den beiden Rundkursen. In der Bike-Szene hat sich der Köngener Pumptrack, eine der größten Anlagen in Süddeutschland, längst einen guten Namen gemacht: Er gilt als technisch anspruchsvoll und wird regelmäßig von leistungsorientierten Fahrern genutzt. Auch international erfolgreiche Fahrer und Fahrerinnen wie Alina Beck aus Stuttgart trainieren regelmäßig in Köngen. Die 19-Jährige stand 2025 bei den Pumptrack-WM als Dritte auf dem Podium und ist gleichzeitig erfolgreich im BMX-Sport, wo sie mehrfach nationale und internationale Titel einheimste und 2024 für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Paris startete.
Auch im Jugendhaus Trafo ist man stolz wie Bolle über den Zuschlag. „Ein solcher Lauf wird nur an Standorte vergeben, die sportlich und organisatorisch höchste Anforderungen erfüllen“, sagt Jugendhausleiter Matthias Dold. Die WM-Qualifikation findet am 19. und 20. Juni statt, am 21. Juni gehört die Köngener Strecke dann wieder dem Nachwuchs: Beim „Pump & Play“ fahren Kinder und Jugendliche auf derselben Strecke, auf der tags zuvor um Weltmeisterschaftsplätze gekämpft wurde. Ob Laufrad, Scooter, BMX oder Mountainbike – dabei geht es um Spaß, Bewegung und erste Rennerfahrungen. (kd)

Mal funktionieren sie, mal nicht: Die Aufzüge am Esslinger Bahnhof sorgen bei vielen Reisenden für massiven Frust. Die Bahn begründet längere Sperrungen damit, dass der Tausch von Aufzügen viel Zeit in Anspruch nehme.

Montag, Mitte April am Esslinger Bahnhof: Eine junge Rollstuhlfahrerin steht mit ihrem Begleiter vor den etlichen Treppenstufen Richtung Bahnhofsvorplatz. Die Aufzüge funktionieren nicht. Ihr Begleiter nimmt den Rollstuhl, sie zieht sich mit aller Kraft am Geländer die Stufen hoch. Eine andere Wahl hat sie nicht.
„Ich bin nicht immer in Begleitung von anderen Menschen unterwegs, dann muss ich fremde Leute ansprechen, ob sie meinen Rollstuhl tragen“, sagt die junge Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Mich ärgert aber mehr, dass es zum Beispiel Menschen in schweren Elektrorollstühlen gibt, denen nicht so einfach geholfen werden kann.“ Immer wieder habe sie in den vergangenen Wochen wegen der nicht funktionierenden Aufzüge in Esslingens Bahnhof auf Busse ausweichen müssen – entsprechend mehr Zeit habe sie für ihre Wege gebraucht. „Ich habe es mir angewöhnt, in Esslingen deutlich mehr Zeit einzuplanen, weil ich nie weiß, welche Aufzüge diesmal kaputt sind. Termine musste ich manchmal sogar absagen, wenn ich nicht weitergekommen bin.“
Sie ist nicht die einzige, die in den vergangenen Monaten kopfschüttelnd vor gesperrten Aufzügen stand: Ein Zug kommt an, Reisende verlassen ihn, einige gehen zu den Aufzügen, drehen ab – defekt. Ein übliches Bild, das Anfang des Jahres bereits Andrea Lindlohr, Landtagsabgeordnete der Grünen, anprangerte. Immer wieder fallen seitdem unterschiedliche Aufzüge aus.
„Die Situation ist an Absurdität kaum zu überbieten“, sagt Miran Rebec aus Hohengehren. „Während die DB-Website dreist behauptet, der Aufzug sei ,in Betrieb’, stehen die Menschen vor verschlossenen Türen.“ Auch die junge Rollstuhlfahrerin gibt an, dass es ein Glücksspiel sei, wann die Aufzüge im Bahnhof funktionierten und wann nicht.

