Neckar Schurwald

Stabiles Gewand für Peter-und-Paulskirche

Nach drei Jahren ist die Sanierung des Köngener Gotteshauses abgeschlossen. Insgesamt wurden 1,3 Millionen Euro investiert.

Das Warten hat ein Ende: Seit Ende Mai standen die Köngener an ihrer Peter-und-Paulskirche vor verschlossenen Türen, zuvor fand noch die Konfirmation statt. Ende Oktober wurde in dem spätgotischen Juwel nun nach Abschluss der aufwendigen Sanierungsarbeiten wieder ein Gottesdienst gefeiert.
Insgesamt wurden 1,3 Millionen Euro aufgewendet: An eigenen Mitteln steuerte die evangelische Kirchengemeinde rund 550 000 Euro bei. Rund 400 000 Euro kamen aus Mitteln der Landeskirche, etwa 300 000 Euro aus Stiftungsgeldern und 70 000 Euro vom Kirchenbezirk.
Begonnen wurden die Arbeiten bereits vor knapp drei Jahren: Per Düsenstrahlverfahren wurde Beton unter die Fundamente gespritzt. Dadurch entstand ein Raster an Säulen, die die Kirche stabilisieren sollen. Der Grund: Wegen der dem Klimawandel geschuldeten zunehmenden Trockenheit senkte sich der Untergrund. Die Folge waren Risse in den Wänden der Kirche und zunehmende Sicherheitsmängel für Besucher. Während der Gottesdienste bröckelte teilweise sogar der Putz. Von dem Phänomen betroffen sind viele Gotteshäuser im Land. Den spätgotischen Prachtbau aus dem 16. Jahrhundert in Köngen hatte es aber richtig erwischt.
Die Peter-und-Paulskirche galt vor der Sanierung als Bauwerk mit den zweitmeisten Rissen im Land. Nicht betroffen von der Bodenabsenkung war übrigens der später angebaute Kirchturm aus dem 18. Jahrhundert, der viel tiefer in der Erde liegt. Bitter ist allerdings, dass die Peter-und-Paulskirche bereits 2011 für rund 1,2 Millionen Euro aufwendig saniert worden war.

Äußerst einfallsreich in der Akquise
Damals standen unter anderem die Technik und die Restaurierung des spätgotischen Gewölbes im Chor und in der Sakristei, wo später die größten Schäden auftraten, im Fokus. Damals war von den Rissen aber noch nichts zu sehen – die Setzungsschäden traten erst ab 2014 in Erscheinung. Ein Jahr lang wurde die Peter-und-Paulskirche nach Abschluss der Nachgründung intensiv beobachtet. „Wir mussten schauen, ob sich die Maßnahme positiv auswirkt“, erzählt der Köngener Pfarrer Simon Melchinger. Erst dann konnte mit der Innensanierung weitergemacht werden.
Fast die Hälfte der gesamten Sanierungskosten brachte die evangelische Kirchengemeinde selbst auf – und sie erwies sich in Sachen Akquise als äußerst einfallsreich. „Es haben sich ganz viele Menschen ehrenamtlich reingehängt“, berichtet Ev-Marie Lenk, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. So beispielsweise Sigrid Schweiß, die die Aktion „Verborgene Schätze“ ins Leben gerufen hat. Dabei werden allerlei Edelmetalle, von Zahngold über Zinn bis hin zu Omas altem Silberbesteck, gesammelt und weiterverwertet. „Allein in diesem Jahr kamen über diese Sammlung etwa 8000 Euro zusammen“, so Christian Hölzchen, der zum Köngener Pfarrtrio gehört. Oder ein Benefizkonzert zum Valentinstag, bei dem rund 3000 Euro Spenden gesammelt wurden. „Dabei haben sich professionelle Musiker aus Köngen und der Region für uns eingesetzt“, erzählt Pfarrerin Birgit Scholz.
Zudem verbrachten viele Kirchenmitglieder unzählige Stunden auf der Baustelle und halfen mit, wo sie konnten. „Da ging es etwa um raus- und umräumen, kleinere Arbeiten oder die Installation der neuen Technik – das alles hat uns viel Geld gespart“, so Melchinger. Einer dieser Ehrenamtlichen ist Kevin Wenzel: „Toll war es, dass sich viele und sehr unterschiedliche Menschen engagiert haben, von jungen Erwachsenen bis hin zu Senioren. Jeder hat seine Fähigkeiten eingebracht.“
Dankbar ist die evangelische Kirchengemeinde, dass sie während der Schließphase Unterschlupf bei ihrem katholischen Pendant in Köngen gefunden hat und dort Gottesdienste feiern durfte. „Da war eine große Offenheit und Gastfreundschaft da“, sagt Scholz. „Die katholische Kirche hat ganz unbürokratisch ihre Türe für uns aufgemacht – das hat die Ökumene hier in Köngen ein gutes Stück weitergebracht.“ So verzeichnete der gemeinsame Erntedank-Gottesdienst vor Kurzem eine Rekordteilnehmerzahl. Sogar die Organisten der Peter-und-Paulskirche durften in der katholischen Kirche üben.
„So schön es auch war, in die Fremde zu gehen, wir sind froh, dass wir nun wieder in unsere eigene Kirche können“, betont die Kirchengemeinderatsvorsitzende Lenk. Und damit die Gemeinde das so lange wie möglich genießen kann, wird die Winterpause um einiges kürzer ausfallen als üblich, wie Pfarrer Melchinger ankündigt. Dazu muss man wissen: Um Energiekosten zu sparen, weicht die evangelische Kirchengemeinde in den Wintermonaten für ein paar Wochen in ihr Gustav-Werner-Gemeindehaus aus. Genau definiert ist das Zeitfenster allerdings noch nicht. „Aber wir werden als letzte Maßnahme Anfang 2026 die Lampen in der Kirche auf LED umstellen. Vermutlich werden wir in diesem Zeitraum ins Gustav-Werner-Gemeindehaus umziehen.“ (kd)

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