Anekdoten und Amüsantes, Verborgenes und Verstecktes, Einmaliges und Einzigartiges: Der Tag des offenen Denkmals bringt vieles ans Licht.
Schon mindestens 100 Mal achtlos daran vorbeigegangen. Nie etwas bemerkt. Dabei hat gerade diese Ecke, dieser Straßenzug, dieses Gebäude Merkwürdiges, Geheimnisvolles, Mystisches in sich versteckt. Verborgenes ans Tageslicht zu bringen – das ist ein Ziel des Tags des offenen Denkmals. Am Sonntag, 13. September, wird Unbekanntes bekannt gemacht, Unbeachtetem Beachtung geschenkt, Unbemerktes bemerkbar gemacht. Die Stadt Esslingen bietet 71 Veranstaltungen, zu denen teilweise eine Anmeldung nötig ist. Aber auch im gesamten Landkreis werden Angebote präsentiert.
Der Titel lässt Raum für Interpretationen. „Netzwerke: Denkmale und Infrastruktur“ ist in diesem Jahr die Überschrift über dem Tag des offenen Denkmals. Andreas Panter vom städtischen Amt für Denkmalschutz hat das breit gefasste Motto zu zwei Deutungsversuchen angeregt. Denkmale, so der promovierte Architekt, seien ein wichtiger Teil der Infrastruktur: „Diese stummen Zeugen haben uns viel zu sagen. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.“ Außerdem, so seine zweite Betrachtungsebene, brauche es Netzwerke aus vielen Akteuren, um Denkmale zu erhalten, zu untersuchen und ihre Bedeutung zu vermitteln. Nur im Teamwork von Historikern, Denkmalpflegern, Ehrenamtlichen, Baufachleuten oder Handwerkern könnten wichtige Denkmale für die Nachwelt bewahrt werden.
Ein ganzes Netzwerk an Mitstreitern stellt denn auch den Tag des offenen Denkmals in Esslingen auf die Beine. Neben Hauptamtlichen, schätzt Andreas Panter, seien etwa 300 Ehrenamtliche in die Organisation eingebunden. Die Besucher wissen das Engagement zu schätzen. In Spitzenzeiten kamen etwa 7500 Gäste zum Denkmaltag nach Esslingen. Im Schnitt sind es bis zu 4000 Interessierte.
Der Zuspruch war auch während der Corona-Pandemie groß. In den Covid-Jahren waren Live-Veranstaltungen nur sehr eingeschränkt möglich, doch der Denkmaltag sollte dennoch stattfinden. Darum wurden Bilderstrecken, Videos, Podcasts, Stadtrundgänge, DigiWalks, Powerpoint-Präsentationen und Online-Darbietungen zu historischen Themen auf den virtuellen Seiten eingestellt. Sie können unter www.esslingen.de/denkmaltag unter den Stichworten „Denkmaltag digital“ und „Digitale Stadtrundgänge“ abgerufen werden.
Glockenspiel-Festival feiert 100. Geburtstag
Doch die virtuellen Denkmaltagzeiten sind erst einmal vorbei. Der Denkmaltag 2026 läuft zu 100 Prozent analog ab. Teil des Programmkanons sind laut Andreas Panter auch 13 Stadtführungen. Um sich so richtig Appetit auf das Programm zu machen, gibt es ein paar Häppchen bereits am Samstag. Das internationale Glockenspiel-Festival feiert seinen 100. Geburtstag und bietet am Samstag, 12. September, um 14, 15, 16, 18 und 20 Uhr am Alten Rathaus ein glockenhelles Konzert (am Sonntag, 13. September, gibt es ab 18 Uhr nochmals ein Konzert). Einen flüssigen Vortrag gibt es zu Esslinger Brunnen um 17 Uhr in der Augustinerstraße 22, und in der Franziskanerkirche erklingen ab 20.30 Uhr im Kerzenschein Melodien wie Franz Schuberts Winterreise.
Ein Programmpunkt musste aber zum größten Bedauern von Andreas Panter gecancelt werden. Die Fahrten mit dem historischen Oberleitungsbus, der laut Programm zum Denkmaltag seine nostalgischen Runden hätte drehen sollen, müssten leider entfallen. Der O-Bus gehört seit 1944 zur Neckarstadt, wurde 1960 vom Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) beschafft und wird vom Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) betreut. Doch die Baustellen im Stadtgebiet und der dadurch bedingte Straßenzustand ließen einen Einsatz des Traditionsgefährts nicht zu.
Obwohl der O-Bus von der Esslinger Verkehrspolitik ausgebremst wurde, kann der Denkmaltag Fahrt aufnehmen. Andreas Panter verweist auf sechs Konzerte als Teil des Veranstaltungsprogramms. Aber in Anlehnung an das Motto „Netzwerke: Denkmale und Infrastruktur“ werden auch Baustellen mit besonderem Clou vorgestellt. Am Gebäude in der Apothekergasse 2 etwa war im Zuge von Bauarbeiten an einer Gebäudekante die Jahreszahl 1602 freigelegt worden. An der Inneren Brücke 14 war ein Sockelgeschoss mit sechs Schießscharten entdeckt worden. Andreas Panter vermutet, dass es wohl Auflagen der Stadt zu solchen baulichen Gestaltungselementen gegeben haben müsse. Ziel werde wohl die Verteidigung der Inneren Brücke bei möglichen Angriffen gewesen sein.
Prickelnd wie Sekt ist auch ein weiterer Programmpunkt. Aus Anlass von 200 Jahren Kessler hat die älteste Sektkellerei Deutschlands das 1851 errichtete Weisseck denkmalgerecht saniert. Das von Carl Weiss als einem der Mitbegründer erbaute Landhaus in den Weinbergen im Gayernweg 65 wird im Rahmen von Führungen am Denkmaltag vorgestellt.
Der Denkmaltag ist im gesamten Landkreis. Doch nicht das Landratsamt Esslingen ist nach eigenen Angaben der Organisator, sondern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Auf ihren Internetseiten unter www.denkmalschutz .de unter „Tag des offenen Denkmals“ können die Programmpunkte in den einzelnen Städten und Gemeinden abgefragt werden. Einfach auf den Button „Diese Denkmale sind geöffnet“ drücken und dann den Landkreis Esslingen eingeben.
Esslingen und seine Denkmale
Programm: Die Esslinger Veranstaltungen zum Denkmaltag können unter www.esslingen.de/
denkmaltag nachgelesen werden. Anmeldungen zu 20 Events mit begrenzter Teilnehmerzahl sind unter dieser Adresse möglich. Bei Programmpunkten mit Anmeldung ist der Anmeldelink direkt bei der Veranstaltung zu finden.
Heft: Das Heft in Papierform mit den Programmpunkten gibt es bei der Stadtinformation am Marktplatz 16, in Geschäften in der Innenstadt sowie im Bürgerbüro Bauen in der Ritterstraße 17.
Stadtjubiläum: Esslingen feiert 2027 seinen 1250. Geburtstag. Das Motto des Denkmaltags im nächsten Jahr werde noch abgewartet, erklärt Andreas Panter von der Stadt. In der Regel werde es zu Jahresende bekannt gegeben. Sobald es feststehe, würden die Programmpunkte des kommenden Denkmaltags möglichst in das Stadtjubiläum eingebunden.
Stadtinfo: Die Stadtinformation am Marktplatz 16 hat am Denkmaltag, 13. September, von 10 bis 16 Uhr, geöffnet. (sw)

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