Esslingen

Ist es bald zu heiß für Trollinger und Riesling?

Die Weinlese in Esslingen hat so früh wie nie gestartet. Hitze und Trockenheit sind eine Herausforderung für Wengerter.

Vor gar nicht allzu langer Zeit haben die Esslinger Wengerter Ende August erst langsam angefangen, sich auf die Weinlese vorzubereiten. In diesem Jahr sind manche Traubensorten jetzt schon vollständig geerntet. Die Lese hat angesichts des Klimawandels so früh begonnen wie nie: Teils wurde bereits Mitte August gestartet – und damit noch einmal früher als im vergangenen Jahr. Doch Hitze und Trockenheit haben nicht nur Nachteile für die Wengerter.
Maximilian Kusterer, Juniorchef des gleichnamigen Esslinger Weinguts, spricht von der frühesten Ernte in der Geschichte seines Weinguts. Schon im vergangenen Jahr sei der Lesestart am 26. August so zeitig gewesen wie nie zuvor. „Dieses Jahr haben wir am 19. August mit der Ernte begonnen – und damit noch einmal eine ganze Woche früher.“ Vor 20 Jahren habe die Lese erst Mitte oder Ende September angefangen, einen ganzen Monat später als jetzt. Laut Kusterer ist das nur mit dem Klimawandel zu erklären: Wenn es im April schon bis zu 30 Grad warm werde, starte auch die Vegetationsphase viel früher.
Die extreme Hitze und Trockenheit in diesem Jahr wirkten sich im Weinberg und vor allem in den terrassierten Steillagen aus. Unter anderem blieben die Trauben dann kleiner. Die Bewässerung habe kaum noch etwas gebracht, weil man viel zu spät damit angefangen habe: „Man hofft ja immer, dass es noch einmal regnet“, so Kusterer. Nun rechne er mit weniger Ertrag – beim Chardonnay etwa, der bereits in der vergangenen Woche vollständig gelesen worden sei, habe er mehr als ein Drittel weniger geerntet als sonst.

Die Qualität dürfte stimmen
Die Qualität hingegen dürfte stimmen, ist Kusterer überzeugt. Denn bei Sonne könnten die Traubenschalen besser Aroma bilden. „Das wird auf jeden Fall ein schmackhafter Jahrgang – ich gehe von einem fruchtigen Aroma aus.“ Und in seinem Weingut setze man ohnehin auf Qualität statt auf Masse. Allerdings schreite die Reife angesichts der Wärme extrem rasch voran. Man müsse die Trauben täglich überprüfen – und manchmal zwei oder drei Sorten an einem Tag lesen. Denn wenn die Weinbeeren zu lange reiften, steige der Zuckergehalt zu sehr an – und damit auch der Alkoholgehalt im späteren Wein. Das aber sei bei den Kunden nicht mehr gefragt.
Auf dem Weingut von Adolf Bayer in Rüdern wird ebenfalls schon seit einigen Tagen gelesen. Am 27. August sei man gestartet, berichtet Adolf Bayer. „Der Rivaner ist schon komplett weg.“ In dieser Woche habe man sich um Müller-Thurgau und Sauvignon blanc sowie den Dornfelder gekümmert. „Es läuft super, die Qualität ist gigantisch gut und wir haben keine Fäulnis – wir sind sehr zufrieden“, schwärmt Bayer. Zwar beginne die Lese jedes Jahr noch früher, aber darauf könne man sich ja einstellen. Es könne gut sein, dass er in knapp zwei Wochen mit der Ernte durch sei. Vor allem junge Rebstöcke hätten unter der Trockenheit gelitten, die älteren Stöcke hingegen hätten sie gut überstanden. Ob Riesling, Trollinger und Dornfelder bei zunehmender Hitze und Trockenheit in Esslingen noch eine Zukunft hätten, sei zwar fraglich. Aber es gebe genügend andere passende Rebsorten. „Zum Jahrgang selbst sage ich aber erst etwas, wenn alles im Keller ist“, betont Bayer.

„Die Trauben sind wunderschön“
Bei Teamwerk Esslingen hat man vergangenen Montag mit der Lese begonnen und damit erstmals noch im August – wenn auch am letzten Tag des Monats. „Die Trauben sind wunderschön und schmecken superlecker“, freut sich Achim Jahn, Vorsitzender der Weingärtnergenossenschaft, in der sich rund 50 Betriebe zusammengeschlossen haben. Der Regen zuletzt habe den Weinbeeren gutgetan. Die Trockenheit mache sich zwar bemerkbar: Viele Trauben seien kleiner, der Ertrag werde geringer ausfallen. „Aber wichtig ist, dass der Wein gut wird“, betont Jahn. Aktuell sehe es super aus: Die Trauben seien sehr gesund und angesichts der Trockenheit sei Fäulnis kein Thema. „Bis jetzt macht es richtig Spaß – wie dann der Wein wird, müssen wir schauen“, so Achim Jahn. (meb)

Kommentare sind deaktiviert.