Seit 150 Jahren versorgen die Stadtwerke Esslingen die Stadt mit Trinkwasser. Woher das Esslinger Wasser stammt, wie sauber es ist – und warum die Hausinstallation für die Wasserqualität entscheidend sein kann.
Wasserhahn aufdrehen, Glas darunter halten, trinken – seit 150 Jahren versorgen die Stadtwerke Esslingen (SWE) die Haushalte mit sauberem und frischem Trinkwasser. Es fließt durch das Esslinger Trinkwassernetz mit zwölf Hochbehältern und Leitungen, die sich über rund 530 Kilometer erstrecken.
Trinkwasser wird in Deutschland intensiv kontrolliert und unterliegt strengen Grenzwerten. Das wichtige Lebensmittel enthält nach SWE-Angaben wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Damit es hygienisch in den Esslinger Haushalten ankommt, werde es laufend kontrolliert. Das 150-Jahr-Jubiläum feiern die Stadtwerke auch mit Führungen an der Esslinger Hochschule zum Thema Trinkwasserhygiene. Denn eines ist klar: Es gibt viel zu lernen über das flüssige Gut.
Woher kommt das Esslinger Trinkwasser? Wodurch kann es verunreinigt werden? Und was sollten Privatpersonen tun, wenn eine Leitung länger nicht benutzt wurde?
Aus dem Dounauried und vom Bodensee
Der größte Teil der Stadt wird von den SWE mit Trinkwasser der Landeswasserversorgung beliefert – eine Mischung aus Grundwasser aus dem Donauried nordöstlich von Ulm und aus Burgberg, Flusswasser aus der Donau sowie Quellwasser aus der Buchbrunnenquelle bei Dischingen. Im Stadtteil Berkheim und auf dem oberen Zollberg fließt dagegen Bodenseewasser aus dem Hahn. Laut Stadtwerken handelt es sich dabei um reines Seewasser aus 60 Metern Tiefe.
Diese doppelte Versorgung mache das System besonders zuverlässig: Die SWE könnten im Esslinger Stadtgebiet neben dem Trinkwasser von der Landeswasserversorgung auch auf Trinkwasser von der Bodensee-Wasserversorgung zurückgreifen und umgekehrt. Jährlich würden die Stadtwerke so rund 6,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ausliefern.
Das Wasser, das in Esslingen aus der Leitung fließt, habe bereits Trinkwasserqualität erreicht, bevor es in der Stadt ankomme, so die Stadtwerke. Die Qualität werde durch ständige Kontrollen durch die Bodensee-Wasserversorgung, die Landeswasserversorgung und die Stadtwerke Esslingen überprüft. Und auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigt: Das Trinkwasser in Deutschland werde sehr streng kontrolliert und könne unbedenklich getrunken werden. Diese Qualitätsanforderungen werden beispielsweise durch die Trinkwasserverordnung geregelt.
Jede Person sollte am Tag mindestens eineinhalb Liter Wasser trinken, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Bei Sport oder an heißen Tagen könne dieser Bedarf auf das Drei- bis Vierfache steigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt, warum das so wichtig ist: Der Körper scheide ständig Flüssigkeit über die Nieren, den Darm, die Haut sowie über die Lunge durch das Atmen aus. Ein Drittel der benötigten Wassermenge werde über feste Nahrung gedeckt, mehr als die Hälfte über Getränke, beispielsweise als Glas Leitungswasser aus dem Hahn.
Anke Geppert von der Hochschule Esslingen gibt Einblicke in das Thema Trinkwasserhygiene. Die Lehrkraft für angewandte Naturwissenschaften, Energie- und Gebäudetechnik rät, Schläuche an Armaturen regelmäßig zu tauschen – sie nennt als Referenz fünf Jahre, klare Richtlinien gebe es allerdings nicht.
Bleileitungen sind vollständig verboten
Sie weist darauf hin, dass die Hygiene des Wassers durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden kann. Trinkwasser sollte immer farblos, klar, kühl und geruchlich sowie geschmacklich einwandfrei sein. Da Trinkwasser nicht steril sei, könne es verschiedene Mikroorganismen haben, die in geringen Mengen im Wasser enthalten und sich im Wasserverteilungssystemen vermehren könnten. Damit das Wasser aus der Leitung sauber bleibt, können Verbraucherinnen und Verbraucher auf einige Dinge achten.
Zum einen könne die Qualität des Wassers etwa durch Blei beeinträchtigt werden. Um das zu vermeiden, sind in Deutschland Bleileitungen vollständig verboten. Das betrifft laut Verbraucherzentrale nicht nur komplette Wasserrohre, sondern auch kleinste Teilstücke, Armaturen und Lötverbindungen aus Blei. Typische Merkmale von Bleirohren seien eine grau-silberne Farbe und weiches, leicht anritzbares Material.
Auch Legionellen können die Wasserqualität bedrohen. Die stäbchenförmigen Bakterien vermehren sich in stehendem Wasser mit Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad Celsius und gelangen beim Duschen über Aerosole in die Lunge. Dort können sie die Legionellose auslösen, eine schwere Lungenentzündung. Um dies zu verhindern, sollte Wasser in den Leitungen nicht stagnieren.
Wenig genutzte Leitungen wie Gartenschläuche gehören regelmäßig durchgespült, Schlauchanschlüsse sollten nach Gebrauch gelöst, Kaltwasser unter 25 Grad und Warmwasser über 60 Grad Celcius gehalten werden. Und: Sanitärräume besser nicht als Abstellkammer nutzen.
Einen größeren Einblick und mehr hilfreiche Informationen gibt es bei Führungen am 13. Juli und am 21. September an der Hochschule Esslingen anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Wasserversorgung. Sie beginnen jeweils um 14 Uhr am Eingang der Hochschule (Mühlstraße 16). Besucherinnen und Besucher sollten für die Veranstaltung eineinhalb Stunden einplanen. Das Angebot richtet sich an Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab der siebten Klasse, die sich per Mail an: fuehrungen@swe.de anmelden. (fux)

Kommentare sind deaktiviert.