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Uli Hokenmaier hört auf: Er war Feuer und Flamme für die Gastronomie

Wer an seine Rouladen denkt, dem läuft das Wasser im Mund zusammen, so zart war das Fleisch, so lecker gewürzt das Gericht. So gut wie nie hat’s die Spezialität auf die offizielle Speisekarte im Schlierbacher Bürgerkeller geschafft, denn Stammkunden sicherten sich ihre Ration, sobald sie von einer neuen Rouladenaktion Wind bekamen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Gänsebraten, der auch dieses Jahr wieder bis Weihnachten ausgebucht ist. Auf nächstes Jahr können die Fans nicht hoffen, denn das wird es nicht geben.

Uli Hokenmaier und seine Frau Gaby machen am zweiten Weihnachtsfeiertag die Schotten dicht. Für immer.

Was bewegt den Vollblutkoch dazu, noch einige Jahre vor dem Rentenalter das (Küchen-) Handtuch zu werfen? Eine Art „Koch-Verdrossenheit“ ist es nicht, denn der Wirt schwingt weiter den Kochlöffel – aber voraussichtlich in einer Kantine in einem Seniorenzentrum im Kreis Göppingen. Wird man seine Kunst dort zu schätzen wissen? „Gerade da!“, sagt der langjährige Weilheimer, der bereits nach Wäschenbeuren umgezogen ist. Echtes Kartoffelpüree, Bodenständiges wie Sauerbraten mit Knödeln und Rotkraut, das trifft den Geschmack der älteren Generation ganz besonders.

Was dem Koch aber noch wichtiger ist als überschwängliches Lob, das sind geregelte Arbeitszeiten: Jahrzehntelang war in seinem Leben das Gegenteil der Fall, und das hat ihm immer mehr zu schaffen gemacht. Jetzt zieht er aus gesundheitlichen Gründen die Reißleine. In den fast 30 Jahren seiner Selbstständigkeit in wechselnden Restaurants kannte er kaum Urlaub und keine freien Wochenenden. „Mein Traum ist, mal einen Film anzuschauen, der im Abendprogramm ab 20.15 Uhr läuft“, lacht seine Frau Gaby, stets seine wichtigste Mitarbeiterin, und witzelt: Sobald der Bürgerkeller zu sei, wolle sie sich als Erstes „alle Folgen vom Bergdoktor reinziehen“.

Ihren Job haben die Hokenmaiers trotzdem stets mit Herzblut gemacht. Zumindest bis die Umstände immer schwieriger wurden und die Einnahmen sanken. „Es nervt, wie mit der Gastronomie umgegangen wird“, schimpft der Koch. Schließlich hätten sie im Bürgerkeller die Preise in der Corona-Zeit nicht erhöht. „Wir sind nicht skrupellos“, meint der Familienvater und nennt ein Beispiel: „Ein Kinderessen, das über zehn Euro kostet, ist für Familien nicht bezahlbar.“ Dennoch kämen die Wirte wohl angesichts des bald nicht mehr ermäßigten Mehrwertsteuersatzes und der hohen Winterpreise nicht mehr um Preiserhöhungen herum.

Den Hokenmaiers kann das nun egal sein, sie sind überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben – auch wenn sich Wehmut breitmacht. Zwar hat sich das Ausgehverhalten nach Corona verändert, generell gönnt man sich seltener ein Essen auswärts. Doch hat Uli Hokenmaier mehr Wertschätzung denn je gespürt. Einen Grund dafür sieht er in der Tatsache, dass immer mehr traditionelle deutsche Wirtschaften wie seine verschwinden. Jetzt dürfen sich vielleicht bald die Senioren seine Rouladen auf der Zunge zergehen lassen.  Irene Strifler

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