Die Stadt Esslingen muss sparen – auch bei den Städtepartnerschaften. Was bedeutet das für die teils schon jahrzehntelang gepflegten Beziehungen zu Partnerstädten im Ausland?
Fast 70 Jahre ist es her, dass die Stadt Esslingen ihre erste Städtepartnerschaft mit dem französischen Vienne besiegelte. Inzwischen hat Esslingen zwölf Partnerstädte in Europa und darüber hinaus. Bis nach Sheboygan in den USA und Coimbatore in Indien reichen die freundschaftlichen Beziehungen. Doch Esslingen muss sparen, das Budget für Städtepartnerschaften sinkt. Können die Beziehungen in alle Welt trotzdem weiter so gepflegt werden wie bisher?
Nicole Amolsch, Leiterin des Esslinger Oberbürgermeister-Büros, zeigt sich zuversichtlich. Man versuche, das reduzierte Budget für die Städtepartnerschaften mit zusätzlichen Einnahmen durch Fördermittel zu kompensieren, erklärt sie. „Grundsätzlich legen wir viel Wert darauf, unsere bestehenden Partnerschaften weiterhin zu pflegen und sie zu festigen“, betont Amolsch. Städtepartnerschaften seien für die Stadt Esslingen und ihre Bürgerschaft seit der ersten Partnerschaft mit Vienne im Jahr 1958 eine Brücke nach Europa und in die Welt.
Esslingen will mehr digitalen Austausch
Doch auch in diesem Bereich muss gespart werden. Bis 2029 soll das Budget um rund 60 000 Euro im Jahr reduziert werden. Unter anderem sollen die bisherige Vollzeitstelle für die Abteilungsleitung auf 80 Prozent gekürzt und das Sachkostenbudget reduziert werden. Man will sich künftig auf bestimmte Projekte fokussieren und verstärkt auf digitale Austauschformate setzen – etwa auf digitale sogenannte „Coffee Talks“, wie es sie zwischen Menschen aus Esslingen und Sheboygan bereits gab. Das könne und werde Reisen von Delegationen nach Esslingen oder in die Partnerstädte zwar nicht ersetzen, stellt Amolsch klar. Aber man müsse die Kosten und die Anzahl der Teilnehmenden an solchen Reisen im Blick behalten.
Chöre und Weingärtner
Explizit nicht angetastet werden sollen laut Amolsch die Schüleraustausche in die Partnerstädte Vienne in Frankreich, Udine in Italien und ins polnische Piotrków Trybunalski. Zusätzlich gebe es am Mörike-Gymnasium einen Austausch mit dessen Partnerschule im spanischen Ribadasella. Pro Jahr nehmen laut Amolsch 100 bis 150 Schülerinnen und Schüler an den Austauschfahrten teil. „Gerade für junge Menschen ist der Austausch sehr bereichernd: Sie lernen sich kennen, bauen Vorurteile ab und entwickeln Vertrauen“, betont Amolsch. Dadurch werde friedliches Zusammenleben gefördert und das europäische oder internationale Gemeinschaftsgefühl gestärkt.
Auch für Erwachsene gebe es Austauschformate. Besonders gut funktionieren laut Nicole Amolsch derzeit der Choraustausch des Liederkranzes mit Neath Port Talbot in Großbritannien, das Engagement der Ost-West-Gesellschaft in Polen und der Ukraine, der Austausch der Weingärtner aus Esslingen und Vienne und der Austausch der Feuerwehr mit Kamianets-Podilskyi. Generell besonders intensiv seien derzeit die Kontakte in die Partnerstädte Kamianets-Podilskyi (Ukraine), Piotrków Trybunalski (Polen), Vienne (Frankreich), Neath Port Talbot (Großbritannien), Udine (Italien), Velenje (Slowenien), Sheboygan (USA) und Eger (Ungarn). Weniger eng seien derzeit die Beziehungen nach Coimbatore (Indien), Norrköping (Schweden), Molodetschno (Belarus) und Schiedam (Niederlande). (meb)

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