Esslingen

Neue Pop-Oper als Freiluft-Inszenierung

„Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ hat auf der Esslinger Maille Premiere gefeiert.

Nicht zuletzt das farbenfrohe Bühnenbild ist beeindruckend, doch nicht nur dies: Die neue Freilichtproduktion der Württembergischen Landesbühne (WLB) hat vergangenen Samstag Premiere gefeiert. „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ ist noch bis 31. Juli auf der Esslinger Maille zu sehen. Nils Strunk und Lukas Schrenk entdecken die Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder aus dem Jahr 1791 neu. Andreas Kloos führt Regie bei dem Spektakel unter freiem Himmel.
Dass er ein Händchen fürs Musiktheater hat, bewies der Regisseur an der Esslinger Landesbühne bereits mit der Erfolgsproduktion „Blues Brothers – Ein Roadtrip Through The Länd“. Aus dem Filmhit von John Landis hat Kloos ein ebenso schnelles wie witziges Musical gemacht, das seit Oktober 2023 ein echter Renner im Spielplan des Theaters ist. Auch in der neuen Spielzeit wird die Erfolgsproduktion weiter zu sehen sein.
Mit der neuen Lesart der „Zauberflöte“ von Strunk und Schrenk packt er nun ein Musiktheater an, das auch die Produktionsbedingungen im Musiktheater kritisch reflektiert. Uraufgeführt am Wiener Burgtheater im Jahr 2023, besticht die Vorlage durch ihren Humor. Mit dem „überaus musikalischen Ensemble“ der Esslinger Landesbühne sei es ein Vergnügen, findet Andreas Kloos. Mozarts „Zauberflöte“ wurde 1791 uraufgeführt. Um die Vorstadtmassen zu erreichen, griff der berühmte Komponist bei Papageno, Pamina und Co. auf die Tradition des Zaubertheaters zurück. Mozart war damals selbst verarmt und brauchte dringend einen Kassenschlager. Dass der Burgtheater-Star Nils Strunk, der dort seit 2021 fest zum Ensemble gehört, Mozarts Musik mit modernen Pop-Elementen kombiniert, findet Regisseur Kloos spannend.

Mit der Band „Poems On The Rocks“
Die musikalische Leitung übernimmt der Esslinger Edgar Müller-Lechermann. Mit den Musikern seiner Band „Poems On The Rocks“ Andy Kemmer (Bass), Christoph Berner (Gitarre) und dem Schlagzeuger Helmut Kipp bringt der Pianist die Opern-Neuinterpretation vor der traumhaften, historischen Kulisse der Maille und der Nikolauskapelle auf die Bühne. Die Band hat sich weit über die Region hinaus eine große Fanbasis erspielt. Bei ihren Auftritten spielen sie Rocksongs; der Sprecher Jo Jung übersetzt die Texte ins Deutsche. Als Theatermusiker arbeitet Müller-Lechermann seit langem mit der WLB zusammen.
Inhaltlich hat „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ für Kloos ebenfalls einen großen Reiz. Aus heutiger Sicht deuten Schrenk und Strunk den Stoff um, versetzen ihn in ihre eigene, schnelllebige Gegenwart. Im Mittelpunkt steht das Wandertheater Kratky-Baschik, das pleite ist und nun dringend einen Hit braucht. Da liegt die „Zauberflöte“, bis heute einer der meistgespielten Opern, nahe. Andreas Kloos interessiert an der Textfassung, wie sich die Figuren der Oper neu denken lassen. Mit den Schauspielern in Mozarts Welt einzutauchen, zugleich aber die Bezüge zur Gegenwart in den Fokus zu rücken, ist sein Ziel.
Nun hoffen er und das Produktionsteam auf gutes Wetter, damit möglichst viele der 22 geplanten Vorstellungen komplett über die Bühne gehen. Wenn es zu stark regnet, bei Sturm oder Gewitter kann nicht gespielt werden. Anders als die Produktionen im Schauspielhaus gehen die Inszenierungen im Freilichttheater nicht auf Reisen. „Das wäre schlicht zu kompliziert“, sagt Kloos. Die Bühnenbauten, die ganz auf die Maille zugeschnitten sind, lassen sich nicht auf die Abmessungen in Theatersälen oder Hallen übertragen.
Nach der Derniere am 31. Juli beginnt der Regisseur und Autor aber bereits mit den Vorbereitungen für das nächste Open-Air-Spektakel der WLB. Zum Stadtjubiläum „1250 Jahre Esslingen“ bringt er ab 18. Juni 2027 „1250 Jahre Esslingen – Legenden, Lügen und Lieder“ auf die Freilichtbühne.
Die nächsten Termine von „Die Zauberflöte – The Opera But Not The Opera“ sind am 20., 23., 24., 26. und 27. Juni. (eli/hin)

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