Kategorie

Esslingen

Kategorie

Esslingen will 17 Einzelbäume und Baumgruppen im Stadtgebiet als neue Naturdenkmäler ausweisen.

Seit fast 30 Jahren sind in Esslingen keine neuen Naturdenkmäler mehr ausgewiesen worden. Und das, obwohl es hier laut Stadtverwaltung zahlreiche markante und schützenswerte Bäume gibt. Gleichzeitig seien in den vergangenen Jahrzehnten mehrere der bestehenden Naturdenkmäler wegen Krankheit, Beschädigung oder mangelnder Verkehrssicherheit entfernt worden. Daher möchte die Stadt nun 17 aus ihrer Sicht besonders schützenswerte Bäume und Baumgruppen als neue Naturdenkmäler ausweisen.
Seit knapp 20 Jahren ist die Stadt selbst für den Bestand und die mögliche Neuausweisung von Naturdenkmälern zuständig. Denn im Rahmen der Landesverwaltungsreform und der Änderung des Landesnaturschutzgesetzes sowie eines Erlasses des Regierungspräsidiums Stuttgart in den Jahren 2005 und 2006 wurde diese Aufgabe damals von den Landratsämtern an die Großen Kreisstädte übertragen. Allerdings sind nach Angaben aus dem Rathaus seit dem Jahr 1996 keine neuen Naturdenkmäler mehr ausgewiesen worden. Das soll sich nun ändern.
Die Ausweisung neuer Naturdenkmäler sieht die Stadt auch als einen Baustein zum Erhalt und zur Entwicklung eines leistungsfähigen, vitalen, artenreichen Baumbestands. Es gelte, den Esslingerinnen und Esslingern, aber auch Besuchern die Besonderheiten und Qualitäten dieses Baumbestands anschaulich sowie in zeitgemäßer Form zu vermitteln – etwa mittels QR-Codes oder digitalen Medien. Zudem solle den Naturdenkmälern auch eine besonders sorgsame Pflege zugedacht werden. Oberstes Ziel sei ein gesunder Baum mit arttypischem Erscheinungsbild, der befähigt werde, sein biologisches Höchstalter zu erreichen.
Konkret will die Stadt 17 Einzelbäume und Baumgruppen als neue Naturdenkmäler ausweisen. Diese seien von städtischen Baumspezialisten bei Ortsbegehungen als besonders schützenswert identifiziert worden – etwa wegen ihrer Größe, im Hinblick auf botanische Aspekte, weil sie als besonderer Lebensraum für Tiere dienten oder aber aufgrund kulturhistorischer Zusammenhänge. So schlägt die Stadt etwa eine 19 Meter hohe und etwa 80 Jahre alte Schwarzkiefer auf der Maille als Naturdenkmal vor, weil sie ein prägender Baum und eine seltene Baumart in dieser Dimension sei.
Ebenfalls ungewöhnlich groß und daher schützenswert sei die Baum-Hasel an der Schillerschule Berkheim. Wegen seiner außergewöhnlichen Baummaße soll auch der Feld-Ahorn am Osterfeldkindergarten in Berkheim zum Naturdenkmal werden, ebenso die Stiel-Eiche im „Bangert“ in Berkheim, die laut Stadtverwaltung zudem landschaftsbildprägend und von hoher ökologischer Wertigkeit ist. Sehr selten sei auch eine Gruppe dreier Spanischer Tannen im Arboretum Serach, die zur denkmalgeschützten Anlage „Seracher Schloss“ gehört.

Refugium für den Großen Abendsegler
Wegen ihrer „außergewöhnlichen Ensemblewirkung“, weil sie Teil des Gartendenkmals „Maille“ und zudem ein Refugium für die Fledermausart Großer Abendsegler ist, soll auch die etwa 100 Jahre alte Platanenallee auf der Maille zum Naturdenkmal werden. Auch die Eschen am Finkenweg in Sirnau mit ihren außergewöhnlichen Dimensionen haben laut Stadt eine erhaltenswerte ortsbildprägende Ensemblewirkung. Als landschaftsbildprägendes Ensemble gelten zudem die Winterlinden auf der Esslinger Burg.
Für ortsbildprägende Erscheinungen mit außergewöhnlichen Baummaßen hält man im Rathaus zudem die 120 Jahre alte Silberlinde an der Neuen Schule Innenstadt, die Säulenpappel an der Hohenbühlanlage, den Riesen-Lebensbaum auf dem Friedhof Oberesslingen, den Tulpenbaum am Theodor-Heuss-Gymnasium in Oberesslingen und die Silberweide am Zimmerbach in Oberesslingen. Deshalb sollen auch diese zu Naturdenkmalen werden, ebenso wie der seltene Urweltmammutbaum auf der Hohenbühl­anlage und das außergewöhnliche Ensemble der vier Hainbuchen an der Grundschule St. Bernhard. Die Buchengruppe werde als nur ein Baum mit bemerkenswerten Ausmaßen wahrgenommen, so die Stadt. Den seltenen Burgen-Ahorn am Äußeren Burgplatz hält sie für ebenso schützenswert wie die Katharinenlinde in Rüdern, deren Standort als kulturhistorisch bedeutsam gilt.
In seiner Sitzung Ende November hat der Ausschuss für Umwelt und Technik die Ausweisung der 17 Naturdenkmäler beschlossen. Die Verwaltung soll nun eine Rechtsverordnung erarbeiten, die bis Ende 2024 beschlossen werden soll.


Naturdenkmal
Gesetz:
 Laut Bundesnaturschutzgesetz sind Naturdenkmäler rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechender Flächen bis zu fünf Hektar, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen erforderlich ist oder die wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit als schützenswert gelten.
Verbot: Die Beseitigung des Naturdenkmals sowie alle Handlungen, die zu einer Störung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals führen können, sind laut Bundesnaturschutzgesetz verboten. (meb)