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Zum Christopher Street Day am 17. Juni werden die ­Regenbogenfahnen Farbe in die Stadt bringen

Jüngst habe sie sich mit einer Transperson zum Shoppen verabredet, berichtet Pia Zazzarini. „Ich habe vorab überlegt und geplant, wo man hingehen kann, ohne dass man Gefahr läuft, angefeindet zu werden“, sagt die 25-jährige Studentin über ihre Motivation, bei der Organisation des Christopher Street Days (CSD) in Esslingen mitzuhelfen, der am Samstag, 17. Juni, erstmals in der Stadt stattfindet (mit Begleitprogramm am ganzen Wochenende). „Solange man sich über alltägliche Sachen wie Einkaufen Sorgen machen muss, ist es nötig, für die Rechte der queeren Szene zu kämpfen.“
Den Stein ins Rollen brachte der 25 Jahre alte Daniel Krusic. Bei einem Besuch des Stuttgarter CSD habe er sich gedacht: „Warum gibt es das nicht in Esslingen?“ Die Nähe zur Landeshauptstadt sei für die Bewegung Segen und Fluch zugleich. Zwar gebe es eine lebendige Szene in der Nähe, aber dadurch auch kaum Anreize, ein breiteres Angebot für queere Menschen vor Ort zu schaffen. Im vergangenen Herbst hätten die Initiatoren alle Vereine und Gruppierungen angeschrieben, die Berührungspunkte mit ihrer Bewegung hätten. „Wir wollten schauen, ob der Ballon steigt, und zum ersten Treffen kamen direkt um die 30 Leute, und es wurden immer mehr“, so Krusic.
Die zunehmende Gewalt gegen queere Menschen bereite ihnen Sorgen. Schließlich sei das nicht nur ein globales Thema, sondern auch ein kommunalpolitisches. „Die Gesellschaft wird offener, aber ein kleiner radikaler Teil wird lauter“, sagt die 24-jährige Schulsozialarbeiterin Cere Melzer, wie Krusic und Zazzarini Teil des fünfköpfigen Hauptorganisatorenteams. Der CSD steht unter dem Motto „Esslingen is coming out“, das Logo ist eine Zwiebel in den Farben der Pride- oder Regenbogenflagge. Das Land Baden-Württemberg fördert die Organisation im Rahmen des Aktionsplans „Für Akzeptanz und gleiche Rechte“ mit 7200 Euro.
Derzeit gebe es viele, auch politische Strömungen, die ihnen Unbehagen bereiten würden, so Melzer. So habe in Bayern eine geplante Dragqueen-Lesung das konservative Weltbild der CSU erschüttert. Im Ton würden sich die deutschen und die US-amerikanischen Konservativen bereits ähneln.
Vorstößen wie dem „Don’t Say Gay“-Gesetz in Florida gelte es entgegenzutreten, meinen die Organisatoren des Esslinger CSD. Deshalb wollen sie während der Demo am 17. Juni an Bürgermeister Yalcin Bayraktar eine Liste mit Forderungen übergeben, darunter die Erweiterung des Amts der Beauftragten für Chancengleichheit um den Bereich „Queer und Diversity“, die Ausweisung von touristischen und gastronomischen Angeboten als „LGBTQIA+ friendly“ und ein breiteres kulturelles Programm von und für queere Menschen.
Natürlich gehe es beim CSD noch um mehr: „Um das Feiern von Vielfalt: an diesem einen Tag einfach mal so zu sein, wie man ist, und zu wissen, dass man nicht verurteilt wird“, sagt Melzer. Das gemeinsame Feiern geht auf die Ursprünge des ersten bekannten Aufstands der Trans- und Homosexuellen im Jahr 1969 in der Christopher Street in New York zurück. Langfristig sei ihr Ziel, dass der Esslinger CSD jedes Jahr stattfinde und allgemein mehr für die queere Community veranstaltet werde, so Krusic. Dafür soll bald ein Verein gegründet werden. 

Info: Bereits am Freitag, 16. Juni, um jeweils 20 Uhr,gibt es mehrere Veranstaltungen: Karaokeparty beim Landesfilmdienst, ein queerer Poetry-Slam im „Komma“, eine CSD-Warm-up-Party im Kulturpalast. Am Samstag, 17. Juni, werden ab 12 Uhr im Kulturpalast Schilder für die Demonstration gebastelt. Diese beginnt um 16 Uhr am Bahnhofsvorplatz und zieht zum Marktplatz, wo um 17 Uhr eine Hocketse stattfindet. Weiter geht es um 20.30 Uhr mit einer Drag-Show im Komma. Im Kommunalen Kino werden ab 20.35 Uhr queere Kurzfilme gezeigt (mit LGBTQIA+-Party im Lux). Am Sonntag, 18. Juni, gibt es ab 11 Uhr mehrere kostenlose Workshops (mehr unter www.csd-esslingen.de).

ff / Foto: Roberto Bulgrin

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