Stationen für Hundekotbeutel im Esslinger Stadtgebiet? Das hatte die Stadt bisher abgelehnt. Nach einer Demo von Hundebesitzern kam es zu einem Sinneswandel.
Die Stadt Esslingen ist nun doch auf den Hund gekommen – im positiven Sinn. Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat sich nach Angaben seines Pressereferats dazu bereit erklärt, in einem Pilotprojekt zunächst versuchsweise Stationen für Hundekotbeutel an ausgewiesenen Standorten im Stadtgebiet aufzustellen. Bisher hatte die Verwaltung solche Stationen abgelehnt.
Die Entwicklung freut Julia Zimmermann. Die Hundehalterin hatte zusammen mit Sandra Stark, einer anderen Tierfreundin, Ende April eine Hunde-Demo vor dem Alten Rathaus organisiert, zu der mehr als 50 Menschen mit ihren Vierbeinern gekommen waren. Zwei Ziele hatten sie verfolgt: das Aufstellen von Stationen mit Hundekotbeuteln auf öffentlichen Flächen im Stadtgebiet und die Einrichtung einer Auslauffläche für ihre Tiere.
Nach dieser Demonstration hatten sich Julia Zimmermann und Sandra Stark für einen Besuch der Bürgersprechstunde bei OB Klopfer Anfang Mai angemeldet. Im Gespräch mit dem Verwaltungschef, so berichtet Julia Zimmermann nun, habe sie ihre Anliegen erneut angesprochen: „Nach einigem Hin und Her und Gegenargumenten, warum vieles nicht gehe, hat er sich dann doch überzeugen lassen.“ Das Stadtoberhaupt habe der Einrichtung von Hundekotbeutelstellen in einer Art Feldversuch zugestimmt. Für die Umsetzung sei ein Zeitpunkt um die Sommerpause herum angedacht – also wohl im Juli oder August. Doch beim Thema Hundewiese biss sie auf Granit. In diesem Punkt sei der OB hart geblieben.
Bisher hatte sich die Verwaltung auch gegen Stationen für Hundekotbeutel ausgesprochen. Sie hatte auf einen bereits durchgeführten Versuch mit solchen Stellen auf der Maille verwiesen. Ein Rückgang des Hundekots in öffentlichen Anlagen habe dabei nicht festgestellt werden können. Im Gegenteil: Im Umfeld der Stationen habe die Verschmutzung durch ungenutzte Beutel sogar noch zugenommen. Hundebesitzer, die gewillt seien, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu entsorgen, würden zudem meist Beutel mit sich führen.
Diese Argumente, so teilt Marcel Meier vom städtischen Pressereferat mit, würden nach wie vor gelten. Ihr Umdenken in dieser Frage begründet die Verwaltung aber damit, dass sich Julia Zimmermann und Sandra Stark zur Mithilfe bereit erklärt hätten. Die beiden engagierten Frauen würden die Hundekotbeutelstationen während des Feldversuches als Patinnen betreuen. Wie ihre Aufgaben dabei genau aussehen würden, würde derzeit noch geklärt. Angedacht sei aber, dass die Bürgerinnen die Hundekotbeutelspender regelmäßig mit Beuteln auffüllen.
An der genauen Ausgestaltung des Pilotversuchs wird laut Marcel Meier noch gearbeitet: „Um die Details mit zunächst zwei Standorten von Hundekotbeutelspendern zu klären, sind wir derzeit im Austausch mit engagierten Bürgern und Hundehaltern, die uns dabei unterstützen.“ In seiner Sprechstunde, ergänzt Julia Zimmermann, habe OB Klopfer aber von Standorten im Merkel- und im Schillerpark gesprochen. Wann mit ersten Ergebnissen des Feldversuchs zu rechnen sei und welche Folgen er haben könnte, kann Marcel Meier noch nicht sagen.
Unabhängig von ihren Zugeständnissen mit Blick auf die Hundekotbeutel bleibt die Stadtverwaltung aber bei ihrem strikten „Nein“ bei der Schaffung einer Auslauffläche für Hunde im Stadtgebiet. „Esslingen ist bereits jetzt unterdurchschnittlich mit Grünflächen ausgestattet“, teilt Marcel Meier mit. Es sei daher aus Sicht der Stadtverwaltung nicht zielführend, die vorhandenen Grünflächen für einzelne Zielgruppen wie etwa Hundehalter aufzugliedern: „Die Lösung liegt eher in einer gemeinschaftlichen Nutzung des öffentlichen Grüns.“
Patenschaften für Hundekotbeutel
Patenschaften: Die Idee der Patenschaften für Stationen mit Hundekotbeuteln wird etwa in Schorndorf, der ehemaligen Wirkungsstätte von OB Matthias Klopfer, umgesetzt. Spender werden nur dort aufgestellt, wo Paten zur Betreuung zur Verfügung stehen. Die Erfahrungen seien überwiegend positiv.
Aufgaben: In Schorndorf kümmern sich etwa 60 Paten um gut 65 Spender für Hundekotbeutel. Ihre Aufgaben sind laut Stadt die Befüllung der Stationen mit Beuteln und die Abholung der Tüten bei den Zentralen Diensten in Schorndorf. Zudem würden die Paten auch Verschmutzungen, Beschädigungen oder Diebstähle melden. (sw)

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