Unzuverlässige Schwankungen
Nachfrage bei der Stadt Esslingen: Was sagt sie zu den Problem-Aufzügen am Bahnhof? „Für diese Aufzüge ist die Deutsche Bahn verantwortlich“, sie sei deshalb Ansprechpartner, heißt es von der Pressestelle. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärt auf Nachfrage, dass die Arbeiten an den Aufzügen just in diesen Tagen beendet worden seien. „Sie sind jetzt also wieder voll funktionstüchtig“, so die Sprecherin.
Ist das so? Test am Tag darauf vor Ort. Ausstieg Gleis 8. Aufzug: kommt nicht. Die anderen Aufzüge – auch der zum Bahnhofsvorplatz – laufen ohne Probleme. Wieder ein Tag später, gleiches Gleis. Am Aufzug hängt bereits warnend ein roter Aufkleber mit der Aufschrift „Defekt“. Wider Erwarten kommt der Aufzug, als er gerufen wird – später am Tag ist der Aufkleber entfernt worden.
Erneute Nachfrage bei der Deutschen Bahn: Wie sind diese unzuverlässigen Schwankungen zu erklären? „Unser Mann vor Ort sagt, die Aufzüge funktionieren nun wieder und sind in Betrieb“, heißt es von der Pressestelle. Die lang anhaltenden Sperrungen begründet das Unternehmen damit, dass der Tausch von Aufzügen eine sehr lange Zeit in Anspruch nehme. Die entsprechenden Teile müssten „jeweils vor Ort kleinteilig demontiert und montiert werden.“
Auch die darauffolgenden Sicherheitstests dauerten mitunter lange. „Ausfallzeiten von bis zu sechs Monaten – bei sehr komplexen Anlagen auch darüber hinaus – können von uns nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden“, so die Bahn. Kurzzeitige Störungen, die etwa durch Vandalismus auftreten, versuche das Unternehmen so schnell wie möglich zu beheben. Es sei schließlich im eigenen Interesse, die Schwierigkeiten für Reisende zu minimieren.

Bei Servicezentrale anmelden
Für Mobilitätseingeschränkte gebe es außerdem immer die Möglichkeit, „die Reise vorher (spätestens einen Werktag) bei der DB-Mobilitätsservicezentrale unter der Festnetz-Rufnummer: 0 30/ 65 21 28 88 oder per E-Mail an msz@deutschebahn.com anzumelden und zu planen.“ Tagesaktuelle Informationen zu den Aufzügen gebe es in der App „Bahnhof live“ oder auf der Webseite bahnhof.de.
„Für die Unannehmlichkeiten durch Störungen bitten wir unsere betroffenen Bahnkunden vielmals um Entschuldigung“, teilt die Deutsche Bahn mit. Ob die Aufzüge am Esslinger Bahnhof nun auch dauerhaft funktionieren, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. (xan)

Der Köngener Arzt und Apotheker André Renz funktioniert das ehemalige Volksbank-Gebäude in der Ortsmitte zu einem Ärztehaus um. Auch die ersten Mieter stehen bereits fest. Eröffnung soll im Sommer 2027 sein.

Wer in Baden-Württemberg einen Facharzttermin sucht, muss oft lange warten. Häufig scheitert es aber schon an der hausärztlichen Versorgung. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg waren Anfang 2026 rund 1000 Hausarztsitze nicht besetzt, die Tendenz ist steigend. Das Land und die Kommunen versuchen mit allen Mitteln gegenzusteuern, bislang ohne viel nennenswerten Erfolg.
Doch es gibt positive Beispiele – dazu braucht es neben einer stabilen Finanzierung aber auch Menschen mit Visionen: So hat der Köngener André Renz, selbst Arzt und Apotheker, im vergangenen Jahr das ehemalige Volksbank-Gebäude in der Ortsmitte gekauft und investiert nun rund sieben Millionen Euro, um aus dem alten Betonklotz ein modernes Ärztehaus zu machen. Die Unterstützung der Gemeinde ist groß. „Wir begleiten und unterstützen das Projekt so eng wie möglich. Das ist ein absoluter Glücksfall für Köngen“, freute sich Bürgermeister Ronald Scholz jüngst bei einer offiziellen Baustellenbesichtigung.
Auch finanziell tut die Gemeinde, was sie kann: So bewilligte der Gemeinderat bereits im Sommer 2025 einstimmig eine Finanzspritze bis zu 640 000 Euro, sofern das Projekt in die Städtebauförderung des Landes aufgenommen wird. Beantragt hatte Renz ein Baukostenzuschuss in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Inzwischen ist der positive Bescheid vom Regierungspräsidium in Stuttgart da, es fehlt lediglich noch eine abschließende rechtliche Prüfung. Als Anschubfinanzierung sind bereits 300 000 Euro aus der Köngener Gemeindekasse geflossen, von denen das Land dann 180 000 Euro übernehmen wird.
Die Rückbauarbeiten an dem Gebäude aus den 1960er-Jahren starteten im Sommer 2025, beauftragt wurde mit dem Ulmer Architekturbüro 4plus5 GmbH ein Spezialist im Bereich Praxis, Klinik und Pflege. Parallel hat Investor Renz weiter am Konzept gefeilt. Die Besetzung der großen allgemeinmedizinischen Praxis im ersten Obergeschoss steht inzwischen: Neben Markus Walter, der seine Einzelpraxis in Köngen aufgibt, haben drei jüngere Ärzte, die von den Synergieeffekten einer sogenannten „Berufsausübungsgemeinschaft“ profitieren wollen, zugesagt. Auch Renz, der aktuell als Internist in der Notaufnahme im Ruiter Krankenhaus tätig ist, will dort praktizieren.

