Beim Bürgerentscheid haben sich die Esslinger klar gegen einen Umzug der Bücherei zu Kögel entschieden. OB denkt über Verkauf der Heugasse 11 nach.
Seit Monaten wird in Esslingen über den künftigen Standort der Stadtbücherei diskutiert und auch gestritten – nun sorgten die Bürgerinnen und Bürger für klare Verhältnisse: Beim Bürgerentscheid am vergangenen Sonntag wurde das bisherige Domizil im Bebenhäuser Pfleghof mit 68,5 Prozent der gültigen Stimmen bestätigt, für einen Umzug der Bibliothek ins frühere Modehaus Kögel konnten sich nur 31,5 Prozent erwärmen. Nach dem eindeutigen Votum möchte Oberbürgermeister Matthias Klopfer nun die Weichen für die seit vielen Jahren immer wieder aufgeschobene Sanierung des Pfleghofs stellen. Dass der OB noch am Abend des Bürgerentscheids ankündigte, den Gemeinderat rasch über den Verkauf des Nachbarhauses Heugasse 11 entscheiden zu lassen, das seit den 90er-Jahren als Erweiterungsfläche für den Pfleghof im Gespräch ist, hat viele allerdings irritiert.
Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatten auch noch auf den letzten Metern die Bürgerentscheid-Initiative, die sich für den Pfleghof stark machte, und die Initiative Neustart, die für die Kögel-Lösung warb, für ihre Positionen geworben. Im Bürgersaal des Alten Rathauses hatten Interessierte dann am Sonntagabend Gelegenheit, die Auswertung der Stimmen aus den Wahlbezirken zu verfolgen – parallel zur Landtagswahl. Gleich der erste ausgezählte Bezirk ergab eine klare Zweidrittelmehrheit für den Pfleghof, die sich für den Rest des Abends nicht mehr wesentlich verändern sollte. Und als klar war, dass das nötige Quorum von 13 551 Ja-Stimmen erreicht war, gab es großen Jubel bei den Pfleghof-Befürwortern. Am Ende lautete das Bürgerentscheid-Ergebnis: 26 464 gültige Stimmen (68,5 Prozent) entfielen auf den Pfleghof, 12 164 Stimmen (31,5 Prozent) wurden für Kögel verbucht. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 Prozent.
„Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten“
Die Initiatoren des Bürgerentscheids sahen sich durch das klare Votum in ihrem Bekenntnis zu einer modernisierten Bücherei im Pfleghof bestätigt. „Ein großartiges Ergebnis – besser geht’s nicht“, befand Rena Farquhar. „2019 gab es 15 321 Stimmen für den Pfleghof, diesmal 26 464 – weit mehr, als der OB bei seiner Wahl erhalten hat. Damit ist ganz klar, was die Bürgerschaft möchte. Das gilt es zu respektieren.“ Und Martin Auerbach erklärte: „Dieses Ergebnis ist ein wichtiges Signal an die Stadt, dass die Bürgerinnen und Bürger ernst genommen werden wollen und dass es gut und richtig ist, wenn wir uns auf unverzichtbare Vorhaben wie die überfällige Sanierung des Pfleghofs konzentrieren.“ Hermann Beck freute sich: „Ein großartiges Ergebnis für den Pfleghof, das für den Gemeinderat Verpflichtung sein muss, dort im Sinne der Bürger etwas richtig Gutes zu schaffen. Der Pfleghof bietet alle Möglichkeiten.“ Für Beck ist klar: „Wir werden uns auch darum kümmern, dass die Stadt das Problem fehlender Lernplätze rasch angeht. Dafür gibt es kurzfristig Möglichkeiten. Darüber werden wir aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren, dass im Nachbarhaus Heugasse 11 ein Lernhaus entsteht.“
In sozialen Netzwerken erklärte die Initiative Neustart: „Neustart bleibt der Stadtbücherei verbunden und wird sich dafür einsetzen, dass unsere Ziele eines barrierefreien, jugend- und familienfreundlichen Lern- und Begegnungsortes auch im Pfleghof so gut wie möglich umgesetzt werden.“
Noch bevor der letzte Wahlbezirk ausgezählt war, kündigte OB Matthias Klopfer im Bürgersaal an: „Wir werden die nächsten Schritte nun zügig vorbereiten. Gleichzeitig werden wir uns intensiv um Landesfördermittel bemühen.“ Die Verwaltung werde bereits am 27. April eine Vorlage zum weiteren Vorgehen in den Gemeinderat einbringen. Und am Montag konkretisierte Klopfer: „Einerseits werden wir die Eigentümerinnen und Eigentümer des Kögel-Areals weiterhin bei der Suche nach einer geeigneten Nachnutzung unterstützen, um einen jahrelangen Leerstand an zentraler Stelle zu vermeiden. Andererseits müssen wir dem Team der Stadtbibliothek eine Perspektive bieten und diese wichtige Einrichtung zukunftsfähig ausrichten.“ Klopfer betonte auch, es sei ihm „ein großes Anliegen, dass wir nach den heißen und emotionalen Debatten in den vergangenen Monaten wieder zusammenrücken und gemeinsam zum Wohle der Stadtbibliothek und der Stadtgesellschaft nach vorne blicken.“ (adi)

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