Neckar Schurwald

Weiter geht’s beim Wohnungsbau

In Plochingen wurden in den vergangenen Jahren mehr als 300 Wohnungen gebaut. Aber nach wie vor fehlt es in der Stadt an Wohnraum, vor allem der „preisgedämpften“ Art.

Hermannstraße, Brühlareal, Moltkebehälter oder Punkthaus im Bruckenwasen: Das sind Beispiele für Wohnbauprojekte, die bereits umgesetzt sind oder gerade umgesetzt werden. „Die Ziele, die wir uns vorgenommen haben – vor allem im Inneren zu wachsen – sind schon sehr gut erfüllt“, stellte Wolfgang Kissling, der Leiter des Verbandsbauamtes, vor Kurzem in der Sitzung des Bauausschusses fest. Auch die Fraktionen sahen die Stadt auf einem guten Weg bei der Schaffung von neuem Wohnraum. Nicht so Einzelstadtrat Klaus Hink, der unter anderem die Neubauten am Mittleren Haldenweg ansprach. Sie seien „am Markt vorbeientwickelt“ worden, das sehe man daran, dass sie nach wie vor für teures Geld zum Verkauf oder zur Miete ausgeschrieben seien. Das Immobilienunternehmen Pflugfelder, das sie gebaut hat, spricht dagegen von einer bedarfsgerechten Planung: Man habe vier Einfamilienhäuser und zehn Doppelhaushälften gebaut und sechs dieser Wohneinheiten verkauft. Die anderen habe man, auch als Reaktion auf den veränderten Markt und die verunsicherten Kunden, in den eigenen Bestand aufgenommen. Sie seien zum größten Teil bereits vermietet.
Dringend notwendig ist aber aus Sicht der Fraktionen wie auch der Stadtverwaltung weiterer Wohnraum im „preisgedämpften Bereich“, also im Geschosswohnungsbau. Deshalb soll jetzt der Masterplan Wohnen weiterentwickelt werden, wobei die Stadt nur noch wenige Flächen selbst zur Verfügung hat: verbleibende Baulücken im Innenbereich seien „fast ausschließlich in privater Hand“, so Kissling.

Hallenbad im Gebiet Schafhausäcker?
Relativ kurzfristig aktivieren könne man die Flächen Bühl Süd und Bühl Nord am östlichen Ortsrand auf dem Stumpenhof. Für den nördlichen Teil hält die Stadt den Bau von „Hoffnungshäusern“ für sinnvoll, die sich sowohl für die Unterbringung von Geflüchteten als auch als allgemeiner, günstiger Wohnraum eignen. Verfügbar ist außerdem eine Fläche an der Hohenzollernstraße, die der Stadt gehört – auch sie ein weiterer möglicher Standort für die Flüchtlingsunterbringung.
Andere Bereiche, die für die Wohnbebauung im Blick waren, müssen zurückgestellt oder auch ganz abgehakt werden. Dazu gehört das Gebiet Schafhausäcker I, in dem neuen Plänen zufolge ein Hallenbad entstehen könnte. Zwar sieht die CDU dennoch Potenzial für eine weitere Bebauung, Wolfgang Kissling hinterfragte das aber – die Bodenverhältnisse, die Hanglage, ein Abwasserkanal und ein Regenüberlaufbecken im Untergrund sprächen dagegen. Große Hoffnungen hatte der Gemeinderat ins weitaus größere Gebiet Schafhausäcker II, rund ums Bildungszentrum Garp, gesetzt. Das ist jedoch fraglich geworden, nachdem kürzlich der Schutz von Streuobstwiesen verschärft worden sei. Diese seien jetzt „sakrosankt“, meinte Kissling, es werde „extrem schwierig“, diese gut fünf Hektar große Fläche zu entwickeln.
Für andere Stellen wie die Gärten bei den Eisenbahnerhäusern in der Ulmer Straße oder Garagenflächen auf dem Stumpenhof muss aus Sicht der Stadtverwaltung zunächst ein Konzept erstellt werden. Das gilt auch für das Kronenareal in der Kurve Neckar-/Schorndorfer Straße, das Joachim Hahn (SPD) als wichtiges Projekt ansprach. „Auch ich sehe dort das nächste Sanierungsgebiet der Stadt“, meinte Bürgermeister Frank Buß. Allerdings sei man aktuell ja schon mit dem Gebiet Fils-West beschäftigt; zwei Sanierungsgebiete parallel könne die Stadt erfahrungsgemäß kaum stemmen. Lorenz Moser (OGL) regte an, im Innenstadtbereich die Aufstockung von Häusern zu erleichtern und sprach im Zusammenhang mit privaten Grundstücken die Frage nach einem Baugebot, ähnlich wie in Tübingen, an. Das halte er eher für einen „zahnlosen Tiger“, meinte Kissling – es sei sehr schwierig umzusetzen, weil man dem Eigentümer nachweisen müsse, dass die Bebauung für ihn zumutbar ist. (aia)

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