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Im Mai öffnet in ­Ötlingen Kirchheims erste Padel-Anlage. Was den Reiz des in Südeuropa populären Sports ausmacht: Er ist eine leicht zu lernende Alternative zum Tennis.

Nein, mit Wassersport hat Padel nichts zu tun. Vielleicht könnte man den Schläger zum Paddeln benutzen, wenn er nicht diese vielen Löcher hätte. Doch die sind notwendig für den eigentlichen Zweck des Padel-Schlägers, nämlich Bälle über ein Netz zu schlagen.

Viele Komponenten dieses in Deutschland noch relativ jungen Sports erinnern an Tennis: Das Netz, auch wenn es etwas tiefer als beim Rückschlag-Klassiker hängt, die Aufteilung des Spielfelds und die Bälle. Zwar sollte der originale Padel-Ball weniger Druck haben, doch mit Tennisbällen lässt es sich auch wunderbar „padeln“. Das kann der Autor aus eigener Erfahrung bestätigen.

Das Padel-Feld unterscheidet sich jedoch in einem wesentlichen Punkt von einem Tennisplatz: Seitlich wird das Spielfeld von einer Wand begrenzt – in der Regel aus Glas oder durchsichtigem Kunststoff, und zwar direkt auf der Linie. Auch an den Querseiten wird das Spielfeld von einer Wand begrenzt, allerdings nicht direkt am Platz sondern so, dass die Spielerinnen und Spieler vor der Grundlinie noch Bewegungsspielraum haben.

TSV Ötlingen wird zum Vorreiter

In Kirchheim setzt der TSV Ötlingen auf die neue Sportart und wird zum Vorreiter in der ganzen Teckregion. Für zwei neue Padelplätze auf der Tennisanlage im Rübholz investieren sie rund 135 000 Euro. Eröffnet werden sollen sie im Mai.

Im Großraum Stuttgart besteht neben Filderstadt eine Anlage in Büsnau, getestet von sechs Ötlinger Spielern, bei denen bei dieser Gelegenheit
die Überzeugung reifte, den Padelsport auch im Rübholz zu etablieren. Die Vorteile bringt Sportwart Georg-Florian Kunath auf den Punkt: „Die Sportart ist leicht zu erlernen, ist aber
schneller als das klassische Tennis, erfordert enormes Reaktionsvermögen und macht riesig Spaß.“

Das Spiel beginnt mit einem Aufschlag „von unten“. Dazu darf der Ball maximal einmal auf dem Boden aufsetzen. Volleys sind natürlich erlaubt, jedoch darf der Ball nach dem Aufsetzen im Spielfeld auch an eine oder mehrere Seitenwände prallen und anschließend, solange er nicht noch einmal den Boden berührt, weitergespielt werden. So kommt es oft zu langen und spannenden Ballwechseln, die auch ungeübten Spielerinnen und Spielern schon nach kurzer Übungszeit längeren Spielspaß ermöglichen als beim Tennis. Generell ist der Einstieg in den Sport niederschwelliger als beim traditionellen „weißen Sport“, was alleine schon an der einfachen Aufschlagtechnik liegt. In der Regel wird Padel als Doppel gespielt, Einzel sind zwar möglich, aber die Ausnahme. Sollte es doch zu einem Duell eins gegen eins kommen, wird nur auf einer Hälfte des Padel-Felds gespielt.

Während der Sport in Deutschland so langsam Fuß fasst, ist er in Lateinamerika und Spanien bereits eine große Nummer. Enrique Corcuera aus Mexiko gilt als der Erfinder. Weil ihm auf seinem Grundstück der Platz für einen eigenen Tennisplatz fehlte, baute er einen kleineren Platz, der genau der Hälfte eines Tennis-Doppelfeldes entsprach. Die Betonmauern, die unmittelbar an einen Teil des Platzes angrenzten, wurden bald nicht weiter als Hindernisse gesehen, sondern von den Spielern raffiniert in die Ballwechsel integriert, sodass Corcuera kurzerhand den gesamten Platz ummauern ließ.

Anfang der 70er kam Padel nach Europa

Anfang der 70er-Jahre brachte es sein Freund Alfonso Hohenlohe nach Spanien, die ersten Spielfelder wurden in Marbella gebaut. Von dort aus trat es einen Siegeszug an, der sogar wieder zurück nach Lateinamerika führte. In Argentinien gehört Padel mittlerweile zu den beliebtesten Sportarten.

Die World Padel Tour hat im vergangenen Jahr zehnjähriges Bestehen gefeiert: Sie vereint die besten Spieler der Welt und wurde nach dem Vorbild der ATP World Tour im Tennis geschaffen. Prominente Fans sind Liverpools Trainer Jürgen Klopp und Fußball-Weltmeister Mario Götze, der auf Mallorca schon mit Tennisstar Alexander Zverev „gepadelt“ hat.  zap/ks


Infos auf: www.dpv-padel.de