Hausarztpraxis von 7 bis 19 Uhr geöffnet
Markus Walter, der 2017 eine bestehende Praxis in der Köngener Hirschstraße übernommen hat, verspricht sich viel von dem Umzug. Etwa, dass er persönlich wieder zu normalen Arbeitszeiten zurückkehren kann, denn momentan kann er von einem Acht-Stunden-Tag nur träumen: „Alleine eine Hausarztpraxis zu stemmen, ist kaum noch zu schaffen“, gibt Walter (Jahrgang 1964) offen zu. Ein weiterer Grund: „Meine bestehenden Räumlichkeiten sind zu klein“, erklärt der Allgemeinmediziner, der sein komplettes Praxisteam mit in die Gemeinschaft einbringen wird.
Geplant ist, dass die neue Hausarztpraxis von 7 bis 19 Uhr durchgehend geöffnet ist, eventuell auch am Wochenende. Der Bedarf ist riesig: „Wir haben bereits jetzt viele Anfragen von möglichen Patienten“, sagt Renz. Damit die Inbetriebnahme der Praxis, die für Sommer 2027 geplant ist, möglichst reibungslos abläuft, wird es im Vorfeld eine Möglichkeit geben, sich anzumelden, wie der 33-Jährige ankündigt.
Aber es gibt auch Rückschläge: Im zweiten Obergeschoss sollte eigentlich eine Kinderärztin einziehen. „Die Verhandlungen waren schon ziemlich weit gediehen“, sagt Renz. Allerdings hat sich die Kandidatin ziemlich kurzfristig umentschieden und dem Projekt eine Absage erteilt. Womit auch die bereits erfolgte Innenraumplanung zu Makulatur wurde. „Das ist blöd gelaufen“, bedauert Renz. Er ist allerdings bereits mit einem anderen Mediziner in engem Kontakt: „Das ist aber kein Kinderarzt, sondern eine andere Fachrichtung.“ Genaueres will er erst verraten, wenn alles in trockenen Tüchern ist.
Fest steht indes die Besetzung im Dachgeschoss: Mit Stefan Westhoff zieht dort ein Gynäkologe ein, der aktuell noch zusammen mit seiner Kollegin Katharina Eggink eine Praxis in Wendlingen hat. Der Frauenarzt liebäugelte schon länger mit einem Umzug. „Meine Praxis ist 40 Jahre alt, die Wände sind nicht isoliert, und von Barrierefreiheit können wir nur träumen“, erklärt Westhoff. „Ich muss noch 20 Jahre arbeiten, es war klar, dass ich diese Zeit nicht in meinen alten Räumlichkeiten verbringen kann.“ Als Renz auf ihn zukam, habe gleich alles gepasst: „Das war praktisch wie geschnitten Brot.“
Zudem seien die Synergieeffekte der zentralen Anmeldung für sämtliche Praxen inklusive gemeinsamer Wartezimmer sowie Voruntersuchungsräume wie EKG oder Blutabnahmezimmer im Erdgeschoss nicht von der Hand zu weisen. Ein weiterer Pluspunkt: Besondere Benefits für die Mitarbeiter wie etwa gemütlich gestaltete Aufenthaltsräume inklusive Billardtisch und eine große Dachterrasse. „Medizinisches Fachpersonal ist heute schwer zu finden und auch zu halten“, sagt Westhoff – da geben oft Dinge wie eine angenehme Arbeitsatmosphäre den Ausschlag, sich für einen Job zu entscheiden oder zu bleiben. (kd)

Das Esslinger Podium Festival präsentiert vom 30. April bis 10. Mai mehr als 20 Konzerte in innovativen Formaten.

