Esslingen

Nachbarschaftskantine statt leerer Supermarkt

Die leer stehenden Räume eines früheren Supermarktes in Denkendorf sollen zur „Kantine +“ werden. Was steckt hinter den Plänen der Gemeinde und finden sich ausreichend Helfer?

Es soll weitergehen in den Räumen des ehemaligen CAP-Markts in der Berkheimer Straße: Dieses Signal gaben nicht nur zahlreiche Denkendorfer Bürgerinnen und Bürger, sondern nun auch der Gemeinderat. Dieser beschloss vor Kurzem die Fortführung des Projekts „Kantine +“.
Seit gut einem Jahr steht das Ladenlokal leer. Fest steht, dass ein weiterer Lebensmittelmarkt dort keine Chance haben würde. Vielmehr soll ein offener Treffpunkt für alle Generationen entstehen, der das gesellschaftliche Miteinander stärkt und Begegnung ermöglicht. Gedacht ist an einen Raum für vielfältige Angebote. Die sogenannte „Ankernutzung“ soll eine Nachbarschaftskantine sein, in der Menschen zusammenkommen, essen, Kaffee trinken, sich treffen oder auch arbeiten können. Wichtig war der Kommune von Anfang an, kein fertiges Konzept auf den Tisch zu legen, sondern die Bürgerinnen und Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen. Das Unternehmen Myzelium Ökosystem aus Neuhausen, das sich auf gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften spezialisiert hat, begleitet den Prozess.
Um das Interesse der Denkendorfer auszuloten, hatte die Gemeinde zum Bürgerworkshop geladen. Die bange Frage, ob sich genügend Menschen finden würden, die bereit sind, im ehemaligen CAP-Markt etwas Neues zu realisieren, erübrigte sich rasch. Rund 120 Menschen fanden sich in den leer stehenden Räumen ein – eine Zahl, mit der niemand gerechnet hatte. „Diese überwältigende Resonanz zeigt, dass das Projekt vielen am Herzen liegt“, freute sich Bürgermeister Ralf Barth. Auch der Gemeinderat war beeindruckt vom großen Interesse der Denkendorfer.

Bürgerinitiative als Trägergemeinschaft
Die Anwesenden entwickelten Ideen, äußerten Wünsche oder auch Bedenken. Gut die Hälfte von ihnen erklärte sich zudem am Ende bereit, sich ganz konkret am Projekt zu beteiligen – „als Betreibende, Mittragende oder Mitglieder“, wie es Timo Wans, Geschäftsführer von Myzelium, formulierte. Denn als Trägergemeinschaft soll nach dem Willen der Gemeinde eine Bürgerinitiative fungieren. Neben einer Leitung, bei der die Fäden zusammenlaufen, braucht es Menschen, die sich beim Kochen einbringen, und solche, die das Angebot regelmäßig in Anspruch nehmen. Außer dem Mittagstisch sollen in der „Kantine +“ weitere Angebote Raum haben. Dazu hatten die Anwesenden viele Ideen: beispielsweise Reparatur- oder Näh-Café, Schuldnerberatung, Hausaufgaben- oder PC-Hilfe, Spieleabende, kulturelle Veranstaltungen oder Angebote für ältere Menschen und Familien.
Barth nimmt an, dass nicht die gesamte Fläche von 400 Quadratmetern für die Nachbarschaftskantine benötigt wird. Der verbleibende Bereich könne etwa für einen Selbstbedienungsmarkt oder ein vergleichbares Nahversorgungssystem genutzt werden.
Angesichts der großen Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement sehen sowohl Barth als auch Wans gute Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens. Dazu erhofft sich die Kommune Gelder aus dem Förderprogramm „Quartiersimpulse“ der Allianz für Beteiligung und des baden-württembergischen Sozialministeriums. Barth warb deshalb im Gemeinderat für eine Fortsetzung des Prozesses. Voraussetzung für die Realisierung sei aber nicht nur, dass sich eine Trägergemeinschaft bilde, sondern auch die Förderzusage, die man im Herbst erwarte. Erst dann soll das Projekt mit Beteiligung von Myzelium in die nächste Runde gehen und ein konkretes Nutzungskonzept entwickelt werden.
Auch mögliche Umbaumaßnahmen werden erst dann geplant und durchgeführt. „Ich sehe nicht, dass wir das Projekt aus Eigenmitteln finanzieren“, betonte der Bürgermeister. Die Gemeinde rechnet als Anschubfinanzierung mit Gesamtkosten von gut 127 000 Euro, von denen 25 000 Euro auf die Kommune entfallen. Langfristig muss sich die „Kantine +“ selbst tragen. (urh)

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