Esslingen

Erneut Verzögerung auf Karstadt-Areal

Das Projekt auf dem Karstadt-Areal in Esslingen zieht sich erneut: Der Bauantrag muss nun erst bis September eingereicht werden.

Schon wieder: Die Bebauung des Karstadt-Areals in der Esslinger Innenstadt verzögert sich erneut. Denn der Investor Strabag schafft es nicht innerhalb der vorgesehenen Frist, den Bauantrag einzureichen. Der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz hat deshalb nun einer Verlängerung der Frist um ein halbes Jahr bis September zugestimmt. Das ist längst nicht die erste Verzögerung bei dem Bauvorhaben auf der zentral gelegenen Brache.
So wurden bei manchen Stadträten angesichts der Nachricht von der notwendigen Fristverlängerung unangenehme Erinnerungen wach. Schließlich wird seit Jahren über die Bebauung des Geländes zwischen Martinstraße und Ehnisgasse diskutiert – immer wieder gab es Pläne, immer wieder aber auch Änderungen, Verzögerungen, Stillstand und Neustart. Mit der Übernahme des Projekts durch die Strabag Real Estate Invest GmbH hatte man auf eine zügige Umsetzung des Bauvorhabens gehofft. Ganz ohne Stolpersteine geht es nun aber offenbar doch nicht über die Bühne.
Carmen Tittel, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Esslinger Gemeinderat, lässt die Fristverlängerung aufhorchen. „Schon wieder eine Verzögerung, schon wieder Karstadt – das lässt Erinnerungen wach werden“, sagt sie. Sie gehe jetzt mal davon aus, dass diese Verlängerung in Ordnung gehe, habe aber durchaus Bedenken, dass nach dieser weitere Aufschübe folgten. „Ich hoffe, das ist die letzte Verzögerung auf diesem Grundstück“, betonte sie in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK).
Während Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionschefin der Freien Wähler, vor allem wissen wollte, welche Handhabe die Stadt hat, um Druck aufzubauen, damit es vorangeht auf dem Karstadt-Areal, erklärte Monika Heim (Linke): „Strabag ist doch ein großer, erfahrener Bauträger – wir verstehen nicht, warum jetzt so plötzlich Verzögerungen auftreten.“ Zumal die Stadt im Zweifelsfall doch sicher Konventionalstrafen einfordern könne.
Ähnlich argumentierte Andreas Klöpfer von der Gruppe WIR/Sportplätze erhalten: „Man muss als Kommune schon darauf achten, in die Verträge etwas reinzuschreiben, das man dann auch ziehen kann, damit Konsequenzen folgen können.“
Laut Stadtverwaltung sind jedoch auch bei zeitlichem Verzug des Projekts keine Geldstrafen vorgesehen. Es gebe aber gesetzlich geregelte Konsequenzen: So könne die Kommune einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufheben, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten würden. Allerdings habe Strabag bereits sehr viel Geld in das Projekt investiert. Man habe versucht, über ein serielles Bausystem die Baukosten zu reduzieren – das habe aber auch Veränderungen bei der Ausgestaltung im Inneren nach sich gezogen und daher mehr Zeit in Anspruch genommen. Auch die Abstimmung der Rettungswege, der Feuerwehraufstellflächen und der Baumstandorte in der Martinstraße habe sich aufgrund der Vielzahl der Leitungen im Erdreich als schwierig erwiesen, was zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung geführt habe.
Ganz anders bewertete Rena Farquhar, Vorsitzende der Fraktion FDP/Volt, die Verzögerung auf dem Karstadt-Areal: „Es ist völlig normal, dass man eine gewisse Zeit braucht bei einem solchen Projekt, zumal es ja einen Wechsel beim Bauträger gab.“ Daher stimme ihre Fraktion der Fristverlängerung zu und habe großes Verständnis für den Bauträger. Allerdings stelle sie sich die Frage: „Wenn die Verzögerung keinerlei Konsequenzen hat, warum haben wir die Frist dann überhaupt?“
Auch der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel zeigte sich im ABMK gelassen. Man müsse überlegen, wo man herkam bei diesem Projekt, und dass der Investorenwechsel eine gewisse Umplanung bedeutet habe. Zudem habe bislang die Detailschärfe gefehlt, die für den Bauantrag nötig sei. „Ich glaube, wir sind noch sehr gut unterwegs, ich bin optimistisch, dass es vorangeht“, betonte er. Im Übrigen habe der Investor versichert, dass man die Verzögerungen wieder reinholen wolle. Die archäologischen Grabungen seien bereits abgeschlossen, ebenso einige bauvorbereitende Arbeiten. „Es passiert parallel schon etwas auf dem Gelände“, versicherte Sigel. (meb)

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