Hitze und Windstille bedrohen die Wendlinger Gewässer – wie eine Solaranlage das
biologische Gleichgewicht retten soll.
Temperaturen, wie sie gerade vorherrschen, belasten nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Ökosysteme wie etwa Gewässer. Zwei Seen mit Erholungs- und Freizeitwert auf der Wendlinger Gemarkung sind davon akut betroffen. Zum einen der Schäferhauser See und zum anderen der Hüttensee. Mit der Erwärmung sind beide Seen der Gefahr ausgesetzt, dass sich der Sauerstoffgehalt im Wasser weiter reduziert. Was im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass Fische sterben und sogar das gesamte Ökosystem umkippt.
Gefahr durch Sauerstoffmangel
Damit es erst gar nicht so weit kommt, hat der Ausschuss für Technik und Umwelt in seiner aktuellen Sitzung grünes Licht gegeben, um für den Hüttensee eine Strömungsanlage anzuschaffen. Als „eine wichtige und gute Maßnahme“, begrüßte Günter Richter die Anschaffung auf Nachfrage unserer Zeitung. Der bis Anfang 2026 amtierende Vorsitzende des Fischervereins hatte noch während seiner Amtszeit den Antrag bei der Stadt gestellt. „Damit erhalten wir am Gewässer mittel- und langfristig Verbesserungen“, weiß er aus Erfahrung.
Denn der Gefahr der Eutrophierung, so der Fachbegriff für die übermäßige Anreicherung von Nährstoffen in Gewässern oder Ökosystemen, die dann zu starkem Pflanzen- und Algenwachstum und Sauerstoffmangel führen kann, waren die beiden Seen schon in den letzten Jahren immer wieder ausgesetzt. Im Schäferhauser See war bereits Blaualgenwachstum festgestellt worden. Damit den Seen nicht dasselbe Schicksal ereilt, wie dem Max-Eyth-See in Stuttgart, der umgekippt ist, wurde damals die Feuerwehr Wendlingen zu Hilfe gerufen, die Frischwasser in die Seen gepumpt hatte.
Gute Erfahrungen haben die Fischer inzwischen mit zwei Belüftungsanlagen gemacht, sogenannten „Sprudlern“, die die unterschiedlich temperierten Wasserschichten vermischen. Damit werden die kälteren Wasserschichten am Seegrund nach oben befördert, wo sie sich mit den wärmeren Wasserschichten vermischen. Dadurch sollen auch die Schlammablagerungen im See besser abgebaut werden.
Kaum natürliche Belüftung durch Wind möglich
Erschwerend kommt bei beiden Seen hinzu, dass eine natürliche Belüftung durch Wind nur eingeschränkt möglich ist. Am Schäferhauser See verhindert das ein nahegelegenes Gewerbegebäude, am Hüttensee behindert ein Wall an der B 313 und die Seebrücke den Luftaustausch.
Während aktuell zwei mit Strom betriebene Sprudler im Schäferhauser See im Einsatz sind, fehlt es an solchen Hilfsmaßnahmen noch am Hüttensee. Die Neuanschaffung ist solarbetrieben und kann eine Wasserfläche bis zu drei Hektar umwälzen. „Ideal wäre, wenn wir einen Frischwasserzulauf hätten“, ergänzte Bürgermeister Steffen Weigel in der Sitzung. Da es sich bei der Anlage um eine außerplanmäßige Beschaffung in Höhe von 30.821 Euro (brutto) handelt, werden die Kosten über Investitionen im Spielplatzbereich gedeckt.
Belüftungsgerät wird Eigentum des Vereins
„Zurzeit der Haushaltsaufstellung hatten wir das Thema noch nicht auf dem Schirm“, so der Bürgermeister auf die Nachfrage von Ansgar Lottermann, weshalb die Beschaffung nicht schon im Haushaltsplan eingepflegt wurde. Der Fischerverein beteiligt sich außerdem an den Anschaffungskosten mit maximal 10.000 Euro. Außerdem soll das Belüftungsgerät Eigentum des Vereins werden, was ebenfalls zu der Nachfrage von Lottermann führte, der den Grund dafür wissen wollte. Dieser hängt mit den Unterhaltskosten für das Gerät zusammen, die der Fischerverein künftig selbst tragen muss.

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