Kinderarzt Wolf Rödiger beendet zum Jahresende seine Tätigkeit. Die Stadt will alles tun, um eine Nachfolge zu ermöglichen. Doch die ist bislang nicht in Sicht.
„Viele Eltern sind in heller Aufregung“, beschrieb Stadtrat Volker Kleefeldt die Reaktion auf die kursierende Nachricht, dass der einzige Kinderarzt in Wendlingen bald seine Praxis schließen wird. Angesichts der schwierigen Lage vielerorts, überhaupt einen neuen Arzt zu finden, sind viele Eltern darüber beunruhigt, was aus der medizinischen Versorgung ihres Kindes künftig werden soll.
Ein Anruf beim Kinderarzt in Kirchheim bringt mehr Klarheit. Dort betreibt Wolf Rödiger, gemeinsam mit zwei weiteren Fachärzten, ein Medizinisches Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin im Alten Haus (MVZ). Nach seiner Auskunft wird er bis zum Jahresende, 31. Dezember, aus privaten Gründen aufhören. Daher ist lediglich die in Wendlingen zum MVZ gehörige Praxis-Zweigstelle in der Alten Volksbank von einer möglichen Schließung bedroht. Es sei denn, es findet sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin noch in den nächsten Monaten. „Ich möchte, dass meine Patienten gut versorgt werden und halte deshalb schon lange nach einer Nachfolge Ausschau“, sagte er. Die Suche gestaltet sich allerdings nicht einfach. Das räumte Wolf Rödiger im Gespräch mit unserer Zeitung ein: „Wenn sich eine Nachfolge lohnen würde, dann würden hier die Ärzte Schlange stehen“, sagte der langjährige Kinder- und Jugendarzt, und erhebt damit schwere Vorwürfe, vor allem auch in Richtung Gesundheitspolitik. Bei der Suche nach einer Nachfolge hat er sich sogar professionelle Hilfe von einer Agentur geholt, die bundesweit sucht.
Kann die Stadt bei der Suche nach einem Nachfolger helfen?
Sehr erfreut ist Rödiger dagegen von der Stadt Wendlingen, die bei der schwierigen Suche nach einer Nachfolge auch diesmal ihre Unterstützung zugesagt hat. Um den kleinen Patienten in Wendlingen eine Behandlung vor Ort weiterhin zu gewährleisten, hatte die Stadt vor fünf Jahren die Praxisräume in der Alten Volksbank an Rödiger vermietet, wo seither noch dreimal pro Woche eine Sprechstunde für die Wendlinger Patienten eingerichtet ist. Mit dem Auslaufen des Mietvertrags zum 30. November soll dann auch die Zweigstelle geschlossen werden.
Nach Auskunft von Bürgermeister Steffen Weigel möchte die Stadt die Praxisräume vorerst nicht weiter vermarkten. Stattdessen will sie die Räume für eine mögliche Praxisübernahme eines neuen Arztes freihalten. „Also optimale Startchancen für eine Nachfolge“, äußerte sich Weigel. Geplant sind außerdem gemeinsame Werbeanzeigen von Stadt und Arzt.
Wie geht es mit der Weiterbehandlung der Kinder weiter?
Dass es schwierig wird, einen neuen Kinderarzt für sein Kind zu finden, diese Erfahrung haben wohl einige Eltern aus Wendlingen bereits gemacht. Nach den Anrufen einer Mutter zufolge gebe es im Umkreis von 35 Kilometern keine Kinderärzte, die Neupatienten aufnähmen. Auch die Stundenzahl des Kinderarztes könne von den Kollegen im MVZ in Kirchheim nicht aufgefangen werden. Wolf Rödiger dazu: „Die Kapazitäten reichen von meinen Kollegen dafür nicht aus.“
„Das ist zweifellos eine schwierige Situation“, fühlt die Kassenärztliche Vereinigung in Stuttgart auf unsere Nachfrage mit den Eltern mit. „Sicherlich könnten die Eltern versuchen, in der ‚Hauptpraxis‘ unterzukommen“, rät Kai Sonntag, Leiter im Stabsbereich Kommunikation. Offensichtlich ist der KV bisher nicht bekannt, dass dies von Rödigers Kollegen nicht geleistet werden kann. Anders kann sonst diese Antwort nicht interpretiert werden.
Weiter rät die KV, dass „sich die Eltern an die Terminservicestelle der KVBW unter der 116 117 wenden. Die Terminservicestelle vermittelt auch Kinderarzttermine, kann aber natürlich nur dann einen Termin vermitteln, wenn es einen gibt. Gegebenenfalls müssten die Eltern auch den Suchradius erweitern.“
Wie die Fristen für den Arztsitz geregelt sind
Ausgeschrieben zur Nachbesetzung ist der Praxissitz des Kinderarztes bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Er habe auch beantragt, dass der Arztsitz nach Wendlingen wieder zurückgehe. Wie hier aktuell der Stand ist, darüber konnte Rödiger keine nähere Auskunft geben. Er hofft jedenfalls, dass bei einer Zusage eines Interessenten die KV sich sehr rasch entscheiden werde.
Bis 30. Juni 2026 bleibt der Sitz des Kinderarztes in Wendlingen erhalten. Die KV sagt dazu: Dass „in der Regel die Praxis nach sechs Monaten nachbesetzt werden sollte“, sonst würde „danach der Sitz wegfallen“. Diese Frist könne aber verlängert werden. Könnte das ein Lichtblick für die Eltern sein?
„Die Voraussetzungen für einen Kinderarzt in Wendlingen könnten nicht besser sein“, ist Bürgermeister Weigel optimistisch, und weist auf das geplante Ärztehaus auf dem Areal des „Stadtstrands“ in der Stadtmitte hin.
Dorthin könnte ein Kinderarzt in der Alten Volksbank später einmal in neue Praxisräume umziehen. Auch Wolf Rödiger ist zuversichtlich.
Er hat noch ein paar Gespräche mit Kinderärzten, die Interesse an der Kinderarztpraxis haben: „Vielleicht tut sich da noch etwas.“ (Gaby Kiedaisch)

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