Nürtingen

Wer steckt hinter dem Kahlschlag an der Lauter?

Wendlinger Bürger sind über das Ausmaß der Rodungen am Ufer irritiert. Anrufe gibt es auch im Rathaus. Von einem üblichen Gehölzrückschnitt kann hier nicht mehr die Rede sein.

Rätselraten in Wendlingen: Viele fragen sich derzeit, weshalb an der Lauter so ein vehementer Kahlschlag stattgefunden hat. Im Rathaus gab es Anrufe. Auch im Ausschuss für Verwaltung, Bildung und Wirtschaftsförderung war die Rodung ein Thema unter den Gemeinderäten. „Von uns kommt das nicht“, zeigte sich Bürgermeister Steffen Weigel ebenfalls erstaunt über das Ausmaß.
Bäume und Gebüsch entlang der Lauter wurden bis auf Stämme und Wurzeln abgesägt. Zwischen Bodelshofen und Wendlingen klafft jetzt auf mindestens hundert Metern auf der rechten Uferseite flussabwärts eine riesige Lücke. Während an anderen Stellen nichts dergleichen zu sehen ist, fragt man sich, warum gerade an diesem Abschnitt der Lauter und weshalb mit dieser „Radikalität“ in die Natur eingegriffen werden musste, wunderte sich auch der Bürgermeister.
Erste Vermutungen nahmen die Hochspannungsleitungen ins Visier. Tatsächlich ragen sie über diesen Teilabschnitt mit dem Einschlag. Dann müsste womöglich die Transnet BW, deren Umspannwerk sich in nächster Nähe zur Lauter befindet, der Verursacher sein.


Wer war es dann?
Ein Anruf unserer Zeitung bei dem Stromversorger brachte zunächst keine Erhellung. „Das ist keine Rodungsaktion, die von der Transnet in Auftrag gegeben wurde“, hieß es dort. Die letzte Pflegemaßnahme an der Lauter sei vor eineinhalb Jahren im Frühjahr 2024 gewesen. „Damals war die Verlegung einer Gasleitung der Grund dafür“, so die Sprecherin.
Wieder zurück zur Stadtverwaltung, zum Ersten Beigeordneten, Markus Lämmle. Von ihm kam wenig später die Antwort. „Die Arbeiten dienten zur Sicherung der darüberliegenden Stromleitungen“, bestätigte Lämmle, der sich nach der Ausschusssitzung ebenfalls kundig gemacht hatte, den Verursacher: die Transnet BW.

Gleichzeitig bekam auch unsere Zeitung auf wiederholte Nachfrage bei der Transnet eine ausführliche Antwort. Entgegen der ersten Aussage, bestätigt die Pressestelle des Unternehmens nun, dass „es sich um den routinemäßigen Rückschnitt für die Sicherheit der 380-Kilovolt-Freileitung“ gehandelt hätte. Die Pressesprecherin erläuterte diesmal, dass für „diese Stromleitung ein Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern vorgeschrieben ist“. Damit der Sicherheitsabstand zwischen Leitung und Büschen und Bäumen stets gewährleistet werden könne, müsse das Pflanzenwachstum im Frühjahr einkalkuliert werden. Außerdem müsse ebenfalls berücksichtigt werden, dass „die Leiterseile je nach Witterung und Auslastung unterschiedlich stark durchhängen“.
Da im Bereich der Lauter, nach Angaben der Sprecherin, der geringste Abstand zwischen Freileitung und Geländeoberkante zehn Meter betragen muss, „erklärt, warum es in diesem Bereich nun tatsächlich recht kahl aussieht“, räumte sie ein.

Das Rückschneiden von Gehölzen gehört zur Unterhaltspflege
Wie sie weiter angab, sind die Maßnahmen Bestandteil der Unterhaltspflege, „zu der wir verpflichtet sind und die bei der Lage innerhalb von Schutzgebieten stets in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden erfolgen“ muss. Da die Maßnahme auf beiden Uferseiten gemacht werden müsse, habe die Transnet davon abgesehen, beides gleichzeitig auszuführen. Stattdessen werde der zweite Schnitt zeitversetzt erledigt. Verglichen mit dem Pflegekonzept sei dies „verträglicher“.

Weitere Maßnahmen geplant
Inzwischen liegen der Stadt auch die Genehmigungsunterlagen für die Rodungsaktion vor. Dies sei zwar nicht Pflicht, erklärte Markus Lämmle gegenüber unserer Zeitung, aber eine für die Stadtverwaltung wichtige Mitteilung, da sie wissen wolle, wer und was auf ihrer Gemarkung vor sich gehe. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt hatte den Pflanzenschnitt genehmigt. „Wir werden noch einmal Kontakt mit der Transnet aufnehmen“, sagte Lämmle weiter, insbesondere auch wegen des zweiten geplanten Einschlags auf der gegenüberliegenden Uferseite. Wann dieser geplant ist, das wird die Stadt dann hoffentlich auch erfahren. (Gaby Kiedaisch)

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