Neckar Schurwald

Plochingen ist der Mobilitätschampion

Beim bundesweiten Gemeindecheck belegt Plochingen in einer Kategorie den ersten Rang. Aber längst nicht in allen sieht es so gut aus – das kostet Plätze im Gesamtranking. Warum die Kleinstadt am Neckarknie spitze in Sachen Mobilität ist und was sonst noch verglichen wurde.

Plochingen sieht sich gern als Mobilitätsdrehscheibe in der Region. Jetzt hat die Stadt die offizielle Bestätigung dafür: Beim bundesweiten Gemeindecheck des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln steht sie in der Kategorie „Mobilität“ auf Rang eins.
Ob im Plochinger Rathaus die Sektkorken geknallt haben, ist nicht bekannt. Stolz ist man aber schon am Neckarknie. „Die hervorragende Verkehrsanbindung der Stadt Plochingen ist ein großer Standortvorteil“, findet Bürgermeister Frank Buß. Er sieht die gute Position auch als einen Verdienst der Kommunalpolitik: „Unsere Investitionen in ein verändertes Mobilitätsverhalten – für einen besseren ÖPNV und mehr Angebote für Radfahrer und Fußgänger – tragen Früchte. Ich freue mich, dass dies durch die Studie nun belegt wird.“
Klar, Plochinger wissen schon lange, dass weit und breit nirgendwo sonst so viele Züge fahren. Trotzdem überrascht es, dass die Kleinstadt allen anderen 10 816 Gemeinden in Deutschland in Sachen Mobilität den Rang abgelaufen hat, auch Städten wie Stuttgart, München oder Hamburg. Das dürfte tatsächlich an der Datengrundlage liegen, denn einer der Faktoren, mit dem in der Studie die Mobilität bewertet wurde, ist die Zahl der regionalen Bahnverbindungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Kleinstädte im Vorteil
Da ist logischerweise eine Kleinstadt mit großem Bahnhof klar im Vorteil, und so folgen in der Spalte „Mobilität“ des Gemeindechecks auch Steinwenden und Ruppach-Goldhausen auf Plochingen – zwei Gemeinden, die den meisten Menschen im Land nichts sagen dürften. Die „mobilsten“ Großstädte, nämlich Offenbach und Frankfurt am Main, liegen auf den Plätzen 33 und 37.
Überhaupt greifen die Autoren der Studie auf Daten zurück, welche bereits vorliegen oder relativ leicht zu erheben sind. So flossen in die Mobilität auch die Erreichbarkeit des Bahnhofs, der Autobahn und des Flugplatzes ein – und stellvertretend für den Straßenzustand wird der Zustand der Brücken, denn sie werden regelmäßig vom Bundesamt für Straßenwesen, benotet. Ob sich daraus auch tatsächlich Rückschlüsse auf den generellen Zustand der lokalen Straßen ziehen lassen, wie in der Studie vermutet wird, sei dahingestellt.

Filderstadt liegt im Kreis Esslingen vorn
Euphorie oder entspanntes Zurücklehnen wären ohnehin fehl am Platz, auch wenn Plochingen in der Gesamtwertung aller fünf Kategorien des Gemeindechecks einen achtbaren Platz 352 erringt. Allerdings liegt die Stadt damit hinter zehn anderen Gemeinden im Kreis Esslingen. Das spiegelt die insgesamt sehr gute Situation in der Region Stuttgart wider. Bewertet wurden insgesamt fünf Bereiche der Daseinsvorsorge; neben der Mobilität sind das Bildung, Gesundheit, Freizeit und Digital.
Bundesweit lag in der Gesamtwertung die Stadt Haar im Landkreis München vorn. Gesamtsieger im Kreis Esslingen ist Filderstadt auf Platz 56, was der dortige Oberbürgermeister Christoph Traub „freudig und schwäbisch-stolz“ auf Social Media gepostet hat – verbunden mit einem Dank an alle, die „täglich daran weiterarbeiten, damit es so bleibt“.
Unter anderem landen auch Wendlingen auf Gesamtrang 68, Esslingen, Reichenbach oder Köngen noch vor Plochingen. Was hat den Mobilitätssieger so viel Plätze gekostet? Es ist die Kategorie Freizeit, in der die Stadt am Neckarknie mit dem wenig ruhmreichen Rang 5810 nur „mittelmäßig“ abschneidet. Betrachtet werden hier die Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern und Museen, was durchaus an wunde Punkte in Plochingen rührt: Man denke an das geschlossene Hallenbad oder an ein angedachtes Heimatmuseum im Grafschen Haus, das halbfertig einen Dornröschenschlaf schläft.
Aber Kultur und Freizeit haben auch andere Aspekte, abseits der staatlichen Daseinsvorsorge – möglich, dass die Plochinger selbst an dieser Stelle anders urteilen würden. Zumal sie ja mit der Bahn, wie man weiß, überall hinkommen.

Kreis ist „sehr gut“ bis „mittel“
Methodik:
Für die Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Philipp Morris GmbH durchgeführt hat, wurden zahlreiche Daten aufbereitet, teilweise auch neu erhoben, und mit einer repräsentativen Befragung von mehr als 5000 Menschen kombiniert.
Kreis Esslingen: Die 44 Kreisgemeinden liegen im Gesamtranking zwischen Platz 56 (Filderstadt) und 6066 (Erkenbrechtsweiler). Sie bewegen sich damit zwischen den Wertungen „sehr gut“ und „mittel“. Bei der Bildung liegt Reichenbach weit oben (Platz 105), bei der Freizeit Nürtingen (Platz 187) und bei der Gesundheit Kirchheim (Platz 197). In der Kategorie Digital schneidet Dettingen mit Rang 785 am besten im Kreis ab.
Daseinsvorsorge: Dieser Begriff steht laut der Bundeszentrale für politische Bildung für die „staatliche Aufgabe, Güter und Leistungen bereitzustellen, die für ein men­schliches Dasein notwendig sind“. Zur technischen Daseinsvorsorge gehört zum Beispiel die Versorgung mit Trinkwasser, Strom, Gas und Wärme, die Telekommunikation oder der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Soziale Daseinsvorsorge sind unter anderem Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bildungseinrichtungen oder Kulturangebote. (aia)

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