Die Macherinnen und Macher des Esslinger Podium Festivals waren 2009 angetreten, um Musik in neuen Formaten zum Erlebnis zu bieten. Diesen Anspruch lösen sie seither Jahr für Jahr aufs Neue ein. Podium Esslingen ist ein Markenzeichen, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus geschätzt wird. Mit dem Festival 2026 verabschiedet sich der künstlerische Leiter Joosten Ellée vom Esslinger Publikum.
Und er will zusammen mit jungen und innovationsfreudigen Künstlerinnen und Künstlern vom 30. April bis 10. Mai zeigen, was dieses Festival so besonders macht. Das Jahresmotto lässt einiges erwarten: „Music for Aliens.“ In mehr als 20 Veranstaltungen erzählt das Festival in spektakulär inszenierten Räumen „von der Macht der Musik und der Memes, der Faszination des Universums und dem Fremdfühlen in unserer Zeit“.
Joosten Ellée ist bekennender Fan großartiger Science-Fiction-Filme. Doch das Konzept des kommenden Festivals reicht weit darüber hinaus. Die Podium-Macherinnen und -Macher wollen sich mit unterschiedlichsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen. „Es geht um die Eroberung des Weltalls, um Demokratie und soziale Medien, um Einsamkeit und menschliche Nähe, um gesellschaftlich relevante Themen, die mit künstlerischen Mitteln verhandelt und auf die Bühne geholt werden, stets zusammen mit fantastischer Musik, exzellent gespielt von jungen Musikerinnen und Musikern“, erklärt Ellée .
„Aliens“ stehen für Podium nicht nur für das Extraterrestrische – das Festival will auch ganz alltägliche Erfahrungen von Fremdheit reflektieren. „In einer Zeit, die durch ihre soziale Kälte und Mutlosigkeit uns einander immer fremder erscheinen lässt, verkleinert Musik Entfernungen, lässt Herzen wachsen und zeigt, dass wir uns nicht nur nach mehr Nähe sehnen, sondern uns oft schon näher sind, als wir glauben“, betont Joosten Ellée.
Rund 100 internationale Musikerinnen und Musiker wollen wie gewohnt die Genregrenzen sprengen. Des Spektrum reicht von musikalisch-szenischen Produktionen über Kammermusik für zehn Celli bis hin zu großen Besetzungen mit Orchester an teilweise für die Öffentlichkeit sonst unzugänglichen Orten. Auch in diesem Jahr gibt es wieder zahlreiche Uraufführungen renommierter junger Komponistinnen und Komponisten wie Andrew Yee, Yumi Umemoto oder Georgia Koumará.
Vor fünf Jahren war Joosten Ellée angetreten, ein Festival für die ganze Stadt zu bieten. Diesen Anspruch hat er unlängst mit drei Stadtteilkonzerten eingelöst. Und auch beim Eröffnungstag der Klangausstellung „Musikalische Mahnmale für den Weltraum“, der am 25. April im Merkelpark Führungen, Mitmach-Angebote und Live-Musik von Elshan Ghasimi bietet, werden Schüler des Mörike-Gymnasiums mitwirken.
Das offizielle Eröffnungskonzert am 30. April in der Stadtkirche St. Dionys ist ein „Wunschkonzert“, das Lieblingsstücke von Esslingerinnen und Esslingern neu interpretiert. Es wird von Mitarbeitern und Patienten des Klinikums kuratiert. Und ein breit angelegtes Education-Programm soll Kindern und Jugendlichen Musik näherbringen.
Fremdheit und Einsamkeit im Sinne des Festival-Mottos zeigen zwei musikalisch-szenische Produktionen: „Rave“ am 1., 2. und 8. Mai entwirft in einer leer stehenden Industriehalle in Oberesslingen ein Szenario, das immer kurz davor zu sein scheint, in einen Techno-Exzess zu kippen. Und die Produktion „Starchild“ nimmt das Festival-Motto am 2. Mai in der Frauenkirche wörtlicher und erkundet das menschliche Sein aus der Sicht eines außerirdischen Wesens, das weder Körper noch Zeit kennt. Ein fulminantes Finale verspricht das Abschlusskonzert, das am 9. Mai unter dem Titel „Lichtspielscene“ im Autohaus Russ Jesinger stattfindet.
Besondere kammermusikalische Formate, gespielt von jungen Musikerinnen und Musikern, sind eines der Markenzeichen dieses Festivals. Dazu zählen etwa „Holy Presence“ – ein Abend für zehn Celli am 2. Mai im Neuen Blarer, „Zeitenwende“ am 3. Mai im Esslinger Eisenlager, „Secret Music“ am 7. Mai in der Franziskanerkirche sowie „Epilog: C-Dur“ am 10. Mai im Druckhaus in der Zeppelinstraße. Und mit der Reihe „Sneak Preview“ adaptiert das Podium Festival ein aus der Kinowelt bekanntes Format und lädt vom 5. bis zum 8. Mai – jeweils ab 17 Uhr – bei freiem Eintritt in die Studiobühne der WLB zu kleinen überraschenden Veranstaltungsformaten ein, bei denen das genaue Programm vorher nicht bekanntgegeben wird und bei denen in einer sehr persönlichen Atmosphäre die Gelegenheit zum unmittelbaren Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern besteht. (adi)

