Neckar Schurwald

Premiere beim Köngener Leseherbst

In der Köngener Bücherei steht nach den Sommerferien wieder reichlich Kultur an. Etabliert werden soll dabei eine Veranstaltung am Schicksalstag der deutschen Geschichte.

Wenn im Herbst die Blätter fallen, startet die Bücherei Köngen wieder durch: Gleich vier hochkarätige Veranstaltungen, darunter eine Premiere, locken zum Leseherbst. Und auch auf den Nachwuchs wartet bis kurz vor Weihnachten wieder ein proppenvolles Programm.
Der Leseherbst – alle Veranstaltungen finden in der Köngener Zehntscheuer statt – startet am 18. September, 18.30 Uhr, mit „Hinter den Fassaden“, ein Mix aus Lesung und Musik, präsentiert von der Großbettlinger Autorin Gabriele Günther und der Kohlberger Sängerin Sandra Linsenmayer. Weiter geht es am 10. Oktober, ab 19 Uhr, mit der Musik-Kabarett-Show „So schön kaputt“ mit dem Theater Sturmvogel. Mit witzigen Sketchen, mitreißenden Songs und klugen Pointen analysiert das Ludwigsburger Duo die Lage im Land.
Feinsinnige Literaturtipps der ehemaligen SWR-Redakteurin Christel Freitag, die zusammen mit Rezitator Rudolf Guckelsberger ihre persönlichen Lieblingstitel der vergangenen Monate vorstellt, stehen am 5. November auf dem Programm. Eine Premiere ist der Vortrag von Joachim Hahn am 9. November (19.30 Uhr) mit dem Titel „Theodor Rothschild und das jüdische Waisenhaus Wilhelmspflege in Esslingen“ in Zusammenarbeit mit dem Köngener Geschichts- und Kulturverein. „Der 9. November ist einer der geschichtsträchtigsten Tage, die wir in Deutschland haben“, erklärt Köngens Bürgermeister Ronald Scholz dazu. Schon länger schwebte den Verantwortlichen vor, an diesem Datum eine Veranstaltung fix zu etablieren – Themen gibt es reichlich: Der 9. November gilt letztlich als „deutscher Schicksalstag“, da er im 20. Jahrhundert sowohl für die dunkelsten Kapitel der NS-Diktatur als auch für Sternstunden der Demokratie und Freiheit steht.
Den Auftakt macht nun der pensionierte Pfarrer und Historiker Joachim Hahn. Er erinnert an die Geschichte des Esslinger Waisenhauses, das in der Reichspogromnacht 1938 von den Nazis gestürmt und demoliert wurde, und an dessen langjährigen Heimleiter Theodor Rothschild, der 1944 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Im Rahmen des Leseherbstes ist der Vortrag die erste Kooperation zwischen der Köngener Bücherei und dem örtlichen Geschichts- und Kulturverein (GKV). „Jedes Jahr ein spezifisches Angebot am 9. November zu machen, finde ich sehr begrüßenswert“, sagt die GKV-Vorsitzende Sonja Spohn, die auch den Kontakt zum Referenten hergestellt hat. „Der 9. November war in unserer deutschen Geschichte mehrmals von Bedeutung“, erklärt sie – das reiche von der Novemberrevolution 1918 über die Reichspogromnacht 1938 bis hin zum Fall der Mauer 1989.
Natürlich ist auch für den Leseratten-Nachwuchs bis Dezember einiges geboten: Highlights sind die beiden Figurentheaterstücke „Am Samstag kam das SAMS zurück“ am 6. November und „Michel feiert Weihnachten“ am 11. Dezember (jeweils 15 Uhr/5 Euro). Daneben gibt es zahlreiche kostenlose Vorlese-Aktionen, und auch der Großeltern-Enkel-Nachmittag mit Spielen, Informationen und Spaß findet am 16. Oktober wieder statt.
Eintrittskarten für alle Veranstaltungen gibt es in der Bücherei. Daneben laufen in der Köngener Bücherei viele weitere Aktionen, die stets mit viel Herzblut vom Büchereiteam organisiert werden – etwa die Betreuung von Lesepaten für Köngens Kindergärten, ein großes digitales Angebot, die Bereitstellung von Bücherkisten für Schulen und Kitas sowie die regelmäßige Mittagsbetreuung in der Burgschule oder auch die Begleitung des seit 1989 bestehenden monatlichen Lesetreffs.
Das alles macht die Köngener Bücherei zu einem wichtigen Player in der Gemeinde: „Unsere Bücherei ist ein zentraler Ort der Begegnung, dort kommen Menschen zusammen und können sich austauschen. Und das alters- und milieuübergreifend. Das ist ein riesiger Mehrwert für Köngen, den wir erhalten und weiter ausbauen wollen“, lobt Bürgermeister Scholz das große Engagement des Büchereiteams. (kd)

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