Info: mehr Informationen unter www.podium-esslingen.de

Der Verein der Maibaumfreunde belebt die Tradition des Maibaumstellens wieder. Neue Halterung sorgt für gefahrloses Feiern.

Der in ländlichen Kommunen übliche Brauch, einen Maibaum zu stellen und dazu ein Maifest zu feiern, war in Lichtenwald vor einigen Jahren eingeschlafen. Der 2025 gegründete Verein Maibaumfreunde Lichtenwald ließ im vergangenen Jahr die Tradition wieder aufleben, stellte eher provisorisch einen kleinen Baum auf und organisierte einen sehr gut besuchten Maihock. Bereits damals war klar, dass ein sicheres Aufstellen eines großen Maibaums nur mit einer professionellen, fest im Boden verankerten Halterung möglich sein wird. Eine solche sogenannte Maibaumspange wurde vor einigen Wochen dank ehrenamtlichen Engagements, Spenden und eines Zuschusses der Gemeinde beschafft und eingebaut.
„Unser Verein verfolgt den Zweck, dass die Dorfgemeinschaft in Lichtenwald wie früher jedes Jahr einen Maibaumhock feiern kann“, berichtet Marco Wittek, Vorstandsmitglied der Maibaumfreunde Lichtenwald. Die ländliche Tradition des Maibaumstellens mit Dorffest war in Lichtenwald eingeschlafen. Bereits bei der Gründung des Vereins im Januar 2025 war klar, dass es mit viel Aufwand verbunden sein würde, eine Tradition wieder aufleben zu lassen, die notwendigen finanziellen Mittel zu besorgen, nicht zuletzt genügend engagierte Ehrenamtliche zu motivieren und damit insgesamt auch das gesellige Leben in der Dorfgemeinschaft zu fördern.
An vorderer Stelle stand, dass eine wiederverwendbare, fest im Boden verankerte Maibaumspange beschafft werden musste. Damit kann ein bis zu 26 Meter hoher Baum liegend in eine Halterung mit einem Klappmechanismus eingesetzt und anschließend mit einem Traktor in die Vertikale gezogen werden. Dieses Verfahren minimiert die großen Unfallgefahren beim händischen Aufstellen eines Baums und sorgt für einen stabilen Stand.
Doch eine Maibaumspange gibt es nicht zum Schnäppchenpreis. Inklusive der Fundamentierung schlagen die Kosten mit rund 13 000 Euro zu Buche. „Wir haben deshalb für unseren Verein, das Vorhaben und den Maibaumhock viel geworben“, erzählt Wittek. Etwa 8000 Euro brachte der Verein mit Einnahmen beim Hock 2025 und über Sponsoring zusammen, die Gemeinde gewährte einen Zuschuss von 4700 Euro für das Vorhaben.
Anfang März wurde die Maibaumspange zwischen dem Sportplatz und der Mehrzweckhalle eingebaut. Zwei Ehrenamtliche aus dem Ort übernahmen die Erdarbeiten und die Fundamentierung mit Beton. „Eine tolle Sache dank viel gemeinschaftlichem Engagement von allen Seiten. Wir sind sehr dankbar, dass wir so viel Unterstützung erfahren“, erklärt Wittek. Und so steht ein großer und stabil verankerter Maibaum im Mittelpunkt eines zweitägigen Fests an der Mehrzweckhalle. Am Donnerstag, 30. April, wird um 17.30 Uhr der Maibaum gestellt, danach wird gefeiert. Das Maibaumhock geht dann am Freitag, 1. Mai, ab 11.30 Uhr, weiter. (pst)